Zum Inhalt springen

Fakten statt Polemik. Aufklärung über radikalen Tierschutz.

Kritisch. Fundiert. Unabhängig.Hintergrundanalysen und aktuelle Entwicklungen.

Wolfsrisse im Schönfelder Hochland: Mehr als ein Dutzend Schafe getötet oder verletzt

Ein betroffener Tierhalter begutachtet einen durch Wolfsrisse im Schönfelder Hochland beschädigten Weidezaun bei Dämmerung.

Mehr als ein Dutzend Schafe sind Mitte August im Schönfelder Hochland getötet oder verletzt worden. Besonders betroffen war der Dresdner Ortsteil Cunnersdorf, wo am 17. August sieben tote und ein schwer verletztes Tier gefunden wurden. Einen Tag später entdeckten Halter erneut ein gerissenes Schaf. Die Fachstelle Wolf des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) bewertet die Region inzwischen als Schwerpunktgebiet der aktuellen Rissserie.

Angriffe nahe Wohnhäusern verunsichern Halter und Anwohner

Nach Angaben der betroffenen Tierhalterin wurden mehrere Tiere durch Kehlbisse getötet, weitere Schafe schwer verletzt. Ein verletztes Tier starb demnach rund zwei Wochen nach dem Angriff. Die Koppeln lagen teilweise nur 20 bis 40 Meter von Wohnhäusern entfernt, wodurch die Vorfälle auch unter Anwohnern für Unruhe sorgten.

Die Nähe zu Siedlungen bewertet das LfULG jedoch nicht als neue Entwicklung. Wölfe könnten in unmittelbarer Nähe von Gebäuden gesichtet werden oder dort Nutztiere töten, erklärte ein Sprecher. Für Menschen sei das allein kein Hinweis auf ein auffälliges Verhalten. Bei einer Begegnung sollen Betroffene Abstand halten, den Wolf nicht bedrängen und sich zurückziehen lassen. Zieht sich das Tier nicht zurück, empfiehlt die Fachstelle, sich groß zu machen, laut zu werden und es notfalls mit Gegenständen zu vertreiben. Hunde sollen im Wolfsgebiet angeleint und bei einer Begegnung sofort zurückgerufen werden.

Auch offene Futterstellen, tierische Speisereste und zugängliche Komposthaufen gelten als problematisch, weil sie Wildtiere anlocken können. Eine Fütterung von Wölfen ist grundsätzlich verboten. Für die Anwohner im Schönfelder Hochland bleibt dennoch entscheidend, ob sich die Rissserie auf einzelne Ereignisse beschränkt oder weitere Weidetiere gefährdet.

Herdenschutz kann den Anspruch auf Entschädigung beeinflussen

Bei den untersuchten Fällen wurde der Wolf als Verursacher festgestellt. Gleichzeitig stellte ein Rissgutachter nach Angaben der Stadt Dresden fest, dass keine der betroffenen Koppeln den vorgeschriebenen Mindestschutz für eine Entschädigungszahlung erfüllte. Maßgeblich sind unter anderem Höhe und Bauart der Zäune. Wird dieser Mindestschutz nicht eingehalten, kann ein Anspruch auf Schadensausgleich entfallen.

Für die betroffene Halterin ist diese Bewertung allerdings nur ein Teil des Problems. Sie berichtete, dass die Schafe hinter einem Wildzaun zusätzlich in einem elektrischen Stromnetz standen. Trotzdem hätten die Wölfe den Zaun etwa einen halben Meter untergraben. Ein Zaun kann formal vorhanden sein und einem Angriff dennoch nicht standhalten. Für Weidetierhalter bedeutet das, dass nicht nur die Anschaffung eines Zauns, sondern auch dessen konkrete Ausführung, Wartung und Anpassung an das Gelände über den Schutz der Tiere und mögliche Entschädigungen entscheiden.

Die Fachstelle Wolf rät Tierhaltern, bestehende Schutzmaßnahmen regelmäßig zu überprüfen und vor der saisonalen Hauptphase möglicher Rissereignisse zu verstärken. Unterstützung beim Herdenschutz und die Einhaltung der Fördervorgaben werden damit für Halter im Dresdner Raum zu einer unmittelbaren wirtschaftlichen Frage.

Rudelzuordnung bleibt offen

Die Risse liegen im Einzugsbereich des Rudels Dresdner Heide. Ob tatsächlich derselbe Wolf oder dasselbe Rudel für alle Ereignisse verantwortlich ist, steht jedoch noch nicht fest. Eine genetische Zuordnung der einzelnen Fälle liegt bislang nicht vor. Die Risse lassen sich daher bislang nicht sicher diesem Rudel zuordnen.

Parallel zur lokalen Debatte über Zäune und Entschädigungen hat der Sächsische Landtag eine Änderung jagd- und naturschutzrechtlicher Vorschriften verabschiedet. Sie soll eine Regulierung von Wolfsbeständen ermöglichen, um Schäden durch Wölfe zu verringern. Die politische Entscheidung ändert zunächst nichts an der Situation auf den betroffenen Koppeln: Für die Halter zählen kurzfristig belastbare Schutzmaßnahmen, eine nachvollziehbare Bewertung jedes Risses und ein klarer Umgang mit weiteren Angriffen.

Der aktuelle Fall macht den Zielkonflikt in Sachsen konkret sichtbar. Die Behörden verweisen auf den vorgeschriebenen Herdenschutz und die bislang fehlende gesicherte Rudelzuordnung, während betroffene Halter mit verletzten oder getöteten Tieren zurückbleiben. Ob die neue Rechtslage tatsächlich zu weniger Schäden führt, wird sich daher nicht an politischen Ankündigungen, sondern an ihrer praktischen Wirkung in Regionen wie dem Schönfelder Hochland messen lassen.

Quellen

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert