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Schlagwort: Zoo-Debatte

  • Robert Marc Lehmann: Seine Tage sind gezählt – jetzt widerspricht sogar die Militante Veganerin

    Robert Marc Lehmann: Seine Tage sind gezählt – jetzt widerspricht sogar die Militante Veganerin

    Robert Marc Lehmann muss jetzt ganz stark sein. Ausgerechnet aus dem Lager der überzeugten Tierrechtler bekommt der selbst ernannte Kämpfer gegen Zoos plötzlich Gegenwind. Und nicht von irgendwem, sondern von der Militanten Veganerin höchstpersönlich. Die hat sich ein älteres Streitgespräch zwischen Lehmann und einem Zoo-Befürworter angesehen und kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Der Zoolotse hat offenbar die besseren Argumente. Zumindest in den entscheidenden Momenten, die sie in ihrem Reaktionsvideo kommentiert. Für einen Mann, der gerne mit kompromisslosen Anti-Zoo-Botschaften auftritt, ist das eine ziemlich unterhaltsame Entwicklung.

    Besonders pikant ist dabei, dass die Militante Veganerin keineswegs plötzlich zur begeisterten Zoobesucherin geworden ist. Sie lehnt Zoos weiterhin grundsätzlich ab. Trotzdem findet sie die Argumentation des Zoolotsen überzeugend, widerspricht Lehmann und möchte am Ende sogar persönlich mit seinem Gesprächspartner reden. Man könnte sagen: Während Lehmann noch versucht, die Welt in Zoo-Gegner und Zoo-Befürworter einzuteilen, hat ausgerechnet eine radikale Veganerin entdeckt, dass man auch einem politischen Gegner recht geben kann. Robert Marc Lehmanns Tage sind deshalb natürlich nicht wirklich gezählt. Aber für seine einfachen Antworten könnte es langsam ungemütlich werden.

    Ein altes Streitgespräch sorgt plötzlich für neue Unterhaltung

    Die Geschichte beginnt nicht mit der Berliner Anti-Zoo-Demonstration vom 4. Oktober 2026. Ihr Ursprung liegt mehrere Monate zurück, bei einem Streitgespräch im Format Marcant, in dem Vertreter unterschiedlicher Positionen über zoologische Einrichtungen diskutierten. Mit dabei waren Robert Marc Lehmann und Marcel Stawinoga, der in den sozialen Medien vor allem als Zoolotse bekannt ist. Schon damals trafen zwei sehr unterschiedliche Vorstellungen vom Umgang mit Wildtieren aufeinander. Lehmann vertrat seine ablehnende Haltung gegenüber Zoos, während der Zoolotse versuchte, die Diskussion auf konkrete Lebensbedingungen und wissenschaftlich überprüfbare Fragen zu lenken.

    Dass es dieses Marcant-Format überhaupt gab, war bereits im Februar 2026 bekannt. Schon damals beschäftigte sich zoos.media mit den Hintergründen der geplanten Diskussion und den Einladungen an Vertreter zoologischer Einrichtungen. Die dortige Auseinandersetzung liegt also zeitlich deutlich vor Lehmanns jüngster Demonstration in Berlin. Genau dieser Abstand macht die aktuelle Entwicklung interessant. Denn während das ursprüngliche Gespräch längst Vergangenheit ist, erhält ein Ausschnitt daraus nun durch die Militante Veganerin neue Aufmerksamkeit.

    Der Zoolotse und Lehmann trafen später auch bei der Berliner Anti-Zoo-Demonstration am 4. Oktober öffentlich aufeinander. Dort durfte der Zoo-Befürworter seine Position vor einem Publikum vertreten, das überwiegend gekommen war, um gegen zoologische Einrichtungen zu protestieren. GERATI hat die Demonstration bereits mehrfach kritisch begleitet und unter anderem über Widersprüche rund um die Anti-Zoo-Demo in Berlin berichtet. Mit dem jetzt diskutierten Reaktionsvideo hat dieser Berliner Auftritt allerdings nur indirekt zu tun. Die Militante Veganerin kommentiert das ältere Marcant-Gespräch und nicht die Oktober-Demonstration.

