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Schlagwort: Tierwohlminister Christian Rabjerg Madsen

  • Verbot schnell wachsender Masthühner in Dänemark: Minister stellt Bedingungen

    Verbot schnell wachsender Masthühner in Dänemark: Minister stellt Bedingungen

    Dänemarks Minister für Natur und Tierwohl, Christian Rabjerg Madsen, will schnell wachsende Masthühner verbieten lassen, sofern dies rechtlich und wirtschaftlich umsetzbar ist. Auslöser der Debatte sind verdeckte Aufnahmen aus einem der größten Geflügelbetriebe des Landes, die TV2 am 27. Oktober veröffentlichte, wie Geflügelnews berichtet. Madsen kritisierte die gezeigten Haltungsbedingungen und strebt langfristig eine europäische Regelung an. Für Geflügelhalter steht neben den künftigen Produktionsvorgaben eine praktische Frage im Mittelpunkt: Wer kauft das Fleisch nach einer Umstellung dauerhaft?

    TV2 berichtet über verkürzte Dunkelphasen

    Nach der von Geflügelnews wiedergegebenen Darstellung des Fernsehsenders erhielten die gefilmten Masthühner nur drei Stunden Dunkelheit täglich. Vorgeschrieben seien mindestens sechs Stunden. Madsen erklärte, die gezeigten Bedingungen entsprächen nicht dem angestrebten Tierwohlstandard. Darüber hinaus verwies er darauf, dass bei einer von drei Kontrollen Sanktionen verhängt würden. Darin sieht der Minister einen Hinweis auf grundsätzliche Probleme beim Tierwohl; seine Bewertung reicht damit über den gefilmten Betrieb hinaus.

    Die Verbotsforderung hat allerdings eine politische Vorgeschichte. Bereits 2024 hatte die linke Oppositionspartei Enhedslisten einen entsprechenden Vorschlag gemacht, berichtet Geflügelnews. Damals lehnten unter anderem die Sozialdemokraten, denen Madsen angehört, den Vorstoß ab. Der Minister greift damit eine Forderung auf, die seine eigene Partei zuvor zurückgewiesen hatte. Für die Tierschutzpolitik sind die Durchsetzung bestehender Haltungsvorgaben und ein Verbot bestimmter Rassen dabei zwei unterschiedliche Aufgaben: Die eine betrifft die Bedingungen im Stall, die andere bereits die Auswahl der Tiere für die Mast.

    Flandern zeigt das Absatzrisiko einer Umstellung

    Welche wirtschaftlichen Schwierigkeiten ein Wechsel bereiten kann, beschreibt Geflügelnews am Beispiel Belgiens. Mehrere Supermarktketten hatten 2021 zugesagt, bis 2026 vollständig auf Hähnchenfleisch nach den Anforderungen des Better Chicken Commitment umzustellen. Diese sehen unter anderem langsamer wachsende Rassen und strengere Haltungsvorgaben vor. Die Unternehmen bauten ihr Angebot teilweise aus, doch die Verbraucher kauften das Fleisch nicht im erwarteten Umfang. Mehrere Ketten schwächten daraufhin ihre Zusagen ab; bereits umgestellte Geflügelhalter verloren Absatzmöglichkeiten und mussten andere Vermarktungswege suchen.

    Danny Coulier vom belgischen Geflügelhalterverband Landsbond Pluimvee schätzt, dass weniger als fünf Prozent der flämischen Masthähnchenbetriebe langsam wachsende Rassen halten. Geflügelnews gibt damit seine Aussage gegenüber dem flämischen Informationszentrum für Land- und Gartenbau VILT wieder. Coulier, selbst Masthähnchenhalter, hält die Wahl zwischen schnell und langsam wachsenden Tieren für zweitrangig, solange sich die Produktion rechnet. Einen allein durch staatliche Verbote erzwungenen Wechsel betrachtet er deshalb kritisch. Er warnt vor höheren Produktionskosten, denen keine ausreichenden Absatzmöglichkeiten gegenüberstehen könnten. Das belgische Beispiel macht für die dänische Debatte einen konkreten Unterschied sichtbar: Eine geänderte Produktionsweise schafft noch keine verlässliche Abnahme.

    Niederländische Supermärkte bilden nur einen Teil des Marktes ab

    Die Niederlande liefern einen anderen Vergleich. Große Supermarktketten wie Albert Heijn, Jumbo und Lidl verkaufen laut Geflügelnews im Frischfleischsortiment ausschließlich Hähnchenfleisch, das mindestens die erste Stufe des Tierwohllabels Beter Leven erfüllt. Dazu gehören langsamer wachsende Rassen, mehr Platz je Tier und eine längere Mastdauer. Zugleich nennt das Fachmedium Zahlen des niederländischen Statistikamtes CBS, wonach 2025 vier von zehn Masthühnern einer langsamer wachsenden Rasse angehörten. Diese Zahl beschreibt den Anteil der Tiere und lässt sich nicht mit dem Sortiment einzelner Handelsketten gleichsetzen. Für Tiefkühlprodukte, verarbeitete Lebensmittel, Gastronomie, Metzgereien und Exportmärkte besteht dem Bericht zufolge weiterhin Nachfrage nach konventionellem Hähnchenfleisch.

    Auch politisch wird dort über eine weitergehende Umstellung diskutiert. Staatssekretär Silvio Erkens schlug laut Geflügelnews im September vor, ab 2040 nur noch robuste Hühnerrassen zuzulassen. Eine Parlamentsentscheidung werde voraussichtlich 2027 erwartet. Coulier warnt seinerseits davor, dass nationale Verbote die Erzeugung lediglich in andere Staaten verlagern könnten, solange die Nachfrage nach konventionellem Fleisch fortbestehe. Außerdem verweist er auf Untersuchungen, nach denen längere Mastzeiten den CO₂-Fußabdruck sowie den Wasser- und Energieverbrauch erhöhen könnten. Diese Umweltbedenken sind Teil seiner Argumentation gegen eine allein national verordnete Umstellung.

    Europäische Reformpläne sind noch kein Rassenverbot

    Madsens langfristiges Ziel gemeinsamer europäischer Vorgaben trifft auf eine breitere Reformdebatte. Nach dem Bericht von Geflügelnews will die Europäische Kommission noch 2026 Vorschläge zum Tierschutzrecht vorlegen. Dabei gehe es unter anderem um ein Verbot der Käfighaltung und um das Töten männlicher Eintagsküken. Ein ausdrückliches Verbot bestimmter Masthühnerrassen habe die Kommission bislang nicht angekündigt. Für den dänischen Vorstoß bleibt damit entscheidend, wie die rechtliche und wirtschaftliche Bedingung des Ministers konkret erfüllt werden soll: Eine Umstellung müsste nicht nur die Haltung verändern, sondern auch für die betroffenen Betriebe dauerhaft vermarktbare Erzeugnisse ermöglichen.

    Quellen