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Schlagwort: Tierschutz Türkei

  • Straßenhunde in der Türkei: Fast alle eingefangen – Tierschützer alarmiert

    Straßenhunde in der Türkei: Fast alle eingefangen – Tierschützer alarmiert

    99 Prozent der Hunde sollen eingefangen sein

    Die Türkei meldet einen weitgehend abgeschlossenen staatlichen Zugriff auf ihre Straßenhundpopulation: Innenminister Mustafa Ciftci erklärte vergangene Woche, rund 99 Prozent der Straßentiere seien inzwischen eingefangen worden. In 78 der 81 Provinzen sei die Maßnahme abgeschlossen. Wie viele Hunde tatsächlich in Tierheimen untergebracht, vermittelt oder getötet wurden, legte die Regierung jedoch nicht offen.

    Auslöser ist eine Gesetzesänderung aus dem Sommer 2024. Sie verpflichtet die Kommunen, Straßenhunde einzufangen und in Tierheimen oder sogenannten natürlichen Lebensräumen unterzubringen. Die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan begründet das Vorgehen mit der Sicherheit der Bevölkerung und dem Ziel, die Zahl der Tiere zu verringern. Bei Krankheit oder als gefährlich eingestuften Tieren erlaubt das Gesetz auch die Tötung.

    Hayfed berichtet von problematischen Zuständen

    Die türkische Tierschutzorganisation Hayfed warnt vor den Folgen der großangelegten Einsammlung. Nach Beobachtungen ihrer Vorsitzenden Nihal Kasa seien Hunde in einigen Einrichtungen schutzlos Sonne und Kälte ausgesetzt. Zudem reichten die vorhandenen Kapazitäten nicht aus, um alle Tiere angemessen unterzubringen. Kasa erhob außerdem Vorwürfe wegen unrechtmäßiger Tötungen und mangelnder Transparenz. Die zuständigen Ministerien äußerten sich auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur nicht zu diesen Vorwürfen.

    Auch der Deutsche Tierschutzbund kritisierte im August die Zustände in türkischen Tierheimen. Unter Berufung auf Partnerorganisationen vor Ort berichtete der Verband von zu vielen Hunden auf engem Raum und einer unzureichenden Versorgung. Damit wird die zentrale praktische Folge des Gesetzes sichtbar: Das Einfangen allein schafft noch keine tragfähige Unterbringung, wenn neue Plätze, Personal und medizinische Versorgung fehlen.

    Deutliche Lücke zwischen Tierzahl und Plätzen

    Wie groß diese Herausforderung ist, zeigen die zuletzt veröffentlichten Zahlen. Bei der Verabschiedung des Gesetzes ging die türkische Regierung zunächst von etwa vier Millionen Straßenhunden aus. Später korrigierte sie die Schätzung auf rund 1,2 Millionen Tiere. Dem standen im April nach Angaben des Forstministeriums rund 459.000 Plätze in Tierheimen und natürlichen Lebensräumen gegenüber. Bis dahin waren etwa 97.000 herrenlose Tiere an neue Besitzer vermittelt worden.

    Die Zahlen sind nicht vollständig aktuell, machen aber die Größenordnung des Problems deutlich. Selbst auf Basis der späteren Schätzung lag die Zahl der verfügbaren Plätze deutlich unter der angenommenen Population. Aktuelle Angaben dazu, wie viele Hunde seit April zusätzlich aufgenommen oder vermittelt wurden, machte die Regierung nicht.

    Sicherheitsargument trifft auf Tierschutzforderungen

    Straßenhunde gehörten in der Türkei lange zum Alltag. In vielen Städten wurden sie von Anwohnern gefüttert und versorgt. Gleichzeitig gab es wiederholt Berichte über Angriffe durch Rudel. Die Regierung stellt ihre Maßnahmen deshalb als Beitrag zum Schutz der Bevölkerung und zur Kontrolle der Population dar.

    Tierschutzorganisationen setzen dem eine andere Strategie entgegen. Sie fordern ein systematisches Vorgehen mit Einfangen, Kastration, Impfung und anschließender Rückkehr der Tiere in ihr vertrautes Gebiet. Ergänzend müsse der Tierhandel stärker kontrolliert werden. Eine reine Verwahrung in überfüllten Einrichtungen löst nach dieser Einschätzung weder die Ursache der unkontrollierten Vermehrung noch die Sicherheitsprobleme.

    Entscheidend ist damit nicht allein, ob die Türkei ihre Einsammelquote erreicht. Solange die Regierung keine aktuellen Zahlen zu Unterbringung, Vermittlungen und Tötungen veröffentlicht, bleibt offen, wie sich die gemeldeten 99 Prozent konkret auf das Schicksal der Tiere verteilen. Genau diese fehlende Aufschlüsselung verschärft den Streit über die Umsetzung des Gesetzes.

    Quellen