    Der Zoolotse sagt ein Wort, das Robert Marc Lehmann offenbar Schwierigkeiten bereitet

    Im Mittelpunkt des Gesprächsausschnitts steht eine eigentlich harmlose Frage: Kann es einem Tier in einem Zoo besser gehen als in der Natur? Der Zoolotse beantwortet sie mit einer differenzierten Aussage, die in der aufgeladenen Anti-Zoo-Debatte offenbar schon ausreicht, um für Aufregung zu sorgen. Er behauptet nicht, dass jedes Tier in menschlicher Obhut besser lebt. Er erklärt auch nicht, dass zoologische Einrichtungen grundsätzlich perfekte Lebensräume bieten. Er sagt lediglich, dass es einem Tier unter bestimmten Umständen besser gehen kann.

    Als seine Aussage im Gespräch zugespitzt wird, stellt der Zoolotse ausdrücklich klar: „Nein, ich sage kann, kann. Das ist ganz wichtig.“ Er macht deutlich, dass es sowohl Tiere gibt, denen es im Zoo schlecht geht, als auch Tiere, die in der Natur unter schwierigen Bedingungen leben. Eine ziemlich nachvollziehbare Unterscheidung, sollte man meinen. Schließlich dürfte selbst der leidenschaftlichste Zoo-Befürworter kaum behaupten, dass jede zoologische Einrichtung vorbildlich arbeitet und sämtliche Wildtiere dort automatisch glücklich sind.

    Doch offensichtlich ist dieses kleine Wort „kann“ in der Diskussion entscheidender, als es zunächst erscheint. Denn wer behauptet, dass Tiere in Zoos grundsätzlich schlechter leben, muss eigentlich ausschließen können, dass es irgendwo eine Ausnahme gibt. Genau hier setzt der Zoolotse an. Er verlangt keine pauschale Zustimmung zu Zoos, sondern lediglich die Anerkennung einer Möglichkeit. Und ausgerechnet diese Überlegung findet bei der Militanten Veganerin Zustimmung.

    Man muss sich das wirklich einmal vorstellen. Da sitzt Robert Marc Lehmann einem Zoo-Befürworter gegenüber, und dessen stärkstes Argument besteht zunächst darin, ein einziges Wort richtig zu verwenden. Kein emotionales Rettungsvideo, keine dramatische Musik und keine empörte Ansprache an die eigene Community. Einfach nur „kann“. Vielleicht sollte man dieses Wort künftig auf ein T-Shirt drucken. Für die Zoo-Debatte könnte es tatsächlich nützlicher sein als der nächste Anti-Zoo-Slogan.

    Jetzt kommt die Militante Veganerin ins Spiel

    https://www.instagram.com/reels/Deza1M7KbKO/

    Das ältere Streitgespräch bekommt nun eine neue Wendung. Die Militante Veganerin hat sich den Austausch zwischen Lehmann und dem Zoolotsen angesehen und kommentiert die Aussagen in einem Reaktionsvideo. Der Zoolotse wiederum hat ihren Clip auf Instagram geteilt. Damit wird aus einer Monate zurückliegenden Diskussion plötzlich wieder ein aktuelles Thema. Und wer erwartet hat, dass eine radikale Veganerin dem bekannten Anti-Zoo-Aktivisten Lehmann selbstverständlich in allen Punkten zustimmt, dürfte sich über ihre Reaktion wundern.

    Besonders deutlich wird das, als sie sich mit der Frage beschäftigt, ob ein Tier im Zoo tatsächlich niemals ein besseres Leben haben könnte als in der Natur. Sie stellt diese kategorische Vorstellung infrage und verweist darauf, dass Tiere in der Wildnis keineswegs automatisch ein langes, gesundes und sorgenfreies Leben führen. Hunger, Durst und frühe Sterblichkeit gehören dort ebenso zur Realität wie Krankheiten und die Gefahr, von anderen Tieren getötet zu werden. Das macht die Natur nicht grundsätzlich schlechter als einen Zoo. Es macht aber deutlich, weshalb ein pauschaler Vergleich zwischen Freiheit und menschlicher Obhut problematisch ist.

    Und genau an diesem Punkt widerspricht die Militante Veganerin der Argumentation, gegen die sich auch der Zoolotse wendet. Sie kann dessen grundsätzliche Unterstützung zoologischer Einrichtungen ablehnen und trotzdem anerkennen, dass seine konkrete Aussage richtig ist. Eigentlich sollte diese Fähigkeit selbstverständlich sein. In einer Diskussion, in der sich die Beteiligten häufig mit absoluter Gewissheit gegenüberstehen, wirkt sie allerdings fast schon wie eine kleine Sensation.

