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Fakten statt Polemik. Aufklärung über radikalen Tierschutz.

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Schlagwort: Mission Erde

  • Robert Marc Lehmann sagt Shows ab – Karma hat offenbar einen Tourneeplan

    Robert Marc Lehmann sagt Shows ab – Karma hat offenbar einen Tourneeplan

    Robert Marc Lehmann sagt Shows ab. Ausgerechnet den sonst so wortgewaltigen Mission-Erde-Gründer hat es erwischt: Fieber, heftiger Husten und die Stimme ist weg. Drei Auftritte müssen verschoben werden. Das ist für seine Fans ärgerlich und für Lehmann sicherlich unangenehm. Wer allerdings verfolgt, mit welcher Begeisterung der Influencer sonst gegen Zoos, Kritiker und Andersdenkende austeilt und dabei selbst mit der Wahrheit nicht immer besonders sorgfältig umgeht, wird sich ein kleines Schmunzeln über diese unfreiwillige Sendepause kaum verkneifen können.

    Robert Marc Lehmann muss gleich drei Shows verschieben

    Am Samstag, dem 17. Oktober 2026, meldete sich Robert Marc Lehmann mit einer unerfreulichen Nachricht bei seinen YouTube-Fans. Er sei krank, seine Stimme praktisch verschwunden und an einen Bühnenauftritt sei momentan nicht zu denken. Die geplanten Veranstaltungen in Lübeck, Flensburg und Hannover müssen deshalb verschoben werden. Sein Team arbeite bereits an Ersatzterminen, die Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit und wer verhindert ist, soll sein Ticket zurückgeben können.

    Besonders ärgert ihn offenbar, dass er nach eigener Aussage in 20 Jahren noch nie eine Show absagen musste. Nun ist diese Serie also gerissen. Wer Fieber hat und kaum sprechen kann, gehört selbstverständlich nicht auf eine Bühne. So weit, so gewöhnlich.

    Interessant wird die Geschichte erst, wenn man sich daran erinnert, wer da gerade seine Stimme verloren hat. Denn Zurückhaltung, Selbstkritik und leise Töne gehören nun wirklich nicht zu den Eigenschaften, für die Robert Marc Lehmann bekannt ist. Er teilt gerne aus, erhebt öffentlich schwere Vorwürfe und präsentiert seine Sicht der Dinge mit einer Selbstsicherheit, die nicht immer durch die Fakten gedeckt ist.

    Große Klappe, große Behauptungen – und die Wahrheit?

    Robert Marc Lehmann ist selten um deutliche Worte verlegen. Besonders Zoos und ihre Unterstützer bekommen regelmäßig zu spüren, was er von ihnen hält. Auch Kritiker, die seine Aussagen hinterfragen, werden gerne öffentlich abgekanzelt. Dabei scheint Lehmann manchmal zu vergessen, dass eine große Reichweite noch lange kein Beweis dafür ist, recht zu haben.

    GERATI hat sich bereits mehrfach mit seinen öffentlichen Behauptungen beschäftigt. Dabei ging es nicht bloß um unterschiedliche Meinungen, sondern auch um Aussagen, die sich als falsch erwiesen haben oder erhebliche Widersprüche aufweisen. Wer nachweislich Unwahres verbreitet, kann sich nicht dauerhaft hinter dem Anspruch verstecken, lediglich unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Und wer andere ständig öffentlich belehrt, muss sich erst recht gefallen lassen, dass seine eigene Glaubwürdigkeit kritisch geprüft wird.

    Natürlich lässt sich nicht bei jeder falschen Aussage feststellen, ob bewusst gelogen wurde. Doch für diejenigen, die solche Behauptungen ungeprüft übernehmen, macht das Ergebnis zunächst wenig Unterschied: Sie erhalten falsche Informationen. Dass Lehmann seine Botschaften mit großer Überzeugung vorträgt, macht sie nicht automatisch wahr. Gerade deshalb sollte man seine Aussagen nicht einfach glauben, sondern hinterfragen.

    Hat das Karma etwa den Tourneeplan gelesen?

    In den sozialen Netzwerken fällt bei solchen Geschichten schnell das Wort Karma. Gemeint ist damit gewöhnlich die Vorstellung, dass irgendwann jeder einmal einen Dämpfer bekommt, der zuvor besonders großzügig gegen andere ausgeteilt hat. Natürlich ist eine Erkrankung keine Strafe für öffentliche Äußerungen. Viren interessieren sich herzlich wenig für YouTube-Abonnenten, große Egos oder die Anzahl verkaufter Eintrittskarten.

    Und trotzdem hat die Sache eine gewisse Ironie. Da zieht jemand durchs Land, erhebt lautstark Vorwürfe, verteilt moralische Belehrungen und lässt kaum eine Gelegenheit aus, anderen die Welt zu erklären. Und plötzlich ist ausgerechnet die Stimme weg. Nach angeblich 20 Jahren ohne abgesagte Show herrscht nun zumindest auf drei Bühnen unfreiwillig Ruhe.

    Manchmal braucht es offenbar keine Gegenrede, keine Faktenchecks und keine endlosen Diskussionen, damit der große öffentliche Auftritt einmal ausfällt. Eine gewöhnliche Erkrankung genügt. Das widerlegt zwar keine einzige seiner Behauptungen, liefert aber eine Pointe, die man sich als Satiriker kaum besser ausdenken könnte. Karma? Vielleicht einfach nur ein ausgesprochen ironischer Zufall.

    Wer ständig austeilt, muss auch Kritik einstecken

    Bei GERATI beschäftigen wir uns seit Jahren mit den Aussagen und Aktionen von Robert Marc Lehmann. Dabei geht es nicht darum, ob jemand besonders viele Follower besitzt oder sich öffentlich als kompromissloser Kämpfer für eine gute Sache inszeniert. Entscheidend bleibt, ob seine Behauptungen stimmen. Gerade bei Lehmann gibt es genügend Gründe, genauer hinzusehen, statt jede neue Geschichte ungeprüft zu übernehmen.

    Das zeigt sich unter anderem bei Robert Marc Lehmanns Angriffen auf Zoos und seiner Anti-Zoo-Kampagne in Berlin. Große Worte und dramatische Inszenierungen ersetzen keine überprüfbaren Tatsachen. Wer andere öffentlich an den Pranger stellt, sollte deshalb besonders darauf achten, dass die eigenen Aussagen belastbar sind. Genau daran bestehen bei Lehmann immer wieder erhebliche Zweifel.

    Auch seine öffentlichen Auseinandersetzungen um die eigene Glaubwürdigkeit zeigen, weshalb kritische Nachfragen notwendig sind. Lehmann verlangt von anderen gerne Verantwortung und Transparenz. Dieselben Maßstäbe müssen selbstverständlich auch für ihn gelten. Und wer selbst regelmäßig verbal austeilt, sollte nicht überrascht sein, wenn gelegentlich eine bissige Bemerkung zurückkommt.

    Gute Besserung, Robert – die Zoos laufen nicht weg

    Natürlich wünschen wir Robert Marc Lehmann eine schnelle Genesung. Niemand sollte sich eine Erkrankung wünschen, nur weil man mit den Ansichten eines Menschen nicht einverstanden ist. Vielleicht tut ihm die kleine Zwangspause sogar gut. Ein paar Tage ohne Bühnenstress, ohne große Ansprachen und ohne den nächsten öffentlichen Schlagabtausch können schließlich nicht schaden.

    Für die Zoos dürfte sich durch die Absagen ohnehin wenig ändern. Tierpfleger werden weiterhin ihre Tiere versorgen, Artenschutzprogramme laufen weiter und wissenschaftliche Forschung findet auch ohne die Zustimmung eines bekannten Influencers statt. Die zoologische Welt bricht nicht zusammen, nur weil Robert Marc Lehmann einmal nicht auf einer Bühne steht. Und vielleicht erinnert ihn die unfreiwillige Pause daran, dass sich eben nicht immer alles um seine Person dreht.

    Ob das nun Karma ist, darf jeder selbst entscheiden. Fest steht nur, dass der Mann, der sonst so gerne gegen andere austeilt, ausgerechnet durch seine eigene Stimme ausgebremst wurde. Eine gewisse Ironie lässt sich dieser Geschichte nun wirklich nicht absprechen.

    In diesem Sinne: Gute Besserung, Robert. Kurier dich ordentlich aus. Die Zoos stehen bestimmt noch, wenn du wieder sprechen kannst. Und vielleicht lohnt es sich bis dahin, nicht nur die Stimme, sondern gelegentlich auch die eigenen Aussagen zu überprüfen.

