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Schlagwort: Nutztierrisse durch Wölfe in Deutschland

  • Nutztierrisse durch Wölfe in Deutschland im Jahr 2025

    Nutztierrisse durch Wölfe in Deutschland im Jahr 2025

    Die Nutztierrisse durch Wölfe in Deutschland haben innerhalb von zehn Jahren erheblich zugenommen. Nach aktuellen Zahlen des Bundeszentrums für Landwirtschaft und des Bundeszentrums Weidetiere und Wolf wurden 2025 insgesamt 3.783 getötete, verletzte oder vermisste Nutztiere registriert. Im Jahr 2015 waren es noch 737 Tiere. Während die langfristige Entwicklung einen deutlichen Anstieg zeigt, gingen sowohl die Wolfsübergriffe als auch die Zahl der geschädigten Nutztiere gegenüber 2024 zurück.

    Niedersachsen führt die Statistik der Nutztierrisse an

    Besonders stark betroffen war Niedersachsen mit insgesamt 970 geschädigten Nutztieren im Jahr 2025. Zehn Jahre zuvor waren dort noch 237 Tiere registriert worden. Damit hat sich die Zahl innerhalb eines Jahrzehnts mehr als vervierfacht. Niedersachsen verzeichnet nach Angaben des Bundeszentrums für Landwirtschaft zugleich die höchste Anzahl an Wölfen in Deutschland.

    Bundesweit waren Schafe mit 3.167 betroffenen Tieren die mit Abstand größte Gruppe. Hinzu kamen 303 Tiere aus Gehegewildhaltungen, 166 Rinder und 110 Ziegen. Weitere 37 Fälle betrafen andere Tierarten, darunter Pferde und Alpakas. Die Zahlen verdeutlichen insbesondere die Belastung der Schafhaltung durch Wolfsübergriffe, während größere Nutztiere deutlich seltener betroffen waren.

    Hinter diesen Statistiken stehen konkrete Verluste für die jeweiligen Tierhalter. Ein Wolfsangriff verursacht nicht nur wirtschaftliche Schäden, sondern kann auch verletzte Tiere, zusätzliche tierärztliche Behandlungen und erheblichen Arbeitsaufwand nach sich ziehen. Insbesondere bei kleineren Herden können bereits einzelne Übergriffe schwerwiegende Folgen haben. Wie solche Vorfälle die betroffenen Betriebe unmittelbar treffen, zeigte auch der von GERATI dokumentierte Wolfsriss im Siegerland .

    Weniger Wolfsübergriffe als im Vorjahr

    Trotz des langfristigen Anstiegs verzeichnet die bundesweite Schadensstatistik für 2025 einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Nach Angaben der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) sank die Zahl der Wolfsübergriffe um elf Prozent. Die Anzahl der geschädigten Nutztiere verringerte sich gleichzeitig um 13 Prozent. Insgesamt meldeten die Bundesländer 990 bestätigte Wolfsübergriffe, bei denen teilweise mehrere Tiere betroffen waren.

    Damit lag das bundesweite Schadensniveau 2025 sogar unter dem des Jahres 2022. Die Entwicklung verlief allerdings weder zwischen den Bundesländern noch innerhalb einzelner Regionen einheitlich. Während aus manchen Wolfsterritorien kaum Schäden gemeldet wurden, konzentrierten sich die Angriffe andernorts auf bestimmte Gebiete. Ein bundesweiter Rückgang bedeutet deshalb nicht zwangsläufig, dass sich die Situation für jeden einzelnen Weidetierhalter verbessert hat.

    Regionale Schadens-Hotspots stellen Tierhalter vor besondere Herausforderungen

    Die ungleiche regionale Verteilung der Wolfsübergriffe spielt bei der Bewertung der Schadensstatistik eine wichtige Rolle. In sogenannten Schadens-Hotspots häufen sich Angriffe auf Nutztiere, während andere Gebiete mit vergleichbarer Wolfspräsenz nur wenige Schäden verzeichnen. Für betroffene Betriebe können wiederholte Übergriffe einen erheblichen zusätzlichen Aufwand verursachen. Neben der Versorgung verletzter Tiere müssen sie unter Umständen ihre Weidehaltung verändern und bestehende Schutzmaßnahmen überprüfen.

    Eine wesentliche Herausforderung bleibt die praktische Umsetzung des Herdenschutzes. Welche Maßnahmen geeignet sind, hängt unter anderem von der gehaltenen Tierart, den Geländegegebenheiten und der Bewirtschaftung der Weideflächen ab. Besonders in weitläufigen oder schwer zugänglichen Gebieten können zusätzliche Zäune und regelmäßige Kontrollen mit erheblichem Aufwand verbunden sein. GERATI berichtete bereits über die neuen Herdenschutzanforderungen in Sachsen , die konkrete technische Voraussetzungen für den Schutz unterschiedlicher Nutztierarten festlegen.

    Herdenschutz und Entschädigung verursachen erhebliche Kosten

    Die finanziellen Auswirkungen der Wolfspräsenz beschränken sich nicht auf die unmittelbar getöteten oder verletzten Tiere. Nach Angaben der DBBW stellten die Bundesländer 2025 insgesamt rund 17,16 Millionen Euro für die Förderung von Herdenschutzmaßnahmen bereit. Hinzu kamen Schadensausgleichszahlungen in Höhe von rund 747.000 Euro. Die Ausgaben für Präventionsmaßnahmen lagen damit erheblich über den unmittelbar geleisteten Entschädigungen.

    Allerdings lässt sich aus der bundesweiten Schadensstatistik nicht unmittelbar ableiten, wie wirksam bestimmte Herdenschutzmaßnahmen im Einzelfall waren. Die veröffentlichten Gesamtzahlen enthalten keine vollständigen Informationen darüber, wie die betroffenen Tiere zum Zeitpunkt eines Angriffs geschützt waren. Ein geeigneter wolfsabweisender Zaun kann das Risiko eines Übergriffs reduzieren, bietet jedoch keinen absoluten Schutz. Auch bei den von GERATI beschriebenen Wolfsübergriffen in Sachsen  stand die praktische Umsetzbarkeit wirksamer Schutzmaßnahmen im Mittelpunkt.

    Zehnjahresvergleich zeigt langfristige Belastung der Weidetierhaltung

    Die aktuellen Zahlen verdeutlichen zwei unterschiedliche Entwicklungen: Gegenüber 2015 hat sich die Anzahl der durch Wölfe getöteten, verletzten oder vermissten Nutztiere mehr als verfünffacht, während 2025 ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr verzeichnet wurde. Beide Entwicklungen müssen bei der Bewertung der Situation berücksichtigt werden. Entscheidend ist dabei auch, dass die Statistik zwischen einzelnen Wolfsübergriffen und der Anzahl der betroffenen Tiere unterscheidet. Ein einziger Angriff kann mehrere Nutztiere betreffen und entsprechend hohe Verluste verursachen.

    Für die Weidetierhaltung bleibt die regionale Entwicklung deshalb von besonderer Bedeutung. Bundesweite Durchschnittswerte können die Belastung einzelner Betriebe nur eingeschränkt abbilden, insbesondere wenn sich Übergriffe auf bestimmte Gebiete konzentrieren. Gleichzeitig müssen die Kosten und praktischen Grenzen des Herdenschutzes sowie die Möglichkeiten des Schadensausgleichs berücksichtigt werden. Eine sachgerechte Bewertung der Wolfsproblematik erfordert daher neben der bundesweiten Statistik auch eine genaue Betrachtung der örtlichen Verhältnisse.

    Quellen