    Für Lehmann liegt darin eine gewisse Ironie. Die Anerkennung für den Zoolotsen kommt nicht von irgendeinem Zoo-Direktor, der seine Einrichtung verteidigen möchte. Sie kommt von einer Frau, deren öffentliche Identität eng mit der kompromisslosen Ablehnung tierischer Nutzung verbunden ist. Wenn selbst sie bei einer konkreten Frage ins Lager des Zoo-Befürworters wechselt, zumindest argumentativ und für einen kurzen Moment, wird es schwierig, dessen Einwand einfach als interessengeleitete Zoo-Propaganda abzutun.

    Die Natur ist eben kein Wellnesshotel

    Ein Punkt aus dem Video verdient besondere Aufmerksamkeit. Die Militante Veganerin erinnert daran, dass zahlreiche Wildtiere bereits sehr früh sterben und viele von ihnen mit Hunger, Durst und anderen Belastungen konfrontiert sind. Damit greift sie einen biologischen Sachverhalt auf, der in emotional geführten Zoo-Debatten häufig untergeht. In der Natur gibt es keine Garantie auf regelmäßige Nahrung, tiermedizinische Versorgung oder ein Leben ohne Parasiten und Krankheiten. Sie ist weder ein Wellnesshotel noch ein Ort, an dem sich das Überleben nach menschlichen Vorstellungen von Gerechtigkeit richtet.

    Natürlich folgt daraus nicht, dass Menschen deshalb jedes Wildtier in einen Zoo bringen sollten. Eine solche Schlussfolgerung wäre genauso unsinnig wie die Behauptung, dass jedes Tier außerhalb menschlicher Obhut automatisch glücklicher ist. Tierwohl hängt von vielen Faktoren ab, darunter Gesundheit, Verhalten, Ernährung, Umweltbedingungen und artspezifische Bedürfnisse. Wer wissen möchte, wie es einem Tier tatsächlich geht, muss diese Faktoren untersuchen. Genau deshalb sind pauschale Aussagen über alle Zoos oder sämtliche wildlebenden Tiere wissenschaftlich wenig überzeugend.

    Bei einem Tier, das in freier Wildbahn mit Nahrungsknappheit, Verletzungen oder Krankheiten konfrontiert ist, können sich unter guter menschlicher Obhut bestimmte Lebensbedingungen verbessern. Umgekehrt kann eine ungeeignete Haltung erhebliche Verhaltensstörungen, Stress und gesundheitliche Probleme verursachen. Beides ist möglich. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob auf dem Eingangsschild einer Einrichtung „Zoo“ steht, sondern welche Bedingungen für die jeweilige Tierart und das einzelne Individuum tatsächlich bestehen.

    Das klingt nach einer relativ nüchternen Betrachtung. Für eine Debatte, die gerne mit großen moralischen Gewissheiten geführt wird, ist es allerdings eine echte Herausforderung. Denn plötzlich reichen plakative Botschaften nicht mehr aus. Man müsste sich tatsächlich mit Tierhaltung, Biologie und den Ergebnissen wissenschaftlicher Untersuchungen beschäftigen. Das ist natürlich erheblich anstrengender, als ein paar Buchstaben gegen Zoos auf ein Plakat zu schreiben.

    Verhaltensforschung? Für die Militante Veganerin offenbar ein Volltreffer

    Richtig interessant wird es, als im Streitgespräch die Verhaltensforschung zur Sprache kommt. Der Zoolotse verweist darauf, dass Menschen das Verhalten von Tieren beobachten und wissenschaftlich auswerten können. Dahinter steht ein grundlegender Bestandteil moderner Tierwohlforschung. Wer feststellen möchte, wie Tiere auf bestimmte Haltungsbedingungen reagieren, kann nicht einfach behaupten, er wisse aufgrund seiner persönlichen Überzeugung, was sie empfinden. Man muss ihr Verhalten untersuchen und die Ergebnisse im Zusammenhang mit weiteren Befunden bewerten.

