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Schlagwort: Tierpark Görlitz Rote Pandas

  • Rote-Panda-Zwillinge im Tierpark Görlitz: Nach Tod von Zayah beginnt intensive Handaufzucht

    Rote-Panda-Zwillinge im Tierpark Görlitz: Nach Tod von Zayah beginnt intensive Handaufzucht

    Im Naturschutz-Tierpark Görlitz-Zgorzelec ist die sechsjährige Rote-Panda-Dame Zayah überraschend gestorben. Ihre erst wenige Wochen alten Zwillinge Nishu und Kiran können deshalb nicht mehr von ihrer Mutter versorgt werden und werden nun intensiv vom Tierpflege-Team betreut. Die Todesursache von Zayah ist bislang ungeklärt und soll durch weitere Untersuchungen festgestellt werden. Währenddessen konzentriert sich der Tierpark darauf, die beiden Jungtiere sicher durch ihre noch empfindliche Entwicklungsphase zu bringen.

    Zayah starb innerhalb einer halben Stunde

    Der Tod von Zayah kam für das Team des Tierparks völlig unerwartet. Nach Angaben des Tierparks zeigten Kameraaufzeichnungen, dass die sechsjährige Panda-Dame am Dienstag, dem 8. September 2026, gegen 13.30 Uhr noch munter durch ihr Gehege lief. Rund eine halbe Stunde später lag sie tot am Boden. Wenige Wochen zuvor hatte der Tierpark noch über die gute Entwicklung ihrer beiden Jungtiere berichtet.

    Der Tierkörper wurde unmittelbar nach dem Tod zur Obduktion nach Dresden gebracht. Erste Untersuchungsergebnisse lieferten nach Angaben des Tierparks bislang keinen konkreten Hinweis auf die Todesursache. Es besteht derzeit der Verdacht auf eine akute Virusinfektion, bestätigt ist dieser jedoch nicht. Die weiteren Untersuchungen müssen nun zeigen, ob sich eine konkrete Ursache für den ungewöhnlich schnellen Tod feststellen lässt.

    Kuratorin Catrin Hammer verwies gegenüber dem MDR zudem auf vergleichbare Fälle in zoologischen Einrichtungen in Großbritannien und Frankreich. Dort seien im vergangenen Jahr ebenfalls Rote-Panda-Muttertiere wenige Monate nach der Geburt ihrer Jungtiere gestorben. Ob zwischen diesen Fällen und dem Tod von Zayah tatsächlich ein Zusammenhang besteht, ist derzeit offen. Eine solche Verbindung lässt sich erst bewerten, wenn belastbare Untersuchungsergebnisse aus Görlitz vorliegen.

    Nishu und Kiran müssen ohne ihre Mutter aufwachsen

    Besondere Aufmerksamkeit gilt nun Zayahs beiden Jungtieren Nishu und Kiran. Bei Roten Pandas übernimmt normalerweise das Weibchen die Aufzucht des Nachwuchses, während sich das männliche Tier daran nicht beteiligt. Der Ausfall des Muttertiers bedeutet deshalb, dass die Versorgung vollständig vom Tierpflege-Team übernommen werden muss. Gerade in diesem jungen Alter sind die Tiere noch stark auf eine geeignete Ersatzfütterung angewiesen.

    Die beiden Zwillinge werden dabei nicht exakt auf dieselbe Weise versorgt. Das Weibchen Nishu akzeptiert nach Angaben des Tierparks inzwischen Milchaustauscher vom Löffel. Ihr Bruder Kiran nimmt dagegen Brei von einem Pinsel auf. Eine Fütterung mit der Flasche vermeidet der Tierpark wegen des Risikos einer Aspirationspneumonie, bei der Flüssigkeit in die Atemwege gelangen kann.

    Zusätzlich werden den Jungtieren bereits verschiedene andere Futtermittel angeboten. Dazu gehört insbesondere Bambus, der für erwachsene Rote Pandas einen wesentlichen Bestandteil der Ernährung bildet. Das Interesse der noch jungen Tiere daran ist bislang allerdings gering, da Rote Pandas erst im Alter von ungefähr drei Monaten beginnen, zunehmend feste Nahrung auszuprobieren. Entscheidend ist derzeit, dass beide Jungtiere nach Angaben des Tierparks weiter an Gewicht zunehmen.

    Handaufzucht verlangt intensive Betreuung

    Der plötzliche Tod Zayahs zeigt, wie schnell sich die Situation bei der Aufzucht von Jungtieren verändern kann. Noch wenige Tage zuvor wurden Nishu und Kiran vollständig von ihrer Mutter versorgt, nun muss das Tierpflege-Team diese Aufgabe übernehmen. Dabei geht es nicht nur darum, ausreichend Nahrung bereitzustellen, sondern auch die Gewichtsentwicklung und den allgemeinen Gesundheitszustand der Tiere genau zu beobachten. Gerade bei sehr jungen Tieren können Veränderungen innerhalb kurzer Zeit entscheidend sein.

    Bislang entwickelt sich die Handaufzucht nach Angaben des Tierparks positiv. Beide Zwillinge nehmen zu, und die gewählten Fütterungsmethoden werden von den Tieren angenommen. Gleichzeitig weist der Tierpark darauf hin, dass mögliche Komplikationen in dieser frühen Lebensphase nicht ausgeschlossen werden können. Die kommenden Wochen dürften deshalb für die weitere Entwicklung von Nishu und Kiran besonders wichtig sein.

    27 Rote Pandas wurden bereits in Görlitz geboren

    Rote Pandas werden im Görlitzer Tierpark bereits seit 1997 gehalten. Die Einrichtung beteiligt sich seit Beginn der Haltung am Europäischen Ex-situ-Programm, kurz EEP, für diese stark gefährdete Tierart. Mit Nishu und Kiran wurden nach Angaben des Tierparks inzwischen insgesamt 27 Rote Pandas in Görlitz geboren. Zayah, die 2021 aus dem niederländischen Alphen aan den Rijn nach Görlitz gekommen war, brachte dort mehrfach Nachwuchs zur Welt.

    Die Erhaltungszucht soll dazu beitragen, eine genetisch stabile Population der Tiere in europäischen zoologischen Einrichtungen zu erhalten. Rote Pandas sind in ihrem natürlichen Lebensraum unter anderem durch Lebensraumverlust, Wilderei, illegalen Tierhandel und Krankheiten bedroht. Zoologische Einrichtungen koordinieren deshalb die Zucht und den Austausch geeigneter Tiere innerhalb des europäischen Programms. Für den Tierpark Görlitz gehört die Haltung und Zucht der Roten Pandas seit fast drei Jahrzehnten zu den langfristigen Artenschutzprojekten.

    Nach dem Tod Zayahs stehen nun jedoch zunächst ihre beiden Jungtiere im Mittelpunkt. Entscheidend wird sein, ob Nishu und Kiran die Umstellung auf die Handaufzucht weiterhin gut verkraften und ihre Gewichtsentwicklung stabil bleibt. Parallel dazu soll die Untersuchung von Zayah klären, warum ein offenbar unauffälliges Tier innerhalb so kurzer Zeit starb. Bis belastbare Ergebnisse vorliegen, bleibt die vermutete Virusinfektion lediglich eine mögliche Erklärung.

    Quellen