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Schlagwort: Olma St. Gallen

  • Säulirennen an der Olma: Petition trifft auf festgehaltene Tradition

    Säulirennen an der Olma: Petition trifft auf festgehaltene Tradition

    15 Jungsauen für den Auftritt in St. Gallen

    Auf dem Hof von Dominik und Jessica Dörig in Gossau SG laufen die Vorbereitungen für das Säulirennen an der Olma. Aus zunächst 30 Jungsauen wurden 19 Tiere ausgewählt, 15 davon sollen bei den Rennen starten, vier weitere stehen als Reserve bereit. Seit Anfang August trainiert die Familie die Tiere zweimal täglich jeweils rund eine Stunde. Das Training folgt einem klaren Ablauf: Die Schweine laufen in Startboxen, reagieren auf das Signal und sprinten zu einem Futtertrog. Ausgewählt wurden vor allem neugierige Tiere, die sich anfassen lassen und nicht besonders scheu reagieren. Die Kinder der Familie helfen dabei, die Tiere nach dem Lauf zurückzuführen. Nach Angaben der Dörigs wird das Training mit Futter belohnt und schrittweise aufgebaut.

    Die neue Verantwortung kommt zu einem wichtigen Zeitpunkt. Hans und Susanne Milz aus Amlikon-Bissegg TG hatten das Rennsäuli-Training fast drei Jahrzehnte lang übernommen und gingen nach der Olma 2025 in den Ruhestand. Seit 2026 führt die Familie Dörig diese Aufgabe weiter. Das Rennen selbst gehört seit 1997 zum Programm der Landwirtschaftsmesse.

    Campax fordert das Ende des Rennens

    Gegen die Veranstaltung richtet sich eine Petition der Kampagnenorganisation Campax. Nach Angaben der Organisation haben mehr als 10.000 Menschen unterschrieben. Die Initiatoren argumentieren, dass die Tiere durch die ungewohnte Umgebung, fremde Gerüche, Publikum und Lärm belastet werden könnten. Campax kritisiert außerdem den Gegensatz zwischen der Präsentation der Schweine als Publikumslieblinge und ihrer späteren Nutzung als Nutztiere. Die Rennsäuli kehren nach der Messe auf den Hof zurück, werden dort noch etwa sechs Wochen gemästet und anschließend geschlachtet. Für Campax ist das Rennen deshalb kein neutraler Einblick in die Landwirtschaft, sondern eine Form der Unterhaltung mit Tieren.

    Die Organisation stellt zudem die Wirkung auf Kinder infrage. Nach ihrer Einschätzung vermittelt das Rennen ein verkürztes Bild vom Verhältnis zwischen Mensch und Nutztier. Unterstützt wird die Kampagne von der Veterinärmedizinerin Verena Bracher, die insbesondere die Belastung durch die ungewohnte und laute Messeumgebung kritisiert.

    Veranstalter verweist auf Kontrollen

    Die Olma Messen halten trotz der Petition am Säulirennen fest. Das Unternehmen erklärt, die unterschiedlichen Sichtweisen ernst zu nehmen und offen für einen sachlichen Austausch zu sein. Eine Abschaffung sei derzeit jedoch nicht vorgesehen. Nach Angaben der Messeleitung werden die Tiere von erfahrenen Fachpersonen betreut und tierärztlich kontrolliert. Die Haltungsbedingungen würden durch das Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen des Kantons St. Gallen überprüft. Außerdem sei das Rennen unter Berücksichtigung der geltenden Tierschutzgesetzgebung vom kantonalen Veterinärdienst bewilligt.

    Damit stehen sich zwei unterschiedliche Maßstäbe gegenüber. Die Veranstalter verweisen auf konkrete Betreuung, Kontrollen und die Einhaltung rechtlicher Vorgaben. Campax bewertet bereits die Nutzung der Tiere für eine öffentliche Unterhaltung als problematisch. Eine behördliche Bewilligung beantwortet daher nicht automatisch die gesellschaftliche Frage, ob das Rennen noch zeitgemäß ist.

    Der entscheidende Unterschied zwischen Training und Messe

    Die Dörigs betonen, dass das Tierwohl auf ihrem Betrieb an erster Stelle stehe. Nach ihrer Darstellung haben die Tiere Zugang zum Außenklima, Einstreu und Futter. Sie räumen zugleich ein, dass sich die Bedingungen der Messe nicht vollständig simulieren lassen: Der Boden, die Geräuschkulisse und die Anwesenheit von rund 1.500 Menschen unterscheiden sich deutlich vom Training auf dem Hof. Gerade dieser Punkt ist für die Debatte zentral. Dass die Schweine im Training zielstrebig zu den Startboxen laufen und dem Futter folgen, zeigt, dass sie den Ablauf gelernt haben. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, wie sie die gesamte Situation in der Olma-Arena erleben. Ebenso wenig belegt die Kritik von Campax allein, dass jedes Tier während des Rennens in gleicher Weise oder dauerhaft erheblich belastet wird.

    Die Auseinandersetzung geht deshalb über die Frage hinaus, ob das Rennen formal erlaubt ist. Sie betrifft den Umgang mit Tieren bei öffentlichen Veranstaltungen, die zugleich Landwirtschaft erklären und Besucher unterhalten wollen. Solange die Olma an der Tradition festhält, bleibt der praktische Prüfstein, ob Betreuung und Kontrollen die zusätzlichen Belastungen der Messe tatsächlich angemessen berücksichtigen. Die Petition zeigt jedenfalls, dass die Akzeptanz des Säulirennens nicht mehr selbstverständlich ist.

    Quellen