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Schlagwort: Animal Hoarding in Bremen

  • Animal Hoarding in Bremen: Veterinärdienst bearbeitet etwa fünf Fälle pro Jahr

    Animal Hoarding in Bremen: Veterinärdienst bearbeitet etwa fünf Fälle pro Jahr

    In Bremen wird der Veterinärdienst nach eigenen Angaben jedes Jahr in etwa fünf Fällen wegen sogenannter Tierhortung eingeschaltet. Dabei leben viele Tiere auf engem Raum, während Pflege, Fütterung und tierärztliche Versorgung nicht mehr zuverlässig gewährleistet sind. Für die Halter kann die Situation trotz eigener Einsicht schwer zu verändern sein. Für Behörden und Tierheime beginnt dann ein aufwendiges Verfahren, das schnell hohe Kosten und erhebliche Platzprobleme verursacht.

    Wenn Tierhaltung außer Kontrolle gerät

    Kirstin Haunhorst, Amtsleiterin des Lebensmittelüberwachungs-, Tierschutz- und Veterinärdienstes des Landes Bremen (LMTVET), beschreibt Animal Hoarding als die Haltung einer Vielzahl von Tieren unter nicht artgerechten Bedingungen. Häufig werden die Tiere auf sehr engem Raum gehalten. Gleichzeitig geraten Versorgung, Hygiene und Pflege zunehmend außer Kontrolle.

    Besonders häufig betrifft das Katzen, Meerschweinchen und Kaninchen. Diese Tierarten können sich früh vermehren und in kurzer Zeit viele Jungtiere bekommen. Nach Einschätzung des LMTVET fehlt Haltern zudem teilweise das Wissen darüber, wann die Tiere geschlechtsreif werden. Aus einer zunächst überschaubaren Haltung kann so eine Situation entstehen, die sich kaum noch eigenständig bewältigen lässt.

    Der Begriff beschreibt dabei nicht bloß eine große Zahl von Tieren. Entscheidend ist, dass die Haltung den Bedürfnissen der Tiere nicht mehr gerecht wird und die verantwortliche Person die Situation nicht ausreichend kontrollieren kann. Hinweise auf solche Fälle können dem Bremer Veterinärdienst telefonisch oder per E-Mail gemeldet werden.

    Psychische Ursachen erschweren Veränderungen

    Dirk Wedekind von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen ordnet Animal Hoarding dem Zwangsspektrum zu. Nach seiner Einschätzung können Tiere für Betroffene eine Funktion übernehmen: Sie vermitteln Sicherheit und sollen Ängste, Unsicherheit oder Stress im Alltag verringern. Dadurch wird die Beziehung zu den Tieren nicht nur als emotionale Bindung erlebt, sondern auch zur Bewältigung psychischer Belastungen genutzt.

    Das erklärt, warum Betroffene ihr Verhalten nicht einfach aufgeben, selbst wenn sie die Probleme erkennen. Eine Fortnahme der Tiere kann für sie zusätzlichen Stress bedeuten. Zugleich ist sie erforderlich, wenn die Halter nicht in der Lage oder nicht bereit sind, die Haltungsbedingungen so zu verändern, dass das Wohl der Tiere gesichert ist. Wedekind spricht sich deshalb für eine frühzeitige Aufklärung und psychotherapeutische Unterstützung aus.

    Kontrolle kann zur Fortnahme führen

    Geht beim LMTVET ein Hinweis ein, kann zunächst eine unangekündigte Kontrolle erfolgen. Wenn die Situation dadurch nicht geklärt werden kann, wird ein Termin mit den Haltern vereinbart. Entscheidend ist anschließend, ob sie die Haltung dauerhaft verbessern können und die dafür notwendigen Maßnahmen tatsächlich umsetzen.

    Zeigt sich keine ausreichende Einsicht oder übersteigt die Tierzahl die Möglichkeiten der Halter, können die Tiere fortgenommen und anderweitig untergebracht werden. Die Folgen reichen damit über eine behördliche Kontrolle hinaus. Das Bremer Gesundheitsressort weist darauf hin, dass die Halter die Kosten für Unterbringung und notwendige tierärztliche Behandlung tragen müssen, solange das Verfahren läuft.

    Diese Kosten können sich auf einen vier- bis fünfstelligen Betrag summieren. Zusätzlich kommen ein Haltungs- und Betreuungsverbot, eine Begrenzung der Tierzahl oder konkrete Auflagen für die weitere Haltung infrage. Welche Maßnahme angeordnet wird, hängt von den Umständen des jeweiligen Falls ab.

    Tierheim Bremen muss zusätzliche Tiere unterbringen

    Für die aufgenommenen Tiere ist die Unterbringung besonders schwierig, weil das Tierheim Bremen bereits stark ausgelastet ist. Merle Osmer vom Tierheim berichtet, dass Tiere aus Fortnahmen zunächst in Quarantäne kommen. Bei größeren Gruppen müssen anschließend mehrere Einrichtungen und Pflegestellen organisiert werden.

    Wie angespannt die Lage ist, zeigte ein Fall mit 40 Kaninchen aus Bremerhaven. Die Tiere konnten erst nach zahlreichen Telefonaten auf verschiedene Einrichtungen in der Region bis nach Verden verteilt werden. Im Juni 2026 verhängte das Tierheim Bremen zudem einen vorläufigen Aufnahmestopp. Damals versorgte die Einrichtung unter anderem 59 Hunde und 303 Katzen; im selben Jahr waren nach eigenen Angaben bereits 623 Haus- und Heimtiere aufgenommen worden.

    Die Belastung entsteht nicht allein durch Animal-Hoarding-Fälle. Im Mai kamen im Tierheim 98 Katzen hinzu, während lediglich 32 vermittelt werden konnten. Zusätzlich wurden in diesem Monat rund 200 Wildtiere aufgenommen. Damit wird jede weitere Fortnahme zu einer praktischen Herausforderung: Der Schutz der Tiere hängt nicht nur von der Entscheidung der Behörde ab, sondern auch davon, ob kurzfristig geeignete Quarantäneplätze, Pflegekapazitäten und tierärztliche Versorgung verfügbar sind.

    Animal Hoarding ist in Bremen deshalb zugleich ein veterinärrechtliches und ein psychosoziales Problem. Frühe Hinweise und eine Behandlung der zugrunde liegenden Belastungen können verhindern, dass aus einer problematischen Haltung eine größere Fortnahme mit hohen Kosten und überfüllten Tierheimen wird.

    Quellen