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Schlagwort: Mission Erde

  • Robert Marc Lehmann gegen Zoos: Philipp J. Kroiß zerlegt die große Cancel-Erzählung

    Robert Marc Lehmann gegen Zoos: Philipp J. Kroiß zerlegt die große Cancel-Erzählung

    Robert Marc Lehmann spricht von Konsequenzen für die Zoowelt, von fehlender Gesprächsbereitschaft seiner Kritiker und vermittelt den Eindruck, gegen ihn werde mit fragwürdigen Methoden vorgegangen. Philipp J. Kroiß hat diese Darstellung für zoos.media ausführlich analysiert und kommt zu einem deutlich anderen Ergebnis. In seinem Beitrag „Robert Marc Lehmann: Wenn eine Anti-Zoo-Ansage zur Selbstoffenbarung wird“ zeichnet Kroiß das Bild eines Influencers, bei dem Anspruch und tatsächliches Verhalten zunehmend auseinanderfallen.

    Besonders interessant aus Sicht von GERATI: Kroiß greift dabei ausdrücklich eine Recherche von GERATI auf. Dabei ging es um zahlreiche Videos und Millionen Aufrufe, die vom YouTube-Kanal „Robert Marc Lehmann – Mission Erde“ verschwunden waren. Gerade dieser Punkt zeigt, warum es sich lohnt, die verschiedenen Vorgänge sauber voneinander zu trennen, statt sie zu einer großen Erzählung über angebliche Zensur oder Cancel-Versuche zusammenzufügen.

    Ein YouTube-Strike wird zur großen Erzählung

    Ausgangspunkt der Auseinandersetzung war laut Kroiß ein Video von Robert Marc Lehmann, in dem Material von zoos.media verwendet wurde. zoos.media meldete die Verwendung bei YouTube. Die Plattform prüfte den Vorgang und entschied schließlich über die Entfernung des Videos beziehungsweise den entsprechenden Copyright-Vorgang. Entscheidend ist dabei ein Punkt, den Kroiß ausdrücklich hervorhebt: Über einen Strike entscheidet YouTube und nicht derjenige, der eine Urheberrechtsverletzung meldet.

    Das klingt zunächst banal, ist aber für die gesamte Erzählung entscheidend. Wer fremdes Material verwendet und daraufhin mit einer urheberrechtlichen Beschwerde konfrontiert wird, kann daraus nicht automatisch einen organisierten Versuch ableiten, einen kompletten Kanal zum Schweigen zu bringen. Genau an dieser Stelle sieht Kroiß einen grundlegenden Widerspruch zwischen dem tatsächlichen Vorgang und der späteren Darstellung gegenüber der eigenen Community.

    Ein einzelner Copyright-Strike bedeutet schließlich nicht automatisch die Löschung eines gesamten YouTube-Kanals. Gleichzeitig gehört es zum normalen Verfahren der Plattform, dass Rechteinhaber gegen eine aus ihrer Sicht unzulässige Nutzung ihres Materials vorgehen können. Aus einem solchen Standardmechanismus eine Art Angriff der Zoowelt auf Robert Marc Lehmann abzuleiten, benötigt deshalb wesentlich mehr Belege als lediglich die Existenz einer Beschwerde.

    GERATI fand die verschwundenen Videos

    An dieser Stelle kommt GERATI ins Spiel. Nach dem Vorgang mit zoos.media hatte ich mir den Kanal von Robert Marc Lehmann genauer angesehen und festgestellt, dass dort eine beträchtliche Zahl früherer Videos nicht mehr öffentlich vorhanden war. Mit diesen Videos verschwanden zugleich Millionen zuvor ausgewiesener Aufrufe aus der öffentlich sichtbaren Kanalstatistik beziehungsweise dem vorhandenen Videobestand.

    Kroiß verweist in seinem Artikel ausdrücklich auf diese GERATI-Recherche. Gleichzeitig hält er fest, dass die Gründe für das Verschwinden dieser Videos nicht bekannt sind. Genau diese Trennung ist wichtig. Die Beobachtung, dass Videos verschwunden sind, ist etwas anderes als die Behauptung, zu wissen, weshalb sie verschwunden sind.

    Gerade deshalb wäre es unseriös, sämtliche Veränderungen auf Lehmanns Kanal mit dem Copyright-Vorgang von zoos.media in Verbindung zu bringen. Dafür gibt es bislang keinen belastbaren Nachweis. Interessant bleibt die Entwicklung dennoch, weil sie zeitlich in eine Phase fällt, in der Robert Marc Lehmann selbst das Narrativ eines gegen ihn gerichteten Vorgehens öffentlich stark auflädt.

