Zum Inhalt springen

Fakten statt Polemik. Aufklärung über radikalen Tierschutz.

Kritisch. Fundiert. Unabhängig.Hintergrundanalysen und aktuelle Entwicklungen.

Schlagwort: Weiterentwicklung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes

  • Schweinehalter unter Preisdruck: Verbände fordern Maßnahmen und drohen mit Protesten

    Schweinehalter unter Preisdruck: Verbände fordern Maßnahmen und drohen mit Protesten

    Schweinehalterverbände verlangen angesichts eines gemeldeten Schlachtpreises von 1,32 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht Maßnahmen von Politik und Fleischwirtschaft. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) bezifferte den Preis in seiner Mitteilung vom 30. Oktober 2026 auf acht Cent weniger als in der Vorwoche. Auch das Landvolk und die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) warnen vor wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Betriebe. Der WLV stellt umfangreiche Protestaktionen in Aussicht, sollte der Preis unter 1,32 Euro fallen.

    Für die Betriebe geht es nach Darstellung der Verbände bereits beim gemeldeten Preisniveau um erhebliche Verluste. Der WLV nennt Produktionskosten von mehr als zwei Euro je Kilogramm Schlachtgewicht und spricht von einem seit Monaten anhaltenden Verlustgeschäft. Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers setzt die Schwelle für wirtschaftliches Arbeiten noch höher an: Nach dem bei finanzen.net veröffentlichten dpa-AFX-Bericht seien mindestens 2,20 Euro notwendig. Zwischen diesem Wert und dem gemeldeten Schlachtpreis liegen 88 Cent je Kilogramm – eine Differenz, die verdeutlicht, weshalb eine bloße Stabilisierung auf 1,32 Euro die von ihm beschriebene Kostenlücke nicht schließen würde.

    Weniger Erlös trifft auf knappe Liquidität

    Ehlers warnt insbesondere davor, dass den Betrieben das verfügbare Geld ausgehe. „Die Liquidität wird immer knapper“, wird er in dem Bericht zitiert. Der WLV verweist zugleich auf hohe Betriebs- und Investitionskosten sowie steigende Anforderungen bei Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutz. Die wirtschaftliche Belastung besteht nach dieser Darstellung somit aus zwei Seiten: sinkenden Einnahmen für die Tiere und hohen finanziellen Anforderungen an deren Haltung.

    ISN-Geschäftsführer Torsten Staack kritisiert einen aus seiner Sicht ruinösen Preiswettbewerb zulasten der Erzeuger. Politik und Abnehmer verlangten höchste Standards, zahlten aber lediglich Weltmarktpreise, lautet sein Vorwurf. WLV-Präsident Hubertus Beringmeier hält den niedrigen Erzeugererlösen zudem Verbraucherpreise entgegen, die seiner Darstellung zufolge in vielen Bereichen hoch geblieben seien. Er berichtet außerdem, der Preiskampf habe einige Familienbetriebe bereits zur Aufgabe gebracht, und begründet damit seine Forderung nach höheren Preisen für die heimische Tierhaltung.

    Restaurants und Kantinen sollen heimisches Schweinefleisch berücksichtigen

    Die Forderungen richten sich sowohl an die Politik als auch an die Abnehmer der Schweinehalter. Ehlers verlangt die Umsetzung angekündigter Maßnahmen und nennt ausdrücklich die Weiterentwicklung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes. Außerdem soll heimisches Schweinefleisch nach seiner Forderung in Restaurants und öffentlichen Kantinen stärker berücksichtigt werden. Damit zielt sein Appell neben gesetzlichen Rahmenbedingungen konkret auf die Fleischauswahl in Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung.

    Dabei sind die Finanzierung laufender Produktion und die Finanzierung von Veränderungen im Stall unterschiedliche Aufgaben. Während Ehlers mit seiner Preisforderung die Wirtschaftlichkeit der Schweinehaltung anspricht, verweist der WLV zusätzlich auf die Belastung durch Investitionskosten. Die Finanzierung von Stallveränderungen steht auch im Mittelpunkt des GERATI-Hintergrunds zum Agrarhaushalt 2027 und dem Umbau der Tierhaltung. Für die aktuelle Auseinandersetzung ist diese Unterscheidung entscheidend: Die Verbände verlangen nicht allein politische Änderungen, sondern unmittelbar bessere Erlöse von ihren Marktpartnern.

    Protestdrohung richtet sich an die Vermarktungskette

    Beringmeier nennt als mögliche Adressaten von Treckerprotesten Großhandelsunternehmen wie Metro, den Lebensmitteleinzelhandel, den Hotel- und Gaststättenverband sowie Schlachtunternehmen. Die Aktionen sollen seiner Ankündigung zufolge friedlich vor deren Betriebsstätten stattfinden. Die WLV-Mitteilung beschreibt damit eine bedingte Protestankündigung, keinen bereits begonnenen Protest. Die ausdrücklich genannte Preisschwelle markiert den möglichen nächsten Konfliktschritt; die wirtschaftliche Forderung reicht jedoch weiter: Die Abnehmer sollen Preise zahlen, mit denen die Betriebe nach Auffassung ihrer Verbände die heimische Schweinehaltung erhalten können.

    Quellen