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Schlagwort: Tierseuchen und Versicherungsschäden

  • Mitgliederversammlung des Geflügelwirtschaftsverbandes MV: Kosten und Seuchenschutz im Fokus

    Mitgliederversammlung des Geflügelwirtschaftsverbandes MV: Kosten und Seuchenschutz im Fokus

    Bei der Mitgliederversammlung des Geflügelwirtschaftsverbandes Mecklenburg-Vorpommern am 15. Oktober in Todendorf standen Investitionsbedingungen und die wirtschaftlichen Folgen von Tierseuchen im Mittelpunkt. Die Vorsitzende Marion Dorn verlangte verlässlichere politische Rahmenbedingungen für die Betriebe. Im anschließenden Fachprogramm ging es um Versicherungsschutz, unterschiedliche Impfstrategien und digitale Bestandsüberwachung. Die von Geflügelnews geschilderten Beiträge machten dabei eine für Tierhalter wichtige Unterscheidung deutlich: Politische Forderungen zur Kostenentlastung, vertragliche Absicherung und Maßnahmen im Stall betreffen verschiedene Teile desselben betrieblichen Risikos.

    Genehmigungen, Putenhaltung und die Verteilung der Kosten

    Dorn kritisierte langwierige Genehmigungsverfahren für Geflügelbetriebe und unsichere Vorgaben als Investitionshemmnisse. Besonders für die Putenhaltung verlangte sie eine rechtssichere Regelung. Der Verband setzt dabei auf möglichst EU-einheitliche Anforderungen, damit nationale Sonderregelungen deutsche Betriebe nach seiner Auffassung nicht im europäischen Wettbewerb benachteiligen. Die Forderung nach EU-Vorgaben für die Putenhaltung zielt damit auf vergleichbare Wettbewerbsbedingungen, nicht lediglich auf schnellere Entscheidungen im einzelnen Genehmigungsverfahren. Beim Fangen und Verladen von Geflügel verlangt der Verband außerdem praxisgerechte Vorgaben – ein weiterer Bereich, in dem er politischen Handlungsbedarf sieht.

    Bei den Kosten der Tierkörperbeseitigung bezifferte Dorn den Anstieg auf mindestens 50 Prozent. Zugleich kritisierte sie, dass in Mecklenburg-Vorpommern anders als in anderen Bundesländern eine öffentliche Kostenerstattung fehle. Der Verband versteht Tierseuchenvorsorge als gesamtgesellschaftliche Verantwortung und wendet sich dagegen, ihre Finanzierung allein den Haltern zuzuweisen. Eine vergleichbare Verteilungsfrage behandelt der GERATI-Beitrag über höhere Abgaben für den niederländischen Geflügel-Gesundheitsfonds, der die für 2027 vorgesehenen Mehrbelastungen beschreibt. Dort geht es allerdings um Fondsbeiträge; Dorns Kritik in Todendorf betraf konkret die Entsorgungskosten und die fehlende öffentliche Erstattung.

    Versicherung und Impfungen erfüllen unterschiedliche Aufgaben

    Wie stark Tierseuchen und Versicherungsschäden zusammenhängen, erläuterte Anne Wilke von der Vereinigten Tierversicherung, kurz VTV. Nach der von ihr vorgestellten Statistik entfallen 62 Prozent der Schadenaufwendungen bei Geflügel auf Tierseuchen. Die Zahl beschreibt somit den Anteil an den Aufwendungen dieses Versicherers, nicht den Anteil erkrankter Bestände oder die Zahl aller Schadenfälle. Den größten Posten bilden Keulungen nach Geflügelpestausbrüchen; anschließend folgen Schäden durch Keulungen infolge der Newcastle Disease sowie durch Bestandssperren bei Geflügelpest. Wilkes praktische Botschaft an die Betriebe lautete, Versicherungsbedingungen und geforderte Maßnahmen genau zu kennen und einzuhalten, damit die Entschädigung im Schadensfall nicht zum zusätzlichen Problem wird.

    Christian Grund vom Friedrich-Loeffler-Institut stellte bei der Newcastle Disease die wirksame Durchimpfung der Herden heraus. Nach seiner Darstellung senkt eine Impfung bei infizierten Hühnern die Viruslast deutlich, unabhängig vom Genotyp des verwendeten Impfstoffs. An den jeweiligen Virusgenotyp angepasste Impfstoffe könnten die Übertragung zusätzlich verringern. Voraussetzung sei jedoch, dass ein ausreichend großer Anteil der Herde wirksam geimpft ist. Die Impfquote gegen Newcastle Disease ist in dieser Betrachtung deshalb keine bloße Bestandskennzahl: Entscheidend ist, ob tatsächlich genügend Tiere einen wirksamen Impfschutz haben.

    Für die Geflügelpest beschrieb Timm Harder vom Friedrich-Loeffler-Institut einen anderen Ansatz. Eine flächendeckende Schutzimpfung hielt er zum Zeitpunkt seines Vortrags nicht für den geeigneten Weg; ein gezielter Einsatz in besonders gefährdeten Regionen oder Produktionsbereichen könne dagegen sinnvoll sein. Die jeweiligen Impfschemata müssten insbesondere darauf geprüft werden, ob sie eine ausreichende Herdenimmunität erreichen. Konsequente Biosicherheit und schnelle Diagnostik blieben zentral. Davon zu unterscheiden ist Dorns politische Forderung, rechtliche Möglichkeiten zu schaffen, unter bestimmten Voraussetzungen auf die Keulung klinisch gesunder, geimpfter Tiere zu verzichten: Sie betrifft den Umgang mit solchen Beständen, während Harders Ausführungen die Ausgestaltung einer Impfstrategie behandelten.

    ChickenWatcher soll Veränderungen im Bestand früher sichtbar machen

    Gerhard Hartleb von der novu.track Systems GmbH stellte den ChickenWatcher zur Bestandsüberwachung vor. Das KI-gestützte System soll Geflügel mithilfe von Kameras rund um die Uhr beobachten und Bild- sowie Gewichtsdaten automatisch auswerten. Ziel ist, Veränderungen bei Verhalten, Gesundheitszustand und Wachstum frühzeitig zu erkennen. Das Unternehmen arbeitet dafür mit der Veterinärmedizinischen Universität Wien an einer belastbaren Datengrundlage für das digitale Geflügelmonitoring. Der vorgestellte Nutzen liegt damit zunächst in einer kontinuierlichen Beobachtung und automatischen Dokumentation der Herdenentwicklung; eine verlässlich erzielte Schadensvermeidung ist damit noch nicht beschrieben.

    Über ein Dashboard sollen Halter die aktuelle Herde mit früheren Durchgängen vergleichen können. Ein solcher Vergleich kann helfen, Veränderungen über den einzelnen Kontrollgang hinaus einzuordnen und Entscheidungen auf zusätzliche Daten zu stützen. Die Technik ist als Ergänzung der täglichen Stallkontrolle gedacht. Ob sie den Arbeitsaufwand tatsächlich verringert und Auffälligkeiten rechtzeitig genug meldet, muss sich im praktischen Einsatz zeigen. Für die Betriebe liegt der Prüfstein deshalb im Stallalltag: Liefert die laufende Datenauswertung Hinweise, mit denen sie früher und gezielter auf Veränderungen ihrer Herde reagieren können?

    Quellen