Neun junge Erdmännchen im Tiergarten Kleve sind vor ihrer geplanten Abgabe an andere Zoos untersucht und mit Mikrochips gekennzeichnet worden. Bei dem Termin biss eines der Tiere Tierpflegerin Anna Lötz trotz eines Schutzhandschuhs in den Unterarm. Tierarzt und Tiergartenleiter Dr. Martin Polotzek desinfizierte die Wunde. Für den Nachwuchs von Erdmännchen-Weibchen Beyoncé steht damit ein Wechsel bevor: Die Untersuchung und die individuelle Kennzeichnung bereiten die Abgabe vor, die zum Berichtszeitpunkt noch nicht erfolgt war.
Einfangen mit Keschern, Biss trotz Schutzhandschuh
Bevor die Tiere untersucht werden konnten, musste das Team sie mit Keschern einfangen. Die jungen Erdmännchen fauchten und bissen, wie der WDR über den Termin in der „Lokalzeit Duisburg“ vom 22. Oktober 2026 berichtete. Eines erreichte mit seinen spitzen Eckzähnen den Unterarm von Anna Lötz und hinterließ deutliche Wunden. Auch der getragene Schutzhandschuh verhinderte den Biss nicht. Lötz reagierte mit den Worten: „Ist ok, tut nicht so weh“, anschließend wurde die Bisswunde von Polotzek desinfiziert. Die Szene zeigt eine wenig sichtbare Seite der Tierpflege: Für eine notwendige Untersuchung ist direkter Kontakt erforderlich, obwohl sich die kleinen Raubtiere dem Zugriff entziehen und dabei ihre Zähne einsetzen.
Neun Mikrochips bereiten die Abgabe vor
Nach etwa einer Stunde waren alle neun Jungtiere mit einem kleinen Chip unter der Haut gekennzeichnet. Die darauf hinterlegten individuellen Daten können später mit einem Gerät ausgelesen werden. Damit erhält jedes Tier vor dem vorgesehenen Wechsel in eine andere Einrichtung eine eindeutige elektronische Zuordnung. Der Vorgang war ein vorbereitender Schritt für die Abgabe und darf nicht mit einem bereits vollzogenen Transport verwechselt werden. Welche Zoos die Tiere aufnehmen sollen und wann die Wechsel stattfinden, geht aus dem WDR-Bericht nicht hervor.
Warum die individuelle Kennzeichnung im Zooalltag relevant ist, zeigt ein vergleichbarer, aber eigenständiger Vorgang aus Leipzig. Bei der Kennzeichnung eines jungen Schnurrbarttamarins im Zoo Leipzig diente ein Mikrochip ebenfalls der eindeutigen Identifikation. Dort wurde die Zuordnung in den Zusammenhang mit der Bestands- und Gesundheitsdokumentation sowie möglichen späteren Transfers gestellt. Der Vergleich betrifft allein die organisatorische Funktion des Chips; in Leipzig handelte es sich um eine andere Tierart und einen anderen Untersuchungstermin. Für die Klever Erdmännchen ist entscheidend, dass jedes der neun Tiere auch nach einer Verteilung auf andere Zoos individuell erkennbar bleibt.
Vom erfolglosen Paar zum regelmäßigen Nachwuchs
Hinter dem bevorstehenden Auszug steht eine Entwicklung, die in Kleve zunächst anders begonnen hatte. Im Jahr 2022 wurde mit Beyoncé und dem Männchen Timon eine neue Erdmännchengruppe aufgebaut, nachdem die alte Gruppe altersbedingt keinen Nachwuchs mehr bekommen hatte. Beyoncé kam aus dem Frankfurter Zoo, Timon aus Herborn. Mit dem Paar sollte wieder eine fortpflanzungsfähige Gruppe entstehen, doch der erhoffte Nachwuchs blieb zunächst aus. Diese Vorgeschichte erklärt, weshalb die späteren Geburten für den Tiergarten eine besondere Entwicklung darstellten und inzwischen auch neue organisatorische Aufgaben auslösen.
Polotzek bezeichnete das Verhältnis zwischen Beyoncé und Timon gegenüber dem WDR als „rein platonische Beziehung“. Beide hätten sich gemocht und gut miteinander verstanden, mehr sei aber offenbar nicht daraus entstanden. Timon wechselte schließlich in einen anderen Zoo, während Beyoncé Gesellschaft von drei Männchen aus dem Zoo Leipzig erhielt. Der Tiergarten meldete danach ihren ersten Nachwuchs am 17. Juni 2024. Aus der zunächst erfolglosen Zusammenstellung entwickelte sich damit eine Gruppe, in der später regelmäßig Jungtiere geboren wurden.
