Ramiswil Pferdeversteigerung: Viel Empörung, wenig Fakten

Die Ramiswil Pferdeversteigerung sorgt erneut für laute Empörung aus Reihen des organisierten Tierschutzes. Kaum waren die Pferde aus dem bekannten Tierschutzfall Ramiswil öffentlich versteigert, folgten schwere Vorwürfe: Verkäufe „zu Spottpreisen“, angebliche Weiterverkäufe an Schlachthöfe, Profitgier statt Tierwohl. Der Tenor ist bekannt – und folgt einem altbekannten Muster.

Was dabei auffällt: Die öffentliche Kritik basiert weitgehend auf Befürchtungen, nicht auf belegten Tatsachen. Statt nüchterner Einordnung wird erneut das schlimmstmögliche Szenario entworfen, während zentrale Rahmenbedingungen der Auktion in der Debatte konsequent ausgeblendet werden.

Ramiswil Pferdeversteigerung und der reflexhafte Aufschrei

Im Mittelpunkt der Kritik steht der Schweizer Tierschutz, der den Solothurner Behörden vorwirft, Pferde aus dem Tierschutzfall Ramiswil zu günstig abgegeben zu haben. Insbesondere wird behauptet, Tiere seien an Händler gegangen, bei denen ein Weiterverkauf – bis hin zur Schlachtung – im Vordergrund stehe. Belege für diese Vorwürfe werden jedoch nicht geliefert.

Diese Form der Pferdehändler Kritik ist nicht neu. Sie folgt einem bekannten Aktivisten-Narrativ: Wo Tiere gehandelt werden, müsse zwangsläufig Tierleid folgen. Dass diese Annahme pauschal ist und der Realität nicht gerecht wird, spielt in der öffentlichen Zuspitzung offenbar keine Rolle.

Veterinärdienst Solothurn: Regeln statt Emotionen

Ein zentraler Punkt, der in der Aktivistenkritik auffällig fehlt, ist die Rolle des Veterinärdienst Solothurn. Dieser war für Beschlagnahmung, Unterbringung und Verkauf der Tiere zuständig – und setzte klare Bedingungen für die Auktion.

Die Behörden machten deutlich, dass sämtliche Bieter vorab nachweisen mussten, dass sie eine tiergerechte Haltung gewährleisten können. Damit wurde das Tierwohl Behörden-seitig ausdrücklich zur Voraussetzung für einen Zuschlag gemacht. Wer diese Rahmenbedingungen ignoriert oder unterschlägt, verzerrt bewusst das Bild.

Auch der Hinweis der Behörden, die erzielten Preise hätten deutlich über den Schlachtpreise Pferde gelegen, findet in der Kritik kaum Beachtung. Dabei ist genau dieser Punkt entscheidend, wenn es um die Frage geht, ob ein kurzfristiger Weiterverkauf wirtschaftlich überhaupt plausibel wäre.

Drei Runden, sinkende Preise – kein Skandal

Faktisch verlief die Pferdeversteigerung in drei Runden, wobei es in den letzten Durchgängen zu Preisnachlässen kam. Das ist bei Auktionen weder ungewöhnlich noch ein Beleg für Missstände. Dennoch wird genau daraus das Bild eines angeblichen Ausverkaufs konstruiert.

Die Realität ist deutlich nüchterner: Am Ende erzielte der Kanton rund 54’000 Franken. Selbst die Behörden räumten ein, dass diese Summe die Verfahrenskosten des Tierschutzfall Ramiswil vermutlich nicht deckt. Von einem lukrativen Geschäft auf Kosten der Tiere kann also keine Rede sein.

Auffangstationen – angeboten, aber nicht genutzt

Der Schweizer Tierschutz betonte, man habe angeboten, nicht verkaufte Tiere in einer Auffangstation Pferde aufzunehmen. Dieses Angebot wird nun als moralischer Maßstab präsentiert. Umso erstaunlicher ist jedoch, dass sich nach aktuellem Kenntnisstand weder große Tierschutz- noch Tierrechtsorganisationen selbst aktiv an der Auktion beteiligt haben.

Wer überzeugt ist, dass nur die eigene Obhut ein „würdiges Leben“ ermöglicht, hätte hier eine konkrete Möglichkeit gehabt, Verantwortung zu übernehmen. Dass diese Option offenbar nicht genutzt wurde, wirft Fragen auf – nicht an die Behörden, sondern an die Kritiker selbst.

Dramatisierung statt Differenzierung

Die öffentliche Debatte zur Ramiswil Pferdeversteigerung zeigt erneut ein strukturelles Problem im Aktivismus: Es wird nicht abgewogen, sondern skandalisiert. Statt die vorhandenen Schutzmechanismen zu würdigen, wird ein Narrativ bedient, das von vornherein vom schlimmsten Ausgang ausgeht.

So entsteht ein verzerrtes Bild der Realität, in dem staatliche Stellen grundsätzlich als unfähig oder gleichgültig dargestellt werden, während eigene Versäumnisse unerwähnt bleiben. Diese Form der Kommunikation dient weniger dem Tierwohl als der eigenen moralischen Selbstvergewisserung.

Fazit: Ramiswil Pferdeversteigerung zwischen Fakten und Gefühlspolitik

Die Ramiswil Pferdeversteigerung ist kein Beleg für behördliches Versagen, sondern ein Beispiel dafür, wie schnell sachliche Prozesse emotional aufgeladen werden. Die Auktion erfolgte unter klaren Auflagen, mit überprüften Käufern und Preisen oberhalb des Schlachtniveaus. All das wird in der öffentlichen Empörung weitgehend ignoriert.

Wer glaubwürdig für Tiere eintreten will, sollte sich an überprüfbaren Fakten orientieren – und nicht reflexhaft das schlimmste Szenario behaupten. Andernfalls bleibt vom Tierschutz vor allem eines übrig: viel Lärm, wenig Verantwortung.

Quellen:

Schreibe einen Kommentar