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Schlagwort: KSK Bundeswehr

  • Nach dem Quarkbällchen-Gate jetzt das „Kriegsfanatiker“-Gate: Antifa geht gegen Robert Marc Lehmann vor

    Nach dem Quarkbällchen-Gate jetzt das „Kriegsfanatiker“-Gate: Antifa geht gegen Robert Marc Lehmann vor

    Robert Marc Lehmann gerät erneut ausgerechnet mit einem Milieu aneinander, das sich wie er lautstark mit Tier- und Umweltthemen beschäftigt. Nachdem 2025 das inzwischen berüchtigte Quarkbällchen-Gate einen Streit mit Teilen der veganen Szene ausgelöst hatte, kommt der Gegenwind diesmal aus dem antifaschistischen Spektrum. In einem Boykottaufruf gegen Lehmanns Berliner Anti-Zoo-Demonstration fällt sogar die Bezeichnung „Kriegsfanatiker“. Anlass dafür ist nicht irgendeine beiläufige Äußerung, sondern Lehmanns seit Jahren öffentlich dokumentierte Verbindung zum Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr und seine jüngste demonstrative Würdigung des KSK. [1]

    Damit bekommt der Mission-Erde-Gründer wenige Tage vor seiner Demonstration am 4. Oktober 2026 einen Konflikt serviert, der kaum gegensätzlicher sein könnte. Während Lehmann am Pariser Platz gegen Zoos mobilisieren und mit der von ihm beworbenen „größten Anti-Zoo Demo der Welt“ Aufmerksamkeit erzeugen will, lautet die Gegenparole nun ausgerechnet: „Keine Aufmerksamkeit den Kriegsfanatikern!“ Die Auseinandersetzung zeigt, wie schnell innerhalb der Tierrechtsszene aus vermeintlichen Verbündeten politische Gegner werden können. [2]

    Erst Quarkbällchen, jetzt Bundeswehr

    Die Vorgeschichte wirkt rückblickend beinahe harmlos. Im Frühjahr 2025 wurde Lehmann innerhalb der veganen Community dafür kritisiert, dass er Quarkbällchen gekauft hatte. Aus einem Gebäckstück entstand eine Grundsatzdebatte darüber, wie glaubwürdig ein prominenter Tierschützer auftreten kann, wenn er gleichzeitig bewusst tierische Produkte konsumiert. Lehmann reagierte öffentlich und beschrieb seine Situation selbst damit, für die einen nicht vegan genug und für andere viel zu vegan zu sein. [3]

    Der Streit bekam größere Aufmerksamkeit, weil er einen Widerspruch offenlegte, der Lehmann bis heute begleitet. Einerseits positioniert er sich öffentlich als kompromissloser Kritiker bestimmter Formen der Tierhaltung und erreicht mit Mission Erde ein Millionenpublikum. Andererseits akzeptiert nicht jeder innerhalb der veganen und tierrechtlichen Szene seinen wesentlich pragmatischeren Umgang mit dem eigenen Konsum. Selbst eine 2026 veröffentlichte Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung greift den damaligen Streit auf und beschreibt die heftigen Reaktionen linker und veganer Streamer auf Lehmanns Quarkbällchen-Äußerungen. [4]

    GERATI hatte den damaligen Konflikt bereits im Beitrag „Robert Marc Lehmann: Der selbsternannte Zensur-Jäger im Quarkbällchen-Dilemma“ aufgegriffen. Damals ging es um Veganismus, Glaubwürdigkeit und die Frage, wie konsequent jemand sein muss, der anderen regelmäßig moralische Maßstäbe bei Tierhaltung und Tierschutz entgegenhält. Nun ist aus dieser Auseinandersetzung ein wesentlich politischerer Konflikt geworden. [5]

    „Keine Aufmerksamkeit den Kriegsfanatikern!“

    Der aktuelle Boykottaufruf setzt bereits auf der ersten Grafik auf maximale Eskalation. Zu sehen sind bewaffnete Soldaten vor einer Deutschlandflagge, darüber steht unübersehbar: „Keine Aufmerksamkeit den Kriegsfanatikern!“ Direkt darunter wird erklärt, dass die Robert-Marc-Lehmann-Demonstration am 4. Oktober boykottiert beziehungsweise ihr keine Aufmerksamkeit geschenkt werden solle. [1]

    antifa lehmann boykott 01
    https://www.instagram.com/p/Dd41QSvCNwF/?img_index=1

