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Schlagwort: Clown Tiftof

  • Mitmachzirkus in Ratingen: 120 Kinder begeistern bei großer Abschlussgala

    Mitmachzirkus in Ratingen: 120 Kinder begeistern bei großer Abschlussgala

    120 Kinder im Alter von sechs bis dreizehn Jahren standen beim integrativen Mitmachzirkus in Ratingen selbst im Rampenlicht. Nach einer Woche intensiver Proben präsentierten sie vor mehr als 350 Eltern und weiteren Gästen, was sie gemeinsam mit erfahrenen Zirkusartisten einstudiert hatten. Die Abschlussgala bildete den Höhepunkt eines Ferienprojekts, das die Stadt Ratingen seit über 20 Jahren gemeinsam mit der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung organisiert. Wie die Lokalzeitung Super Tipp am 4. November 2026 berichtete, sorgten die jungen Nachwuchsartisten mit ihren Darbietungen für große Begeisterung. Das Projekt zeigt, wie Zirkuskunst Kinder unterschiedlicher Fähigkeiten zusammenbringen und ihnen die Möglichkeit geben kann, eigene Talente zu entdecken.

    Eine Woche Zirkustraining für den großen Auftritt

    Bevor die Kinder vor ihr Publikum treten konnten, lag eine Woche gemeinsamer Arbeit hinter ihnen. Unter professioneller Anleitung der Zirkusfamilie Proscho und von Christoph Münch, besser bekannt als Clown Tiftof, bereiteten sie sich auf ihre Abschlussvorstellung vor. Dabei ging es nicht nur darum, einzelne Kunststücke zu erlernen, sondern auch darum, gemeinsam ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine zu stellen. Die jungen Teilnehmer konnten verschiedene Formen der Zirkuskunst kennenlernen und ihre Fähigkeiten Schritt für Schritt weiterentwickeln.

    Das offizielle Ferienprogramm der Stadt Ratingen nennt Akrobatik, Jonglage und Clownerie als Bestandteile des Mitmachzirkus. Anders als bei einer gewöhnlichen Zirkusvorstellung übernehmen hier die Kinder selbst die Rolle der Artisten. Sie müssen Bewegungsabläufe üben, sich auf ihre Mitwirkenden verlassen und lernen, mit der Aufregung vor einem öffentlichen Auftritt umzugehen. Gerade darin liegt der besondere Reiz eines solchen Projekts: Aus Zuschauern werden innerhalb weniger Tage Menschen, die selbst etwas auf der Bühne präsentieren können.

    Wie vielfältig die Zirkuskunst auch im professionellen Bereich ist, zeigt beispielsweise die Jubiläumstournee des Circus-Theaters Roncalli. Artistik, Clownerie und das Zusammenspiel verschiedener Darbietungen gehören dort ebenso zum Programm wie bei zahlreichen traditionellen Zirkusunternehmen. Für die Kinder in Ratingen bot sich die Gelegenheit, einen kleinen Teil dieser besonderen Welt selbst kennenzulernen.

    Inklusion wird in der Manege praktisch gelebt

    Eine Besonderheit des Ratinger Mitmachzirkus ist sein integrativer Ansatz. Kinder mit und ohne Behinderung nehmen gemeinsam an dem Ferienangebot teil und erarbeiten ein Programm, bei dem unterschiedliche Fähigkeiten berücksichtigt werden können. Das Ziel besteht nicht darin, dass jedes Kind dieselben Leistungen erbringen muss, sondern darin, möglichst allen Beteiligten eine aktive Teilnahme zu ermöglichen. Damit unterscheidet sich das Projekt von Angeboten, bei denen Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf von vornherein ausgeschlossen bleiben.

    Veranstaltet wird der Mitmachzirkus vom Amt für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Ratingen in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung. Die Kooperation besteht seit mehr als zwei Jahrzehnten und verbindet pädagogische Betreuung mit professioneller Zirkusarbeit. Für Kinder, die zusätzliche Hilfe benötigen, sieht das Konzept individuelle Unterstützung vor. Bereits bei der Vorbereitung der Ausgabe von 2025 suchte die Stadt ausdrücklich Betreuungskräfte, die einzelne Kinder mit besonderem Förderbedarf persönlich begleiten konnten.

    Diese organisatorische Unterstützung ist wichtig, weil echte Inklusion mehr verlangt als die bloße gemeinsame Anwesenheit von Kindern mit unterschiedlichen Voraussetzungen. Ein Kind, das bei einer Übung zusätzliche Hilfestellung benötigt, soll ebenso die Möglichkeit erhalten, etwas auszuprobieren, wie ein Kind, das bestimmte Bewegungsabläufe schneller beherrscht. Die Manege bietet dafür einen ungewöhnlichen Rahmen, denn im Zirkus gibt es viele verschiedene Aufgaben und Ausdrucksmöglichkeiten. Nicht jedes Kind muss akrobatische Höchstleistungen vollbringen, um einen wertvollen Beitrag zum gemeinsamen Programm zu leisten.

    Mehr als 350 Gäste erleben die Nachwuchsartisten

    Bei der Abschlussgala konnten die Kinder schließlich zeigen, wofür sie während der Projektwoche geübt hatten. Mehr als 350 Eltern und weitere Gäste verfolgten die Vorstellung, bei der insgesamt 120 Nachwuchsartisten mitwirkten. Der Bericht von Super Tipp beschreibt die Reaktion des Publikums als ausgesprochen begeistert. Für die jungen Teilnehmer dürfte der Auftritt vor ihren Familien und weiteren Zuschauern ein besonderer Moment gewesen sein.