    Kroiß stellt Lehmanns Gesprächsbereitschaft infrage

    Noch deutlicher wird die Kritik von Philipp J. Kroiß bei einem weiteren Punkt. Robert Marc Lehmann erklärte nach Darstellung von zoos.media sinngemäß, er scheue keine Diskussion, treffe jeden und halte sich nicht zurück. Gleichzeitig beklagte er, andere wollten nicht mit ihm diskutieren.

    Kroiß hält diesem Bild mehrere konkrete Beispiele entgegen. So verweist er unter anderem auf ein öffentliches Dialogangebot aus Wuppertal vom Mai 2025. Außerdem nennt er Einladungen des Direktors des Alpenzoos Innsbruck, André Stadler, aus dem Juni und August 2026. Nach Darstellung von zoos.media blieb eine entsprechende öffentliche Reaktion beziehungsweise Annahme dieser Angebote aus.

    Genau hier liegt ein Punkt, der über persönliche Sympathien für Lehmann oder einzelne Zoos hinausgeht. Wer öffentlich den Eindruck vermittelt, die Gegenseite verweigere konsequent den Dialog, muss sich daran messen lassen, wie er selbst mit konkreten Gesprächsangeboten umgeht. Existieren solche Einladungen tatsächlich, kann man gleichzeitig schwer behaupten, niemand wolle mit einem reden.

    Kroiß führt darüber hinaus den Zoo Augsburg sowie ein Orca-Symposium als weitere Beispiele an. Auch hier lautet seine zentrale Kritik nicht, dass Lehmann jede Einladung zwingend annehmen müsse. Natürlich steht es jedem frei, ein Gespräch abzulehnen. Problematisch wird es erst dann, wenn auf der einen Seite Angebote ausgeschlagen oder nicht genutzt werden und auf der anderen Seite gegenüber dem eigenen Publikum der Eindruck einer grundsätzlich dialogunwilligen Zoowelt entsteht.

    Das Marcant-Format ändert das Problem nicht

    Lehmann verwies offenbar auch auf ein geplantes beziehungsweise produziertes Format von Marcant, für das Vertreter aus der Zoowelt angefragt wurden. Kroiß sieht darin keinen Beleg dafür, dass Zoos generell nicht diskutieren wollten. zoos.media selbst hatte nach eigenen Angaben ebenfalls eine Anfrage erhalten, wobei bereits die Adressierung Fragen aufwarf.

    Trotzdem bot zoos.media nach Darstellung von Kroiß Unterstützung für einen geplanten Faktencheck an. Eine weitere Reaktion sei darauf nicht erfolgt. Auch hier ergibt sich damit ein komplizierteres Bild als das einfache Narrativ „Lehmann möchte diskutieren, Zoos verweigern sich“.

    Hinzu kommt ein praktischer Aspekt, der häufig übersehen wird. Nicht jeder Zoo, Verband oder Fachmann muss bereit sein, auf eigene Kosten an einem kommerziell verwerteten YouTube-Format mitzuwirken. Eine Absage an ein bestimmtes Produktionsformat ist nicht automatisch eine Absage an jede inhaltliche Diskussion. Wer beides gleichsetzt, verkürzt die tatsächliche Situation erheblich.

    Wenn aus Kritik eine Verschwörungserzählung wird

    Kroiß wird in seinem Artikel besonders deutlich, wenn es um Reaktionen aus Teilen der Mission-Erde-Community geht. Seiner Einschätzung nach wird dort zunehmend eine Erzählung gepflegt, wonach unterschiedliche Akteure versuchten, Robert Marc Lehmann zum Schweigen zu bringen oder seine Arbeit zu behindern.

    Das Problem einer solchen Erzählung liegt in ihrer Konstruktion. Einzelne Ereignisse können schnell miteinander verbunden werden, obwohl ein tatsächlicher Zusammenhang gar nicht nachgewiesen ist. Ein Copyright-Strike, verschwundene Videos, kritische Artikel, Auseinandersetzungen mit Zoos und abgelehnte Gesprächsformate ergeben dann scheinbar ein großes Gesamtbild. Belegt wird dadurch jedoch noch kein koordiniertes Vorgehen.

    Gerade an diesem Punkt lohnt eine nüchterne Betrachtung. Kritik an einem reichweitenstarken Influencer ist keine Zensur. Eine Urheberrechtsbeschwerde ist nicht automatisch ein Cancel-Versuch. Eine Einladung, die nicht angenommen wird, ist kein Beleg dafür, dass niemand diskutieren möchte. Und mehrere kritische Stimmen bilden nicht automatisch ein Netzwerk, nur weil sie zu ähnlichen Schlussfolgerungen gelangen.