    Quellen

  • Robert Marc Lehmann: 4.000 Demonstranten behauptet – Polizei zählt nur 2.500

    Robert Marc Lehmann: 4.000 Demonstranten behauptet – Polizei zählt nur 2.500

    5.000 angemeldet, 4.000 öffentlich verkündet und lediglich 2.500 von der Berliner Polizei geschätzt. Die von Robert Marc Lehmann als größte Anti-Zoo-Demonstration der Welt beworbene Veranstaltung vom 4. Oktober 2026 bekommt nachträglich ein erhebliches Zahlenproblem. Während Mitveranstalterin Caroh Weber über Instagram weiterhin eine Erfolgsmeldung mit rund 4.000 Teilnehmern verbreitet, ergibt sich aus einer direkten Anfrage von Philipp J. Kroiß von zoos.media bei der Berliner Polizei ein deutlich anderes Bild. Damit stellt sich eine berechtigte Frage: Warum werden in der Anti-Zoo-Szene wesentlich höhere Teilnehmerzahlen verbreitet als jene, die die Polizei tatsächlich festgestellt hat?

    Besonders bemerkenswert ist der Umgang mit diesen Zahlen, weil Robert Marc Lehmann und sein Umfeld bei ihrer Kritik an zoologischen Einrichtungen regelmäßig auf Fakten und überprüfbare Aussagen pochen. Nun steht ausgerechnet die eigene Demonstration im Mittelpunkt einer Diskussion über Zahlen, öffentliche Darstellung und Glaubwürdigkeit. Die Differenz zwischen Veranstalterangabe und Polizeischätzung beträgt immerhin 1.500 Menschen beziehungsweise 37,5 Prozent. Für eine Veranstaltung, die zuvor mit einem weltweiten Rekordanspruch beworben wurde, ist das keine unbedeutende Abweichung.

    Philipp J. Kroiß erhält die Teilnehmerzahl direkt von der Berliner Polizei

    Am 6. Oktober veröffentlichte Philipp J. Kroiß auf zoos.media den Artikel „Anti-Zoo-Demo in Berlin: Nur halb so viele Teilnehmer wie angemeldet“. Dafür hatte er sich direkt an die Pressestelle der Berliner Polizei gewandt und nach der tatsächlichen Teilnehmerzahl gefragt. Die Antwort fiel deutlich niedriger aus als die zuvor verbreiteten Zahlen der Veranstalter. Nach polizeilicher Einschätzung nahmen in der Spitze rund 2.500 Menschen an der Demonstration teil.

    Die Polizei erklärte gegenüber zoos.media:

    „Nach interner Schätzung der Polizei Berlin nahmen an der Versammlung in der Spitze rund 2500 Menschen teil.“

    Damit liegt erstmals eine behördliche Einschätzung vor, an der sich die öffentlich verbreiteten Teilnehmerangaben messen lassen müssen. Angemeldet waren laut Polizei 5.000 Teilnehmer, tatsächlich erreichte die Veranstaltung nach ihrer Schätzung lediglich die Hälfte dieser Zahl. Selbst gegenüber den von Unterstützern verbreiteten 4.000 Teilnehmern beträgt die Abweichung noch 37,5 Prozent. Aus einem angekündigten Weltrekord wurde damit eine Demonstration, deren Größe deutlich hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückblieb.

    Warum verbreitet Caroh Weber weiterhin 4.000 Teilnehmer?

    Besonders interessant ist die Rolle von Caroh Weber, die als Mitveranstalterin der Berliner Demonstration auftrat. Über ihren Instagram-Account teilte sie eine Veröffentlichung des Online-Magazins This Is Vegan mit der auffälligen Schlagzeile „Rund 4.000 gegen Zoos“. Darunter wurde die Demonstration am Brandenburger Tor als Erfolg präsentiert. Weber bedankte sich in ihrer Instagram-Story ausdrücklich für den Beitrag.

    Das Magazin This Is Vegan hatte am 6. Oktober einen ausführlichen Rückblick unter dem Titel „Anti-Zoo-Demo in Berlin: Tausende folgen Robert Marc Lehmann ans Brandenburger Tor“ veröffentlicht. Darin wird die Zahl von rund 4.000 Teilnehmern ausdrücklich als Schätzung der Veranstalter bezeichnet. Zugleich heißt es in dem Beitrag, es gebe noch keine offizielle Teilnehmerzahl. Die inzwischen von zoos.media veröffentlichte Polizeiauskunft liefert jedoch eine deutlich niedrigere Einschätzung.

    Genau hier beginnt das Problem mit der öffentlichen Darstellung. Eine Mitveranstalterin verbreitet eine Zahl, die deutlich über der inzwischen bekannten Polizeischätzung liegt, und präsentiert sie als positive Bilanz der eigenen Veranstaltung. Statt 4.000 Menschen schätzte die Polizei in der Spitze lediglich 2.500 Teilnehmer. Wer anderen regelmäßig falsche Darstellungen und mangelnde Fakten vorwirft, muss sich deshalb fragen lassen, warum die eigene Erfolgsmeldung nicht mit der polizeilichen Einschätzung übereinstimmt.

    Robert Marc Lehmann legt mit „3.500+“ und einer angeblichen KI-Zählung nach

    Inzwischen hat auch Robert Marc Lehmann selbst eine konkrete Teilnehmerzahl veröffentlicht. In einem Beitrag zur Demonstration schreibt er zunächst von „tausenden friedlichen Menschen“ und ergänzt anschließend ausdrücklich: „Teilnehmeranzahl: ca. 3.500+ (von KI aus Panorama-Aufnahmen ausgezählt und extrem konservativ berechnet)“. Damit präsentiert Lehmann eine weitere Zahl, die wiederum von den zuvor verbreiteten 4.000 Teilnehmern abweicht und gleichzeitig rund 1.000 Menschen beziehungsweise 40 Prozent über der Schätzung der Berliner Polizei liegt. Aus 5.000 angemeldeten Teilnehmern werden damit je nach Quelle 4.000, 3.500+ oder 2.500 Menschen.

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    Screenshot Facebook – Robert Marc Lehmann – Meeresbiologe https://www.facebook.com/20531316728/posts/10154009990506729/

    Die Formulierung mit der künstlichen Intelligenz klingt zunächst nach einer technisch überprüfbaren Berechnung. Genau das ist sie öffentlich bislang jedoch nicht. Lehmann zeigt in seinem Beitrag weder die angebliche Panoramaaufnahme noch erläutert er, welches Bildmaterial ausgewertet wurde, aus welcher Position es aufgenommen wurde oder mit welcher Methode die KI auf mehr als 3.500 Personen gekommen sein soll. Wer eine KI-Auswertung als Beleg für eine Teilnehmerzahl verwendet, müsste wenigstens das Ausgangsmaterial offenlegen, damit sich die Berechnung nachvollziehen lässt.

    Gerade die Frage nach der Panoramaaufnahme ist deshalb entscheidend. Auf den öffentlich verbreiteten Fotos der Demonstration sind zwar zahlreiche Teilnehmer zu sehen, viele Bilder zeigen jedoch dieselben Bereiche aus ähnlichen Perspektiven und eignen sich damit nicht für eine Addition sichtbarer Personen. Andere Aufnahmen zeigen nur die ersten Reihen vor der Bühne oder einzelne Ausschnitte des Versammlungsbereichs. Eine vollständige Panoramaaufnahme, auf der tatsächlich mehrere Tausend Personen gleichzeitig und ohne erhebliche Doppelzählungen erfasst werden könnten, wurde von Lehmann zusammen mit seiner Behauptung nicht präsentiert.

    GERATI hat mehrere der öffentlich verbreiteten Aufnahmen auf ihre Eignung für eine solche Zählung betrachtet. Die Bilder zeigen je nach Perspektive einige Dutzend bis einige hundert sichtbare Personen, wobei sich die abgebildeten Bereiche teilweise erheblich überschneiden. Eine seriöse Hochrechnung auf 3.500 oder mehr Teilnehmer lässt sich aus diesen veröffentlichten Bildern nicht nachvollziehen. Genau deshalb wäre das von Lehmann erwähnte Panorama das entscheidende Beweisstück: Wo ist die Aufnahme, auf deren Grundlage eine KI angeblich „extrem konservativ“ mehr als 3.500 Demonstranten gezählt haben soll?

