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Schlagwort: Pensionspferde Wolf

  • Wolfshinweise in Schloß Holte-Stukenbrock: Landwirte sorgen sich um ihre Nutztiere

    Wolfshinweise in Schloß Holte-Stukenbrock: Landwirte sorgen sich um ihre Nutztiere

    Im Raum Schloß Holte-Stukenbrock sorgen neue Hinweise auf einen möglichen Wolf für Unruhe unter Landwirten und Pferdehaltern. Während eine mutmaßliche Wolfsfährte und eine Beobachtung an den Emsquellen noch überprüft werden müssen, ist die Anwesenheit von Wölfen in der Senne keineswegs neu. Bereits 2018 wurde ein Wolf unmittelbar in Schloß Holte-Stukenbrock nachgewiesen. Für die Tierhalter stellt sich deshalb nicht nur die Frage nach möglichen Angriffen, sondern auch nach den Gefahren, die panische Rinder und Pferde bei einer Begegnung mit einem Wolf verursachen könnten.

    Neue Wolfshinweise außerhalb des Truppenübungsplatzes Senne

    Im Raum Schloß Holte-Stukenbrock sind erneut Hinweise auf einen möglichen Wolf bekannt geworden. Wie das Westfalen-Blatt berichtet, hat Landwirt Peter Aschof in seinem Revier eine mutmaßliche Wolfsfährte entdeckt. Darüber hinaus soll tagsüber ein Tier im Bereich der Emsquellen beobachtet worden sein. Ob es sich tatsächlich um einen Wolf handelt und ob beide Beobachtungen demselben Tier zugeordnet werden können, ist bislang nicht abschließend geklärt.

    Besonders aufmerksam verfolgen die Landwirte die Entwicklung, weil die möglichen Wolfshinweise nicht ausschließlich vom weitläufigen Truppenübungsplatz Senne stammen. An dessen Rändern befinden sich landwirtschaftliche Betriebe, Rinderweiden und Pferdehaltungen, deren Tiere teilweise unmittelbar an Wald- und Naturflächen gehalten werden. Ein Wolf, der sich außerhalb des militärisch genutzten Geländes bewegt, könnte deshalb auch in die Nähe bewirtschafteter Weideflächen gelangen. Die aktuellen Beobachtungen allein erlauben allerdings noch keine Aussage darüber, wie häufig sich Wölfe tatsächlich in diesem Bereich aufhalten oder ob bereits ein bestimmtes Tier regelmäßig dort unterwegs ist.

    Landwirte befürchten Panik unter Rindern und Pferden

    Für Peter Aschof steht nach dem Bericht nicht die Befürchtung im Vordergrund, dass ein Wolf gezielt ausgewachsene Kühe angreifen könnte. Vielmehr sorgt er sich um mögliche Panikreaktionen seiner Tiere, falls diese auf einen Wolf treffen. Flüchtende Rinder könnten Weidezäune beschädigen oder überwinden und anschließend auf öffentliche Straßen oder sogar die nahe gelegene Autobahn gelangen. In einem solchen Fall wären nicht nur die Tiere selbst gefährdet, sondern möglicherweise auch unbeteiligte Verkehrsteilnehmer.

    Ähnliche Sorgen äußert ein Halter von Pensionspferden in Stukenbrock-Senne. Pferde sind Fluchttiere und können auf ungewohnte Reize mit plötzlichen Ausweich- oder Fluchtbewegungen reagieren. Ob eine Begegnung mit einem Wolf tatsächlich eine solche Reaktion auslöst, hängt allerdings von zahlreichen Umständen ab und lässt sich nicht pauschal vorhersagen. Für die betroffenen Halter ist bereits die Möglichkeit einer unkontrollierten Flucht ein Anlass, die Sicherheit ihrer Weiden und die vorhandenen Einzäunungen kritisch zu überprüfen.

    Bislang ist im Zusammenhang mit den aktuellen Beobachtungen weder ein bestätigter Nutztierriss noch eine konkret dokumentierte Flucht von Weidetieren bekannt. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich die Sorgen der Halter ausschließlich auf mögliche direkte Wolfsangriffe reduzieren lassen. Neben verletzten oder getöteten Tieren können auch Schäden an Zäunen, entlaufene Tiere und die anschließende Suche erhebliche praktische Probleme verursachen. Welche dieser Risiken im konkreten Fall bestehen, muss anhand der örtlichen Gegebenheiten und der tatsächlich bestätigten Wolfsnachweise beurteilt werden.

    Schon 2017 und 2018 wurden Wölfe in der Senne nachgewiesen

    Die mögliche Anwesenheit eines Wolfes ist für die Region keineswegs eine völlig neue Entwicklung. Bereits im Februar 2017 wurde auf dem Truppenübungsplatz Senne ein gerissenes weibliches Damwild gefunden, das anschließend genetisch untersucht wurde. Die Untersuchung bestätigte, dass der Wolf mit der Kennung GW666m für den Riss verantwortlich war. Nach damaligen Angaben des nordrhein-westfälischen Landesumweltamtes stammte der Rüde aus einem niedersächsischen Rudel bei Cuxhaven.

