Inhaltsverzeichnis
Die Forderung, Tierheime stärken zu wollen, klingt zunächst unstrittig. Überlastete Einrichtungen, steigende Kosten und eine wachsende Zahl abgegebener oder beschlagnahmter Tiere sind reale Probleme, die seit Jahren bekannt sind. Die Linksfraktion im Sächsischen Landtag greift diese Situation auf und fordert mehr Geld, mehr Verantwortung und strukturelle Entlastung für Tierheime und Tierschutzvereine.
Doch wie so oft endet der politische Vorstoß dort, wo es konkret wird. Die Probleme werden klar benannt, die moralische Dringlichkeit betont – aber die entscheidende Frage bleibt unbeantwortet: Wie sollen Länder und Kommunen diese zusätzlichen Aufgaben dauerhaft finanzieren? Genau an diesem Punkt beginnt die kritische Betrachtung, wie sie auch bei GERATI regelmäßig notwendig ist.
Tierheime als staatliche Pflicht – auf dem Papier
Zentraler Punkt des Antrags ist die Einordnung von Tierschutz als staatliche Pflichtaufgabe. Tierheime übernehmen faktisch Aufgaben der öffentlichen Hand: Sie versorgen beschlagnahmte Tiere, nehmen Fundtiere auf und kümmern sich um verletzte Wildtiere. Gleichzeitig sind sie in hohem Maße auf Spenden und Ehrenamt angewiesen – ein struktureller Widerspruch, der seit Jahren besteht.
Die Linksfraktion beschreibt diesen Zustand zutreffend. Steigende Energiepreise, höhere Kosten für Futtermittel und tiermedizinische Versorgung sowie ein massiver Investitionsstau setzen die Einrichtungen unter Druck. Fördermittel seien zwar gestiegen, reichten aber bei Weitem nicht aus, um die reale Kostenentwicklung aufzufangen.
Finanzierung: Forderung ohne Fundament
Problematisch wird es dort, wo aus der Analyse eine politische Forderung wird. Mehr Geld für Tierheime klingt richtig, bleibt aber abstrakt. Weder wird erklärt, aus welchen Haushalten diese Mittel kommen sollen, noch, wie Kommunen – die bereits heute unter finanzieller Belastung stehen – diese Aufgaben stemmen sollen.
Damit verlagert sich die Verantwortung erneut nach unten. Die kommunale Verantwortung wird betont, ohne dass eine gleichzeitige Entlastung oder Gegenfinanzierung konkret benannt wird. Für viele Städte und Gemeinden ist das keine theoretische Debatte, sondern eine praktische Überforderung.
Prävention als Entlastung: Welpenhandel und Onlinehandel
Ein sinnvoller Ansatz des Antrags liegt in der Prävention. Die Bekämpfung des illegaler Welpenhandel und strengere Regeln für den Onlinehandel mit Tieren sollen die Zahl der Tiere reduzieren, die später in Tierheimen landen. Vorgesehen sind eine gesetzliche Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Hunde, um Herkunft und Halter nachvollziehbar zu machen.
Inhaltlich ist dieser Ansatz schlüssig. Jeder illegal gehandelte Welpe, der beschlagnahmt wird, verursacht hohe Folgekosten für Unterbringung und Versorgung. Allerdings bleibt auch hier offen, wie Kontrolle und Vollzug finanziert werden sollen. Ohne ausreichend ausgestattete Behörden drohen auch diese Maßnahmen wirkungslos zu bleiben.
Katzenschutzverordnung: Bewährtes Instrument, alte Baustelle
Mit der landesweiten Katzenschutzverordnung greift die Linksfraktion ein Instrument auf, das in vielen Bundesländern bereits existiert oder rechtlich möglich ist. Eine Katzenschutzverordnung mit Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Freigängerkatzen soll die unkontrollierte Vermehrung von Streunerkatzen eindämmen.
Das Ziel ist nachvollziehbar: wachsende Streunerpopulationen verursachen Tierleid und hohe Kosten, die häufig bei Tierschutzvereinen hängen bleiben. Doch auch hier stellt sich die Frage nach der Finanzierung. Wer trägt die Kosten für Kastrationen? Kommunen, Halter oder das Land? Der Antrag bleibt auch an dieser Stelle vage.
Fazit
Die Linksfraktion beschreibt die Lage der Tierheime realistisch und benennt strukturelle Missstände offen. Die Forderung, Tierheime besser auszustatten und zu entlasten, ist inhaltlich richtig. Doch zwischen Problemanalyse und praktischer Umsetzung klafft eine bekannte Lücke.
Ohne konkrete Finanzierungsmodelle, klare Zuständigkeiten und einen realistischen Blick auf kommunale Haushalte bleibt der Vorstoß politisch wohlfeil, aber operativ schwach. Wer Tierwohl ernst nimmt, muss mehr liefern als Appelle und Zustandsbeschreibungen. Andernfalls bleibt es dabei, dass Ehrenamt und Spenden weiterhin staatliche Pflichtaufgaben kompensieren – ein Zustand, den auch GERATI seit Langem kritisch begleitet.
Quellen:
- Linksfraktion Sachsen – Links-Fraktion will die Tierheime stärken – Arbeitslast senken und Finanzierung verbessern – https://linksfraktionsachsen.de/news-detail/links-fraktion-will-die-tierheime-staerken-arbeitslast-senken-und-finan-zierung-verbessern/
- GERATI – Tierschutz Förderung Sachsen: Zwei Millionen Euro – sinnvoller Schritt oder nur Symptombekämpfung? – https://gerati.de/2026/01/07/tierschutz-foerderung-sachsen-wycg/