    Die Berliner Polizei benötigt für ihre Einschätzung jedenfalls keine nachträglich präsentierte KI-Auswertung eines unbekannten Fotos. Sie schätzte die Zahl der Teilnehmer während der Veranstaltung und spricht ausdrücklich von rund 2.500 Menschen in der Spitze. Damit beschreibt die Polizeizahl bereits den höchsten angenommenen Teilnehmerstand und nicht lediglich eine Momentaufnahme zu Beginn oder zum Ende der Veranstaltung. Wenn Lehmann diese Einschätzung mit einer eigenen KI-Zahl widerlegen möchte, wäre es umso einfacher, das dafür angeblich verwendete Panorama und die Berechnung offenzulegen.

    Große Namen angekündigt – doch nicht alle standen auf der Bühne

    Philipp J. Kroiß geht in seiner Recherche noch auf weitere Auffälligkeiten ein. Bereits im Vorfeld waren neben Robert Marc Lehmann prominente Namen wie Sarah Connor, Malte Zierden und Jonas Ems im Zusammenhang mit der Demonstration genannt worden. Kroiß weist darauf hin, dass keiner dieser drei angekündigten Gäste schließlich auf der Bühne stand. Die öffentliche Mobilisierung hatte damit auch Erwartungen erzeugt, die sich beim tatsächlichen Bühnenprogramm nicht erfüllten.

    Hinzu kam die bereits im Vorfeld kritisierte Verwirrung um den Veranstaltungsort. Während in Ankündigungen immer wieder vom Pariser Platz die Rede war, war die Demonstration tatsächlich für den Platz des 18. März angemeldet. Dieser befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des Brandenburger Tors. GERATI hatte diesen Widerspruch bereits in seiner Recherche zur angekündigten Anti-Zoo-Demonstration von Robert Marc Lehmann thematisiert.

    Kroiß bezeichnet die Veranstaltung angesichts der Teilnehmerzahl und des tatsächlichen Ablaufs als deutlich kleiner als ursprünglich angekündigt. Besonders kritisch bewertet er den Versuch, aus der Kundgebung eine außergewöhnlich große Bewegung gegen zoologische Einrichtungen abzuleiten. Die tatsächliche Mobilisierung blieb jedenfalls weit hinter den angemeldeten 5.000 Teilnehmern zurück. Auch der zuvor angekündigte Weltrekord lässt sich mit den veröffentlichten Zahlen nicht belegen.

    Berliner Zoos ziehen täglich ein Vielfaches der Demonstranten an

    Ein besonders aufschlussreicher Vergleich ergibt sich beim Blick auf die Berliner Zoos. Während Robert Marc Lehmann seine Anhänger aus verschiedenen Regionen Deutschlands nach Berlin mobilisierte, verzeichneten Zoo Berlin einschließlich Aquarium und Tierpark Berlin im Jahr 2025 zusammen 4.730.658 Besuche. Diese Zahl stammt aus der offiziellen Jahresbilanz der Zoologischen Gärten Berlin. Rechnerisch entspricht das durchschnittlich rund 12.960 Besuchen pro Kalendertag.

    Damit liegt bereits der rechnerische Tagesdurchschnitt der Berliner zoologischen Einrichtungen bei mehr als dem Fünffachen der polizeilich geschätzten Demonstrantenzahl. Während sich am Brandenburger Tor in der Spitze rund 2.500 Menschen gegen Zoos versammelten, erreichen die Berliner Einrichtungen durchschnittlich nahezu 13.000 Besuche täglich. Dabei handelt es sich ausdrücklich um den Jahresdurchschnitt von 2025 und nicht um eine gesondert erhobene Besucherzahl für den 4. Oktober 2026. Der Größenvergleich bleibt dennoch bemerkenswert.

    Und das betrifft ausschließlich Berlin. Bundesweit erreichen zoologische Einrichtungen jedes Jahr viele Millionen Besucher, die sich für Tiere, Natur und Artenschutz interessieren. Allein die Mitgliedseinrichtungen des Verbands der Zoologischen Gärten verzeichnen jährlich mehr als 42 Millionen Besuche. Vor diesem Hintergrund wirkt die Mobilisierung von 2.500 Menschen gegen Zoos deutlich weniger eindrucksvoll, als es der zuvor verbreitete Weltrekordanspruch vermuten ließ.

    Auch beim Naturschutz gab es eine bemerkenswerte Panne

    Philipp J. Kroiß greift in seinem Nachbericht außerdem einen Vorfall auf, über den GERATI bereits berichtet hatte. Bei der Demonstration wurden offenbar kleine Päckchen mit Pflanzensamen verteilt, die nachträglich teilweise problematische Arten enthalten haben sollen. Über Instagram wurde anschließend dazu aufgerufen, die betreffenden Samen nicht auszusäen, sondern zu entsorgen. Ausgerechnet bei einer Veranstaltung, deren Teilnehmer sich für Natur- und Artenschutz einsetzen wollten, sorgte damit eine gut gemeinte Aktion für erhebliche Irritationen.

    Kroiß nennt in diesem Zusammenhang unter anderem die Gemeine Nachtkerze, eine ursprünglich aus Nordamerika stammende Pflanzenart. Sein Kritikpunkt richtet sich besonders gegen den Umgang mit gebietsfremden Arten und die Risiken einer unkontrollierten Aussaat. Wer sich öffentlich für den Schutz natürlicher Lebensräume einsetzt, sollte bei der Verteilung von Saatgut besondere Sorgfalt walten lassen. Dass Teilnehmer anschließend aufgefordert werden mussten, bereits erhaltene Samen zu entsorgen, passt jedenfalls kaum zum Anspruch einer fachlich vorbereiteten Naturschutzveranstaltung.

    Robert Marc Lehmann und der selbst ausgerufene Weltrekord

    Bereits vor der Demonstration hatte GERATI die ungewöhnlich große Ankündigung von Robert Marc Lehmann kritisch betrachtet. Die Veranstaltung sollte nicht einfach eine Kundgebung gegen Zoos werden, sondern ausdrücklich die größte Anti-Zoo-Demonstration der Welt. Ein solcher Anspruch verlangt nachvollziehbare Vergleichszahlen und eine entsprechend große Mobilisierung. Die inzwischen vorliegende Polizeischätzung liefert dafür jedoch keinen Nachweis.

    Statt der angemeldeten 5.000 Teilnehmer kamen nach Einschätzung der Berliner Polizei in der Spitze rund 2.500 Menschen zusammen. Gleichzeitig verbreiten Unterstützer weiterhin die deutlich höhere Zahl von 4.000 Demonstranten. Die Differenz ist dokumentiert und verdient gerade deshalb Aufmerksamkeit, weil die Veranstalter ihre öffentliche Wirkung selbst immer wieder betonen. Die entscheidende Frage ist nicht, wie eindrucksvoll eine Menschenmenge auf einem Foto erscheint, sondern wie viele Menschen tatsächlich teilgenommen haben.

    Am Ende steht deshalb ein bemerkenswerter Gegensatz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Robert Marc Lehmann kündigte eine weltweite Rekorddemonstration an, Caroh Weber verbreitet eine Erfolgsmeldung mit 4.000 Teilnehmern und die Berliner Polizei schätzt lediglich 2.500 Menschen in der Spitze. Währenddessen erreichen die Berliner Zoos im Jahresdurchschnitt mehr als fünfmal so viele Besuche pro Tag. Wer ständig Faktenchecks von anderen fordert, sollte bei den eigenen Erfolgsmeldungen zunächst mit den Zahlen beginnen.

    Quellen

  • Robert Marc Lehmann: „Größte Anti-Zoo-Demo der Welt“ – danach Totenstille

    Robert Marc Lehmann: „Größte Anti-Zoo-Demo der Welt“ – danach Totenstille

    Robert Marc Lehmann kündigte für den 4. Oktober 2026 in Berlin nicht irgendeine Demonstration an. „Die größte Anti-Zoo Demo der Welt!“ lautete die Botschaft, mit der über Wochen mobilisiert wurde. Bekannte Namen aus der Tierrechtsszene sollten zusätzliche Aufmerksamkeit erzeugen, während Parolen wie „FCK ZOOS“ die Richtung vorgaben. Einen Tag später ist von dem groß angekündigten Weltrekord vor allem eines geblieben: Totenstille.

    Bis Montagvormittag findet sich bei den großen deutschen Nachrichtenmedien kein eigenständiger Nachbericht, der die vermeintlich größte Anti-Zoo-Demonstration der Welt entsprechend würdigt. Eine öffentlich bekannte Teilnehmerzahl, mit der sich der angekündigte Rekord überprüfen ließe, fehlt ebenfalls. Auch von der Berliner Polizei liegt bislang keine veröffentlichte Zahl vor, anhand derer die tatsächliche Größe der Veranstaltung eingeordnet werden könnte. Wer selbst einen Weltrekord ausruft, muss sich jedoch genau an dieser Größe messen lassen.