    Ein weiterer wichtiger Nachweis folgte im September 2018 unmittelbar in Schloß Holte-Stukenbrock. Am 23. September fotografierte dort eine Wildkamera einen Wolf, während genetische Untersuchungen an gerissenem Damwild die Anwesenheit einer Wölfin in der Senne bestätigten. Die damaligen Untersuchungen ermöglichten es, mehrere Nachweise demselben Tier zuzuordnen. Damit ist dokumentiert, dass Wölfe nicht erst durch die aktuellen Beobachtungen in der unmittelbaren Umgebung von Schloß Holte-Stukenbrock aufgetaucht sind.

    Als Reaktion auf die Entwicklung wies Nordrhein-Westfalen zum 20. Dezember 2018 das Wolfsgebiet Senne mit einer angrenzenden Pufferzone aus. Im Juni 2021 wurde das Gebiet nach weiteren genetischen Wolfsnachweisen im Eggegebirge südlich und südöstlich erweitert und in Wolfsgebiet Senne–Eggegebirge umbenannt. Die Stadt Schloß Holte-Stukenbrock gehört ausdrücklich zu dieser Förderkulisse, die eine Fläche von rund 1.667 Quadratkilometern umfasst. Die derzeitigen Meldungen betreffen somit eine Region, in der die Anwesenheit von Wölfen schon seit Jahren behördlich dokumentiert ist.

    Herdenschutz am Sennerand: Zwischen technischer Sicherung und praktischen Grenzen

    Die aktuellen Hinweise werfen erneut die Frage auf, wie sich die unterschiedlichen Tierhaltungen am Rand der Senne ausreichend schützen lassen. Während bei Schafen und Ziegen vor allem wolfsabweisende Elektrozäune, gesicherte Weidetore und gegebenenfalls Herdenschutzhunde zum Einsatz kommen, müssen bei Rindern und Pferden auch deren Größe, Verhalten und die bestehende Weideinfrastruktur berücksichtigt werden. Die Sicherung einer kleinen, überschaubaren Weide unterscheidet sich erheblich von der Einzäunung ausgedehnter landwirtschaftlicher Flächen mit wechselnden Weideabschnitten. Hinzu kommt, dass ein Zaun nicht nur mögliche Wolfsübergriffe erschweren, sondern auch verhindern soll, dass aufgeschreckte Tiere ausbrechen.

    Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen bietet allen Weidetierhaltern eine kostenlose Beratung zum Herdenschutz an. Dabei können unter anderem die vorhandenen Zäune, ihre Elektrifizierung, die Sicherung von Weidetoren und mögliche Schwachstellen beurteilt werden. Für Schafe, Ziegen und Gehegewild stehen nach den geltenden nordrhein-westfälischen Richtlinien Fördermöglichkeiten für geeignete Präventionsmaßnahmen zur Verfügung. Pferde- und Rinderhalter können sich ebenfalls beraten lassen, müssen jedoch die jeweils geltenden Fördervoraussetzungen beachten, da nicht sämtliche Tierarten bei der finanziellen Unterstützung gleichgestellt sind.

    Die praktischen Schwierigkeiten solcher Schutzmaßnahmen sind auch aus anderen Wolfsregionen bekannt. Wie GERATI bereits im Artikel „Wolfsübergriffe in Sachsen häufen sich im Spätsommer“  berichtete, können unzureichend gesicherte Gatter, beschädigte Zäune und fehlender Untergrabschutz das Risiko eines erfolgreichen Wolfsübergriffs erhöhen. Gleichzeitig müssen Herdenschutzmaßnahmen an die jeweiligen Weideflächen und betrieblichen Möglichkeiten angepasst werden. Ein funktionierender Herdenschutz kann Risiken verringern, aber weder jeden Wolfsangriff noch jede denkbare Panikreaktion von Weidetieren vollständig ausschließen.

    Aktuelle Wolfshinweise müssen eindeutig dokumentiert werden

    Entscheidend bleibt zunächst die Frage, ob sich die derzeitigen Beobachtungen im Raum Schloß Holte-Stukenbrock bestätigen lassen. Eine vermeintliche Wolfsfährte oder die Beobachtung eines wolfsähnlichen Tieres reichen allein nicht aus, um die Anwesenheit eines bestimmten Wolfes zweifelsfrei nachzuweisen. Dafür sind beispielsweise aussagekräftige Fotoaufnahmen, genetische Untersuchungen oder ausreichend dokumentierte Spuren erforderlich. Die zuständigen Fachstellen können solche Hinweise anhand der bundesweit geltenden Monitoringstandards bewerten und gegebenenfalls weitere Untersuchungen veranlassen.

    Für die Landwirte und Pferdehalter am Rand der Senne ist die Situation dennoch von praktischer Bedeutung. Sie bewirtschaften ihre Flächen in einem seit Jahren ausgewiesenen Wolfsgebiet und müssen ihre Tierhaltung entsprechend den örtlichen Gegebenheiten organisieren. Die aktuellen Meldungen zeigen, dass es dabei nicht ausschließlich um die Gefahr unmittelbar gerissener Nutztiere geht, sondern ebenso um die Sicherheit von Weidezäunen, mögliche Fluchtreaktionen und den damit verbundenen Aufwand. Ob aus den jetzigen Wolfshinweisen tatsächlich neue Konflikte entstehen, bleibt abzuwarten; die Frage nach einem praktikablen Schutz der Weidetiere besteht in der Region allerdings schon seit Jahren.

    Quellen