Nach einem verheerenden Großbrand auf einem Geflügelhof bei Grosselfingen im Zollernalbkreis hat PETA nach eigenen Angaben Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Hechingen erstattet. Rund 400 Hühner und Gänse kamen bei dem Feuer ums Leben, zwei Feuerwehrleute wurden leicht verletzt und der Sachschaden geht in die Millionen. Während die Kriminalpolizei weiterhin die Brandursache untersucht, erhebt die Tierrechtsorganisation Vorwürfe hinsichtlich des Brandschutzes. Ob auf dem betroffenen Hof tatsächlich Vorschriften verletzt wurden, ist bislang nicht geklärt.
Großbrand zerstört weite Teile eines landwirtschaftlichen Betriebs
Am Samstagnachmittag, dem 19. September 2026, brach auf dem Hof der Familie Beck bei Grosselfingen ein Feuer aus, das sich schnell auf mehrere Gebäude ausbreitete. Als die ersten Rettungskräfte eintrafen, standen bereits große Teile des landwirtschaftlichen Anwesens in Flammen. Besonders betroffen waren eine Halle mit landwirtschaftlichen Maschinen sowie Bereiche, in denen Hühner und Gänse untergebracht waren. Nach Polizeiangaben entstand ein Sachschaden in Millionenhöhe, während zwei Feuerwehrleute bei den Löscharbeiten leichte Verletzungen erlitten.
Die zunächst gemeldete Zahl von etwa 600 verendeten Tieren wurde im Verlauf der folgenden Tage korrigiert. Am Montag, dem 21. September, bestätigte ein Polizeisprecher, dass nach neueren Erkenntnissen rund 400 Hühner und Gänse ums Leben gekommen waren. Die Feuerwehr konnte weitere Tiere retten, indem Einsatzkräfte unter anderem einen Zaun öffneten und überlebende Tiere in einem freien Gehege unterbrachten. Für die Feuerwehr blieb die Lage dennoch schwierig, da brennende Strohballen noch Tage nach dem Ausbruch des Feuers aufwendig auseinandergezogen und abgelöscht werden mussten.
PETA erstattet Strafanzeige und erhebt Vorwürfe
Am 23. September veröffentlichte PETA eine Pressemitteilung, in der die Organisation erklärte, bereits am 21. September Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Hechingen erstattet zu haben. PETA begründet diesen Schritt mit möglichen tierschutzrechtlichen Straftatbeständen und fordert eine gründliche Untersuchung des Brandes. Die Organisation bezieht sich in ihrer Mitteilung allerdings noch auf eine ältere Schätzung von rund 470 getöteten Tieren, während die Polizei inzwischen von etwa 400 ausgeht. Eine unabhängige Bestätigung des Eingangs der Strafanzeige durch die Staatsanwaltschaft lag in den ausgewerteten Berichten zunächst nicht vor.
Julia Weibel, Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie bei PETA, vertritt die Auffassung, dass der Tod von Tieren bei Stallbränden infolge mangelnder Brandschutzmaßnahmen billigend in Kauf genommen werde. Mit dieser Aussage verbindet die Organisation eine grundsätzliche Kritik an bestehenden gesetzlichen Regelungen und an der landwirtschaftlichen Tierhaltung. Für den konkreten Brand in Grosselfingen ist allerdings bislang weder eine unzureichende Brandschutzausstattung behördlich festgestellt noch eine strafrechtliche Verantwortlichkeit der Betreiber nachgewiesen. Auch die Frage, ob überhaupt ein Zusammenhang zwischen möglichen Brandschutzmängeln und dem Tod der Tiere besteht, ist Gegenstand weiterer Untersuchungen.
Eine Strafanzeige bedeutet zunächst lediglich, dass die zuständige Behörde über einen möglichen strafrechtlich relevanten Sachverhalt informiert wird. Ob sich daraus ein Anfangsverdacht ergibt und welche Ermittlungsmaßnahmen gegebenenfalls erforderlich sind, müssen die zuständigen Strafverfolgungsbehörden beurteilen. Allein aus der hohen Zahl verendeter Tiere lässt sich weder auf einen Verstoß gegen geltende Brandschutzvorschriften noch auf eine vorsätzliche oder fahrlässige Straftat schließen. Eine solche Bewertung setzt konkrete Erkenntnisse über die Brandursache, die vorhandenen Sicherheitsmaßnahmen und die tatsächlichen Rettungsmöglichkeiten voraus.