    Vor der Demo Schlagzeilen, danach Totenstille

    Im Vorfeld funktionierte die mediale Aufmerksamkeit wesentlich besser. Verschiedene Portale griffen die Ankündigung auf, Sarah Connors Unterstützung sorgte zusätzlich für Schlagzeilen und der angekündigte Protest wurde bereits Wochen vor dem 4. Oktober zum Thema. GERATI berichtete ebenfalls ausführlich über die von Robert Marc Lehmann angekündigte Anti-Zoo-Demonstration in Berlin und verwies dabei bereits auf den außergewöhnlichen Anspruch, den Lehmann selbst mit seiner Werbung geschaffen hatte.

    Nach der Veranstaltung sieht das Bild völlig anders aus. Kein großes Medienecho über einen angeblichen Weltrekord, keine verbreitete Teilnehmerzahl und keine Schlagzeilen darüber, dass Robert Marc Lehmann tatsächlich die größte Anti-Zoo-Demonstration der Welt organisiert habe. Gerade dieser Gegensatz zwischen der lautstarken Ankündigung und der anschließenden Stille ist bemerkenswert. Was vorher groß genug für Schlagzeilen war, scheint nach der tatsächlichen Veranstaltung kaum noch Nachrichtenwert zu besitzen.

    An fehlendem Bildmaterial kann es jedenfalls nicht gelegen haben. Die Bildagentur IMAGO hatte mit Marvin Möbius einen professionellen Fotografen vor Ort und veröffentlichte noch am Veranstaltungstag zahlreiche Aufnahmen von Robert Marc Lehmann, Caroh Weber, Demonstranten und Protestschildern. Das Material stand den Redaktionen damit unmittelbar für eine Bebilderung zur Verfügung. Trotzdem blieb die große Nachberichterstattung aus.

    Menschen waren dort – doch wo ist der Weltrekord?

    Dass Menschen zu der Demonstration kamen, steht außer Frage. Die Veranstaltung fand statt, es gab Redner, Transparente, Fahnen, Megafone und zahlreiche Anhänger der Anti-Zoo-Bewegung. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Menschen vor Ort waren, sondern ob die vorher groß angekündigte „größte Anti-Zoo-Demo der Welt“ tatsächlich diesen Anspruch erfüllen konnte. Dafür bräuchte es eine nachvollziehbare Teilnehmerzahl.

    Genau diese Zahl fehlt. Weder eine offizielle Zahl der Polizei noch eine belastbare Zahl eines großen Nachrichtenmediums ist bislang veröffentlicht worden. Damit fehlt ausgerechnet der wichtigste Wert, mit dem Robert Marc Lehmann seinen eigenen Weltrekord belegen könnte. Die größte Anti-Zoo-Demonstration der Welt existiert damit bislang vor allem als vorherige Werbeaussage.

    Auch inhaltlich blieb die Veranstaltung deutlich hinter ihrer großen Inszenierung zurück. Viele Redebeiträge wiederholten bekannte Positionen der Anti-Zoo-Szene, während die sichtbare Protestkommunikation immer wieder von Parolen wie „FCK ZOOS“ geprägt wurde. zoos.media fasste die Veranstaltung entsprechend mit „Viel Hass, wenig Inhalt“ zusammen. Die große sachliche Abrechnung mit modernen Zoos blieb dagegen überschaubar.

    Kinder mit Megafon statt zoologischer Bildung

    Besonders auffällig war die Einbindung von Kindern in die Protestveranstaltung. Kinder wurden mit Megafonen in eine Demonstration eingebunden, deren sichtbare Botschaften unter anderem aus Begriffen wie „FCK ZOOS“ bestanden. Gleichzeitig gehört der angeblich fehlende Bildungsauftrag zoologischer Einrichtungen zu den häufigsten Vorwürfen der Anti-Zoo-Szene. Gerade deshalb lohnt sich der Vergleich dessen, was Kindern jeweils tatsächlich vermittelt wird.

    In zoologischen Einrichtungen begegnen Kinder lebenden Tieren und erhalten Informationen über Tierarten, Lebensräume, Verhalten, Bedrohungen und Artenschutz. Auf einer Demonstration lernen sie dagegen vulgäre Anti-Zoo-Parolen kennen und werden unmittelbar in die Konfrontation zwischen Aktivisten und zoologischen Einrichtungen eingebunden. Ein Megafon und ein Kraftausdruck ersetzen jedoch keine biologische Bildung und kein sachliches Argument über moderne Tierhaltung. Wer Zoos ihren Bildungsauftrag abspricht, sollte deshalb erklären können, welchen pädagogischen Mehrwert „FCK ZOOS“ für Kinder besitzen soll.

    Gerade eine Bewegung, die für sich moralische und pädagogische Überlegenheit beansprucht, muss sich an den eigenen Methoden messen lassen. Zoos können und sollen für ihre Bildungsangebote kritisiert werden, wenn diese ihren Anspruch nicht erfüllen. Dasselbe muss dann auch für Demonstrationen gelten, auf denen Kinder politische beziehungsweise aktivistische Botschaften der Erwachsenen übernehmen. Bildung braucht Wissen und Argumente, nicht nur möglichst eingängige Parolen.

    Robert Marc Lehmann und die 50 angeblich überlebenden Bali-Stare

    Auf der Berliner Demonstration machte Robert Marc Lehmann außerdem eine bemerkenswert konkrete Aussage über sein Bali-Star-Projekt. Von 60 ausgewilderten Bali-Staren sollen nach seinen Angaben noch 50 leben. Von den zehn verstorbenen Vögeln sei unter anderem ein Tier gegen eine Fensterscheibe geflogen. Wer derart genaue Überlebenszahlen und sogar einzelne Todesursachen nennt, muss dafür eine entsprechend genaue Datengrundlage besitzen.

    Für die von Mission Erde unterstützte Gruppe der ausgewilderten Bali-Stare ist jedoch kein GPS- oder Funktracking öffentlich dokumentiert, mit dem sich jedes der 60 Tiere permanent individuell verfolgen ließe. Ringnummern oder Mikrochips können der Identifikation dienen, liefern aber keine laufenden Standortdaten eines frei fliegenden Vogels. Ein Mikrochip zeigt weder an, wo sich ein Tier befindet, noch ob es noch lebt. Dafür müsste der betreffende Vogel zunächst wiedergefunden, erkannt oder eingefangen werden.

    Damit bleibt die entscheidende Frage bestehen: Wie wurde festgestellt, dass ausgerechnet 50 der ursprünglich 60 Tiere noch leben? Welche 50 Vögel wurden wann eindeutig identifiziert und wie wurde bei den übrigen zehn festgestellt, dass sie tatsächlich gestorben sind? Noch konkreter wird diese Frage bei Lehmanns Aussage, einer seiner ausgewilderten Bali-Stare sei gegen eine Fensterscheibe geflogen. Dafür müsste zumindest nachvollziehbar dokumentiert sein, welcher Vogel gefunden wurde, wie er eindeutig der ursprünglichen Auswilderungsgruppe zugeordnet wurde und wie die konkrete Todesursache festgestellt wurde.

    Genau solche öffentlich nachvollziehbaren Belege für eine vollständige Individualbilanz der 60 Tiere liegen bislang nicht vor. Eine Populationsbeobachtung in einem Gebiet ist etwas anderes als der Nachweis, dass exakt 50 bestimmte Ursprungstiere noch leben. Wer andere regelmäßig einem „Faktencheck“ unterzieht, muss denselben Maßstab auch bei den eigenen Aussagen akzeptieren. Artenschutz braucht überprüfbare Daten und keine Zahlen, deren Entstehung für Außenstehende nicht nachvollziehbar ist.

    Mehr als 600 Bali-Stare – aber nicht durch Robert Marc Lehmann

    Auch die Gesamtpopulation des Bali-Stars muss klar von Lehmanns eigenem Projekt getrennt werden. Aktuelle Angaben nennen wieder mehr als 600 wildlebende Bali-Stare, während der Bali-Barat-Nationalpark bereits 2023 einen Bestand von rund 600 Tieren gemeldet hatte. Diese Entwicklung begann lange bevor Robert Marc Lehmann mit Mission Erde eigene Auswilderungen unterstützte. Sie ist das Ergebnis jahrzehntelanger Schutzmaßnahmen, Erhaltungszucht und Auswilderungen zahlreicher Organisationen.

    Der damalige Leiter des Bali-Barat-Nationalparks erklärte bereits 2023, dass die dortige Population von lediglich sechs wildlebenden Vögeln im Jahr 2001 auf rund 600 Tiere angewachsen war. Allein 2022 wurden nach Angaben des Nationalparks weitere 108 Bali-Stare ausgewildert. Robert Marc Lehmanns 60 Tiere sind damit lediglich ein kleiner Teil einer wesentlich größeren und älteren Artenschutzgeschichte. Die mehr als 600 Bali-Stare sind keine von Lehmann geschaffene Population.

