Zum Inhalt springen

Fakten statt Polemik. Aufklärung über radikalen Tierschutz.

Kritisch. Fundiert. Unabhängig.Hintergrundanalysen und aktuelle Entwicklungen.

Schlagwort: SSW fordert Stärkung kleinerer Schlachthöfe

  • Tierschutzvorwürfe gegen Tönnies in Kellinghusen: Behörden prüfen Aufnahmen

    Tierschutzvorwürfe gegen Tönnies in Kellinghusen: Behörden prüfen Aufnahmen

    Veröffentlichte Aufnahmen aus einer Großschlachterei der Tönnies-Unternehmensgruppe in Kellinghusen haben behördliche Prüfungen und Forderungen nach Aufklärung ausgelöst. Das schleswig-holsteinische Landwirtschaftsministerium prüft die Bilder gemeinsam mit dem Kreisveterinäramt Steinburg, wie es dem NDR mitteilte. Der Sender berichtet von Aufnahmen, auf denen Schweinen vor ihrer Tötung ein Hinterfuß abgeschnitten oder mit Treibpaddeln ins Gesicht geschlagen werde. Welche Maßnahmen wegen der mutmaßlichen Tierschutzverstöße folgen, will das Ministerium nach Abschluss der Prüfung entscheiden.

    Tönnies kündigt Prüfung und mögliche Mitarbeitersanktionen an

    Die Bilder wurden der Tierrechtsorganisation Animal Rights Watch nach deren Angaben zugespielt. Der NDR erklärt, die Aufnahmen auf Echtheit überprüft zu haben. Tönnies kündigte gegenüber dem Sender an, die Vorwürfe zu prüfen und gegebenenfalls Sanktionen gegen Mitarbeiter auszusprechen. Außerdem brachte das Unternehmen nach dem NDR-Bericht das Fehlverhalten einzelner Beschäftigter als Erklärung ins Gespräch.

    Der SSW-Fraktionsvorsitzende Christian Dirschauer verlangt darüber hinaus, die Wirksamkeit der Kontrollen und die Verantwortung der Unternehmensführung zu untersuchen. In seiner Erklärung vom 20. Oktober 2026 verweist er auf eine nach Unternehmensangaben seit Jahren bestehende Videoüberwachung des Betriebs. Für ihn stellt sich deshalb die Frage, wie die geschilderten Übergriffe trotz dieser Überwachung möglich gewesen sein sollen. Angekündigte Konsequenzen für Beschäftigte reichen aus seiner Sicht als Antwort auf die Vorwürfe nicht aus. Seine Forderung richtet den Blick damit ausdrücklich auch auf die betriebliche Aufsicht.

    Ein Schweinehalter kritisiert die Bilder und hält am Standort fest

    Für Landwirt Cedric Rieken aus Bühnsdorf im Kreis Segeberg ist der Fall auch eine unmittelbar betriebliche Frage. Die meisten seiner Schweine werden nach seiner Darstellung in Kellinghusen geschlachtet. Gegenüber dem NDR bezeichnete er die Bilder als schockierend; sollten die Aufnahmen echt sein, sei der Umgang mit den Tieren nicht zu verzeihen. Gerade weil Schweine für den Verzehr geschlachtet würden, müsse man jederzeit ordentlich und respektvoll mit ihnen umgehen, findet Rieken. Zugleich will er seine Tiere weiter nach Kellinghusen bringen, weil er von individuellem Fehlverhalten ausgeht und nach eigener Aussage keinen anderen größeren Schweineschlachtbetrieb in der näheren Umgebung hat.

    Auch der Bauernverband Schleswig-Holstein fordert eine umfassende, transparente und konsequente Aufklärung. Er verbindet das mit dem Hinweis auf die Bedeutung des Standorts: Andere größere Schlachthöfe seien so weit entfernt, dass längere Transporte mehr Stress für die Tiere und höhere Kosten für die Landwirte bedeuten würden. Rieken befürchtet seinerseits, dass zusätzliche Kontrollen die Produktionskosten erhöhen könnten und die Folgen auch Betriebe träfen, die auf die Vorgänge keinen Einfluss hätten. Für die Lieferbetriebe geht es damit um zwei konkrete Anliegen: einen ordentlichen Umgang mit ihren Tieren bei der Schlachtung und eine erreichbare Schlachtmöglichkeit. Dass Rieken am Standort festhalten will, bedeutet also keine Zustimmung zu dem von ihm kritisierten Umgang mit den Schweinen.

    SPD fragt nach Kontrollen, SSW fordert regionale Alternativen

    Die SPD-Landtagsfraktion hat einen Bericht der Landesregierung im zuständigen Ausschuss beantragt. Ihre tierschutzpolitische Sprecherin Sandra Redmann verlangt in der Mitteilung vom 19. Oktober 2026 Auskunft darüber, was über die Vorfälle bekannt ist, welche Kontrollen stattgefunden haben und welche Konsequenzen gezogen werden. Sie fordert außerdem, die angewandten Schlacht- und Betäubungsverfahren kritisch zu überprüfen. In ihrer Erklärung spricht sie mögliche Zweifel an der ordnungsgemäßen Betäubung an und verlangt deren Aufklärung. Damit verbindet die SPD Fragen zum konkreten Betrieb mit einer weitergehenden Forderung nach Überprüfung der eingesetzten Verfahren.

    Der SSW fordert mehr regionale Schlachtmöglichkeiten, die Förderung kleiner und mittlerer Betriebe sowie bessere Bedingungen für mobile Schlachtungen. Dirschauer räumt ausdrücklich ein, dass ein kleiner Schlachthof allein noch keinen Tierschutz garantiert. Seine Forderung berührt die auch bei GERATI diskutierte Frage nach Tierschutz und wirtschaftlicher Tragfähigkeit von Schlachtbetrieben. Der Bauernverband verweist auf längere Wege zu bestehenden Alternativen; der SSW will zusätzliche regionale Möglichkeiten schaffen. Für Schweinehalter wie Rieken liegt der praktische Prüfstein solcher Vorschläge darin, ob daraus tatsächlich erreichbare Alternativen zum bisherigen Schlachtbetrieb werden.

    Quellen