    Lehmann wird anschließend ausdrücklich als bekannter Influencer der Tierrechtsszene genannt. Genau darin liegt für die Verfasser offenbar der Widerspruch: Ein Aktivist, der Tierleid anprangert, mache gleichzeitig „Werbung für die Bundeswehr“. Im Beitrag wird das sogar als „Schlag ins Gesicht“ für Menschen bezeichnet, die sich für Tiere einsetzen. [1]

    antifa lehmann boykott 02
    https://www.instagram.com/p/Dd41QSvCNwF/?img_index=2

    Der Konflikt ist damit wesentlich grundsätzlicher als das Quarkbällchen-Gate. Diesmal lautet die Kritik nicht, Lehmann lebe seine eigenen Ansprüche beim Veganismus nicht konsequent genug. Jetzt wird seine politische Glaubwürdigkeit als Tierrechtsaktivist angegriffen, weil er gleichzeitig eine seit Jahren öffentlich gepflegte Nähe zum KSK zeigt.

    Robert Marc Lehmann und das KSK

    Die Verbindung zwischen Lehmann und dem Kommando Spezialkräfte lässt sich nicht auf irgendein Erinnerungsfoto mit Soldaten reduzieren. Bereits 2018 begleitete er das KSK für das Medienprojekt „KSK – Kämpfe nie für dich allein“. Dabei erhielt Lehmann Einblicke in die Ausbildung der Spezialkräfte und begleitete unter anderem das Dschungeltraining in Belize. Die Zusammenarbeit wurde öffentlich als Teil einer Bundeswehr-Webserie vermarktet. [6]

    Genau diese Vergangenheit holte Lehmann kurz vor seiner Berliner Anti-Zoo-Demonstration selbst wieder hervor. Am 23. September 2026 veröffentlichte er anlässlich des 30-jährigen Bestehens des KSK einen ausführlichen Beitrag und bedankte sich bei den Soldatinnen und Soldaten. Darin erinnerte er an seine Begleitung des Dschungelkampftrainings in Belize, Spezialübungen zur Geiselbefreiung in Dänemark und Aufenthalte am KSK-Standort Calw. [7]

    Damit lieferte Lehmann seinen Gegnern den aktuellen Anlass selbst frei Haus. Wer ihn lediglich aus seinen Mission-Erde-Videos, von Kampagnen gegen Zoos oder von emotional aufgeladenen Beiträgen über Tiere kennt, dürfte mit dieser Seite seines öffentlichen Auftretens möglicherweise weniger vertraut sein. Doch Lehmann hat seine Verbindung zum KSK keineswegs versteckt, sondern sie wiederholt öffentlich dargestellt und auch Jahre später demonstrativ gewürdigt.

    Aus Lehmann-Kritik wird eine Abrechnung mit der Bundeswehr

    Der Boykottaufruf bleibt allerdings nicht bei Lehmann stehen. Schon auf der nächsten Grafik wird aus der Kritik an einem einzelnen Tierrechtsaktivisten eine wesentlich breitere politische Abrechnung mit der Bundeswehr. Thematisiert werden Auslandseinsätze, Kunduz, Zusammenarbeit mit den israelischen Streitkräften und rechtsextremistische Vorfälle innerhalb der Bundeswehr beziehungsweise des KSK. [1]

    antifa lehmann boykott 03
    https://www.instagram.com/p/Dd41QSvCNwF/?img_index=3

    Damit bekommt Lehmann gewissermaßen die gesamte politische Rechnung präsentiert, die seine Gegner mit der Bundeswehr offen haben. Seine öffentliche Anerkennung für KSK-Soldaten wird nicht isoliert betrachtet, sondern unmittelbar mit einer grundsätzlichen Kritik an Militär, Aufrüstung und deutschen Auslandseinsätzen verknüpft. Aus seinem persönlichen Verhältnis zum KSK wird dadurch eine politische Angriffsfläche.

    Besonders bemerkenswert ist dabei die Geschwindigkeit, mit der unterschiedliche Themen miteinander verbunden werden. Lehmann will in Berlin gegen Zoos demonstrieren, seine Gegner diskutieren dagegen KSK, Kunduz, Israel, Aufrüstung und Militarisierung. Aus einer Anti-Zoo-Demonstration wird so innerhalb weniger Schritte ein politischer Richtungsstreit darüber, welche Haltung ein Tierrechtsaktivist gegenüber der Bundeswehr vertreten darf.