    Mission Erde meldete im Mai 2026 für das eigene Auswilderungsgebiet wiederum eine Population von mehr als 109 Bali-Staren. Auch diese Zahl beweist nicht, dass noch genau 50 der ursprünglich freigelassenen 60 Tiere leben. Nachwuchs kann die Population vergrößern, während Ursprungstiere gleichzeitig sterben oder das Gebiet verlassen können. Eine Populationszahl ersetzt deshalb keine individuelle Überlebensbilanz.

    Gerade der Bali-Star zeigt außerdem, wie wichtig kontrollierte Zucht und anschließende Auswilderung für den Artenschutz sein können. Die Erholung dieser Art ist über Jahrzehnte durch menschlich betreute Populationen und gezielte Wiederansiedlungen unterstützt worden. Ausgerechnet dieses Beispiel zeigt deshalb, dass Tierhaltung, Zucht und Artenschutz nicht automatisch Gegensätze sind. Die Realität ist komplexer als ein „FCK ZOOS“-Plakat.

    Große Worte – und danach Totenstille

    Am Ende bleibt von der Berliner Demonstration ein auffälliger Gegensatz. Vorher wurde mit der „größten Anti-Zoo-Demo der Welt“ geworben, bekannte Namen wurden mobilisiert und maximale Aufmerksamkeit erzeugt. Danach fehlt die eine Zahl, mit der dieser Weltrekord überhaupt belegt werden könnte. Gleichzeitig bleibt das große Medienecho aus, obwohl professionelles Bildmaterial unmittelbar verfügbar war.

    Auch auf der Bühne wurde immer wieder der Anspruch vermittelt, mit Fakten gegen Zoos zu argumentieren. Dann müssen jedoch auch die eigenen Aussagen diesem Anspruch standhalten. Wer exakt 50 Überlebende aus einer Gruppe von 60 frei lebenden Vögeln nennt und zusätzlich individuelle Todesursachen beschreibt, muss nachvollziehbar erklären können, wie diese Zahlen festgestellt wurden. Präzision in einer Rede ersetzt keinen Beleg.

    Robert Marc Lehmann wollte in Berlin die größte Anti-Zoo-Demonstration der Welt präsentieren. Einen Tag später fehlt die Rekordzahl, das große Medienecho bleibt aus und selbst bei einzelnen Aussagen aus den Reden bleiben die öffentlich zugänglichen Belege hinter der präsentierten Gewissheit zurück. Große Ankündigung vorher – Totenstille danach.

    Quellen

  • Nach dem Quarkbällchen-Gate jetzt das „Kriegsfanatiker“-Gate: Antifa geht gegen Robert Marc Lehmann vor

    Nach dem Quarkbällchen-Gate jetzt das „Kriegsfanatiker“-Gate: Antifa geht gegen Robert Marc Lehmann vor

    Robert Marc Lehmann gerät erneut ausgerechnet mit einem Milieu aneinander, das sich wie er lautstark mit Tier- und Umweltthemen beschäftigt. Nachdem 2025 das inzwischen berüchtigte Quarkbällchen-Gate einen Streit mit Teilen der veganen Szene ausgelöst hatte, kommt der Gegenwind diesmal aus dem antifaschistischen Spektrum. In einem Boykottaufruf gegen Lehmanns Berliner Anti-Zoo-Demonstration fällt sogar die Bezeichnung „Kriegsfanatiker“. Anlass dafür ist nicht irgendeine beiläufige Äußerung, sondern Lehmanns seit Jahren öffentlich dokumentierte Verbindung zum Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr und seine jüngste demonstrative Würdigung des KSK. [1]

    Damit bekommt der Mission-Erde-Gründer wenige Tage vor seiner Demonstration am 4. Oktober 2026 einen Konflikt serviert, der kaum gegensätzlicher sein könnte. Während Lehmann am Pariser Platz gegen Zoos mobilisieren und mit der von ihm beworbenen „größten Anti-Zoo Demo der Welt“ Aufmerksamkeit erzeugen will, lautet die Gegenparole nun ausgerechnet: „Keine Aufmerksamkeit den Kriegsfanatikern!“ Die Auseinandersetzung zeigt, wie schnell innerhalb der Tierrechtsszene aus vermeintlichen Verbündeten politische Gegner werden können. [2]

    Erst Quarkbällchen, jetzt Bundeswehr

    Die Vorgeschichte wirkt rückblickend beinahe harmlos. Im Frühjahr 2025 wurde Lehmann innerhalb der veganen Community dafür kritisiert, dass er Quarkbällchen gekauft hatte. Aus einem Gebäckstück entstand eine Grundsatzdebatte darüber, wie glaubwürdig ein prominenter Tierschützer auftreten kann, wenn er gleichzeitig bewusst tierische Produkte konsumiert. Lehmann reagierte öffentlich und beschrieb seine Situation selbst damit, für die einen nicht vegan genug und für andere viel zu vegan zu sein. [3]

    Der Streit bekam größere Aufmerksamkeit, weil er einen Widerspruch offenlegte, der Lehmann bis heute begleitet. Einerseits positioniert er sich öffentlich als kompromissloser Kritiker bestimmter Formen der Tierhaltung und erreicht mit Mission Erde ein Millionenpublikum. Andererseits akzeptiert nicht jeder innerhalb der veganen und tierrechtlichen Szene seinen wesentlich pragmatischeren Umgang mit dem eigenen Konsum. Selbst eine 2026 veröffentlichte Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung greift den damaligen Streit auf und beschreibt die heftigen Reaktionen linker und veganer Streamer auf Lehmanns Quarkbällchen-Äußerungen. [4]

    GERATI hatte den damaligen Konflikt bereits im Beitrag „Robert Marc Lehmann: Der selbsternannte Zensur-Jäger im Quarkbällchen-Dilemma“ aufgegriffen. Damals ging es um Veganismus, Glaubwürdigkeit und die Frage, wie konsequent jemand sein muss, der anderen regelmäßig moralische Maßstäbe bei Tierhaltung und Tierschutz entgegenhält. Nun ist aus dieser Auseinandersetzung ein wesentlich politischerer Konflikt geworden. [5]

    „Keine Aufmerksamkeit den Kriegsfanatikern!“

    Der aktuelle Boykottaufruf setzt bereits auf der ersten Grafik auf maximale Eskalation. Zu sehen sind bewaffnete Soldaten vor einer Deutschlandflagge, darüber steht unübersehbar: „Keine Aufmerksamkeit den Kriegsfanatikern!“ Direkt darunter wird erklärt, dass die Robert-Marc-Lehmann-Demonstration am 4. Oktober boykottiert beziehungsweise ihr keine Aufmerksamkeit geschenkt werden solle. [1]

    antifa lehmann boykott 01
    https://www.instagram.com/p/Dd41QSvCNwF/?img_index=1

    Lehmann wird anschließend ausdrücklich als bekannter Influencer der Tierrechtsszene genannt. Genau darin liegt für die Verfasser offenbar der Widerspruch: Ein Aktivist, der Tierleid anprangert, mache gleichzeitig „Werbung für die Bundeswehr“. Im Beitrag wird das sogar als „Schlag ins Gesicht“ für Menschen bezeichnet, die sich für Tiere einsetzen. [1]

    antifa lehmann boykott 02
    https://www.instagram.com/p/Dd41QSvCNwF/?img_index=2

    Der Konflikt ist damit wesentlich grundsätzlicher als das Quarkbällchen-Gate. Diesmal lautet die Kritik nicht, Lehmann lebe seine eigenen Ansprüche beim Veganismus nicht konsequent genug. Jetzt wird seine politische Glaubwürdigkeit als Tierrechtsaktivist angegriffen, weil er gleichzeitig eine seit Jahren öffentlich gepflegte Nähe zum KSK zeigt.

