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Schlagwort: Platz des 18. März

  • Robert Marc Lehmann Demo Berlin: Erst der falsche Platz, dann sagt auch noch Sarah Connor ab

    Robert Marc Lehmann Demo Berlin: Erst der falsche Platz, dann sagt auch noch Sarah Connor ab

    Groß ankündigen kann jeder

    Robert Marc Lehmann wollte an diesem Sonntag offenbar nicht einfach irgendeine Demonstration gegen Zoos veranstalten. Nein, es musste selbstverständlich gleich die „größte Anti-Zoo-Demo der Welt“ sein. Bescheidenheit war gestern, Weltrekord ist heute. Beworben wurde die Veranstaltung für den 4. Oktober 2026 von 12 bis 15 Uhr auf dem Pariser Platz in Berlin.

    Wer dort heute tatsächlich auf die angekündigte Demonstration wartet, könnte allerdings ein kleines Orientierungsproblem bekommen. Denn die Berliner Polizei führt die Versammlung „Für Tiere in Freiheit“ zur exakt passenden Uhrzeit von 12 bis 15 Uhr auf dem Platz des 18. März. Das ist zwar nur die andere Seite des Brandenburger Tors, aber eben trotzdem ein anderer Platz. Bei der angeblich „größten Anti-Zoo-Demo der Welt“ hätte man vielleicht erwarten dürfen, dass wenigstens der Veranstaltungsort in der öffentlichen Werbung stimmt. Imginn

    Pariser Platz? Fast. Nur einmal durchs Brandenburger Tor

    Geografisch ist die Sache eigentlich nicht besonders kompliziert. Der Pariser Platz liegt auf der Ostseite des Brandenburger Tors in Richtung Unter den Linden, der Platz des 18. März auf der Westseite in Richtung Tiergarten und Straße des 17. Juni. Zwischen beiden steht dieses eher unauffällige Bauwerk namens Brandenburger Tor. Wer also der ursprünglichen Ortsangabe „Pariser Platz“ folgt, steht schlicht auf der falschen Seite.

    Natürlich kann ein Veranstaltungsort geändert werden. Aber genau deshalb wäre es bei einer mit maximaler Reichweite beworbenen Veranstaltung nicht ganz unwichtig, die eigene Community auch entsprechend eindeutig auf den tatsächlichen Ort hinzuweisen. Gerade wenn gleichzeitig mit Begriffen wie „größte Anti-Zoo-Demo der Welt“ gearbeitet wird, wirkt dieses Durcheinander unfreiwillig komisch. Große Worte vorne, Kleingedrucktes hinten.

    GERATI hatte bereits vor der Veranstaltung hinterfragt, warum Robert Marc Lehmann seine Anti-Zoo-Demonstration überhaupt am Brandenburger Tor inszeniert und welche Aussagekraft die großspurige Rekordankündigung tatsächlich hat. Mehr dazu hier: Robert Marc Lehmann Anti-Zoo-Demonstration Berlin: Warum am Brandenburger Tor statt vor einem Zoo?

    Dann sagt auch noch Sarah Connor ab

    Und als wäre die Sache mit dem Veranstaltungsort nicht schon genug, gab es unmittelbar vor der Demo noch einen weiteren Dämpfer. Sarah Connor, die im Zusammenhang mit der Veranstaltung als prominente Unterstützerin auftrat, sagte ihre persönliche Teilnahme kurzfristig ab. Damit fehlt ausgerechnet einer der Namen, der außerhalb der eigenen Anti-Zoo-Blase zusätzliche Aufmerksamkeit hätte bringen können.

    Gerade für eine Veranstaltung, die von Beginn an möglichst groß, möglichst bedeutend und möglichst rekordverdächtig erscheinen sollte, ist das keine Nebensache. Ein prominenter Name wie Sarah Connor sorgt nicht nur für zusätzliche Reichweite, sondern auch für Presseinteresse und Besucher, die mit Robert Marc Lehmann selbst möglicherweise gar nicht viel anfangen können. Fällt dieser Faktor unmittelbar vor Beginn weg, wird aus dem angekündigten Star-Auflauf schnell wieder deutlich mehr Eigenpublikum.

    Und die Ironie lässt sich kaum übersehen. Erst heißt es „größte Anti-Zoo-Demo der Welt“, dann stimmt der beworbene Platz nicht mit der aktuellen Polizeiliste überein, und unmittelbar vor der Veranstaltung fällt auch noch eine der prominentesten Unterstützerinnen aus. Für einen angeblichen Weltrekordversuch läuft das Warm-up zumindest bemerkenswert unrund.

    Wenn aus Weltrekord-Marketing plötzlich Schadensbegrenzung wird

    Natürlich macht eine einzelne Absage eine Demonstration nicht automatisch klein. Das wäre genauso unseriös wie die Behauptung, eine Veranstaltung sei schon vor Beginn die größte ihrer Art weltweit. Aber genau hier liegt das Problem der eigenen Inszenierung: Wer die Erwartungen künstlich maximal hochschraubt, macht jeden Rückschlag automatisch größer.

    Hätte man einfach zu einer Anti-Zoo-Demonstration in Berlin aufgerufen, wäre eine kurzfristige Absage einer prominenten Unterstützerin kaum bemerkenswert. Wer dagegen mit „größte Anti-Zoo-Demo der Welt“ wirbt, stellt sich selbst auf eine Bühne, auf der plötzlich jede Lücke sichtbar wird. Dann wird eben auch interessant, wer tatsächlich kommt, wer absagt und wie viele Menschen am Ende wirklich auf dem Platz stehen.

