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Schlagwort: Wolfsabweisende Elektrozäune

  • Wolfsrisse im Wittgensteiner Land: Schafhalter sichern Herden auf eigene Kosten

    Wolfsrisse im Wittgensteiner Land: Schafhalter sichern Herden auf eigene Kosten

    Bestätigte Wolfsrisse im Wittgensteiner Land verändern den Alltag betroffener Schafhalter: Tiere verbringen die Nächte vorerst im Stall, zusätzliche Zäune werden aus eigener Tasche bezahlt. Der WDR berichtet am 23. Oktober 2026 von 23 Fällen mit getöteten oder verletzten Nutztieren seit Juli, bei denen das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW den Wolf als Verursacher bestätigt hat. Benjamin Imert setzt vorübergehend auf nächtliche Stallhaltung. Patrick Althaus hat nach eigenen Angaben rund 1.800 Euro in zusätzlichen Herdenschutz investiert und zweifelt dennoch daran, wie lange er seine Schafhaltung fortführen kann.

    Bestätigte Risse und noch offene Untersuchungen

    Genetische Untersuchungen haben Wolfsrisse unter anderem in Bad Laasphe, Netphen und Hilchenbach nachgewiesen, berichtet der WDR unter Bezug auf das Landesamt. Daneben beschreibt der Sender weitere gemeldete Nutztierschäden, die sich zwischen Juli und Anfang Oktober 2026 häuften. Bei vielen dieser Meldungen stand die amtliche DNA-Auswertung zum Berichtsstand noch aus. Die Zahl von 23 bestätigten Fällen ist deshalb von den zusätzlichen Verdachtsmeldungen zu unterscheiden; sie bezeichnet außerdem Fälle und nicht die Gesamtzahl getöteter oder verletzter Tiere.

    Für die betroffenen Halter treffen damit zwei unterschiedliche Zeitabläufe aufeinander. Die amtliche Klärung weiterer Verdachtsfälle benötigt Zeit, während die Versorgung und Sicherung der verbliebenen Herde weitergehen muss. Bei Imert und Althaus geht es bereits um die Folgen bestätigter Wolfsangriffe. Ihre Reaktionen zeigen zwei Wege, die unmittelbar Arbeit oder Geld kosten: die Tiere nachts unterzubringen oder den Schutz auf der Weide auszubauen.

    Nächtliche Stallhaltung verändert den Hofalltag

    Benjamin Imert lässt seine Schafe nach den Angriffen vorübergehend nicht mehr über Nacht draußen. Für den Landwirt im Nebenerwerb bedeutet die Stallhaltung zusätzlichen Aufwand, wie der WDR schildert. Als dauerhafte Lösung beschreibt der Bericht diese Umstellung nicht. Der praktische Einschnitt betrifft damit nicht allein den Verlust einzelner Tiere, sondern auch die tägliche Organisation der verbleibenden Herde.

    Patrick Althaus reagierte auf mehrere getötete Schafe mit technischen Anschaffungen. Nach seiner Darstellung flossen rund 1.800 Euro in höhere Netzzäune, zusätzliche Stromlitzen und leistungsstarke Weidezaungeräte. Außerdem beschaffte er eine Wildtierkamera, die nach dem WDR-Bericht einen Wolf in unmittelbarer Nähe seines Hauses aufnahm. Die Bestätigung der Wolfsverursachung bei seinen getöteten Schafen schreibt der Sender ausdrücklich dem Landesamt zu.

    Förderung und schnelle Sicherung passen nicht immer zusammen

    Betroffene Landwirte beklagen gegenüber dem WDR lange Wartezeiten, bis Anträge auf Herdenschutzförderung bewilligt werden. Der Sender berichtet, dass Halter im Wittgensteiner Land deshalb selbst Geld für Schutzmaßnahmen ausgeben. Für Althaus spielte zusätzlich die Bindung an eine weitere Tierhaltung eine Rolle. Nach Darstellung des WDR würde die von ihm erwogene Förderung voraussetzen, dass er seine Nutztierhaltung mindestens drei Jahre fortführt.

    Gerade diese längerfristige Entscheidung fällt Althaus schwer. Weitere vom Wolf gerissene Tiere trotz zusätzlicher Sicherung würden für ihn die Schmerzgrenze markieren, schildert der Bericht. Die Angst um seine Herde lässt ihn bereits über die Fortführung der Haltung nachdenken. Seine Investition ist damit eine konkrete Schutzmaßnahme, aber noch keine Entscheidung für mehrere weitere Jahre Schafhaltung.

    Ein höherer Zaun allein ist nicht der ganze Herdenschutz

    Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen beschreibt in ihren Fachhinweisen, worauf es bei elektrischen Zäunen zusätzlich ankommt. Ein geeignetes Weidezaungerät und eine funktionierende Erdung gehören ebenso dazu wie die Sicherung der gesamten Weidefläche einschließlich wasserseitiger Grenzen. Böschungen oder Holzstapel können Einsprunghilfen sein; die Kammer empfiehlt Abstand oder ihre Einbeziehung in die Einzäunung. Bei mobilen Netzen hebt sie außerdem den bodennahen Abschluss und gut gespannte Ecken hervor.

    Diese Hinweise erklären, weshalb der Aufwand über den Kauf höherer Netze hinausgeht. Im Wittgensteiner Land erschweren steile Hänge, Unterholz und wechselnde Weideflächen den lückenlosen Schutz, berichtet der WDR. Die Fachberatung der Landwirtschaftskammer nennt auch die Aufrüstung bestehender Zäune als Möglichkeit. Welche Ausführung passt, hängt damit von der vorhandenen Anlage und dem Gelände ab; die allgemeine Anleitung bewertet die konkreten Zäune von Imert oder Althaus nicht.

    Wenn zusätzlicher Schutz zur Frage des Weitermachens wird

    Einen unmittelbar vergleichbaren persönlichen Entscheidungspunkt behandelt der GERATI-Beitrag über Jürgen Vorländers angekündigte Aufgabe seiner Schafzucht im Lahn-Dill-Kreis. Dort schilderte der Halter nach einem mutmaßlichen Wolfsangriff, dass weiterer Herdenschutz für seinen kleinen Nebenerwerbsbetrieb kaum umsetzbar sei. Im Wittgensteiner Land hat Althaus dagegen zunächst zusätzlich investiert, während Imert auf nächtliche Unterbringung setzt. Für Althaus entscheidet sich die Zukunft seiner Haltung daran, ob er weitere Verluste und die ständige Sorge um die Tiere noch tragen kann.

    Quellen