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Schlagwort: Zirkuszelt am ehemaligen Kindergarten Kunterbunt

  • Zirkusprojekt Humboldtschule Korbach: 410 Kinder werden zu Artisten

    Zirkusprojekt Humboldtschule Korbach: 410 Kinder werden zu Artisten

    410 Kinder der Humboldtschule Korbach haben eine Woche lang mit dem Zirkus Caselly trainiert und ihr Können anschließend in der Manege präsentiert. Beteiligt waren Schülerinnen und Schüler der ersten bis sechsten Klassen. Akrobatik, Jonglage, Clownerie, Balance und Zauberei ersetzten dabei für einige Tage den üblichen Stundenplan. Das Zirkuszelt auf der Wiese am ehemaligen Kindergarten Kunterbunt wurde so zum gemeinsamen Lern- und Aufführungsort einer ganzen Schule.

    Vom ersten Training bis zum Auftritt

    Die Kinder bereiteten sich mit den Trainern von Caselly schrittweise auf ihre Galavorstellungen vor. Zum Programm gehörten Übungen mit Bändern, Bällen und Leuchtkugeln, aber auch Nummern, bei denen Körperbeherrschung, Humor oder Bühnenpräsenz gefragt waren. Nach der Vorbereitung und dem Training standen täglich zwei Vorstellungen an. Damit führte die Projektwoche nicht nur an verschiedene Zirkusdisziplinen heran, sondern setzte ein klares gemeinsames Ziel: Das innerhalb weniger Tage Erarbeitete musste vor Publikum als Show funktionieren.

    Nicht jedes Kind war während der gesamten Zeit in der Manege beschäftigt. Wer gerade nicht trainierte oder auf einen Auftritt wartete, beteiligte sich nach Angaben von Schulleiter Jörg Thiele mit kreativen Arbeiten. Die Schülerinnen und Schüler malten und bastelten unter anderem kleine Requisiten und Plakate. Dadurch bestand die Woche nicht allein aus den sichtbaren Darbietungen, sondern ebenso aus vielen Aufgaben rund um deren Vorbereitung. Bei 410 Beteiligten eröffnete diese Arbeitsteilung unterschiedliche Möglichkeiten, zum gemeinsamen Ergebnis beizutragen.

    Ein Schulprojekt im Vierjahresrhythmus

    Für die Humboldtschule war es nach Thieles Darstellung bereits die dritte Projektwoche dieser Art. Die Schule veranstalte sie alle vier Jahre, damit jedes Kind während seiner Zeit dort einmal selbst in der Manege stehen könne. Der entscheidende Unterschied zu einer Zirkus-AG oder der Aufführung einer einzelnen Klasse liegt damit in der Breite der Beteiligung: Das Projekt erfasste die gesamte Schülerschaft von der ersten bis zur sechsten Klasse. Aus vielen einzelnen Gruppen und Nummern entstand ein Programm, das die Jahrgänge miteinander verband.

    Die Schulseite für das Schuljahr 2026/2027 dokumentiert zudem, welchen organisatorischen Vorlauf ein solches Vorhaben verlangt. Dort wird der 19. Oktober 2026 als Auftakt einer Zirkuswoche mit dem Projektzirkus Casselly genannt. Zuvor hatte die Schule am 23. September einen Sponsorenlauf veranstaltet, weil sie die Kosten nicht allein tragen konnte; die Kinder suchten dafür Unterstützer, deren zugesagte Beträge mit den gelaufenen Runden verrechnet wurden. Eltern halfen außerdem beim Aufbau des Zeltes am Eidinghäuser Weg, bevor die Übungsgruppen am Montagmorgen in die Manege einzogen. Der Schulbericht kündigte für Donnerstag und Freitag jeweils Vorstellungen um 15 und 18 Uhr an und schilderte nach Abschluss vier Galavorstellungen mit Akrobatik, Showeinlagen, Sketchen und Balancierübungen.

    Zirkuserfahrung in siebter Generation

    Die fachliche Anleitung lag bei den Trainern des Zirkus Caselly. Zu ihnen gehörte Jessica Kaselowsky, die laut dem Bericht der HNA in siebter Generation Mitglied des Zirkus ist. Nach ihrer Aussage bietet Caselly solche Projektwochen seit mehr als 20 Jahren an. In Korbach traf damit ein regelmäßig wiederkehrendes Schulprojekt auf die Erfahrung einer Zirkusfamilie, die dieses Format seit vielen Jahren mit Kindern umsetzt.