    Robert Marc Lehmann und das KSK

    Die Verbindung zwischen Lehmann und dem Kommando Spezialkräfte lässt sich nicht auf irgendein Erinnerungsfoto mit Soldaten reduzieren. Bereits 2018 begleitete er das KSK für das Medienprojekt „KSK – Kämpfe nie für dich allein“. Dabei erhielt Lehmann Einblicke in die Ausbildung der Spezialkräfte und begleitete unter anderem das Dschungeltraining in Belize. Die Zusammenarbeit wurde öffentlich als Teil einer Bundeswehr-Webserie vermarktet. [6]

    Genau diese Vergangenheit holte Lehmann kurz vor seiner Berliner Anti-Zoo-Demonstration selbst wieder hervor. Am 23. September 2026 veröffentlichte er anlässlich des 30-jährigen Bestehens des KSK einen ausführlichen Beitrag und bedankte sich bei den Soldatinnen und Soldaten. Darin erinnerte er an seine Begleitung des Dschungelkampftrainings in Belize, Spezialübungen zur Geiselbefreiung in Dänemark und Aufenthalte am KSK-Standort Calw. [7]

    Damit lieferte Lehmann seinen Gegnern den aktuellen Anlass selbst frei Haus. Wer ihn lediglich aus seinen Mission-Erde-Videos, von Kampagnen gegen Zoos oder von emotional aufgeladenen Beiträgen über Tiere kennt, dürfte mit dieser Seite seines öffentlichen Auftretens möglicherweise weniger vertraut sein. Doch Lehmann hat seine Verbindung zum KSK keineswegs versteckt, sondern sie wiederholt öffentlich dargestellt und auch Jahre später demonstrativ gewürdigt.

    Aus Lehmann-Kritik wird eine Abrechnung mit der Bundeswehr

    Der Boykottaufruf bleibt allerdings nicht bei Lehmann stehen. Schon auf der nächsten Grafik wird aus der Kritik an einem einzelnen Tierrechtsaktivisten eine wesentlich breitere politische Abrechnung mit der Bundeswehr. Thematisiert werden Auslandseinsätze, Kunduz, Zusammenarbeit mit den israelischen Streitkräften und rechtsextremistische Vorfälle innerhalb der Bundeswehr beziehungsweise des KSK. [1]

    antifa lehmann boykott 03
    https://www.instagram.com/p/Dd41QSvCNwF/?img_index=3

    Damit bekommt Lehmann gewissermaßen die gesamte politische Rechnung präsentiert, die seine Gegner mit der Bundeswehr offen haben. Seine öffentliche Anerkennung für KSK-Soldaten wird nicht isoliert betrachtet, sondern unmittelbar mit einer grundsätzlichen Kritik an Militär, Aufrüstung und deutschen Auslandseinsätzen verknüpft. Aus seinem persönlichen Verhältnis zum KSK wird dadurch eine politische Angriffsfläche.

    Besonders bemerkenswert ist dabei die Geschwindigkeit, mit der unterschiedliche Themen miteinander verbunden werden. Lehmann will in Berlin gegen Zoos demonstrieren, seine Gegner diskutieren dagegen KSK, Kunduz, Israel, Aufrüstung und Militarisierung. Aus einer Anti-Zoo-Demonstration wird so innerhalb weniger Schritte ein politischer Richtungsstreit darüber, welche Haltung ein Tierrechtsaktivist gegenüber der Bundeswehr vertreten darf.

    Tierrecht allein reicht der Antifa offenbar nicht

    Die folgenden Grafiken machen deutlich, dass dahinter ein wesentlich umfassenderes politisches Verständnis von Tierrecht steht. Krieg treffe nicht ausschließlich Menschen, argumentieren die Verfasser, sondern ebenfalls Tiere. Deshalb dürfe Tierrechtsaktivismus nicht losgelöst von Krieg und Militarisierung betrachtet werden. [1]

    antifa lehmann boykott 04
    https://www.instagram.com/p/Dd41QSvCNwF/?img_index=4

    Am Ende wird die Forderung unmissverständlich formuliert. Der Kampf für Tierrechte müsse mit dem „Kampf gegen Militarisierung“ verbunden werden. Genau an diesem Punkt kollidiert Lehmanns öffentlich gepflegte Rolle als Tierschutz- und Tierrechtsaktivist mit seiner ebenso öffentlichen Wertschätzung für das Kommando Spezialkräfte. [1]

    antifa lehmann boykott 05
    https://www.instagram.com/p/Dd41QSvCNwF/?img_index=5

    Der Mechanismus erinnert auffällig an den Streit um die Quarkbällchen. Damals reichte einigen Veganern Lehmanns Engagement für Tiere nicht aus, solange er gleichzeitig bewusst tierische Produkte konsumierte. Jetzt reicht anderen Aktivisten seine Kritik an Zoos und Tierhaltung nicht aus, solange er gleichzeitig Soldaten einer militärischen Spezialeinheit öffentlich Respekt entgegenbringt.

    Der Maßstab verschiebt sich, das Prinzip bleibt ähnlich. Wer Teil eines stark politisierten Aktivistenmilieus sein möchte, wird nicht ausschließlich danach beurteilt, was er für Tiere tut. Auch Ernährung, politische Haltung, Kapitalismus, Militär, Klimaschutz oder internationale Konflikte können darüber entscheiden, wer noch als Verbündeter gilt und wer plötzlich selbst zum Gegner erklärt wird.

    Antifaschismus im Tierrecht

    Dass der konkrete Boykottaufruf aus einem antifaschistisch geprägten Umfeld kommt, lässt sich bereits am öffentlichen Auftritt des Accounts erkennen. Auf dem Profil findet sich ein Beitrag mit der unmissverständlichen Überschrift „Antifaschismus im Tierrecht“. Als Motiv wird dabei die bekannte Symbolik der „Antifaschistischen Aktion“ verwendet. [1]

    keanu activism profil antifaschismus tierrecht
    https://www.instagram.com/keanu_activism/

    Damit wird Tierrecht dort ausdrücklich mit antifaschistischer Politik verbunden. Das Profil behandelt neben Tierrecht und Veganismus auch Klima, soziale und politische Themen. Lehmann trifft deshalb nicht einfach auf irgendeinen einzelnen Kritiker seiner Bundeswehr-Äußerungen, sondern auf einen politischen Ansatz, der unterschiedliche Aktivismusfelder miteinander verknüpft.

    Diese Überschneidungen sind keineswegs neu. Bereits 2011 beschrieb das niedersächsische Innenministerium Verbindungen zwischen bestimmten Teilen der Tierrechtsszene und linksextremistischen Themenfeldern wie Antikapitalismus, Antisexismus, Antirassismus und Antifaschismus. In diesem Zusammenhang wurden sogar Bezeichnungen wie „vegantifa“ und „veganarchist“ dokumentiert. Die damaligen Erkenntnisse lassen sich nicht pauschal auf sämtliche heutigen Veganer oder Tierrechtsaktivisten übertragen, zeigen aber, dass eine politisch linksradikale Verbindung von Tierbefreiung und weiteren gesellschaftlichen Konflikten seit vielen Jahren existiert. [8]

    Plötzlich trifft die eigene Methode Robert Marc Lehmann

    Gerade für Lehmann besitzt die Situation eine gewisse Ironie. Er selbst arbeitet seit Jahren mit emotionalen Bildern, zugespitzten Botschaften und einer enormen Social-Media-Reichweite, wenn er Missstände anprangert oder Zoos öffentlich kritisiert. Seine Mission-Erde-Kampagnen leben davon, komplexe Themen so aufzubereiten, dass sie Aufmerksamkeit erzeugen und möglichst viele Menschen mobilisieren.

    Nun funktioniert derselbe Mechanismus plötzlich in die andere Richtung. Aus seiner dokumentierten KSK-Vergangenheit wird eine plakative Botschaft, darüber steht „Kriegsfanatiker“, und seine eigene Demonstration soll aus politischen Gründen boykottiert werden. Dass Lehmann selbst zum Objekt einer derart zugespitzten Kampagne wird, dürfte für jemanden, der die Macht sozialer Medien ausgesprochen professionell einzusetzen versteht, zumindest eine interessante Erfahrung sein.

    Vor allem zeigt der Vorgang, dass Lehmann längst nicht automatisch dort Rückendeckung erhält, wo ebenfalls lautstark für Tiere gekämpft wird. Gemeinsame Gegnerschaft zu Zoos bedeutet eben nicht automatisch gemeinsame politische Vorstellungen. Sobald Veganismus, Antifaschismus und Antimilitarismus als zusammengehöriges politisches Paket verstanden werden, wird Lehmanns Verhältnis zur Bundeswehr zum Problem.

    Vom Quarkbällchen zum „Kriegsfanatiker“

    Vor gut einem Jahr war es noch ein Quarkbällchen. Heute sind es Bundeswehr, KSK und Militarisierung. Robert Marc Lehmann erlebt damit zum zweiten Mal innerhalb relativ kurzer Zeit, wie schnell aus einem vermeintlich nahestehenden Aktivistenmilieu ein öffentlicher Angriff auf seine Glaubwürdigkeit entstehen kann.