Feuerwehren kämpften unter schwierigen Bedingungen um Menschen und Tiere
Der Einsatz in Grosselfingen zeigt, mit welchen Schwierigkeiten Feuerwehrleute bei einem Großbrand auf einem landwirtschaftlichen Anwesen konfrontiert sein können. Die Freiwillige Feuerwehr Hechingen dokumentierte, dass bei ihrem Eintreffen eine etwa 50 mal 30 Meter große Halle bereits vollständig brannte. Mehrere Feuerwehren wurden zur Unterstützung alarmiert, während die Einsatzleitung verschiedene Einsatzabschnitte einrichtete. Zusätzlich musste eine umfangreiche Löschwasserversorgung organisiert werden, an der sich auch örtliche Landwirte mit ihren Fahrzeugen beteiligten.
Unter diesen Bedingungen gelang es den Einsatzkräften, einen Teil der Tiere aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich zu bringen. Gleichzeitig erschwerten die starke Hitze, die fortgeschrittene Brandausbreitung und die beschädigten Gebäudestrukturen die weiteren Rettungsarbeiten erheblich. Auch nach der Kontrolle des eigentlichen Brandes waren umfangreiche Nachlöscharbeiten erforderlich, weil sich Glutnester in den gelagerten Strohballen hielten. Die Rettung von Menschen und Tieren musste dabei stets mit dem Schutz der eingesetzten Feuerwehrleute vor einstürzenden Gebäudeteilen und anderen Gefahren vereinbart werden.
Bereits bei einem Großbrand in einer Schweinemastanlage in Düben hatte GERATI die praktischen Grenzen der Tierrettung bei ausgedehnten Stallbränden thematisiert. Tiere reagieren auf Rauch, Hitze und ungewohnte Situationen nicht zwangsläufig mit einer geordneten Flucht, selbst wenn Ausgänge geöffnet werden können. Hinzu kommt, dass Einsatzkräfte zunächst die Ausbreitung des Feuers bekämpfen, Menschen schützen und ausreichend Löschwasser bereitstellen müssen. Ob im konkreten Fall zusätzliche Vorkehrungen erforderlich oder tatsächlich umsetzbar gewesen wären, lässt sich deshalb erst anhand der jeweiligen Einsatzbedingungen beurteilen.
PETA verbindet den Brand mit ihrer grundsätzlichen Kritik an der Tierhaltung
Die Strafanzeige ist nicht die einzige Forderung, die PETA in ihrer Pressemitteilung formuliert. Die Organisation verlangt darüber hinaus strengere gesetzliche Brandschutzregelungen für landwirtschaftliche Tierhaltungsbetriebe und verbindet das Ereignis mit ihrem Einsatz für eine vegane Lebensweise. Sie betrachtet den Brand damit nicht ausschließlich als möglichen strafrechtlichen Einzelfall, sondern auch als Anlass für eine grundsätzliche gesellschaftliche Debatte über die Nutzung von Tieren. Diese weitergehenden Forderungen sind jedoch von der noch ungeklärten Frage einer möglichen strafrechtlichen Verantwortlichkeit im konkreten Fall zu unterscheiden.
Dass Brandschutz in landwirtschaftlichen Betrieben eine wichtige Rolle spielt, steht außer Frage. Gerade Gebäude mit großen Mengen leicht entzündlicher Materialien, elektrischen Anlagen und einer hohen Tierzahl können bei einem Brand erhebliche Herausforderungen darstellen. Welche gesetzlichen Anforderungen für einen bestimmten Betrieb gelten, hängt allerdings unter anderem von dessen baulicher Gestaltung, Nutzung und den einschlägigen Vorschriften ab. Ob diese Anforderungen auf dem betroffenen Hof eingehalten wurden, muss anhand der tatsächlichen Verhältnisse und der Ergebnisse der behördlichen Untersuchungen festgestellt werden.
GERATI berichtete bereits über einen Stallbrand in Sassenberg-Füchtorf und die anschließenden Vorwürfe von PETA . Auch dort stellte sich die Frage, welche Schlussfolgerungen sich aus einem schweren Brandereignis ziehen lassen und welche Feststellungen zunächst den zuständigen Ermittlungsbehörden vorbehalten bleiben. Für Grosselfingen gilt ebenso, dass eine öffentliche Debatte über Verbesserungen beim Brandschutz möglich ist, ohne den Verantwortlichen des betroffenen Betriebs vor Abschluss der Ermittlungen konkrete Rechtsverstöße zuzuschreiben. Die strafrechtliche Beurteilung muss sich an überprüfbaren Tatsachen und nicht allein an allgemeinen Positionen zur Tierhaltung orientieren.