    Anti-Zoo-Kommunikation und das Geschäft mit der Empörung

    Kroiß geht noch einen Schritt weiter und verbindet Lehmanns Anti-Zoo-Kommunikation mit dessen Merchandising. Er verweist dabei insbesondere auf Produkte mit vulgärer Anti-Zoo-Botschaft. Daraus ergibt sich zumindest eine legitime Frage nach den wirtschaftlichen Anreizen einer möglichst scharf geführten Auseinandersetzung.

    Natürlich beweist der Verkauf entsprechender Produkte nicht, dass Kritik an Zoos ausschließlich aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt. Eine solche Behauptung wäre ebenfalls zu einfach. Allerdings lässt sich kaum bestreiten, dass emotionalisierte Konflikte Aufmerksamkeit erzeugen und Aufmerksamkeit im Influencer-Geschäft wirtschaftlich verwertbar ist.

    Wenn sich eine Marke gleichzeitig über klare Feindbilder definiert und passende Produkte verkauft, darf dieser Zusammenhang deshalb thematisiert werden. Genau das macht Kroiß. Er stellt die Frage, ob eine immer aggressivere Anti-Zoo-Rhetorik tatsächlich einer sachlichen Diskussion über Tierhaltung, Artenschutz und wissenschaftliche Arbeit dient oder zunehmend Teil einer erfolgreich vermarktbaren Identität geworden ist.

    Der eigentliche Streit sollte um Fakten gehen

    Besonders relevant ist deshalb ein weiterer Bestandteil des zoos.media-Artikels. Kroiß erinnert daran, dass Lehmann in der Vergangenheit die Bedeutung zoologischer Einrichtungen für verschiedene Arten infrage gestellt hatte. zoos.media beschäftigte sich daraufhin unter anderem mit Balistaren, Sumatra-Nashörnern und Galapagos-Riesenschildkröten und stellte den Anti-Zoo-Aussagen konkrete Informationen zum Artenschutz gegenüber.

    Genau dort sollte die eigentliche Diskussion stattfinden. Nicht bei der Frage, wer wen angeblich canceln möchte, sondern bei überprüfbaren Aussagen. Welche Rolle spielen Zoos bei Erhaltungszuchtprogrammen? Welche Populationen konnten mit Unterstützung zoologischer Einrichtungen erhalten werden? Welche Forschung findet dort statt? Welche Projekte werden finanziert? Und wo gibt es berechtigte Kritik an einzelnen Einrichtungen oder Haltungsformen?

    Wer Zoos grundsätzlich ablehnt, darf diese Fragen selbstverständlich kritisch beantworten. Er muss sich dann allerdings auch mit Fakten auseinandersetzen, die nicht in die eigene Argumentation passen. Dasselbe gilt selbstverständlich für Zoo-Befürworter. Artenschutz wird nicht dadurch besser verstanden, dass beide Seiten immer größere Feindbilder produzieren.

    Philipp J. Kroiß trifft einen entscheidenden Punkt

    Der Artikel von Philipp J. Kroiß ist klar positioniert und an einigen Stellen bewusst scharf formuliert. Das macht er auch nicht zum Geheimnis. Seine entscheidende Stärke liegt jedoch darin, dass er zahlreiche konkrete Vorgänge nebeneinanderstellt und damit eine Frage aufwirft, die Robert Marc Lehmann und seine Community selbst beantworten müssen: Passt die öffentlich erzählte Geschichte tatsächlich zu den dokumentierten Ereignissen?

    Gerade die Behauptung mangelnder Dialogbereitschaft wirkt problematisch, wenn gleichzeitig konkrete Einladungen existieren. Ebenso lässt sich aus einer Copyright-Meldung nicht ohne Weiteres der Versuch konstruieren, einen gesamten YouTube-Kanal aus dem Netz zu drängen. Dass darüber hinaus zahlreiche Videos verschwunden sind, bleibt interessant – über die Ursache sagt diese Beobachtung allein jedoch nichts aus.

    Für GERATI ist noch etwas anderes bemerkenswert. Unsere Recherche zu den verschwundenen Videos wurde von zoos.media nicht einfach benutzt, um eine Ursache zu behaupten, die niemand belegen kann. Kroiß nennt die Recherche und trennt sie ausdrücklich von der offenen Frage nach dem Grund für die Löschungen. Genau so sollte eine sachliche Auseinandersetzung funktionieren.

    Robert Marc Lehmann kann Zoos kritisieren. Zoos können Robert Marc Lehmann kritisieren. zoos.media kann seine Aussagen überprüfen, und GERATI kann wiederum beide Seiten beobachten und einordnen. Das ist keine Zensur, sondern öffentliche Debatte. Entscheidend ist am Ende nicht, wer die größte Community mobilisieren kann, sondern wessen Behauptungen einer Überprüfung standhalten.

    Quellen