    Der Unterschied liegt vor allem in der Dimension. Beim Quarkbällchen konnte Lehmann die Debatte noch als Streit über Veganismus und persönliche Konsequenz behandeln. Der aktuelle Boykottaufruf greift dagegen einen Teil seiner öffentlichen Biografie auf und stellt die grundsätzliche Frage, wie seine enge und demonstrativ positiv dargestellte Verbindung zum KSK mit seiner Rolle als prominenter Tierrechtsaktivist zusammenpasst.

    Für Lehmann dürfte dieser Konflikt deshalb unangenehmer sein als die damalige Diskussion über Gebäck. Die Fakten seiner Zusammenarbeit mit dem KSK sind öffentlich dokumentiert, und er selbst hat sie erst wenige Tage vor der Berliner Demonstration wieder ins Rampenlicht gestellt. Seine Kritiker müssen ihm diese Vergangenheit also nicht erst mühsam zuschreiben – Lehmann präsentiert sie selbst.

    Und so steht ausgerechnet ein Mann, der am 4. Oktober in Berlin möglichst viele Menschen gegen Zoos mobilisieren möchte, plötzlich selbst im Zentrum einer Gegenmobilisierung. Nach dem Quarkbällchen-Gate folgt das „Kriegsfanatiker“-Gate. Dieses Mal kommt der Gegenwind aus der Antifa – und Robert Marc Lehmann erlebt am eigenen Beispiel, wie schnell politische Zuspitzung denjenigen treffen kann, der sonst selbst ausgesprochen gern mit ihr arbeitet.

    Quellen:

    [1] Keanu Activism / Instagram – Boykottaufruf gegen die Robert-Marc-Lehmann-Demonstration am 4. Oktober 2026 sowie Beitrag „Antifaschismus im Tierrecht“ – Originalbeiträge/Screenshots vom September 2026

    [2] Robert Marc Lehmann – Anti-Zoo-Demonstration am 4. Oktober 2026 am Pariser Platz in Berlin – https://imginn.com/p/DdjgZsftaYO/

    [3] ComicSchau – Robert Marc Lehmann steht in der Kritik – wegen Quarkbällchen – https://www.comicschau.de/news/robert-marc-lehmann-quarkbaellchen-697010/ Comicschau

    [4] Rosa-Luxemburg-Stiftung – Nur Yasemin Ural – Studie zu Twitch, Veganismus und linker Streamingkultur – https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Studien/Studien_3-26_Twitch_web.pdf Rosa-Luxemburg-Stiftung

    [5] GERATI – Robert Marc Lehmann: Der selbsternannte Zensur-Jäger im Quarkbällchen-Dilemma – https://gerati.de/2025/06/12/robert-marc-lehmann-zensur-jager-hyjm/ Gerati

    [6] Deutscher BundeswehrVerband – Neue Webserie: Zivilist trainiert beim KSK – https://www.dbwv.de/aktuelle-themen/blickpunkt/beitrag/neue-webserie-zivilist-trainiert-beim-ksk/

    [7] Robert Marc Lehmann – Beitrag zum 30-jährigen Bestehen des Kommando Spezialkräfte – https://imginn.com/p/DdoQrV5jQFF/ Imginn

    [8] Niedersächsisches Ministerium für Inneres und Sport – Sitzung des Niedersächsischen Landtages am 16.09.2011; Fragestunde Nr. 5 – https://www.mi.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/presseinformationen/-98999.html

  • Robert Marc Lehmann gegen Zoos: Philipp J. Kroiß zerlegt die große Cancel-Erzählung

    Robert Marc Lehmann gegen Zoos: Philipp J. Kroiß zerlegt die große Cancel-Erzählung

    Robert Marc Lehmann spricht von Konsequenzen für die Zoowelt, von fehlender Gesprächsbereitschaft seiner Kritiker und vermittelt den Eindruck, gegen ihn werde mit fragwürdigen Methoden vorgegangen. Philipp J. Kroiß hat diese Darstellung für zoos.media ausführlich analysiert und kommt zu einem deutlich anderen Ergebnis. In seinem Beitrag „Robert Marc Lehmann: Wenn eine Anti-Zoo-Ansage zur Selbstoffenbarung wird“ zeichnet Kroiß das Bild eines Influencers, bei dem Anspruch und tatsächliches Verhalten zunehmend auseinanderfallen.

    Besonders interessant aus Sicht von GERATI: Kroiß greift dabei ausdrücklich eine Recherche von GERATI auf. Dabei ging es um zahlreiche Videos und Millionen Aufrufe, die vom YouTube-Kanal „Robert Marc Lehmann – Mission Erde“ verschwunden waren. Gerade dieser Punkt zeigt, warum es sich lohnt, die verschiedenen Vorgänge sauber voneinander zu trennen, statt sie zu einer großen Erzählung über angebliche Zensur oder Cancel-Versuche zusammenzufügen.

    Ein YouTube-Strike wird zur großen Erzählung

    Ausgangspunkt der Auseinandersetzung war laut Kroiß ein Video von Robert Marc Lehmann, in dem Material von zoos.media verwendet wurde. zoos.media meldete die Verwendung bei YouTube. Die Plattform prüfte den Vorgang und entschied schließlich über die Entfernung des Videos beziehungsweise den entsprechenden Copyright-Vorgang. Entscheidend ist dabei ein Punkt, den Kroiß ausdrücklich hervorhebt: Über einen Strike entscheidet YouTube und nicht derjenige, der eine Urheberrechtsverletzung meldet.

    Das klingt zunächst banal, ist aber für die gesamte Erzählung entscheidend. Wer fremdes Material verwendet und daraufhin mit einer urheberrechtlichen Beschwerde konfrontiert wird, kann daraus nicht automatisch einen organisierten Versuch ableiten, einen kompletten Kanal zum Schweigen zu bringen. Genau an dieser Stelle sieht Kroiß einen grundlegenden Widerspruch zwischen dem tatsächlichen Vorgang und der späteren Darstellung gegenüber der eigenen Community.

    Ein einzelner Copyright-Strike bedeutet schließlich nicht automatisch die Löschung eines gesamten YouTube-Kanals. Gleichzeitig gehört es zum normalen Verfahren der Plattform, dass Rechteinhaber gegen eine aus ihrer Sicht unzulässige Nutzung ihres Materials vorgehen können. Aus einem solchen Standardmechanismus eine Art Angriff der Zoowelt auf Robert Marc Lehmann abzuleiten, benötigt deshalb wesentlich mehr Belege als lediglich die Existenz einer Beschwerde.

    GERATI fand die verschwundenen Videos

    An dieser Stelle kommt GERATI ins Spiel. Nach dem Vorgang mit zoos.media hatte ich mir den Kanal von Robert Marc Lehmann genauer angesehen und festgestellt, dass dort eine beträchtliche Zahl früherer Videos nicht mehr öffentlich vorhanden war. Mit diesen Videos verschwanden zugleich Millionen zuvor ausgewiesener Aufrufe aus der öffentlich sichtbaren Kanalstatistik beziehungsweise dem vorhandenen Videobestand.

    Kroiß verweist in seinem Artikel ausdrücklich auf diese GERATI-Recherche. Gleichzeitig hält er fest, dass die Gründe für das Verschwinden dieser Videos nicht bekannt sind. Genau diese Trennung ist wichtig. Die Beobachtung, dass Videos verschwunden sind, ist etwas anderes als die Behauptung, zu wissen, weshalb sie verschwunden sind.

    Gerade deshalb wäre es unseriös, sämtliche Veränderungen auf Lehmanns Kanal mit dem Copyright-Vorgang von zoos.media in Verbindung zu bringen. Dafür gibt es bislang keinen belastbaren Nachweis. Interessant bleibt die Entwicklung dennoch, weil sie zeitlich in eine Phase fällt, in der Robert Marc Lehmann selbst das Narrativ eines gegen ihn gerichteten Vorgehens öffentlich stark auflädt.

    Kroiß stellt Lehmanns Gesprächsbereitschaft infrage

    Noch deutlicher wird die Kritik von Philipp J. Kroiß bei einem weiteren Punkt. Robert Marc Lehmann erklärte nach Darstellung von zoos.media sinngemäß, er scheue keine Diskussion, treffe jeden und halte sich nicht zurück. Gleichzeitig beklagte er, andere wollten nicht mit ihm diskutieren.

    Kroiß hält diesem Bild mehrere konkrete Beispiele entgegen. So verweist er unter anderem auf ein öffentliches Dialogangebot aus Wuppertal vom Mai 2025. Außerdem nennt er Einladungen des Direktors des Alpenzoos Innsbruck, André Stadler, aus dem Juni und August 2026. Nach Darstellung von zoos.media blieb eine entsprechende öffentliche Reaktion beziehungsweise Annahme dieser Angebote aus.