Nachbarn und Landwirte unterstützen die betroffene Familie
Während PETA mit ihrer Strafanzeige eine juristische Untersuchung anstrebt, hat sich in Grosselfingen eine umfangreiche Hilfsaktion für die betroffene Familie entwickelt. Bereits während des Brandes unterstützten örtliche Landwirte die Feuerwehr, indem sie zusätzliches Löschwasser mit Güllefässern und anderen Fahrzeugen zum Einsatzort transportierten. Nach dem Feuer organisierten Freunde und Nachbarn weitere Hilfe, darunter die dringend benötigte Versorgung der überlebenden Tiere mit Futter. Große Teile der vorhandenen Futtervorräte sowie zahlreiche Maschinen waren bei dem Brand zerstört worden.
Michael Pyka, ein Freund der Familie Beck, initiierte außerdem eine Spendenkampagne über die Plattform GoFundMe. Bereits am Dienstagmorgen, dem 22. September, waren nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur rund 31.500 Euro zusammengekommen. Als ursprüngliches Spendenziel wurden 45.000 Euro genannt, wobei die gesammelten Mittel insbesondere für die Futterversorgung, die Beschaffung neuer Maschinen und den Wiederaufbau des Betriebs vorgesehen sind. Die Unterstützung soll der Familie helfen, die unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen des Feuers zu bewältigen und die Versorgung der geretteten Tiere sicherzustellen.
Brandursache und mögliche Verantwortlichkeiten bleiben ungeklärt
Die entscheidenden Fragen zum Brand in Grosselfingen sind weiterhin Gegenstand der Ermittlungen. Die Kriminalpolizei muss zunächst klären, wodurch das Feuer ausbrach und ob dabei technische Defekte, menschliches Verhalten oder andere Ursachen eine Rolle spielten. Erst auf Grundlage solcher Erkenntnisse lässt sich beurteilen, ob mögliche Verstöße gegen gesetzliche Vorschriften vorliegen und ob überhaupt eine strafrechtliche Verantwortlichkeit in Betracht kommt. Die von PETA nach eigenen Angaben erstattete Strafanzeige nimmt das Ergebnis dieser Untersuchungen nicht vorweg.
Für die betroffene Familie stehen unterdessen die Versorgung der überlebenden Tiere und die Bewältigung der erheblichen Schäden im Vordergrund. Der Brand hat rund 400 Hühner und Gänsen das Leben gekostet, große Teile eines landwirtschaftlichen Betriebs zerstört und zahlreiche Einsatzkräfte über mehrere Tage beschäftigt. Neben der strafrechtlichen Prüfung bleibt deshalb auch die Frage relevant, welche Erkenntnisse aus dem Brand für den vorbeugenden Brandschutz und die praktische Tierrettung gewonnen werden können. Eine abschließende Bewertung des konkreten Geschehens ist erst möglich, wenn die zuständigen Behörden ihre Untersuchungen abgeschlossen haben.
Quellen
- PETA Deutschland – Rund 470 Hühner und Gänse bei Stallbrand in der Nähe von Grosselfingen getötet – PETA erstattet Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Hechingen – https://presseportal.peta.de/rund-470-huehner-und-gaense-bei-stallbrand-in-der-naehe-von-grosselfingen-getoetet-peta-erstattet-strafanzeige-bei-der-staatsanwaltschaft-hechingen/
- Freiwillige Feuerwehr Hechingen – Überlandhilfe bei Gebäudebrand in Grosselfingen – https://www.feuerwehr-hechingen.com/print.php?artikel_id=560
- Südwest Presse – Brand bei Grosselfingen: Peta erstattet Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Hechingen – https://www.swp.de/lokales/hechingen/brand-bei-grosselfingen-peta-erstattet-anzeige-bei-der-staatsanwaltschaft-hechingen-79496256.html
- Landtag Baden-Württemberg / dpa – Feuer auf Hof – weniger Tiere verendet als befürchtet – https://www.landtag-bw.de/de/aktuelles/dpa-nachrichten/feuer-auf-hof-weniger-tiere-verendet-als-befuerchtet-655686
- Südwestrundfunk – Große Hilfe nach verheerendem Brand auf Hof: Landwirte besorgen Futter für Tiere – https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/tuebingen/brand-auf-hof-in-grosselfingen-helfer-sind-geschockt-100.html
- Landtag Baden-Württemberg / dpa – Nach Brand auf Geflügelhof: Menschen spenden im Netz – https://www.landtag-bw.de/de/aktuelles/dpa-nachrichten/nach-brand-auf-gefluegelhof-menschen-spenden-im-netz-655884
