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Schlagwort: Steven Kolb

  • PETA-Aktivisten stürmen Modenschau – Modeboss bringt sie zum Schweigen

    PETA-Aktivisten stürmen Modenschau – Modeboss bringt sie zum Schweigen

    Es sollte eine Modenschau von COS bei der New York Fashion Week werden. Stattdessen verwandelten Aktivisten von PETA den Laufsteg zeitweise in ihre persönliche Protestbühne. Mehrere Störer hatten es offenbar in die Veranstaltung geschafft, tauchten zwischen den Gästen auf, betraten den Laufsteg und schrien Parolen gegen die Verwendung von Wolle. Doch diesmal verlief die übliche PETA-Inszenierung etwas anders als geplant: CFDA-Chef Steven Kolb griff selbst ein – und brachte zwei der Aktivisten zumindest vorübergehend ziemlich handfest zum Schweigen.

    PETA kapert die Modenschau für die eigene Kampagne

    Der Vorfall ereignete sich am 13. September bei der Präsentation der Frühjahrskollektion 2027 von COS, einer Marke der H&M Group. Nach Angaben verschiedener US-Medien waren insgesamt mehrere PETA-Aktivisten an der Aktion beteiligt. Sie hielten Schilder hoch und riefen unter anderem die Forderung, Wolle von den Laufstegen zu verbannen. Was PETA später als friedlichen Einsatz für Schafe präsentierte, war damit vor allem eines: eine gezielt geplante Störung einer fremden Veranstaltung.

    Besonders interessant ist dabei ein Detail aus dem Bericht von The Cut. Ein Redakteur will vor Beginn der Show Aktivisten gesehen haben, die sich als Gäste beziehungsweise als Mitarbeiter aus dem PR-Bereich ausgaben und nach freien Sitzplätzen suchten. Der beteiligte PETA-Kampagnenmanager Mason Melito wollte anschließend nicht erklären, wie die Gruppe überhaupt in die Veranstaltung gelangt war. Für eine Organisation, die ihre Aktionen später gern als spontanen moralischen Aufschrei präsentiert, wirkt das Ganze damit eher wie eine sorgfältig vorbereitete Medienaktion.

    @nytimes

    The head of the Council of Fashion Designers of America, Steve Kolb, was captured on video physically restraining PETA activists at the Cos runway presentation on Sunday during New York Fashion Week. Many in the business have witnessed show interruptions by activists, but few have seen a major industry figure physically intervene. #nyfw #fashionweek #cfda

    ♬ original sound – The New York Times – The New York Times

    Steven Kolb hatte offensichtlich genug

    Als eine Aktivistin in seiner Nähe aufstand, griff Steven Kolb ein. Videoaufnahmen zeigen, wie er ihr das Schild abnimmt, sie festhält und zeitweise seine Hand vor ihren Mund legt. Später geriet er auch mit PETA-Kampagnenmanager Mason Melito aneinander. Schließlich übernahm das Sicherheitspersonal und brachte die Aktivisten aus dem Veranstaltungsbereich. Die Modenschau selbst konnte fortgesetzt werden.

    Dass ein Verbandschef dabei selbst zum Sicherheitsdienst wird, gehört sicherlich nicht zum offiziellen Ablaufplan einer Fashion Week. Kolb räumte anschließend selbst ein, dass sein Eingreifen falsch gewesen sei und er die Situation den dafür zuständigen Sicherheitskräften hätte überlassen sollen. Das ändert allerdings nichts daran, dass die Situation überhaupt erst entstand, weil PETA eine private Veranstaltung gezielt für die eigene Kampagne störte. Wer sich bewusst in Veranstaltungen einschleust, aufsteht, schreit und den Laufsteg besetzt, darf sich zumindest nicht darüber wundern, dass Veranstalter versuchen, die Störung zu beenden.