    Genau hier liegt ein Punkt, der über persönliche Sympathien für Lehmann oder einzelne Zoos hinausgeht. Wer öffentlich den Eindruck vermittelt, die Gegenseite verweigere konsequent den Dialog, muss sich daran messen lassen, wie er selbst mit konkreten Gesprächsangeboten umgeht. Existieren solche Einladungen tatsächlich, kann man gleichzeitig schwer behaupten, niemand wolle mit einem reden.

    Kroiß führt darüber hinaus den Zoo Augsburg sowie ein Orca-Symposium als weitere Beispiele an. Auch hier lautet seine zentrale Kritik nicht, dass Lehmann jede Einladung zwingend annehmen müsse. Natürlich steht es jedem frei, ein Gespräch abzulehnen. Problematisch wird es erst dann, wenn auf der einen Seite Angebote ausgeschlagen oder nicht genutzt werden und auf der anderen Seite gegenüber dem eigenen Publikum der Eindruck einer grundsätzlich dialogunwilligen Zoowelt entsteht.

    Das Marcant-Format ändert das Problem nicht

    Lehmann verwies offenbar auch auf ein geplantes beziehungsweise produziertes Format von Marcant, für das Vertreter aus der Zoowelt angefragt wurden. Kroiß sieht darin keinen Beleg dafür, dass Zoos generell nicht diskutieren wollten. zoos.media selbst hatte nach eigenen Angaben ebenfalls eine Anfrage erhalten, wobei bereits die Adressierung Fragen aufwarf.

    Trotzdem bot zoos.media nach Darstellung von Kroiß Unterstützung für einen geplanten Faktencheck an. Eine weitere Reaktion sei darauf nicht erfolgt. Auch hier ergibt sich damit ein komplizierteres Bild als das einfache Narrativ „Lehmann möchte diskutieren, Zoos verweigern sich“.

    Hinzu kommt ein praktischer Aspekt, der häufig übersehen wird. Nicht jeder Zoo, Verband oder Fachmann muss bereit sein, auf eigene Kosten an einem kommerziell verwerteten YouTube-Format mitzuwirken. Eine Absage an ein bestimmtes Produktionsformat ist nicht automatisch eine Absage an jede inhaltliche Diskussion. Wer beides gleichsetzt, verkürzt die tatsächliche Situation erheblich.

    Wenn aus Kritik eine Verschwörungserzählung wird

    Kroiß wird in seinem Artikel besonders deutlich, wenn es um Reaktionen aus Teilen der Mission-Erde-Community geht. Seiner Einschätzung nach wird dort zunehmend eine Erzählung gepflegt, wonach unterschiedliche Akteure versuchten, Robert Marc Lehmann zum Schweigen zu bringen oder seine Arbeit zu behindern.

    Das Problem einer solchen Erzählung liegt in ihrer Konstruktion. Einzelne Ereignisse können schnell miteinander verbunden werden, obwohl ein tatsächlicher Zusammenhang gar nicht nachgewiesen ist. Ein Copyright-Strike, verschwundene Videos, kritische Artikel, Auseinandersetzungen mit Zoos und abgelehnte Gesprächsformate ergeben dann scheinbar ein großes Gesamtbild. Belegt wird dadurch jedoch noch kein koordiniertes Vorgehen.

    Gerade an diesem Punkt lohnt eine nüchterne Betrachtung. Kritik an einem reichweitenstarken Influencer ist keine Zensur. Eine Urheberrechtsbeschwerde ist nicht automatisch ein Cancel-Versuch. Eine Einladung, die nicht angenommen wird, ist kein Beleg dafür, dass niemand diskutieren möchte. Und mehrere kritische Stimmen bilden nicht automatisch ein Netzwerk, nur weil sie zu ähnlichen Schlussfolgerungen gelangen.

    Anti-Zoo-Kommunikation und das Geschäft mit der Empörung

    Kroiß geht noch einen Schritt weiter und verbindet Lehmanns Anti-Zoo-Kommunikation mit dessen Merchandising. Er verweist dabei insbesondere auf Produkte mit vulgärer Anti-Zoo-Botschaft. Daraus ergibt sich zumindest eine legitime Frage nach den wirtschaftlichen Anreizen einer möglichst scharf geführten Auseinandersetzung.

    Natürlich beweist der Verkauf entsprechender Produkte nicht, dass Kritik an Zoos ausschließlich aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt. Eine solche Behauptung wäre ebenfalls zu einfach. Allerdings lässt sich kaum bestreiten, dass emotionalisierte Konflikte Aufmerksamkeit erzeugen und Aufmerksamkeit im Influencer-Geschäft wirtschaftlich verwertbar ist.

    Wenn sich eine Marke gleichzeitig über klare Feindbilder definiert und passende Produkte verkauft, darf dieser Zusammenhang deshalb thematisiert werden. Genau das macht Kroiß. Er stellt die Frage, ob eine immer aggressivere Anti-Zoo-Rhetorik tatsächlich einer sachlichen Diskussion über Tierhaltung, Artenschutz und wissenschaftliche Arbeit dient oder zunehmend Teil einer erfolgreich vermarktbaren Identität geworden ist.

    Der eigentliche Streit sollte um Fakten gehen

    Besonders relevant ist deshalb ein weiterer Bestandteil des zoos.media-Artikels. Kroiß erinnert daran, dass Lehmann in der Vergangenheit die Bedeutung zoologischer Einrichtungen für verschiedene Arten infrage gestellt hatte. zoos.media beschäftigte sich daraufhin unter anderem mit Balistaren, Sumatra-Nashörnern und Galapagos-Riesenschildkröten und stellte den Anti-Zoo-Aussagen konkrete Informationen zum Artenschutz gegenüber.

    Genau dort sollte die eigentliche Diskussion stattfinden. Nicht bei der Frage, wer wen angeblich canceln möchte, sondern bei überprüfbaren Aussagen. Welche Rolle spielen Zoos bei Erhaltungszuchtprogrammen? Welche Populationen konnten mit Unterstützung zoologischer Einrichtungen erhalten werden? Welche Forschung findet dort statt? Welche Projekte werden finanziert? Und wo gibt es berechtigte Kritik an einzelnen Einrichtungen oder Haltungsformen?

    Wer Zoos grundsätzlich ablehnt, darf diese Fragen selbstverständlich kritisch beantworten. Er muss sich dann allerdings auch mit Fakten auseinandersetzen, die nicht in die eigene Argumentation passen. Dasselbe gilt selbstverständlich für Zoo-Befürworter. Artenschutz wird nicht dadurch besser verstanden, dass beide Seiten immer größere Feindbilder produzieren.

    Philipp J. Kroiß trifft einen entscheidenden Punkt

    Der Artikel von Philipp J. Kroiß ist klar positioniert und an einigen Stellen bewusst scharf formuliert. Das macht er auch nicht zum Geheimnis. Seine entscheidende Stärke liegt jedoch darin, dass er zahlreiche konkrete Vorgänge nebeneinanderstellt und damit eine Frage aufwirft, die Robert Marc Lehmann und seine Community selbst beantworten müssen: Passt die öffentlich erzählte Geschichte tatsächlich zu den dokumentierten Ereignissen?

    Gerade die Behauptung mangelnder Dialogbereitschaft wirkt problematisch, wenn gleichzeitig konkrete Einladungen existieren. Ebenso lässt sich aus einer Copyright-Meldung nicht ohne Weiteres der Versuch konstruieren, einen gesamten YouTube-Kanal aus dem Netz zu drängen. Dass darüber hinaus zahlreiche Videos verschwunden sind, bleibt interessant – über die Ursache sagt diese Beobachtung allein jedoch nichts aus.

    Für GERATI ist noch etwas anderes bemerkenswert. Unsere Recherche zu den verschwundenen Videos wurde von zoos.media nicht einfach benutzt, um eine Ursache zu behaupten, die niemand belegen kann. Kroiß nennt die Recherche und trennt sie ausdrücklich von der offenen Frage nach dem Grund für die Löschungen. Genau so sollte eine sachliche Auseinandersetzung funktionieren.

    Robert Marc Lehmann kann Zoos kritisieren. Zoos können Robert Marc Lehmann kritisieren. zoos.media kann seine Aussagen überprüfen, und GERATI kann wiederum beide Seiten beobachten und einordnen. Das ist keine Zensur, sondern öffentliche Debatte. Entscheidend ist am Ende nicht, wer die größte Community mobilisieren kann, sondern wessen Behauptungen einer Überprüfung standhalten.

    Quellen