    Tierrecht allein reicht der Antifa offenbar nicht

    Die folgenden Grafiken machen deutlich, dass dahinter ein wesentlich umfassenderes politisches Verständnis von Tierrecht steht. Krieg treffe nicht ausschließlich Menschen, argumentieren die Verfasser, sondern ebenfalls Tiere. Deshalb dürfe Tierrechtsaktivismus nicht losgelöst von Krieg und Militarisierung betrachtet werden. [1]

    antifa lehmann boykott 04
    https://www.instagram.com/p/Dd41QSvCNwF/?img_index=4

    Am Ende wird die Forderung unmissverständlich formuliert. Der Kampf für Tierrechte müsse mit dem „Kampf gegen Militarisierung“ verbunden werden. Genau an diesem Punkt kollidiert Lehmanns öffentlich gepflegte Rolle als Tierschutz- und Tierrechtsaktivist mit seiner ebenso öffentlichen Wertschätzung für das Kommando Spezialkräfte. [1]

    antifa lehmann boykott 05
    https://www.instagram.com/p/Dd41QSvCNwF/?img_index=5

    Der Mechanismus erinnert auffällig an den Streit um die Quarkbällchen. Damals reichte einigen Veganern Lehmanns Engagement für Tiere nicht aus, solange er gleichzeitig bewusst tierische Produkte konsumierte. Jetzt reicht anderen Aktivisten seine Kritik an Zoos und Tierhaltung nicht aus, solange er gleichzeitig Soldaten einer militärischen Spezialeinheit öffentlich Respekt entgegenbringt.

    Der Maßstab verschiebt sich, das Prinzip bleibt ähnlich. Wer Teil eines stark politisierten Aktivistenmilieus sein möchte, wird nicht ausschließlich danach beurteilt, was er für Tiere tut. Auch Ernährung, politische Haltung, Kapitalismus, Militär, Klimaschutz oder internationale Konflikte können darüber entscheiden, wer noch als Verbündeter gilt und wer plötzlich selbst zum Gegner erklärt wird.

    Antifaschismus im Tierrecht

    Dass der konkrete Boykottaufruf aus einem antifaschistisch geprägten Umfeld kommt, lässt sich bereits am öffentlichen Auftritt des Accounts erkennen. Auf dem Profil findet sich ein Beitrag mit der unmissverständlichen Überschrift „Antifaschismus im Tierrecht“. Als Motiv wird dabei die bekannte Symbolik der „Antifaschistischen Aktion“ verwendet. [1]

    keanu activism profil antifaschismus tierrecht
    https://www.instagram.com/keanu_activism/

    Damit wird Tierrecht dort ausdrücklich mit antifaschistischer Politik verbunden. Das Profil behandelt neben Tierrecht und Veganismus auch Klima, soziale und politische Themen. Lehmann trifft deshalb nicht einfach auf irgendeinen einzelnen Kritiker seiner Bundeswehr-Äußerungen, sondern auf einen politischen Ansatz, der unterschiedliche Aktivismusfelder miteinander verknüpft.

    Diese Überschneidungen sind keineswegs neu. Bereits 2011 beschrieb das niedersächsische Innenministerium Verbindungen zwischen bestimmten Teilen der Tierrechtsszene und linksextremistischen Themenfeldern wie Antikapitalismus, Antisexismus, Antirassismus und Antifaschismus. In diesem Zusammenhang wurden sogar Bezeichnungen wie „vegantifa“ und „veganarchist“ dokumentiert. Die damaligen Erkenntnisse lassen sich nicht pauschal auf sämtliche heutigen Veganer oder Tierrechtsaktivisten übertragen, zeigen aber, dass eine politisch linksradikale Verbindung von Tierbefreiung und weiteren gesellschaftlichen Konflikten seit vielen Jahren existiert. [8]

    Plötzlich trifft die eigene Methode Robert Marc Lehmann

    Gerade für Lehmann besitzt die Situation eine gewisse Ironie. Er selbst arbeitet seit Jahren mit emotionalen Bildern, zugespitzten Botschaften und einer enormen Social-Media-Reichweite, wenn er Missstände anprangert oder Zoos öffentlich kritisiert. Seine Mission-Erde-Kampagnen leben davon, komplexe Themen so aufzubereiten, dass sie Aufmerksamkeit erzeugen und möglichst viele Menschen mobilisieren.

    Nun funktioniert derselbe Mechanismus plötzlich in die andere Richtung. Aus seiner dokumentierten KSK-Vergangenheit wird eine plakative Botschaft, darüber steht „Kriegsfanatiker“, und seine eigene Demonstration soll aus politischen Gründen boykottiert werden. Dass Lehmann selbst zum Objekt einer derart zugespitzten Kampagne wird, dürfte für jemanden, der die Macht sozialer Medien ausgesprochen professionell einzusetzen versteht, zumindest eine interessante Erfahrung sein.