    @cbsnews

    A fashion executive was seen attempting to restrain PETA activists after they interrupted a New York Fashion Week show on Sunday. Steve Kolb, CEO of the Council of Fashion Designers of America, was captured on video attempting to restrain the protesters and putting his hand over their mouths. Kolb later acknowledged that he had “reacted inappropriately,” saying he should have let his security team handle the situation. #nyfw

    ♬ original sound – cbsnews

    Aus dem Störer wird bei PETA schnell das Opfer

    PETA brauchte erwartungsgemäß nicht lange, um die Rollen neu zu verteilen. In der eigenen Pressemitteilung wird Kolbs Verhalten ausführlich als Gewalt beschrieben. Gründerin Ingrid Newkirk verband den Vorfall sogar unmittelbar mit der Behandlung von Schafen in der Modeindustrie. Ausgerechnet diejenigen, die eine Veranstaltung gezielt kapern, präsentieren sich damit anschließend als Menschen, die lediglich daran gehindert worden seien, ihre Botschaft zu verbreiten.

    Das Muster ist bemerkenswert praktisch: Zuerst schafft man eine maximal konfrontative Situation, anschließend wird die Reaktion darauf zum nächsten Kampagnenthema. PETA kann dadurch gleich zweimal Bilder produzieren – zunächst vom Protest selbst und anschließend von der angeblichen Unterdrückung des Protests. Dass Kolbs Verhalten dadurch automatisch angemessen wird, folgt daraus keineswegs. Es zeigt aber, weshalb solche Aktionen für Organisationen wie PETA medial ausgesprochen attraktiv sind.

    Der eigentliche Streit dreht sich um Wolle bei H&M und COS

    Hinter der Aktion steht eine länger laufende PETA-Kampagne gegen die Verwendung von Wolle durch die H&M Group. PETA Asia veröffentlichte Aufnahmen aus einem südafrikanischen Betrieb und berichtet unter anderem von Schafen, die getreten oder geschlagen worden seien sowie Verletzungen während der Schur. Der betreffende Betrieb war laut PETA unter anderem nach NATIVA- beziehungsweise Responsible-Wool-Standards zertifiziert. PETA leitet daraus die Forderung ab, H&M und COS sollten Wolle grundsätzlich aus ihrem Sortiment verbannen.

    H&M verfolgt dagegen weiterhin den Ansatz zertifizierter Lieferketten. Der Konzern nennt unter anderem den Responsible Wool Standard als Maßstab für tierwohlbezogene Anforderungen. Auch COS verweist bei seiner RWS-Wolle auf Betriebe, die nach entsprechenden Vorgaben durch unabhängige Stellen zertifiziert werden. Zwischen der Kritik an konkreten Missständen und PETAs wesentlich weiter gehender Forderung nach einem vollständigen Wollverzicht besteht deshalb ein Unterschied, der in den spektakulären Protestbildern leicht untergeht.

    Der PR-Erfolg folgt auf dem Fuß

    Für Steven Kolb hatte der kurze Einsatz als unfreiwilliger Türsteher inzwischen Folgen. Er entschuldigte sich öffentlich, erklärte sein Verhalten für unangemessen und sagte, Sicherheitskräfte hätten eingreifen müssen. Der CFDA teilte anschließend mit, Kolb befinde sich während einer vollständigen Überprüfung des Vorfalls auf Leave. Kolb kündigte außerdem an, sich mit PETA zu treffen.

    Damit dürfte PETA am Ende genau das Material bekommen haben, das solche Aktionen attraktiv macht: virale Videos, internationale Berichterstattung und eine anschließende Debatte, die weit über die eigentliche Modenschau hinausgeht. Über die Methoden der Aktivisten wird dabei erstaunlich schnell hinweggegangen. Vielleicht wäre genau das die spannendere Diskussion: Wie weit darf eine Organisation gehen, um fremde Veranstaltungen zur eigenen Bühne zu machen – und warum wird eine gezielte Störaktion anschließend so selbstverständlich als normale Form des Protestes verkauft?

    Quellen