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Schlagwort: Kannibalismus unter Hühnern

  • Rückrufforderung für Eier vom Hühnerhof Mirabó: Betrieb weist Vorwürfe zurück

    Rückrufforderung für Eier vom Hühnerhof Mirabó: Betrieb weist Vorwürfe zurück

    ARDE und Satya Animal verlangen, sämtliche Eier des Hühnerhofs Mirabó in Manacor auf Mallorca vom Markt zu nehmen und Verbraucher zu informieren. Die Organisationen begründen ihre Forderung mit beanstandeten Haltungsbedingungen und einem berichteten Salmonellenausbruch in einem der beiden Ställe. Diesen datieren sie auf August 2025; sie befürchten eine Übertragung auf den zweiten Stall. Avícola Ballester weist die Vorwürfe zurück und kündigt rechtliche Schritte gegen die Organisationen an. Das Unternehmen bestreitet insbesondere, dass die Herkunft der veröffentlichten Aufnahmen aus seinem Betrieb nachgewiesen sei.

    Rückrufforderung umfasst den gesamten Hof

    Nach dem Bericht von ARA Balears vom 21. Oktober 2026 richteten die Organisationen an diesem Mittwoch ein Schreiben an die Generaldirektion für öffentliche Gesundheit. Sie verlangten die Rücknahme der Eier und eine Gesundheitswarnung wegen eines möglichen Salmonellenrisikos. Ihrem Schreiben legten sie ein tierärztliches Gutachten bei, das nach ihrer Darstellung auch Bestandteil ihrer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft ist. Ausdrücklich sollen auch Menschen informiert werden, die bereits Eier des Betriebs zu Hause haben. Die verlangte Verbraucherinformation würde damit über die Entfernung der Ware aus den Verkaufsregalen hinausreichen.

    Für die Reichweite der Forderung ist die unterschiedliche Verwendung der Eier entscheidend. ARA Balears berichtet unter Berufung auf Landwirtschaftsminister Joan Simonet, nach dem Ausbruch im August 2025 sei die Verarbeitung der Eier des betroffenen Stalls zu Flüssigei erlaubt worden. Der zweite Stall habe weiterhin Eier an Supermärkte geliefert. Satya-Animal-Sprecher Kike Gimeno hält eine Übertragung der Salmonellen zwischen den Ställen für sehr wahrscheinlich. Ob auch der zweite Stall oder dessen Eier betroffen waren, ist die zentrale offene Frage für die Käufer. Die Organisationen verlangen eine Maßnahme für den gesamten Hof und gehen damit über den Stall hinaus, auf den sich der berichtete Ausbruch bezog.

    Umstrittene Aufnahmen und tierärztliche Einschätzung

    ARDE und Satya Animal erklären, die Aufnahmen seien bei einer Untersuchung im Juli in den Ställen von Mirabó entstanden. Ihrer Darstellung zufolge zeigen sie verwesende tote Hühner, verletzte Tiere, Eier mit Milben und zahlreiche Insekten. Mallorca-services.es berichtet außerdem über den Vorwurf von Kannibalismus unter den Hühnern und erheblicher Verschmutzung. Avícola Ballester verlangt dagegen einen Nachweis des Aufnahmeorts einschließlich der geografischen Zuordnung. Der Streit betrifft damit sowohl die geschilderten Haltungsbedingungen als auch die Herkunft der Bilder.

    Das eingereichte Gutachten stammt von der Tierärztin Alba Nieto Palau, einem Mitglied der Tierärztekammer von Barcelona. Nach der Wiedergabe durch ARA Balears beschreibt sie, dass verwesende Kadaver im Kontakt mit lebenden Tieren die Übertragung von Infektionserregern begünstigen können. Milben und andere Gliederfüßer könnten außerdem Krankheitserreger zwischen Hühnergruppen verbreiten und die Biosicherheit beeinträchtigen. Die Organisationen berichten zusätzlich von Schaben sowie Katzen im Umfeld der Ställe. Die tierärztliche Einschätzung beschreibt damit mögliche Übertragungswege; Gimeno leitet daraus seine Warnung vor einer Verschleppung zwischen den Ställen ab.

    Unternehmen verweist auf Zugangsschutz und Kontrollen

    Avícola Ballester kritisiert auch die heimliche Beschaffung der Aufnahmen. Nach Darstellung des Unternehmens müssen Personen vor dem Betreten der Ställe eine Desinfektionsstelle passieren und Schutzkleidung anlegen. Ein Zutritt ohne Einhaltung dieser Vorschriften könne seinerseits die Biosicherheit gefährden. Damit richtet das Unternehmen den Blick auf ein mögliches Einschleppen von Erregern durch Personen, während die Organisationen vor deren Verbreitung innerhalb des Hofs warnen.

    Das Landwirtschaftsressort kontrollierte den Betrieb nach dem Bericht von ARA Balears am Dienstag, wenige Stunden nach Bekanntwerden der Vorwürfe. Die Regionalregierung bestätigte die Entsendung von Fachleuten und kündigte eine Prüfung an, ob die Bilder Anlass zur Einleitung von Verwaltungsverfahren geben könnten. Unternehmensquellen erklärten gegenüber der Zeitung, die Kontrolleure hätten auch zwei weitere Höfe der Firma besucht und weder Auffälligkeiten noch Verstöße festgestellt. Diese Bewertung der Kontrollen stammt vom Unternehmen. Gimeno kritisiert unterdessen die Generaldirektorin für öffentliche Gesundheit dafür, weder die Rücknahme der Eier angeordnet noch Verbraucher gewarnt zu haben.

    Für Handel und Käufer zählt, ob eine verlangte Maßnahme tatsächlich umgesetzt wird. In einem anderen Fall berichtete GERATI über die Sicherstellung einer Tonne ungekühlten Hähnchenfleischs, das wegen des Verdachts mangelnder Verzehrgeeignetheit aus dem Verkehr gezogen wurde. Dort war die Ware bereits behördlich sichergestellt worden. Bei Mirabó hatte das Gesundheitsressort zum Berichtsstand vom 21. Oktober dagegen keine Entscheidung über den Antrag mitgeteilt. Die Forderung nach einem Rückruf sämtlicher Eier war zu diesem Zeitpunkt somit noch keine bekanntgegebene behördliche Rückrufmaßnahme.

    Quellen