    Genau dieser Hinweis begeistert die Militante Veganerin offenbar besonders. In ihrem Reaktionsvideo lobt sie die Aussage des Zoolotsen und greift den Begriff Verhaltensforschung ausdrücklich auf. Dabei ist es keineswegs so, dass eine bloße Verhaltensbeobachtung bereits alle Fragen zum Wohlbefinden eines Tieres beantworten könnte. Aber sie gehört zu den wissenschaftlichen Grundlagen, auf denen seriöse Bewertungen aufbauen. Und offensichtlich findet die Veganerin diesen Ansatz überzeugender als eine Diskussion, bei der persönliche Gewissheiten den Ausschlag geben sollen.

    Sie sagt über den Zoolotsen: „Ich mag den. Ich mag seine Position nicht unbedingt, dass wir Zoos unbedingt dafür brauchen.“ Trotzdem lobt sie, wie er seinen Einwand zur Verhaltensforschung vorgebracht hat. Diese wenigen Worte sagen viel über ihre Reaktion aus. Sie stellt sich nicht plötzlich hinter sämtliche Zoos, sondern erkennt an, dass ein Vertreter der Gegenseite ein gutes Argument geliefert hat. Gerade weil sie seine grundsätzliche Haltung nicht übernimmt, besitzt dieses Lob besonderes Gewicht.

    Für den Zoolotsen dürfte das ein bemerkenswertes Kompliment sein. Man wird schließlich nicht jeden Tag von einer prominenten Tierrechtsaktivistin öffentlich dafür gelobt, dass man in einer Zoo-Debatte die Wissenschaft ins Spiel bringt. Und für Lehmann ist die Situation zumindest unbequem. Denn plötzlich applaudiert eine Veganerin nicht seiner Anti-Zoo-Position, sondern dem Mann, der ihr mit einer differenzierten Argumentation widerspricht.

    Robert Marc Lehmann und die Sache mit den unbequemen Argumenten

    Robert Marc Lehmann ist dafür bekannt, seine Kritik an zoologischen Einrichtungen ausgesprochen deutlich zu formulieren. Seine Anti-Zoo-Kampagnen arbeiten mit emotionalen Botschaften und einer klaren Vorstellung davon, auf welcher Seite der Auseinandersetzung die moralisch Richtigen stehen. Damit erreicht er viele Menschen, die seine Haltung teilen oder sich von seinen Videos angesprochen fühlen. Doch große Reichweite ersetzt keine wissenschaftliche Begründung, und ein überzeugend vorgetragener Standpunkt wird nicht automatisch dadurch richtig, dass ihm viele Menschen zustimmen.

    GERATI hat bereits in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass Lehmanns pauschale Kritik an Zoos wichtige Unterschiede zwischen einzelnen Einrichtungen und deren tatsächlichen Leistungen vernachlässigt. Zoos übernehmen Aufgaben in der Erhaltungszucht, Forschung, Bildung und tiermedizinischen Betreuung. Nicht jede Einrichtung erfüllt diese Aufgaben gleichermaßen gut, und nicht jede Form der Wildtierhaltung ist gerechtfertigt. Wer aber sämtliche Zoos grundsätzlich ablehnt, muss sich auch mit den nachweisbaren Leistungen moderner zoologischer Einrichtungen auseinandersetzen.

    Der Zoolotse wählt in dem älteren Marcant-Gespräch einen anderen Ansatz. Er versucht nicht, jede einzelne Einrichtung zu verteidigen, sondern macht zunächst auf die Unterschiede zwischen möglichen und tatsächlichen Lebensbedingungen aufmerksam. Diese Form der Argumentation ist gerade deshalb interessant, weil sie nicht verlangt, sämtliche Kritik an Zoos aufzugeben. Sie verlangt lediglich, wissenschaftliche Erkenntnisse und konkrete Umstände in die Bewertung einzubeziehen. Wer dagegen nur absolute Antworten zulässt, gerät zwangsläufig in Schwierigkeiten, sobald eine solche Antwort der Wirklichkeit nicht gerecht wird.

    Die Militante Veganerin scheint diesen Unterschied verstanden zu haben. Sie muss den Zoolotsen nicht mögen, weil er Zoos verteidigt. Sie kann ihn für ein konkretes Argument loben, ohne ihren eigenen Standpunkt aufzugeben. Vielleicht ist das sogar die größte Überraschung an dem gesamten Video. Ausgerechnet eine Aktivistin, die nicht unbedingt für zurückhaltende öffentliche Auftritte bekannt ist, zeigt in dieser Situation eine Offenheit für Argumente der Gegenseite, die man auch manchem anderen Teilnehmer der Zoo-Debatte wünschen würde.

