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Schlagwort: Mission Erde Shop

  • Robert Marc Lehmann: Wieder ein Urheberrechtsverstoß? Fragen zum 99-Euro-Balistar-Hoodie

    Robert Marc Lehmann: Wieder ein Urheberrechtsverstoß? Fragen zum 99-Euro-Balistar-Hoodie

    Erst der Copyright-Strike auf YouTube, jetzt ein auffällig ähnliches Bildmotiv auf einem Hoodie für 99 Euro. Robert Marc Lehmann steht erneut vor Fragen zum Umgang mit möglicherweise fremdem Bildmaterial. Diesmal geht es um den seltenen Balistar und eine Fotografie aus dem Umfeld der indonesischen Naturschutzorganisation Friends of Nature, People and Forests (FNPF). Vergleicht man die Aufnahme mit dem gestickten Vogel auf Lehmanns Merchandise-Hoodie, fallen bemerkenswerte Übereinstimmungen auf.

    Dazu kommt die wirtschaftliche Seite. Der Hoodie wird über den privatwirtschaftlichen Mission Erde Shop vertrieben, an dessen Verkäufen Lehmann nach eigenen Angaben verdient. Die Produktwerbung erzählt von erfolgreichen Auswilderungen in Indonesien. Doch weder die Herkunft der möglichen Fotovorlage noch eine konkrete finanzielle Beteiligung der indonesischen Organisation an diesem Produkt werden öffentlich erläutert.

    Ein Foto, ein Stickmotiv – und erstaunliche Gemeinsamkeiten

    Der Balistar ist mit seinem weißen Gefieder, den schwarzen Flügelspitzen und der leuchtend blauen Augenpartie unverwechselbar. Auf dem Rücken des Hoodies ist er mit weit ausgebreiteten Flügeln dargestellt. Eine Fotografie, die im Zusammenhang mit FNPF veröffentlicht wurde, zeigt einen Vogel in auffällig ähnlicher Position. Besonders die Körperhaltung und die Ausrichtung der Flügel stimmen in wesentlichen Punkten überein.

    Bei näherer Betrachtung fallen auch die Konturen der Schwanzfedern und mehrere Details der Federzeichnung auf. Der obere Flügel zeigt eine sehr ähnliche Krümmung, während der untere fast dieselbe Haltung einnimmt. Selbst kleinere Farbübergänge erinnern an die fotografische Darstellung. Die Ähnlichkeit beschränkt sich damit nicht auf das natürliche Aussehen dieser Vogelart.

    Ob die Fotografie tatsächlich als Vorlage verwendet wurde, ist aus den Produktangaben nicht ersichtlich. Der Vergleich liefert jedoch einen konkreten Anlass, sich mit der Herkunft des Designs zu beschäftigen. Schließlich wird das Motiv nicht nur zur Illustration eines Artenschutzberichts verwendet, sondern auf einem kommerziell vertriebenen Kleidungsstück angeboten. Bei einer Übernahme geschützter Bildgestaltung kommt es deshalb auf die entsprechenden Nutzungsrechte an.

    Aus einem Foto wird eine Stickerei – wem gehören die Rechte?

    Nach deutschem Urheberrecht bleiben Fotografien auch dann geschützt, wenn ihre Gestaltung in ein anderes Medium übertragen wird. § 72 UrhG schützt Lichtbilder, während § 23 UrhG die Verwertung von Bearbeitungen und Umgestaltungen regelt. Die Übertragung einer geschützten Fotografie in ein Stickmotiv kann daher eine Genehmigung des Rechteinhabers erfordern. Eine Stickmaschine hebt bestehende Bildrechte schließlich nicht auf.

    Der Mission Erde Shop beschreibt das Balistar-Motiv als aufwendiges Frottee-Design. Sollte die im Vergleich gezeigte Aufnahme dafür verwendet worden sein, wäre die Grundlage der kommerziellen Nutzung entscheidend. Auf der Produktseite findet sich dazu keine Angabe. Für die rechtliche Einordnung wären die Entstehung des Motivs und die bestehenden Nutzungsrechte maßgeblich.