    Das ist übrigens kein Angriff auf das Demonstrationsrecht. Robert Marc Lehmann und seine Unterstützer dürfen selbstverständlich gegen Zoos demonstrieren. Sie dürfen auch prominente Unterstützer einladen und möglichst viele Menschen mobilisieren. Aber sie dürfen nicht erwarten, dass großspuriges Marketing anschließend einfach als Tatsache übernommen wird.

    Auf dem Pariser Platz findet später tatsächlich eine andere Demo statt

    Die Sache mit dem Ort bekommt noch eine zusätzliche Pointe. Die Berliner Polizei führt am selben Tag ab 15 Uhr auf dem Pariser Platz tatsächlich eine andere Versammlung. Die Anti-Zoo-Demo ist dagegen für 12 bis 15 Uhr auf dem Platz des 18. März gelistet. Damit liegen am selben Nachmittag tatsächlich zwei unterschiedliche Versammlungen auf zwei unterschiedlichen Seiten des Brandenburger Tors.

    Wer ausschließlich der ursprünglichen Lehmann-Werbung mit „Pariser Platz Berlin“ folgt, könnte daher problemlos am falschen Ort landen. Und wer dort etwas länger wartet, bekommt ab 15 Uhr sogar noch eine völlig andere politische Kundgebung geliefert. Mehr Kontrast zwischen Werbegrafik und tatsächlicher Versammlungslage bekommt man vermutlich selbst mit professionellem Storytelling kaum hin.

    Bemerkenswert ist dabei vor allem eines: Die Veranstaltung selbst wurde mit einer Präzision beworben, die an Superlativen nichts vermissen ließ. Weltgrößte Demo, große Namen, große Aufmerksamkeit. Nur beim banalen Detail, auf welcher Seite des Brandenburger Tors das Ganze stattfindet, wurde es offenbar etwas schwieriger.

    Weltrekord zuerst, Teilnehmer zählen später

    Auch die Formulierung „größte Anti-Zoo-Demo der Welt“ bleibt vor Beginn vor allem eines: ein Werbeclaim. Welche internationalen Demonstrationen dafür verglichen wurden, welche Teilnehmerzahlen als Referenz dienen und nach welchen Kriterien dieser Weltrekord überhaupt festgestellt werden soll, wird in der öffentlichen Bewerbung nicht erklärt. Der Titel steht also bereits fest, bevor überhaupt jemand gezählt wurde.

    Vielleicht ist das inzwischen die moderne Variante des Aktivismus: Erst kommt die Schlagzeile, danach kommt die Realität. Erst wird der Weltrekord ausgerufen, danach schaut man, wie viele Menschen tatsächlich erscheinen. Und wenn am Ende weniger Menschen als erhofft kommen, findet sich vermutlich irgendeine andere Kennzahl, mit der sich trotzdem ein Erfolg verkünden lässt.

    GERATI hat diese Art der Inszenierung bei Robert Marc Lehmann schon mehrfach kritisch betrachtet. Auch bei früheren Auseinandersetzungen rund um Zoos gehörten maximale Zuspitzung und größtmögliche öffentliche Aufmerksamkeit regelmäßig zum Konzept. Mehr dazu: Meinungsfreiheit à la Robert Marc Lehmann?

    Entscheidend ist nicht Instagram, sondern der Platz

    Am Ende bleibt deshalb nur eine wirklich interessante Zahl: Wie viele Menschen waren tatsächlich da? Nicht Likes, nicht Shares, nicht Follower und nicht irgendwelche hochgerechneten Reichweiten. Menschen auf dem Platz.

    Gerade bei einer derart groß angekündigten Veranstaltung sollte anschließend genau hingeschaut werden. Veranstalterzahlen, Polizeischätzungen, Fotos und die tatsächlich gefüllte Fläche lassen sich miteinander vergleichen. Dann wird sich zeigen, ob aus dem vollmundigen „größte Anti-Zoo-Demo der Welt“ tatsächlich ein Ereignis entsprechender Größenordnung wurde oder lediglich ein besonders großes Social-Media-Versprechen.

    Sarah Connors kurzfristige Absage macht diesen Vergleich nur noch interessanter. Einer der prominentesten Namen fällt aus, der beworbene Veranstaltungsort stimmt nicht mit dem offiziellen Eintrag der Polizei überein, und trotzdem steht über allem weiterhin der Weltrekord-Claim. Mehr Fallhöhe kann man sich eigentlich kaum selbst bauen.

    Zwischen Anspruch und Realität steht heute das Brandenburger Tor

    Robert Marc Lehmann darf seine Veranstaltung selbstverständlich so offensiv bewerben, wie er möchte. Aber wer mit maximalen Superlativen arbeitet, muss sich anschließend auch daran messen lassen. Genau das wird GERATI tun.

    Heute reicht dafür zunächst ein Blick auf zwei Seiten des Brandenburger Tors. Pariser Platz beworben, Platz des 18. März offiziell gelistet. Prominente Unterstützung angekündigt, Sarah Connor kurzfristig nicht persönlich dabei. Weltgrößte Anti-Zoo-Demo ausgerufen, tatsächliche Teilnehmerzahl noch abzuwarten.

    Dazwischen steht das Brandenburger Tor. Und selten hat ein Berliner Bauwerk Anspruch und Realität so praktisch voneinander getrennt.

    Quellen