In Rangendingen im Zollernalbkreis sind vier Menschen an Q-Fieber erkrankt. Das Landratsamt bestätigte die Infektionen am 23. September 2026, nachdem mehrere Patienten wegen erheblicher Lungenbeschwerden ärztliche Hilfe gesucht hatten. Während das Veterinäramt nach einer möglichen tierischen Infektionsquelle sucht, bleibt die Ursache des Ausbruchs ungeklärt. Besondere Vorsicht gilt für Schwangere und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, bei denen eine Infektion schwerwiegende Folgen haben kann.
Vier bestätigte Erkrankungen: Veterinäramt sucht nach der Infektionsquelle
Am Freitag, dem 18. September, informierte eine Arztpraxis in Rangendingen das zuständige Gesundheitsamt über mehrere Patienten mit auffälligen Lungenerkrankungen. Noch am selben Abend wurde die erste Q-Fieber-Infektion bestätigt. Bis Mittwoch, den 23. September, kamen drei weitere nachgewiesene Erkrankungen hinzu. Das Veterinäramt untersucht nun, ob infizierte Tiere in der Umgebung für das Ausbruchsgeschehen verantwortlich sein könnten.
Q-Fieber wird durch das Bakterium Coxiella burnetii verursacht und gehört zu den sogenannten Zoonosen, also Krankheiten, die zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können. Als wichtige Infektionsquellen gelten insbesondere Schafe, aber auch Ziegen und Rinder können den Erreger verbreiten. Infizierte Tiere zeigen häufig keine auffälligen Krankheitssymptome, können jedoch erhebliche Mengen des Bakteriums ausscheiden. Besonders bei Geburten können erregerhaltige Ausscheidungen und Geburtsmaterialien die Umgebung kontaminieren.
Menschen infizieren sich überwiegend durch das Einatmen erregerhaltigen Staubes oder durch unmittelbaren Kontakt mit infizierten Tieren. Da das Bakterium längere Zeit in der Umwelt überleben und durch Wind verbreitet werden kann, ist eine Erkrankung auch ohne direkten Tierkontakt möglich. Das Robert Koch-Institut beschreibt Infektionen bei Menschen, die sich bis zu zwei Kilometer von infizierten Tierherden entfernt aufgehalten hatten. Ob ein vergleichbarer Übertragungsweg beim aktuellen Ausbruch in Rangendingen eine Rolle gespielt hat, müssen die laufenden Untersuchungen erst zeigen.
Q-Fieber: Warum auch Menschen ohne Tierkontakt erkranken können
Die Besonderheit des Q-Fiebers liegt in der Widerstandsfähigkeit seines Erregers. Kontaminierter Staub kann durch Wind aufgewirbelt und über größere Entfernungen transportiert werden. Dadurch können unter bestimmten Bedingungen auch Menschen gefährdet sein, die weder in der Landwirtschaft arbeiten noch regelmäßig mit Nutztieren in Kontakt kommen. Für die Ermittlung der Infektionsquelle ist deshalb nicht nur die Untersuchung möglicher Tierbestände entscheidend, sondern auch die Frage, wo sich die Erkrankten während des wahrscheinlichen Infektionszeitraums aufgehalten haben.
Die Inkubationszeit beträgt normalerweise zwei bis drei Wochen. Das erschwert die Suche nach einer gemeinsamen Infektionsquelle, weil zwischen der Aufnahme des Erregers und den ersten Beschwerden erhebliche Zeit vergehen kann. Nach Angaben des Landratsamts könnte die jüngste Trockenheit die Verbreitung des Erregers begünstigt haben. Ein konkreter Zusammenhang zwischen den Wetterbedingungen und den vier bestätigten Erkrankungen ist damit allerdings noch nicht nachgewiesen.
Wie wichtig die Unterscheidung zwischen dem Ursprung eines Krankheitserregers und seiner anschließenden Verbreitung ist, zeigt auch die Diskussion über andere Tierseuchen. GERATI hat sich beispielsweise im Artikel Vogelgrippe Massentierhaltung – Ursache oder Sündenbock? mit der Bedeutung von Haltungsbedingungen, Biosicherheit und Infektionswegen beschäftigt. Q-Fieber und Vogelgrippe unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Erreger und Übertragungswege erheblich. Gemeinsam ist beiden Erkrankungen jedoch die Bedeutung einer möglichst frühzeitigen Identifizierung und Unterbrechung möglicher Infektionsketten.
Schwangere und Menschen mit Herzerkrankungen besonders gefährdet
Etwa die Hälfte aller Q-Fieber-Infektionen verläuft ohne erkennbare Beschwerden oder lediglich mit leichten grippeähnlichen Symptomen. Bei einer akuten Erkrankung können dagegen hohes Fieber, Schüttelfrost, starke Kopf- und Muskelschmerzen auftreten. In schwereren Fällen entwickeln sich Lungen- oder Leberentzündungen, die eine medizinische Behandlung erforderlich machen. Das Landratsamt empfiehlt Menschen mit entsprechenden Beschwerden deshalb eine ärztliche Abklärung.