    Eine solche Verwendung könnte beispielsweise durch eine Bildlizenz oder eine andere Vereinbarung geregelt worden sein. Denkbar wäre auch eine Vergütung, die mit der kommerziellen Vermarktung verbunden ist. Öffentlich dokumentiert ist eine solche Regelung für das konkrete Motiv bislang nicht. Genau deshalb bleibt die Frage nach der Herkunft des Designs und der Berechtigung zu seiner Nutzung offen.

    Robert Marc Lehmann kassierte bereits einen YouTube-Strike

    Im September 2026 hatte Lehmann bereits mit einer Urheberrechtsbeschwerde zu tun. Nach Angaben des Fachportals zoos.media verwendete er Material des Portals ohne entsprechende Genehmigung in einem YouTube-Video. zoos.media meldete die Verwendung bei YouTube. Die Plattform prüfte den Vorgang, entfernte das Video und verhängte nach Darstellung des Portals einen Copyright-Strike.

    Interessant waren vor allem die anschließenden Reaktionen. Innerhalb der Mission-Erde-Community wurde teilweise über Zensur und Versuche diskutiert, Lehmann mundtot zu machen. Dabei war der Ausgangspunkt eine Beschwerde wegen der Verwendung fremden Materials gewesen. Über die Entfernung des Videos hatte YouTube selbst entschieden.

    GERATI berichtete bereits im Artikel „Robert Marc Lehmann gegen Zoos: Philipp J. Kroiß zerlegt die große Cancel-Erzählung“ über den Fall. Der damalige Vorgang ist vom heutigen Hoodie-Motiv zu trennen, macht aber deutlich, weshalb die Bildrechte bei kommerziellen Veröffentlichungen ernst genommen werden müssen. Lehmann ist schließlich selbst professioneller Fotograf und weiß, welchen Wert Bildmaterial besitzen kann. Umso interessanter ist die Frage, wie die Rechte am Balistar-Motiv geregelt wurden.

    Eine frühere Balistar-Rettung und die Organisation FNPF

    Robert Marc Lehmann thematisierte in seinen Veröffentlichungen die Rettung von rund 50 Balistaren. Auch die Produktbeschreibung des Hoodies greift die Geschichte der bedrohten Vogelart auf. Dort wird FNPF ausdrücklich im Zusammenhang mit Auswilderungen in Indonesien genannt. Damit macht der Shop die praktische Artenschutzarbeit vor Ort zu einem Bestandteil seiner Produktwerbung.

    Für eine frühere finanzielle Unterstützung gibt es einen konkreten Beleg. Im Jahresbericht 2022 bedankt sich FNPF bei Mission Erde für eine Spende zugunsten des Balistar-Projekts. Die Organisation dokumentiert darin außerdem 23 ausgewilderte Balistare im Besikalung Wildlife Sanctuary. Diese Angaben belegen eine Unterstützung im damaligen Zeitraum, jedoch keine gegenwärtige Zusammenarbeit.

    Das ist für die Bewertung wichtig. Eine frühere Unterstützung eines Artenschutzprojekts sagt noch nichts über die heutigen Geschäftsbeziehungen oder mögliche Bildrechte aus. Auch eine Vereinbarung zur Verwendung der Fotografie lässt sich aus dem Jahresbericht nicht ableiten. Für das auf dem Hoodie verwendete Design bleiben die konkreten Rechteverhältnisse deshalb ungeklärt.

    99 Euro für den Balistar-Hoodie

    Der Hoodie wird unter dem Namen „Balistarling“ für 99 Euro angeboten. Laut Produktbeschreibung besteht er aus 85 Prozent Bio-Baumwolle und 15 Prozent recyceltem Polyester, besitzt eine Grammatur von 400 Gramm pro Quadratmeter und wird in Indien hergestellt. Das großflächige Vogelmotiv auf dem Rücken ist als Frottee-Veredelung ausgeführt. Es handelt sich damit um ein hochwertigeres Kleidungsstück und nicht um einen einfachen Kapuzenpullover mit billigem Digitaldruck.

    Balistar-Hoodie aus dem Mission Erde Shop von Robert Marc Lehmann mit großflächigem weiß-blauem Vogel-Stickmotiv auf dem Rücken.
    Balistar-Hoodie mit großflächigem Stickmotiv, angeboten für 99 Euro im Mission Erde Shop von Robert Marc Lehmann. Quelle: https://missionerde.shop/products/unisex-hoodie-balistarling

    Balistar-Hoodie aus dem Mission Erde Shop. Verkaufspreis: 99 Euro.

