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Schlagwort: Pferde für den menschlichen Verzehr

  • Europol-Einsatz: Verdacht auf Pferdefleisch-Netzwerk und umdeklarierte Rennpferde

    Europol-Einsatz: Verdacht auf Pferdefleisch-Netzwerk und umdeklarierte Rennpferde

    In Irland, Frankreich, den Niederlanden und Belgien sind Ermittler gegen ein mutmaßliches Netzwerk illegaler Pferdehändler vorgegangen. Die Verdächtigen sollen ausgediente Rennpferde mit gefälschten Mikrochips und Papieren als Schlachtpferde deklariert haben. Im Mittelpunkt steht der Verdacht, dass Fleisch von Tieren, die wegen früherer Medikamentengaben nicht für den menschlichen Verzehr zugelassen waren, in Lebensmittel gelangte.

    Mehr als 1.000 Pferde überprüft

    Nach Angaben von Europol waren rund 200 Ermittler an der koordinierten Aktion beteiligt. Der Schwerpunkt der Ermittlungen lag in Belgien, wo die Staatsanwaltschaft in Dendermonde das Verfahren führt. Bei den Durchsuchungen wurden mehr als 1.000 Pferde überprüft und größtenteils beschlagnahmt. Außerdem nahmen die Behörden in Belgien drei Verdächtige fest und stellten mehr als 100.000 Euro Bargeld sicher.

    Die mutmaßliche Vorgehensweise zielte offenbar darauf, den Wert ausgedienter Rennpferde künstlich zu erhöhen. Ein zuvor kaum noch wirtschaftlich nutzbares Tier soll durch die Umdeklarierung einen Handelswert von 1.000 bis 1.500 Euro erhalten haben. Gefälschte Unterlagen und veränderte Mikrochips sollten dabei verschleiern, welche Tiere tatsächlich für die Lebensmittelkette zugelassen waren.

    Medikamentenrückstände als Kern des Lebensmittelskandals

    Besonders brisant ist die mögliche Verwendung ehemaliger Rennpferde. Diese Tiere erhalten im Verlauf ihrer Karriere häufig Medikamente, deren Einsatzzeiten und Rückstände bei einer späteren Schlachtung berücksichtigt werden müssen. Nach Darstellung der belgischen Staatsanwaltschaft waren die betroffenen Pferde deshalb nicht für den menschlichen Konsum freigegeben. Die mutmaßliche Fälschung der Identität könnte damit die Prüfung der Lebensmittelsicherheit erschweren.

    Die niederländische Organisation House of Animals erklärte, bei den Tieren habe es sich insbesondere um ausgediente Rennpferde aus Großbritannien und Irland gehandelt. Nach Darstellung der Organisation sollen sie unter schlechten Bedingungen in andere europäische Länder transportiert und dort geschlachtet worden sein. Nach Angaben der Organisation wurde das Fleisch in den Niederlanden zu Produkten wie Fleischbällchen und Kroketten verarbeitet und über den Großhandel vertrieben. Ob und in welchem Umfang solche Produkte tatsächlich im Handel oder bei Verbrauchern ankamen, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

    Für Verbraucher lässt sich aus den bisherigen Angaben noch nicht ableiten, ob belastetes Fleisch tatsächlich in den Handel gelangte oder in welchem Umfang Produkte betroffen wären. Die Ermittlungen müssen zunächst klären, ob und welche konkreten Produkte betroffen sind.

    Parallelen zu einem Verfahren in Marseille

    Der aktuelle Fall erinnert an ein Verfahren in Marseille aus dem Jahr 2023. Damals gab es einen Prozess gegen 15 Beteiligte aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden wegen des Inverkehrbringens von nicht für den Verzehr geeignetem Pferdefleisch.

    Die Parallele macht deutlich, warum die Ermittler grenzüberschreitend vorgehen. Pferde können zwischen mehreren Ländern transportiert werden, während ihre Identität über Pässe und Datenbanken dokumentiert wird. Der nun untersuchte Vorgang ist allerdings noch nicht abgeschlossen; die strafrechtliche Verantwortung der festgenommenen Personen muss erst in den weiteren Verfahren geklärt werden.

    Entscheidend ist nun, das Schicksal der überprüften und beschlagnahmten Pferde lückenlos zu rekonstruieren. Ebenso muss geklärt werden, welche Betriebe Fleisch übernommen haben und ob konkrete Produkte zurückgerufen werden müssen.

    Quellen