    Und plötzlich möchte die Militante Veganerin mit dem Zoolotsen reden

    Am Ende ihres Reaktionsvideos wird es dann besonders unterhaltsam. Nachdem die Militante Veganerin die Argumentation des Zoolotsen mehrfach positiv kommentiert hat, äußert sie den Wunsch, selbst mit ihm zu sprechen. Sie erkundigt sich nach seinem Namen und macht deutlich, dass sie den Zoo-Befürworter meint. Schließlich fallen die Worte: „Unfassbar. Gut gemacht.“ Deutlicher lässt sich die Anerkennung für einen Gesprächspartner, dessen grundsätzliche Position man eigentlich ablehnt, kaum ausdrücken.

    Man stelle sich das für einen Moment aus Lehmanns Perspektive vor. Da diskutiert man öffentlich mit einem Zoo-Befürworter, und Monate später sieht sich eine prominente Veganerin den Austausch an. Eigentlich könnte man erwarten, dass sie auf der Seite des bekannten Anti-Zoo-Aktivisten steht. Stattdessen findet sie den Zoolotsen überzeugend und möchte nun sogar mit ihm reden. Das dürfte jedenfalls nicht das Ergebnis sein, das man sich als Zoo-Gegner bei einer solchen Reaktion automatisch erhofft.

    Noch schöner wird die Geschichte dadurch, dass der Zoolotse den Clip anschließend selbst weiterverbreitet. Verständlich ist das durchaus. Schließlich bekommt man als Vertreter zoologischer Einrichtungen selten ein derart unerwartetes Lob aus einem Umfeld, das der eigenen Arbeit grundsätzlich kritisch gegenübersteht. Da darf man einen solchen Moment ruhig festhalten. Vermutlich hätte auch der Zoolotse nicht damit gerechnet, ausgerechnet bei der Militanten Veganerin mit seiner Argumentation so gut anzukommen.

    Ob sich aus ihrem Wunsch tatsächlich ein persönliches Gespräch entwickelt, bleibt offen. Interessant wäre es zweifellos. Eine Diskussion zwischen einer entschiedenen Veganerin und einem Zoo-Befürworter, bei der beide Seiten konkrete Argumente ernst nehmen, könnte deutlich aufschlussreicher sein als die nächste Runde gegenseitiger Empörung. Vielleicht wäre das sogar ein Format, das der gesamten Auseinandersetzung über Zoos guttun würde.

    Die eigentliche Blamage liegt nicht in der Meinungsverschiedenheit

    Nun wäre es selbstverständlich überzogen, aus diesem einen Video das politische oder öffentliche Ende von Robert Marc Lehmann abzuleiten. Seine Anhänger werden ihm deshalb kaum scharenweise davonlaufen, und die Militante Veganerin hat ihre grundsätzliche Ablehnung zoologischer Einrichtungen nicht aufgegeben. Ein einzelner Widerspruch innerhalb einer Diskussion ist noch kein Zerfall der gesamten Anti-Zoo-Bewegung. Wer das behaupten würde, machte letztlich denselben Fehler wie diejenigen, die aus einer einzelnen Beobachtung sofort eine allgemeingültige Wahrheit ableiten.

    Trotzdem hat die Geschichte einen ziemlich deutlichen Kern. Die Militante Veganerin zeigt, dass selbst Menschen mit einer grundsätzlichen Ablehnung von Zoos nicht jede Behauptung übernehmen müssen, die andere Zoo-Gegner aufstellen. Sie hört sich ein Argument an, erkennt dessen Berechtigung und lobt denjenigen, der es vorgebracht hat. Das ist eigentlich selbstverständlich. In einem Umfeld, in dem öffentliche Diskussionen häufig zu einem Wettbewerb moralischer Gewissheiten werden, erscheint es allerdings bemerkenswert.

