Am Dreiländersee in Gronau könnten Wildgänse künftig auch während der bisherigen Schonzeit bejagt werden. Der Beirat der Unteren Naturschutzbehörde sprach sich dafür aus, die Befreiung von der Jagd auf Wildvögel zwischen dem 15. Januar und dem 15. Oktober aufzuheben. Als Grund wird die Verschmutzung durch Gänsekot und eine daraus abgeleitete Gesundheitsgefahr genannt. PETA fordert Bürgermeister Rainer Doetkotte, die Gronauer Kommunalpolitik sowie die zuständigen Naturschutzstellen auf, die Pläne zu stoppen.
Streit über Gesundheitsgefahr und Tötungsgrund
PETA bestreitet, dass für den Dreiländersee konkrete Erkrankungsfälle durch Gänsekot bekannt seien. Die Organisation wertet die Gesundheitsbegründung deshalb als nicht ausreichend und spricht von einem Vorwand für die Bejagung. Diese Formulierung ist eine Bewertung der Tierrechtsorganisation; eine eigene behördliche oder medizinische Feststellung zu einem fehlenden Gesundheitsrisiko liegt in den vorliegenden Angaben nicht vor.
Rechtlich stellt PETA darauf ab, dass eine Verschmutzung von Liegewiesen oder Badeflächen allein keinen „vernünftigen Grund“ für die Tötung von Tieren im Sinne des Tierschutzgesetzes darstelle. Ob die geplante Aufhebung der Schonzeit tatsächlich genehmigungsfähig ist, hängt jedoch von der zuständigen Naturschutzbehörde und der konkreten Begründung des Verfahrens ab. Fest steht bislang vor allem, dass der Behördenbeirat eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen hat; ein vollzogener Abschuss wird nicht berichtet.
Der Konflikt betrifft damit nicht nur die Frage, ob Gänse am See bejagt werden dürfen. Für die Stadt geht es praktisch um den Umgang mit belasteten Aufenthaltsflächen, während PETA die Verhältnismäßigkeit der Tötungsmaßnahme grundsätzlich infrage stellt. Eine Entscheidung über die Umsetzung würde daher auch festlegen, ob zunächst nichttödliche Maßnahmen geprüft und eingesetzt werden müssen.
PETA setzt auf Reinigung und Vergrämung
Als Alternative nennt PETA ein abgestimmtes Gänsemanagement. Dazu gehören nach Darstellung der Organisation eine gezielte Reinigung verschmutzter Flächen, tierfreundliche Vergrämungsmaßnahmen und die Gestaltung weniger attraktiver Bereiche für die Tiere. In Heidelberg werde dafür eine spezielle Kehrmaschine mit Saugfunktion eingesetzt. Ob ein solches Gerät am Dreiländersee technisch, finanziell und organisatorisch geeignet wäre, ist allerdings nicht näher beschrieben.
PETA argumentiert außerdem, dass Abschüsse Gänse nicht dauerhaft von attraktiven Flächen fernhalten. Zur Begründung verweist die Organisation auf frühere Maßnahmen in Nürnberg und Frankfurt am Main, nach denen Gänse weiterhin in die betroffenen Gebiete zurückgekehrt seien. Daraus folgt zunächst ein praktischer Prüfpunkt für Gronau: Eine Bejagung müsste nicht nur rechtlich begründet, sondern auch hinsichtlich ihrer tatsächlichen Dauerwirkung bewertet werden.
Die Forderung nach einem Alternativkonzept ist in solchen Fällen besonders relevant, weil die Verschmutzung unmittelbar die Nutzung öffentlicher Flächen betrifft. Reinigung und Flächenmanagement würden das konkrete Problem bearbeiten, ohne bereits eine Entscheidung über die Tötung von Tieren vorauszusetzen. Ob die Stadt solche Maßnahmen erwägt, geht aus den vorliegenden Informationen nicht hervor.
Entscheidung steht im Mittelpunkt
PETA-Fachreferent Peter Höffken bezeichnete die geplante Jagd als sinnlos und grausam und forderte einen sofortigen Stopp. Die Organisation hat sich nach eigenen Angaben an Bürgermeister Doetkotte, die Gronauer Parteien, die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Borken und die Biologische Station Zwillbrock gewandt. Eine Stellungnahme dieser Stellen zu den konkreten Vorwürfen und den vorgeschlagenen Alternativen ist in den verfügbaren Angaben nicht enthalten.
Für die weitere Entwicklung ist deshalb entscheidend, ob die zuständige Behörde die Aufhebung der Schonzeit tatsächlich verfügt und wie sie die Gesundheitsgefahr sowie die Erforderlichkeit der Bejagung begründet. Bis dahin bleibt der Dreiländersee ein lokaler Konflikt zwischen einer tödlichen Maßnahme und einem von PETA geforderten Management, das zunächst auf Reinigung, Vergrämung und veränderte Flächennutzung setzt. Die praktische Frage lautet damit nicht allein, ob Gänse abgeschossen werden dürfen, sondern ob die Stadt eine dauerhafte Lösung für die betroffenen Flächen nachweisen kann.
Quellen
- wildbeimwild.com – Gänsetötungen am Dreiländersee geplant – PETA übt scharfe Kritik – https://wildbeimwild.com/gaensetoetungen-am-dreilaendersee-geplant-peta-uebt-scharfe-kritik

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