Wer der Vater des jüngsten Nachwuchses ist, bleibt nach Polotzeks Darstellung offen. Alle drei Männchen kämen theoretisch infrage, sagte er dem WDR und verglich die Konstellation scherzhaft mit dem Musical „Mamma Mia“. Der Sender berichtete von zwei Würfen in diesem Jahr, einem im April und einem im Juli. Praktisch wichtiger als die ungeklärte Vaterschaft ist nun die Zahl der Jungtiere: Neun Tiere wurden untersucht und gekennzeichnet, bevor sie Kleve verlassen sollen. Der erfolgreiche Nachwuchs verändert damit die Aufgabe des Tiergartens von der Zusammenstellung einer fortpflanzungsfähigen Gruppe hin zur Vorbereitung mehrerer Tierabgaben.
Vom geschützten Bau zum nächsten Haltungsort
Einen genau datierten Einblick in die jüngste Aufzucht gibt eine Mitteilung des Tiergartens über vier am 9. Juli 2026 geborene Jungtiere. Sie hielten sich in den ersten Wochen überwiegend im geschützten Bau auf und kamen anschließend häufiger nach draußen. Das Pflegeteam achtete nach eigener Darstellung zunächst darauf, Mutter und Nachwuchs möglichst wenig zu stören. Bei ihren Ausflügen blieben die vier jungen Tiere meist in der Nähe von Beyoncé und den anderen Gruppenmitgliedern. Diese Mitteilung beschreibt einen bestimmten Wurf; die neun beim späteren Untersuchungstermin gekennzeichneten Tiere bilden eine größere Jungtiergruppe.
Zur Aufzucht gehört bei Erdmännchen mehr als die Versorgung durch die Mutter. Auch andere Gruppenmitglieder beteiligen sich an Betreuung und Schutz des Nachwuchses. Die Jungtiere orientieren sich an älteren Tieren und lernen durch Beobachtung und Nachahmung unter anderem die Nahrungssuche, das Graben und die aufmerksame Kontrolle ihrer Umgebung. Beim gemeinsamen Spielen trainieren sie Geschicklichkeit und Kommunikation. Sie wachsen somit in einem Sozialverband heran, bevor für die zur Abgabe vorgesehenen Tiere ein Wechsel in andere zoologische Gruppen ansteht.
Die frühe Aufzucht und der Untersuchungstermin verdeutlichen zwei unterschiedliche Anforderungen an die Tierpflege. Unmittelbar nach der Geburt setzte das Team auf Ruhe und möglichst geringe Störung, vor der geplanten Abgabe waren dagegen Einfangen, Untersuchung und Kennzeichnung notwendig. Der Biss in den Unterarm zeigt dabei sehr konkret, dass selbst ein planmäßiger Arbeitsschritt nicht ohne Risiko für die Beschäftigten ist. Für die aufnehmenden Zoos schafft der auslesbare Mikrochip eine eindeutige Zuordnung der einzelnen Tiere. Nach dem in der WDR-Sendung dokumentierten Stand bleibt der tatsächliche Umzug der neun jungen Erdmännchen der nächste Schritt.
Quellen
- www1.wdr.de – Erdmännchen-Königin Beyoncé vergrößert ihr Volk im Tiergarten Kleve – WDR – https://www1.wdr.de/freizeit/tiere/erdmaennchen-tiergarten-kleve-koenigin-100.html
- tiergarten-kleve.de – Vierfacher Nachwuchs im Tiergarten Kleve: Erdmännchen Beyoncé bringt vier Jungtiere zur Welt • Tiergarten Kleve – https://tiergarten-kleve.de/vierfacher-nachwuchs-im-tiergarten-kleve-erdmaennchen-beyonce-bringt-vier-jungtiere-zur-welt/
- tiergarten-kleve.de – Nachwuchs in der Jansen Bedachungen-Erdmännchenanlage • Tiergarten Kleve – https://tiergarten-kleve.de/nachwuchs-in-der-jansen-bedachungen-erdmaennchenanlage/

Schreibe einen Kommentar