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Fakten statt Polemik. Aufklärung über radikalen Tierschutz.

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Schlagwort: Karpfenteichwirtschaft als GIAHS-Kulturerbe

  • Waldviertler Abfischfest: Danubeaqua vorgestellt, VGT kündigt Anzeige an

    Waldviertler Abfischfest: Danubeaqua vorgestellt, VGT kündigt Anzeige an

    Beim Waldviertler Abfischfest am Bruneiteich in Heidenreichstein wurde das Forschungsprojekt Danubeaqua vorgestellt. Es soll moderne Technik und die traditionelle Karpfenteichwirtschaft zusammenbringen. Zugleich hat der Verein gegen Tierfabriken (VGT) eine Anzeige wegen des Verdachts auf Tierquälerei beim Abfischfest angekündigt, berichtet das Bayerische Landwirtschaftliche Wochenblatt. Damit stehen zwei unterschiedliche Fragen im Mittelpunkt: Wie können Teichwirte ihre Betriebe weiterentwickeln, und wie bewertet die Organisation den Umgang mit den Fischen bei der Ernte?

    Karpfenernte zwischen Handarbeit und Kritik

    Am Bruneiteich konnten Besucher erleben, wie das Teichwasser abgelassen und die Fische anschließend gemeinsam mit Keschern eingefangen wurden. Das Wochenblatt beschreibt diesen Ablauf unter Berufung auf die Landwirtschaftskammer Niederösterreich. Die Veranstalter würdigten die Leistungen der Teichwirte und betonten deren Bedeutung. Die traditionelle Ernte war damit zugleich eine Gelegenheit, die Arbeit hinter der Karpfenproduktion öffentlich zu zeigen.

    Der VGT bewertet das Abfischen dagegen als erhebliche Belastung für die Tiere. In seiner vom Wochenblatt wiedergegebenen Darstellung spricht der Verein von massivem Stress, Todesangst, Verletzungsgefahr und lebensgefährlicher Luftexposition. Kampagnenleiter Erich Schacherl kritisiert darüber hinaus, Kindern werde bei der Veranstaltung Empathie für Tiere aberzogen. Das sind Vorwürfe und Bewertungen des Vereins; die angekündigte Anzeige ist keine behördliche Feststellung von Tierquälerei. Die Debatte berührt damit auch die grundsätzliche Auseinandersetzung über Stress in der Nutztierhaltung, deren allgemeine Argumente den konkreten Umgang mit den Karpfen allerdings nicht ersetzen.

    Ein weiterer Protest fand beim Abfischen am Schlossteich in Sitzenberg-Reidling im Bezirk Tulln statt. Dort trat am 24. Oktober 2026 eine als Sensenmann verkleidete Person mit verdecktem Gesicht auf. Sie hielt eine Sense und ein Schild mit der Aufschrift „Fisherman´s Friend – RespekTiere“. Dieser Auftritt gehört zu einer anderen Veranstaltung und ist von der angekündigten VGT-Anzeige zum Abfischfest in Heidenreichstein zu unterscheiden.

    Danubeaqua setzt bei Wasserwerten und Betriebsalltag an

    Das Projekt Danubeaqua wurde von Vertretern aus Politik und Verbänden gemeinsam mit Teichwirten und der niederösterreichischen Karpfenkönigin Michaela I. vorgestellt. Forschungseinrichtungen und Aquakulturorganisationen aus mehreren EU-Ländern sollen über einen Zeitraum von drei Jahren an Lösungen für die Aquakultur arbeiten. Vorgesehen sind digitale Messsysteme, die Wassertemperatur und Sauerstoffgehalt laufend erfassen sollen. Kritische Entwicklungen sollen dadurch frühzeitig erkennbar werden. Zusätzlich sollen erneuerbare Energien und intelligente Steuerungssysteme unter realen Betriebsbedingungen getestet werden.

    Für die Teichwirte liegt der praktische Ansatz damit in der laufenden Beobachtung ihrer Gewässer und im Erproben neuer Technik im Betrieb. Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich soll ihre Erfahrung aus Beratung und Weiterbildung einbringen. Gemeinsam mit dem NÖ Teichwirteverband sollen Betriebe eingebunden und deren Bedürfnisse erhoben werden. Neue Erkenntnisse sollen möglichst rasch in die Praxis gelangen. Der stellvertretende Verbandsobmann Andreas Kainz betont dabei, die Forschung müsse an den tatsächlichen Herausforderungen der Betriebe ansetzen.

    Anerkanntes Agrarerbe soll technisch weiterentwickelt werden

    Die Waldviertler Karpfenteichwirtschaft ist von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, FAO, als „Globally Important Agricultural Heritage System“ anerkannt. Danubeaqua soll dieses landwirtschaftliche Erbe künftig auch mithilfe moderner Technologien vermitteln. Das Waldviertel verfolgt dabei das Ziel, sich als internationale Vorzeigeregion für nachhaltige Aquakultur zu positionieren. Kainz beschreibt die Teichwirtschaft als Verbindung von Lebensmittelerzeugung und verantwortungsvollem Umgang mit Natur und Wasser; Bewährtes müsse erhalten bleiben und zugleich Raum für neue Entwicklungen entstehen. Für die beteiligten Betriebe wird entscheidend sein, ob die geplanten Versuche tatsächlich die von ihnen benannten Herausforderungen aufgreifen und Ergebnisse für den Arbeitsalltag liefern.

    Quellen