Besondere Risiken bestehen für Schwangere, Menschen mit bestimmten Herzklappenerkrankungen und Personen mit geschwächtem Immunsystem. Bei ihnen kann eine Q-Fieber-Infektion schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben oder in eine chronische Erkrankung übergehen. Während einer Schwangerschaft sind unter anderem Fehlgeburten und Frühgeburten möglich. Da selbst symptomlose Infektionen gefährlich sein können, empfiehlt das Landratsamt allen Schwangeren in Rangendingen vorsorglich eine Blutuntersuchung zum Ausschluss einer Infektion.
Eine weitere mögliche Folge ist das sogenannte Post-Q-Fieber-Fatigue-Syndrom, bei dem Betroffene noch längere Zeit nach der akuten Erkrankung unter ausgeprägter Erschöpfung und weiteren Beschwerden leiden können. Davon zu unterscheiden ist die seltene chronische Q-Fieber-Infektion, bei der sich der Erreger dauerhaft im Körper halten kann. Besonders gefürchtet ist dabei eine Entzündung der Herzinnenhaut beziehungsweise der Herzklappen. Bei frühzeitiger Diagnose kann akutes Q-Fieber mit geeigneten Antibiotika behandelt werden.
Keine allgemeine Isolationspflicht für Erkrankte
Eine gewöhnliche Übertragung von Mensch zu Mensch spielt beim Q-Fieber praktisch keine Rolle. Das Robert Koch-Institut beschreibt allerdings seltene Ausnahmefälle, etwa im Zusammenhang mit Geburten infizierter Frauen, Bluttransfusionen oder Knochenmarktransplantationen. Eine pauschale Aussage, dass eine Übertragung zwischen Menschen grundsätzlich ausgeschlossen sei, wäre daher medizinisch ungenau. Eine allgemeine Isolierung der Erkrankten ist nach Angaben des Landratsamts nicht erforderlich.
Für die Bevölkerung steht vielmehr die Vermeidung möglicher Kontakte mit dem Erreger im Vordergrund. Solange die Infektionsquelle nicht bekannt ist, können die Behörden allerdings noch keine gezielten Maßnahmen für einen bestimmten Tierbestand oder einen konkreten Übertragungsort festlegen. Personen mit entsprechenden Krankheitssymptomen sollten ihren Arzt insbesondere dann über mögliche Tierkontakte oder Aufenthalte in der betroffenen Region informieren. Für Schwangere in Rangendingen gilt unabhängig von möglichen Beschwerden die ausdrückliche Empfehlung des Gesundheitsamts zur Blutuntersuchung.
Bereits 2019 größerer Q-Fieber-Ausbruch im Zollernalbkreis
Der Zollernalbkreis war bereits 2019 von einem größeren Q-Fieber-Ausbruch betroffen. Dass nun erneut mehrere Erkrankungen in der Region festgestellt wurden, macht die Suche nach der aktuellen Infektionsquelle besonders bedeutsam. Ein Zusammenhang zwischen den beiden Ereignissen ist bislang jedoch nicht belegt. Ebenso wenig lässt sich aus den aktuellen Erkrankungen bereits ableiten, dass ein bestimmter landwirtschaftlicher Betrieb oder eine konkrete Tierhaltung für die Infektionen verantwortlich ist.
Entscheidend werden die Ergebnisse der veterinärmedizinischen Untersuchungen und die epidemiologische Auswertung der Erkrankungsfälle sein. Erst wenn mögliche gemeinsame Aufenthaltsorte, Infektionswege und gegebenenfalls infizierte Tierbestände identifiziert wurden, lassen sich gezielte Schutzmaßnahmen ableiten. Die bisherigen Erkenntnisse rechtfertigen weder eine pauschale Verdächtigung der örtlichen Tierhalter noch eine voreilige Festlegung auf Schafe als Infektionsquelle. Nach dem zuletzt veröffentlichten Stand des Landratsamts vom 23. September bleibt es bei vier bestätigten Erkrankungen und einer weiterhin ungeklärten Ursache.
Quellen
- Landratsamt Zollernalbkreis – Q-Fieber – mehrere Fälle im Zollernalbkreis – https://www.zollernalbkreis.de/aktuelles/nachrichten/ausbruch%2Bq-fieber%2B2026
- Robert Koch-Institut – Q-Fieber: RKI-Ratgeber – https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Q-Fieber.html
- Robert Koch-Institut – Q-Fieber (Coxiella burnetii): Fachinformationen und Empfehlungen – https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/Q/QFieber/QFieber-node.html
- SWR Aktuell – Vier Menschen mit Q-Fieber angesteckt: Infektion wird von Tieren übertragen – https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/tuebingen/q-fieber-in-rangendingen-vier-faelle-bestaetigt-100.html