    Die Werbung verbindet das Produkt mit der Rettung einer bedrohten Tierart. Käufer erfahren von Auswilderungen, geschlüpften Jungvögeln und den Erfolgen des Artenschutzes in Indonesien. Sie sollen das Motiv mit Stolz tragen und sich mit dieser Geschichte identifizieren können. Das ist eine wirkungsvolle Verkaufsbotschaft, die allerdings wenig über die Herstellungskosten und die konkrete Verwendung der Einnahmen verrät.

    Ein Verkaufspreis von 99 Euro ist zunächst eine unternehmerische Entscheidung. Interessant ist vielmehr der wirtschaftliche Abstand zwischen diesem Betrag und öffentlich verfügbaren Preisen vergleichbarer Textilien. Gerade bei größeren Bestellungen können hochwertige Hoodies wesentlich günstiger eingekauft werden. Hinzu kommen die Kosten für die Veredelung, die sich zumindest anhand veröffentlichter Preislisten überschlägig einordnen lassen.

    Was kostet ein vergleichbarer Hoodie im Großhandel?

    Der Anbieter Organic Blank verkauft beispielsweise den Stanley/Stella Cruiser 2.0 mit einer Grammatur von 350 Gramm pro Quadratmeter. Das Modell ist leichter als der Balistar-Hoodie und besitzt eine andere Materialzusammensetzung, eignet sich aber als Vergleich für die Mengenstaffeln hochwertiger Bio-Hoodies. Die veröffentlichten Preise sinken mit zunehmender Abnahmemenge deutlich. Ab 500 Stück erstellt der Anbieter individuelle Angebote.

    AbnahmemengeVergleichspreis pro Hoodie
    1–49 Stück26,89 €
    50–99 Stück23,66 €
    100–249 Stück22,05 €
    250–499 Stück20,44 €
    Ab 500 StückIndividuelles Angebot

    MyMerch tritt beim Balistar-Hoodie als Hersteller auf und ist im professionellen Merchandise-Geschäft tätig. Welche Konditionen das Unternehmen für dieses konkrete Produkt erhält, ist öffentlich nicht bekannt. Auch die tatsächliche Produktionsmenge lässt sich aus dem Shop nicht zuverlässig ermitteln. Die Vergleichspreise dienen deshalb als Grundlage einer Modellrechnung, nicht als Nachweis der tatsächlichen Einkaufskosten.

    Wie teuer ist die Stickerei?

    Beim Balistar-Motiv handelt es sich um eine aufwendigere Frottee-Veredelung. Entsprechend beeinflussen Motivgröße, Herstellungsverfahren und Stückzahl den Preis. Der Textilveredler Clubmartin nennt für reguläre Stickereien bei größeren Bestellungen beispielsweise Nettopreise zwischen rund 11 und 17 Euro pro Stück, abhängig von der Motivfläche. Für besonders aufwendige Verfahren können andere Preise gelten.

    Für die folgende Kalkulation setzen wir deshalb pauschal 15 Euro netto je Hoodie für die Veredelung an. Dieser Wert ist eine Rechenannahme, da keine interne Produktionsrechnung des Mission Erde Shops vorliegt. Die tatsächlichen Kosten der speziellen Frottee-Technik können davon abweichen. Zusammen mit den veröffentlichten Großhandelspreisen lässt sich damit aber darstellen, welche Größenordnungen bei unterschiedlichen Stückzahlen entstehen.

    Die Rechnung: Was bleibt bei 50, 100 oder 1.000 Hoodies?

    Der Verkaufspreis von 99 Euro enthält bei Anwendung des regulären deutschen Steuersatzes 19 Prozent Umsatzsteuer. Nach deren Herausrechnung verbleiben rund 83,19 Euro netto. Davon ziehen wir die angenommenen Kosten für den Hoodie und 15 Euro für die Veredelung ab. Das Ergebnis ist ein rechnerischer Restbetrag vor weiteren betrieblichen Ausgaben.