    Vor allem zeigt der Vorgang, dass Lehmann längst nicht automatisch dort Rückendeckung erhält, wo ebenfalls lautstark für Tiere gekämpft wird. Gemeinsame Gegnerschaft zu Zoos bedeutet eben nicht automatisch gemeinsame politische Vorstellungen. Sobald Veganismus, Antifaschismus und Antimilitarismus als zusammengehöriges politisches Paket verstanden werden, wird Lehmanns Verhältnis zur Bundeswehr zum Problem.

    Vom Quarkbällchen zum „Kriegsfanatiker“

    Vor gut einem Jahr war es noch ein Quarkbällchen. Heute sind es Bundeswehr, KSK und Militarisierung. Robert Marc Lehmann erlebt damit zum zweiten Mal innerhalb relativ kurzer Zeit, wie schnell aus einem vermeintlich nahestehenden Aktivistenmilieu ein öffentlicher Angriff auf seine Glaubwürdigkeit entstehen kann.

    Der Unterschied liegt vor allem in der Dimension. Beim Quarkbällchen konnte Lehmann die Debatte noch als Streit über Veganismus und persönliche Konsequenz behandeln. Der aktuelle Boykottaufruf greift dagegen einen Teil seiner öffentlichen Biografie auf und stellt die grundsätzliche Frage, wie seine enge und demonstrativ positiv dargestellte Verbindung zum KSK mit seiner Rolle als prominenter Tierrechtsaktivist zusammenpasst.

    Für Lehmann dürfte dieser Konflikt deshalb unangenehmer sein als die damalige Diskussion über Gebäck. Die Fakten seiner Zusammenarbeit mit dem KSK sind öffentlich dokumentiert, und er selbst hat sie erst wenige Tage vor der Berliner Demonstration wieder ins Rampenlicht gestellt. Seine Kritiker müssen ihm diese Vergangenheit also nicht erst mühsam zuschreiben – Lehmann präsentiert sie selbst.

    Und so steht ausgerechnet ein Mann, der am 4. Oktober in Berlin möglichst viele Menschen gegen Zoos mobilisieren möchte, plötzlich selbst im Zentrum einer Gegenmobilisierung. Nach dem Quarkbällchen-Gate folgt das „Kriegsfanatiker“-Gate. Dieses Mal kommt der Gegenwind aus der Antifa – und Robert Marc Lehmann erlebt am eigenen Beispiel, wie schnell politische Zuspitzung denjenigen treffen kann, der sonst selbst ausgesprochen gern mit ihr arbeitet.

    Quellen:

    [1] Keanu Activism / Instagram – Boykottaufruf gegen die Robert-Marc-Lehmann-Demonstration am 4. Oktober 2026 sowie Beitrag „Antifaschismus im Tierrecht“ – Originalbeiträge/Screenshots vom September 2026

    [2] Robert Marc Lehmann – Anti-Zoo-Demonstration am 4. Oktober 2026 am Pariser Platz in Berlin – https://imginn.com/p/DdjgZsftaYO/

    [3] ComicSchau – Robert Marc Lehmann steht in der Kritik – wegen Quarkbällchen – https://www.comicschau.de/news/robert-marc-lehmann-quarkbaellchen-697010/ Comicschau

    [4] Rosa-Luxemburg-Stiftung – Nur Yasemin Ural – Studie zu Twitch, Veganismus und linker Streamingkultur – https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Studien/Studien_3-26_Twitch_web.pdf Rosa-Luxemburg-Stiftung

    [5] GERATI – Robert Marc Lehmann: Der selbsternannte Zensur-Jäger im Quarkbällchen-Dilemma – https://gerati.de/2025/06/12/robert-marc-lehmann-zensur-jager-hyjm/ Gerati

    [6] Deutscher BundeswehrVerband – Neue Webserie: Zivilist trainiert beim KSK – https://www.dbwv.de/aktuelle-themen/blickpunkt/beitrag/neue-webserie-zivilist-trainiert-beim-ksk/

    [7] Robert Marc Lehmann – Beitrag zum 30-jährigen Bestehen des Kommando Spezialkräfte – https://imginn.com/p/DdoQrV5jQFF/ Imginn

    [8] Niedersächsisches Ministerium für Inneres und Sport – Sitzung des Niedersächsischen Landtages am 16.09.2011; Fragestunde Nr. 5 – https://www.mi.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/presseinformationen/-98999.html