    Eine Zirkusvorstellung verlangt den Mitwirkenden einiges ab. Wer vor Publikum auftritt, muss sich konzentrieren, Abläufe im richtigen Moment umsetzen und auch dann weitermachen, wenn die Aufregung zunimmt. Gleichzeitig entsteht ein Gemeinschaftserlebnis, weil viele einzelne Beiträge erst zusammen eine vollständige Vorstellung ergeben. Gerade für Kinder kann eine solche Erfahrung wertvoll sein, unabhängig davon, ob sie später noch einmal in einer Manege stehen werden.

    Das gemeinsame Auftreten verdeutlicht außerdem, dass Zirkus nicht allein von außergewöhnlichen körperlichen Leistungen lebt. Auch Humor, Kreativität, Zusammenarbeit und gegenseitiges Vertrauen gehören dazu. Diese Vielfalt eröffnet Kindern mit unterschiedlichen Fähigkeiten Möglichkeiten, sich einzubringen und eigene Stärken zu zeigen. Die Ratinger Abschlussgala machte damit nicht nur die Ergebnisse einer Ferienwoche sichtbar, sondern auch das pädagogische Potenzial gemeinsamer Zirkusarbeit.

    Zirkustradition vermittelt Fähigkeiten über Generationen

    Dass ausgerechnet eine Zirkusfamilie die Kinder anleitet, ist ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts. In traditionellen Zirkusunternehmen werden artistische Fertigkeiten häufig über Generationen weitergegeben. Kinder wachsen dort vielfach mit der Manege auf, erleben die täglichen Proben und lernen früh, welche Arbeit hinter einer gelungenen Vorstellung steckt. Beim Mitmachzirkus können auch Kinder außerhalb dieser Lebenswelt Erfahrungen sammeln, die sonst vor allem dem professionellen Zirkusnachwuchs vorbehalten bleiben.

    Wie eng Zirkusleben, Familie und die Weitergabe von Fähigkeiten miteinander verbunden sind, zeigt auch der GERATI-Bericht über den Circus Hoppla Hopp und seine Zirkuskinder. Dort gehört die aktive Beteiligung der nächsten Generation zum Alltag des Familienunternehmens. Während Kinder aus Zirkusfamilien diese Erfahrungen häufig über viele Jahre sammeln, ermöglicht das Ratinger Ferienprojekt einen zeitlich begrenzten Einblick. Beide Beispiele verdeutlichen, dass hinter einer Zirkusvorstellung weit mehr steckt als die wenigen Minuten, die das Publikum am Ende zu sehen bekommt.

    Auch für die professionelle Zirkusbranche sind solche Projekte von Bedeutung. Sie bringen Kinder und Familien mit einer Kunstform in Kontakt, die körperliches Können, Kreativität und persönliche Ausdrucksmöglichkeiten miteinander verbindet. Dabei wird unmittelbar erfahrbar, wie viel Übung, Geduld und Zusammenarbeit für eine gelungene Darbietung erforderlich sind. Wer selbst einmal für einen Auftritt trainiert hat, wird die Arbeit professioneller Artisten möglicherweise mit anderen Augen betrachten.

    Ein erfolgreiches Ferienprojekt mit langer Tradition

    Der integrative Mitmachzirkus gehört seit mehr als 20 Jahren zum Ferienangebot der Stadt Ratingen. Für die Herbstferien 2026 war eine Projektwoche vom 19. bis zum 24. Oktober vorgesehen, deren Abschlussveranstaltung laut städtischem Ferienprogramm am 24. Oktober stattfinden sollte. Der am 4. November veröffentlichte Bericht von Super Tipp beschreibt die diesjährige Abschlussgala mit 120 teilnehmenden Kindern und mehr als 350 Gästen. Das genaue Veranstaltungsdatum nennt der Lokalbericht allerdings nicht ausdrücklich.

    Die langjährige Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung, Lebenshilfe und Zirkusprofis macht das Angebot zu einem festen Bestandteil der örtlichen Kinder- und Jugendarbeit. Schon bei früheren Ausgaben konnten zahlreiche Kinder verschiedene artistische Disziplinen ausprobieren und ihre Ergebnisse anschließend vor Familienangehörigen präsentieren. Der Erfolg des Projekts beruht dabei auf einer Kombination aus professioneller Anleitung, pädagogischer Betreuung und der besonderen Atmosphäre einer Zirkusvorstellung. Dass die Abschlussgala erneut auf große Resonanz stieß, spricht für die anhaltende Attraktivität dieses Konzepts.

    Gerade in einer Zeit, in der Zirkusbetriebe häufig vor allem im Zusammenhang mit Kritik und politischen Auseinandersetzungen öffentliche Aufmerksamkeit erhalten, zeigt Ratingen eine andere Seite der Zirkuswelt. Hier stehen keine Verbotsforderungen oder ideologischen Debatten im Mittelpunkt, sondern Kinder, die gemeinsam etwas erarbeiten und ihre Fähigkeiten vor Publikum präsentieren. Der Zirkus wird damit zu einem Ort der Begegnung, an dem persönliche Unterschiede nicht zwangsläufig trennen müssen. Die begeisterte Reaktion der Zuschauer zeigt, dass solche Angebote auch nach mehr als zwei Jahrzehnten nichts von ihrer Anziehungskraft verloren haben.

    Quellen