    StückzahlHoodie-EinkaufVeredelungGewinn je Stück
    5023,66 €15,00 €44,53 €
    9923,66 €15,00 €44,53 €
    10022,05 €15,00 €46,14 €
    25020,44 €15,00 €47,75 €
    50020,44 €*15,00 €47,75 €
    1.00020,44 €*15,00 €47,75 €

    Ab 500 Stück wird mangels veröffentlichter Staffelpreise derselbe Kostenansatz wie bei 250 Stück verwendet. Die Vergleichspreise werden für die Rechnung als Nettokosten angesetzt.

    Bei 50 verkauften Hoodies ergibt sich nach diesem Modell ein Gewinn von rund 2.226 Euro. Bei 100 Exemplaren wären es rund 4.614 Euro, bei 250 Stück etwa 11.938 Euro und bei 1.000 Hoodies ungefähr 47.753 Euro. Voraussetzung ist jeweils, dass die gesamte angenommene Menge zum regulären Preis verkauft wird. Die tatsächlichen Verkaufszahlen sind nicht öffentlich bekannt.

    Diese Beträge dürfen nicht mit Lehmanns persönlichem Gewinn verwechselt werden. Davon müssen unter anderem Lagerhaltung, Logistik, Zahlungsabwicklung, Personal, Produktentwicklung und die wirtschaftliche Beteiligung von MyMerch finanziert werden. Mögliche Lizenzkosten sind ebenfalls noch nicht berücksichtigt. Die Rechnung zeigt lediglich den wirtschaftlichen Spielraum, der bei den angenommenen direkten Herstellungskosten verbleiben könnte.

    Der Mission Erde Shop ist Roberts Geschäft – nicht der Vereinsshop

    Ein Blick auf die geschäftliche Struktur hinter Mission Erde ist aufschlussreich. Der Shop ist kein offizielles Angebot des gemeinnützigen Vereins Mission Erde e. V., sondern eine privatwirtschaftliche Initiative von Robert Marc Lehmann. In den eigenen Angaben des Shops wird dies ausdrücklich bestätigt. Dort heißt es: „Dieser Shop ist Roberts Shop.“

    Lehmann gründete das Geschäft nach den veröffentlichten Informationen gemeinsam mit MyMerch. Der Shop soll sowohl seinen Lebensunterhalt finanzieren als auch den gemeinnützigen Verein unterstützen. MyMerch erhält einen Anteil an den Verkäufen, ebenso Lehmann selbst. Wie die Einnahmen zwischen den Beteiligten im Einzelnen aufgeteilt werden, wird nicht veröffentlicht.

    Auch das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen bestätigt diese Trennung. Nach Kenntnisstand des DZI sind weder der Online-Shop noch Lehmanns YouTube-Kanal offizielle Angebote des gemeinnützigen Vereins. Vielmehr handelt es sich um privatwirtschaftliche Initiativen des Vereinsgründers. Das Institut weist zudem darauf hin, dass die Rechte an der Mission-Erde-Bildmarke bei Lehmann persönlich liegen.

    Damit ist die wirtschaftliche Zuordnung des Shops eindeutig von der gemeinnützigen Vereinsarbeit zu unterscheiden. Die Umsätze von MyMerch lassen sich nicht mit den Einnahmen von Lehmann gleichsetzen, ebenso wenig die Spendeneinnahmen des Vereins mit den Verkäufen im Shop. Das DZI stellte bei seiner Prüfung des Vereins keine kritischen Anhaltspunkte fest. An der privatwirtschaftlichen Struktur des Merchandise-Geschäfts ändert diese Bewertung allerdings nichts.

    Ein Euro pro Bestellung geht an Mission Erde e. V.

    Der Shop nennt für gewöhnliche Bestellungen eine klare Spendenregelung. Unabhängig vom Bestellwert wird grundsätzlich ein Euro pro Bestellung an den gemeinnützigen Verein Mission Erde e. V. weitergeleitet. Nicht ein Euro pro verkauftem Kleidungsstück, sondern ein Euro für den gesamten Einkauf. Auch bei mehreren Produkten innerhalb einer Bestellung bleibt es nach dieser allgemeinen Regelung bei diesem Betrag.