    Für Lehmann ist nicht die Existenz einer abweichenden Meinung das Problem. Die Herausforderung liegt darin, dass seine kategorische Argumentation bei einer Person auf Widerspruch stößt, die seiner grundsätzlichen Anti-Zoo-Haltung wesentlich nähersteht als dem Zoolotsen. Das macht es schwer, Kritik einfach als Angriff aus dem gegnerischen Lager einzuordnen. Denn hier widerspricht keine Zoo-Lobby und auch kein kommerzieller Tierparkbetreiber. Hier erkennt eine überzeugte Tierrechtsaktivistin, dass ein Zoo-Befürworter in einer konkreten Frage einen guten Punkt hat.

    Gerade im Zusammenhang mit den wiederholten Auseinandersetzungen zwischen Lehmann und Vertretern der Zoowelt bekommt dieser Vorgang eine besondere Bedeutung. GERATI hat beispielsweise bereits über Lehmanns öffentliche Konfrontation mit Kritikern seiner Anti-Zoo-Position berichtet. Der aktuelle Clip zeigt nun eine andere Seite solcher Diskussionen. Wer bereit ist, sich tatsächlich mit den Aussagen eines Gegenübers auseinanderzusetzen, muss nicht automatisch dessen gesamte Weltanschauung teilen.

    Robert Marc Lehmanns Tage sind gezählt – zumindest die der einfachen Antworten

    Es ist schon eine bemerkenswerte Entwicklung. Robert Marc Lehmann zieht gegen Zoos zu Felde, der Zoolotse erklärt in einem Streitgespräch den Unterschied zwischen einer Möglichkeit und einer allgemeinen Behauptung, und Monate später bekommt ausgerechnet der Zoo-Befürworter begeistertes Lob von der Militanten Veganerin. Manchmal schreibt die Wirklichkeit eben die besseren Satiren. Dafür braucht es nicht einmal einen besonders ausgefallenen Handlungsverlauf. Es genügt, dass jemand seinem Gegenüber zuhört und anschließend zugibt, dass ein Argument überzeugend war.

    Besonders bemerkenswert ist dabei, wie wenig der Zoolotse für diese Anerkennung verändern musste. Er hat weder seine Position aufgegeben noch die Probleme zoologischer Einrichtungen geleugnet. Er hat lediglich darauf bestanden, dass ein Tier unter bestimmten Bedingungen auch in menschlicher Obhut besser leben kann. Eine solche Aussage sollte eigentlich der Beginn einer sachlichen Diskussion sein und nicht deren Ende. Denn erst anschließend lässt sich sinnvoll darüber sprechen, wann das tatsächlich zutrifft und wann eben nicht.

    Die Militante Veganerin hat mit ihrer Reaktion jedenfalls eines deutlich gemacht: Man kann Zoos grundsätzlich ablehnen und trotzdem anerkennen, dass ein Zoo-Befürworter recht hat. Diese Einsicht dürfte für die öffentliche Diskussion wesentlich wertvoller sein als der nächste Schlagabtausch mit möglichst scharfen Parolen. Sie zeigt, dass eine ernsthafte Auseinandersetzung über Tierwohl auch zwischen Menschen möglich ist, deren grundsätzliche Überzeugungen weit auseinanderliegen.

    Und Robert Marc Lehmann? Der muss sich nun wohl damit abfinden, dass seine Argumente nicht einmal im eigenen weltanschaulichen Umfeld automatisch überzeugen. Während der Zoolotse ein begeistertes „Gut gemacht“ erhält und vielleicht bald mit der Militanten Veganerin diskutiert, bleibt für Lehmann eine ausgesprochen unangenehme Erkenntnis: Manchmal ist der gefährlichste Gegner einer allzu einfachen Behauptung nicht die Zoo-Lobby, sondern jemand, der eine Frage zu Ende denkt.

    Vielleicht ist es also tatsächlich an der Zeit, von Robert Marc Lehmanns gezählten Tagen zu sprechen. Nicht, weil seine Karriere wegen eines kurzen Videos vor dem Ende stünde. Sondern weil die Zeiten, in denen ein lautes „Zoos sind scheiße“ als vollständige Antwort auf jede tierbiologische Frage durchgehen sollte, hoffentlich irgendwann vorbei sind.

    Und falls Lehmann wissen möchte, wie man auch eine radikale Zoo-Gegnerin mit einem Argument überzeugt, könnte er ja beim Zoolotsen nachfragen.

    Der hat offenbar gerade einen ziemlich guten Lauf.

    Quellen