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Schlagwort: Regulierung der Wolfsbestände

  • Junge SVP Wolfsregulierung Schweiz: Obergrenze von sieben Rudeln gefordert

    Junge SVP Wolfsregulierung Schweiz: Obergrenze von sieben Rudeln gefordert

    Die Junge SVP mehrerer Schweizer Kantone fordert eine landesweite Obergrenze von sieben Wolfsrudeln. Mit einer Petition wenden sich die Sektionen unter anderem aus dem Oberwallis, Graubünden, Nidwalden, Schwyz, St. Gallen, dem Tessin und Zürich gegen den aktuellen Umgang mit der Wolfspopulation. Sie verlangen schnellere Eingriffe, mehr Transparenz bei den Kosten und eine Regulierung, die aus ihrer Sicht besser auf die Belastung der Alpwirtschaft reagiert.

    Hohe Risszahlen und wachsende Belastung für Alpbetriebe

    Die politische Forderung wird mit steigenden Wolfsbeständen und wiederholten Nutztierrissen begründet. Nach Angaben der beteiligten Jungparteien wurden vom 1. November 2024 bis zum 31. Oktober 2025 schweizweit 808 Nutztiere entschädigt. Diese Zahl umfasst allerdings nur offiziell anerkannte Fälle. Für das Wallis nennt die Junge SVP für den Sommer 2026 bislang 230 gerissene Nutztiere bei 91 Angriffen, während im Tessin bereits mehr als 108 Risse registriert worden seien.

    Besonders konfliktträchtig ist, dass neben Schafen zunehmend auch grössere Nutztiere betroffen sein sollen. Im Vallée de la Brévine wurden zwischen dem 4. und 26. Juli acht Rinder gerissen oder verletzt. Auf der Alp Talalp im Klein Melchtal wurde am 4. September ein weiteres Rind getötet; die Wildhut stufte den Wolf dort als höchstwahrscheinlich verantwortlich ein. Die Beispiele zeigen, weshalb die Debatte für die Landwirtschaft über den klassischen Herdenschutz hinausgeht: Angriffe auf Rinder, Kälber und Ziegen können für Betriebe wirtschaftlich schwerer wiegen als einzelne Schafverluste.

    Die Jungpartei macht zugleich geltend, dass nicht alle Vorfälle gemeldet würden. Betroffene hätten teilweise Sorge vor administrativen Hürden oder einer vorzeitigen Räumung der Alpweiden. Diese Darstellung stammt von den politischen Initiatoren der Petition und beschreibt deren Einschätzung der Situation. Für die betroffenen Halter hat sie dennoch eine praktische Konsequenz: Nur dokumentierte und anerkannte Risse können in der Regel in Verfahren und Entschädigungsfragen berücksichtigt werden. Die Belastung für die Alpbetriebe steigt nach Darstellung der Jungpartei, während die Schutzmassnahmen zunehmend an ihre Grenzen stossen.

    Bestandsentwicklung verschärft den politischen Streit

    Die Junge SVP verweist auf einen deutlichen Anstieg der Wolfsbestände. Während für 2020 rund elf Rudel und etwa 100 Wölfe genannt werden, gehen aktuelle Angaben der Initiatoren von mehr als 43 Rudeln und über 350 Tieren aus. Gleichzeitig habe sich das Verbreitungsgebiet aus den alpinen Kernregionen in Voralpen, Jura und periurbane Gebiete des Flachlands ausgedehnt. Die Zahlen werden von der Jungpartei als Argument für eine schweizweit einheitliche Bestandsgrenze verwendet.

    Die geforderte Grenze von sieben Rudeln soll nach Darstellung der Petition den langfristigen Erhalt der Art sichern und zugleich die Existenz der Berg- und Weidewirtschaft schützen. Damit verbindet die Initiative eine deutliche Reduzierung des heutigen Bestands mit dem Anspruch, den Wolf dauerhaft in der Schweiz zu erhalten. Wie eine solche Obergrenze biologisch, rechtlich und praktisch umgesetzt werden könnte, wird durch die Forderung allein jedoch nicht beantwortet. Klar ist nur, dass die Regulierung deutlich stärker auf eine landesweite Bestandssteuerung ausgerichtet wäre als auf einzelne problematische Tiere oder lokale Rissereignisse.

    Petition verlangt schnellere Verfahren und vollständige Kostensicht

    Neben der Bestandsgrenze fordert die Junge SVP einheitliche Kriterien und kürzere Entscheidungswege für Abschüsse. Die bisherigen Bewilligungsverfahren seien aus ihrer Sicht zu langsam und zu komplex. Zudem warnt die Partei davor, dass langwierige Abläufe die Akzeptanz der geltenden Regeln schwächen könnten. Zuständig für konkrete Eingriffe bleiben dabei die nach den jeweiligen Verfahren verantwortlichen Behörden und die Wildhut.

    Ein weiterer Schwerpunkt ist die Kostentransparenz. Die Petition verlangt eine Offenlegung der Ausgaben von Bund, Kantonen und Gemeinden sowie der Aufwendungen Privater. Genannt werden Entschädigungen, Zäune, Herdenschutzhunde, Nachtpferche und Arbeitszeit. Nach Angaben der Initiatoren werden Herdenschutzmassnahmen bereits mit rund zehn Millionen Franken jährlich aus Bundesmitteln unterstützt; der Kanton St. Gallen trage zusätzlich fast eine Million Franken pro Jahr. Für Tierhalter ist diese Debatte unmittelbar relevant, weil nicht nur gerissene Tiere, sondern auch laufende Schutz- und Betreuungsaufwendungen über die Wirtschaftlichkeit einer Alp entscheiden können.

    Die Forderung steht vor dem Hintergrund eines bereits zugespitzten Vollzugsstreits. Die Junge SVP hält solche Eingriffe insgesamt für zu selektiv und verlangt eine politische Obergrenze statt einer ausschliesslich ereignisbezogenen Regulierung.

    Ob Bundesrat und Parlament den Vorstoss aufgreifen, ist offen. Die Petition macht jedoch sichtbar, dass sich der Konflikt inzwischen nicht mehr nur um einzelne Risse dreht. Im Zentrum steht vielmehr die Frage, wie gross ein Wolfsbestand sein kann, ohne dass Nutztierhaltung und Alpwirtschaft dauerhaft unverhältnismässig belastet werden, wer die Kosten des Zusammenlebens übernimmt und ob der Schutz von Nutztieren mit den bestehenden Verfahren tatsächlich schnell genug gewährleistet werden kann. Gerade auf weitläufigen Alpweiden zeigt sich dabei, dass Herdenschutz technisch, personell und wirtschaftlich nicht unbegrenzt ausgeweitet werden kann.

    Quellen