    Bei einem einzelnen Balistar-Hoodie für 99 Euro entspricht das rund 1,01 Prozent des Verkaufspreises. Zwar verweist der Shop zusätzlich auf weitere Naturschutzmaßnahmen und besondere Kollektionen mit gesonderten Förderregelungen. Eine feste Zahlung pro verkauftem Balistar-Hoodie an FNPF in Indonesien wird auf der Produktseite jedoch nicht beziffert. Der fest ausgewiesene Euro geht zunächst an den deutschen Verein.

    Und genau hier wird die Verbindung zur möglichen Fotovorlage interessant. Sollte das Balistar-Foto als Vorlage für die Stickerei verwendet worden sein, wäre die Grundlage dieser kommerziellen Nutzung entscheidend. Eine Lizenz könnte mit einer einmaligen Vergütung oder einer anderen Vereinbarung verbunden sein. Ob dabei auch Gelder an die indonesische Organisation fließen, wird im Verkaufsangebot nicht erläutert.

    Erhält FNPF Geld aus dem Hoodie-Verkauf?

    Wenn FNPF selbst über entsprechende Nutzungsrechte an der Fotografie verfügt und eine kommerzielle Verwendung eingeräumt hat, wäre eine finanzielle Beteiligung eine denkbare Form der Vereinbarung. Möglich wäre eine Lizenzvergütung oder ein fester Betrag pro verkauftem Hoodie. Ebenso könnte eine Unterstützung des Artenschutzprojekts unabhängig von den Verkaufszahlen erfolgen. Welche Regelung gegebenenfalls besteht, lässt sich aus den öffentlichen Angaben nicht erkennen.

    Damit bleibt neben der Bildrechtefrage auch die wirtschaftliche Verbindung zur Organisation auf Bali offen. Der Shop bewirbt seine Balistar-Kollektion ausdrücklich mit einer Artenschutzgeschichte, in der FNPF genannt wird. Eine konkrete produktspezifische Zahlung an die Organisation ist jedoch nicht ausgewiesen. Das ist eine Information, die für Käufer interessant sein dürfte, die das Kleidungsstück gerade wegen der beworbenen Schutzmaßnahmen bestellen.

    Es geht dabei nicht darum, den kommerziellen Verkauf grundsätzlich infrage zu stellen. Lehmann darf selbstverständlich Produkte verkaufen und damit Geld verdienen. Wenn aber die Rettung einer bedrohten Tierart ein zentrales Verkaufsargument bildet, ist die Frage nach der finanziellen Beteiligung des tatsächlichen Artenschutzprojekts berechtigt. Gerade bei einem Hoodie für 99 Euro wäre eine nachvollziehbare Angabe dazu aufschlussreich.

    Balistar-Rettung laut Shop „ganz ohne Zoos“

    Ein weiterer Satz in der Produktbeschreibung verdient Aufmerksamkeit. Dort heißt es, die weltweite Population der Balistare wachse durch internationale Zusammenarbeit wieder, und zwar „ganz ohne Zoos“. Das passt zwar zu Robert Marc Lehmanns bekannter Kritik an zoologischen Einrichtungen. Die Geschichte der Rettung dieser Vogelart ist allerdings wesentlich umfangreicher.

    Internationale Erhaltungszuchtprogramme und zoologische Einrichtungen spielten über Jahrzehnte eine wichtige Rolle beim Überleben des Balistars. Nachgezüchtete Tiere bildeten eine Grundlage für verschiedene Wiederansiedlungsmaßnahmen. Dazu kamen die Sicherung geeigneter Lebensräume, der Schutz vor illegalem Fang und die Betreuung ausgewilderter Populationen. Erfolgreicher Artenschutz entstand damit aus unterschiedlichen Maßnahmen, nicht aus einer einfachen Gegenüberstellung von Zoo und Freiheit.

    Auch GERATI hat sich bereits mit Robert Marc Lehmann und seiner Anti-Zoo-Kommunikation beschäftigt. Ebenso wurden Philipp J. Kroiß und seine Auseinandersetzungen mit der Anti-Zoo-Szene thematisiert. Beim Balistar zeigt sich erneut, wie schnell eine komplexe Artenschutzgeschichte auf eine eingängige Botschaft reduziert werden kann. Die Bedeutung zoologischer Einrichtungen verschwindet schließlich nicht dadurch, dass sie im Verkaufstext eines Hoodies unerwähnt bleibt.