    Kaselowsky beschrieb unterschiedliche Reaktionen der jungen Teilnehmer: Manche zurückhaltenden Kinder zeigten sich in der Manege anders als gewohnt, einige wollten lieber in einer Gruppe auftreten, andere suchten die Solorolle. Umgekehrt könnten besonders forsche Kinder erfahren, dass eine Nummer nur im Zusammenspiel mit anderen funktioniere. Das sind Beobachtungen eines beteiligten Zirkusmitglieds und keine Wirkungsgarantie für jedes Kind. Sie verdeutlichen jedoch, warum das Programm verschiedene Disziplinen und Auftrittsformen bereithielt: Eine Zaubernummer verlangt etwas anderes als Balance, Clownerie oder gemeinsame Akrobatik.

    Wenn aus Proben eine öffentliche Vorstellung wird

    Die Auftritte machten das Ergebnis der Projektwoche für Mitschüler und Familien sichtbar. Hinter dem Vorhang warteten die jungen Artisten, blickten in den Zuschauerraum und entdeckten dort Eltern, Großeltern, Freunde und Schulkameraden. Nach dem Öffnen des Vorhangs wurden sie mit Beifall empfangen und präsentierten sportliche sowie humorvolle Kunststücke. Für viele Kinder dürfte dabei nicht allein die eigene Nummer entscheidend gewesen sein, sondern auch die Erfahrung, als Teil eines großen Programms auf den richtigen Einsatz und auf andere Mitwirkende achten zu müssen.

    Die Kombination aus Training und abschließender Aufführung ist auch von anderen Schulprojekten mit Caselly bekannt. Die Winrich-von-Kniprode-Schule in Monheim berichtete im März 2025 von jahrgangsgemischten Gruppen, in denen unter anderem Bodenturner, Luftringakrobaten, Trapezkünstler, Jongleure und Clowns übten. Dort ergänzten Unterrichtsthemen zum Leben von Zirkuskindern, Zirkusgeschichte und ein Sportparcours die Arbeit im Zelt; drei Aufführungen bildeten den Abschluss. Das Beispiel zeigt, dass Schulen das Grundprinzip an ihren Standort anpassen können, während der Weg von der Übung zum öffentlichen Auftritt erhalten bleibt.

    Eine kommunale Mitteilung aus Mechernich beschrieb im November 2025 ein weiteres Caselly-Projekt an der Grundschule Firmenich-Obergartzem. Dort trainierten die Kinder in acht Gruppen in anderthalbstündigen Workshops, während rund 40 Eltern zuvor beim Zeltaufbau geholfen hatten. Für zwölf Klassen gab es drei ausverkaufte Vorstellungen mit gemischten Gruppen aus den Jahrgängen eins bis vier. Diese Zahlen gehören ausdrücklich zum Projekt in Firmenich-Obergartzem, machen aber die organisatorische Dimension des Formats anschaulich: Eine Zirkuswoche bindet neben Kindern und Trainern regelmäßig auch Schule, Familien und Helfer ein.

    Einen ähnlichen Aufbau vom Rollenfinden bis zur öffentlichen Show zeigte GERATI bereits beim Zirkusprojekt der Grundschule Kellinghusen. Gemeinsam ist den Projekten, dass Bewegung und Gestaltung nicht ohne konkretes Ergebnis nebeneinanderstehen. Innerhalb weniger Tage müssen einzelne Übungen zu einem aufführbaren Programm zusammengefügt werden. Korbach fällt dabei vor allem durch die Größenordnung und den schulweiten Ansatz auf: 410 Kinder waren nicht bloß Zuschauer einer eingekauften Darbietung, sondern selbst Teil der Manege.

    Der Maßstab liegt auch nach der Vorstellung im Schulhof

    Thiele verbindet mit der Projektwoche einen Anspruch, der über den Applaus hinausreicht. Große und kleine Schüler würden dabei zu einem Team; diesen Zusammenhalt bemerke man anschließend auch im Unterricht und auf dem Schulhof, erklärte der Schulleiter. Ob und wie lange dieser Effekt bei einzelnen Kindern anhält, lässt sich aus einer Veranstaltungswoche nicht allgemein ableiten. Für die Humboldtschule liegt der praktische Wert dennoch klar in der gemeinsam bewältigten Aufgabe: Alle Jahrgänge arbeiteten auf dasselbe sichtbare Ziel hin, und jedes der 410 Kinder erhielt die Gelegenheit, einmal selbst im Mittelpunkt der Manege zu stehen.

    Quellen