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Schlagwort: Strohschweinehaltung

  • VGT Protest auf Vollspaltenböden in Klagenfurt dauert mehr als elf Stunden

    VGT Protest auf Vollspaltenböden in Klagenfurt dauert mehr als elf Stunden

    Zwei Aktivisten des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) haben am Samstag am Klagenfurter Heiligengeistplatz mehr als elf Stunden auf Vollspaltenböden ausgeharrt. Mit der öffentlich inszenierten Aktion wollte die Organisation auf die Bedingungen in der österreichischen Schweinehaltung aufmerksam machen und politischen Druck auf die Bundesregierung ausüben. Beide Demonstranten verfügten dabei jeweils über eine Fläche von 0,65 Quadratmetern. Der Selbstversuch erzeugt auffällige Bilder, sagt für sich genommen jedoch noch nichts darüber aus, wie unterschiedliche Bodensysteme unter wissenschaftlichen Tierwohlkriterien zu bewerten sind.

    Elf Stunden auf Beton: Was der VGT-Selbstversuch tatsächlich zeigt

    Die Aktion begann nach Angaben des VGT um 6.50 Uhr und dauerte bis 18 Uhr. Einer der Aktivisten saß auf einem klassischen, vom VGT als „unstrukturiert“ bezeichneten Vollspaltenboden, der andere auf einer strukturierten Variante. Mit diesem direkten Vergleich wollte der Verein sichtbar machen, wie unterschiedlich die derzeit relevanten Bodenformen aufgebaut sind. Die jeweils gewählte Fläche von 0,65 Quadratmetern war dabei Teil der Inszenierung und sollte die Platzverhältnisse in der Schweinehaltung symbolisch auf Menschen übertragen.

    Ein solcher Selbstversuch kann Aufmerksamkeit erzeugen, ersetzt jedoch keine wissenschaftliche Bewertung der Haltungsbedingungen von Schweinen. Menschen und Schweine unterscheiden sich deutlich hinsichtlich Anatomie, Bewegungsverhalten, Belastung der Gliedmaßen sowie der Nutzung von Liege- und Aktivitätsflächen. Für eine sachliche Bewertung von Vollspalten- und Teilspaltenböden sind deshalb unter anderem Klauengesundheit, Verletzungen, Liegeverhalten, Verschmutzung, Beschäftigungsmöglichkeiten sowie weitere Tierwohlindikatoren entscheidend. Die Frage, welche Bodenform unter welchen Bedingungen tierschutzgerecht oder problematisch ist, lässt sich nicht allein daraus ableiten, wie zwei Menschen elf Stunden auf Betonflächen verbringen.

    Der VGT fordert seit Jahren ein Ende der Vollspaltenhaltung und bezeichnet diese grundsätzlich als nicht tierschutzgerecht. Nach Darstellung des Vereins sollen für die klassische Variante Auslauffristen bis 2034 beziehungsweise 2038 gelten. Die strukturierte Variante verfügt auf einem Teil der Fläche über weniger Spalten. Eine ursprünglich vorgesehene Ablauffrist für diese Haltungsform sei im Zuge einer Gesetzesänderung im Juni 2025 entfallen, kritisiert die Organisation.

    Damit richtet sich die Kampagne nicht lediglich gegen einzelne landwirtschaftliche Betriebe, sondern gegen die politischen Rahmenbedingungen der österreichischen Schweinehaltung. Der VGT versucht mit solchen Aktionen, Einfluss auf die weitere gesetzliche Entwicklung zu nehmen. Entscheidend ist deshalb weniger die symbolische Belastung der beiden Demonstranten als die Frage, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse künftig tatsächlich in gesetzliche Mindeststandards einfließen.

    Strohschweine-Projekt soll Grundlage für neue Standards liefern

    Eine zentrale Rolle spielt dabei ein im österreichischen Tierschutzgesetz vorgesehenes wissenschaftliches Projekt zur Strohschweinehaltung. Dieses soll im November 2026 abgeschlossen werden. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen anschließend bei der Festlegung zukünftiger Mindeststandards für die Schweinehaltung berücksichtigt werden. Welche konkreten Anforderungen daraus entstehen könnten, steht bislang jedoch noch nicht fest.

    Für Schweinehalter ist gerade dieser Punkt von erheblicher Bedeutung. Neue Anforderungen können Investitionen in Stallumbauten, veränderte Flächenvorgaben oder andere technische Anpassungen notwendig machen. Ebenso entscheidend werden mögliche Übergangsfristen sein, damit bestehende Betriebe überhaupt auf neue Vorgaben reagieren können. Der VGT versucht deshalb bereits vor Abschluss des Projekts, politischen Druck aufzubauen und die Debatte über die künftige Ausgestaltung der Schweinehaltung in seinem Sinne zu beeinflussen.

    Die Aktion in Klagenfurt steht somit weniger für eine bereits entschiedene fachliche Bewertung als für einen laufenden politischen Konflikt. Erst nach Veröffentlichung und Bewertung der Projektergebnisse wird sich zeigen, welche Empfehlungen wissenschaftlich begründet sind und welche davon der Gesetzgeber tatsächlich übernimmt.

    Warum der VGT ausgerechnet vor SPAR demonstriert

    Auch der Ort der Aktion war nicht zufällig gewählt. Die beiden Aktivisten demonstrierten direkt vor einer SPAR-Filiale am Heiligengeistplatz. Zwischen SPAR und dem VGT läuft seit 2022 ein Rechtsstreit, in dem es nach Angaben der Tierrechtsorganisation unter anderem um Unterlassung und Widerruf geht. Der VGT sieht den Rechtsstreit im Zusammenhang mit seiner Kritik am Unternehmen.

    Nach Angaben des Vereins steht ein Urteil erster Instanz weiterhin aus. Damit existiert neben der politischen Auseinandersetzung über Schweinehaltung gleichzeitig ein direkter Konflikt zwischen der Organisation und SPAR. Dass die Demonstration ausgerechnet vor einer Filiale des Unternehmens stattfand, verbindet beide Ebenen miteinander.

    Die Aktion diente damit nicht ausschließlich dazu, die Frage nach Vollspaltenböden öffentlich zu thematisieren. Der VGT nutzte zugleich einen Standort mit unmittelbarem Bezug zu einem eigenen laufenden Rechtsstreit. Diese strategische Ortswahl erhöht die öffentliche Aufmerksamkeit und verschafft der Organisation eine zusätzliche Bühne für ihre Auseinandersetzung mit SPAR. Ob die Positionen des VGT oder jene des Unternehmens in diesem Rechtsstreit rechtlich Bestand haben, muss das zuständige Gericht entscheiden.

    Für die politische Debatte über Schweinehaltung bleibt davon unabhängig entscheidend, welche Ergebnisse das wissenschaftliche Strohschweine-Projekt liefert. Die symbolische Demonstration zweier Aktivisten kann diese fachliche Bewertung nicht ersetzen. Sie zeigt vor allem, wie der VGT versucht, mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen politischen und medialen Druck rund um die künftige Ausgestaltung der österreichischen Schweinehaltung aufzubauen.

    Quellen