    GERATI wird die offenen Fragen weiterverfolgen

    GERATI wird die Herkunft des Balistar-Motivs und die wirtschaftlichen Hintergründe des Hoodie-Verkaufs weiter untersuchen. Dazu gehören geplante Presseanfragen an Robert Marc Lehmann, den Merchandise-Dienstleister MyMerch, Mission Erde e. V. und die indonesische Naturschutzorganisation Friends of Nature, People and Forests (FNPF). Im Mittelpunkt stehen die Nutzungsrechte am Bildmotiv, mögliche Vereinbarungen zur kommerziellen Verwendung sowie die Frage, welche Gelder aus dem Verkauf tatsächlich beim Artenschutz in Indonesien ankommen.

    Besonders aufschlussreich wäre eine Auskunft über den Rechteinhaber der vorliegenden Fotografie. Sollte diese Aufnahme tatsächlich als Vorlage für das Stickmotiv gedient haben, wäre die rechtliche Grundlage ihrer Nutzung entscheidend. Ebenso wäre interessant, ob eine entsprechende Vereinbarung mit Lizenzgebühren oder einer Beteiligung am Verkauf verbunden ist. Dazu liegen bislang keine öffentlich nachvollziehbaren Angaben vor.

    Auch die finanzielle Beteiligung von FNPF verdient Aufmerksamkeit. Die Organisation war bereits in der Vergangenheit Empfänger von Unterstützung durch Mission Erde. Welche konkreten Vereinbarungen für den heutigen Balistar-Hoodie bestehen, geht daraus jedoch nicht hervor. Die geplanten Anfragen sollen deshalb auch klären, ob aus dem Verkauf dieses Produkts unmittelbar oder mittelbar Gelder an FNPF fließen.

    Alle Beteiligten erhalten die Möglichkeit, zu den veröffentlichten Erkenntnissen Stellung zu nehmen und entsprechende Nachweise vorzulegen. Neue überprüfbare Informationen werden in diesem Artikel als datierte Updates ergänzt. Das gilt ausdrücklich auch für Angaben, die die offenen Fragen zur Bildherkunft klären oder eine bisher nicht öffentlich ausgewiesene finanzielle Unterstützung dokumentieren. So bleibt die weitere Entwicklung für die Leser nachvollziehbar.

    Fazit: Der Bildvergleich wirft neue Fragen auf

    Robert Marc Lehmann hatte bereits im September 2026 mit einer Urheberrechtsbeschwerde zu tun, nachdem er nach Angaben von zoos.media Material des Portals ohne Genehmigung verwendet hatte. YouTube entfernte das betreffende Video, und nach den veröffentlichten Berichten erhielt sein Kanal einen Copyright-Strike. Nun fallen beim Balistar-Hoodie auffällige Übereinstimmungen zwischen einem gestickten Motiv und einer Fotografie aus dem Umfeld von FNPF auf. Die Grundlage einer möglichen Bildübernahme ist öffentlich nicht dokumentiert.

    Gleichzeitig wird der Hoodie für 99 Euro über ein privatwirtschaftliches Geschäft vertrieben, an dem Lehmann nach eigenen Angaben wirtschaftlich beteiligt ist. Der gemeinnützige Verein Mission Erde e. V. erhält nach der allgemeinen Shopregel einen Euro pro Bestellung. Eine konkrete Beteiligung der indonesischen Organisation an den Verkäufen dieses Produkts wird nicht genannt. Auch die früher dokumentierte Unterstützung von FNPF beantwortet diese Frage nicht.

    Der Fall vereint damit zwei Themen, die eng miteinander verbunden sein könnten, falls die Fotografie tatsächlich als Vorlage verwendet wurde: die Berechtigung zur kommerziellen Nutzung und mögliche wirtschaftliche Vereinbarungen mit dem Rechteinhaber. Woher stammt das Balistar-Motiv, welche Nutzungsrechte bestehen und welche finanziellen Vereinbarungen gibt es gegebenenfalls? Robert Marc Lehmann und die beteiligten Unternehmen können dazu Stellung nehmen und die offenen Punkte klären.

    Quellen