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Schlagwort: Impfstoffentwicklung gegen Afrikanische Schweinepest

  • IUCN-Schutzplan für asiatische Wildschweine: Kölner Fachleute arbeiten an Maßnahmen gegen Schweinepest

    IUCN-Schutzplan für asiatische Wildschweine: Kölner Fachleute arbeiten an Maßnahmen gegen Schweinepest

    31 Wissenschaftler einer internationalen IUCN-Arbeitsgemeinschaft haben einen Maßnahmenkatalog erarbeitet, der asiatische Wildschweinearten vor der Afrikanischen Schweinepest schützen soll. Beteiligt sind Johanna Rode-White, Kuratorin des Kölner Zoos, und dessen Artenschutzbeauftragter Matthias Markolf; nach einem Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers dauerte die Arbeit sechs Monate. Der Plan benennt acht vorrangige Handlungsfelder und verbindet den Schutz wildlebender Bestände mit Erhaltungszucht und finanzieller Absicherung. Die beteiligte Naturschutzorganisation Wildlife Conservation Society (WCS) stellte die in Nature Reviews Biodiversity veröffentlichte Arbeit am 15. September 2026 vor.

    Zwölf Arten im Blick, mindestens sechs mit Infektionshinweisen

    Im Mittelpunkt stehen zwölf ausschließlich in Asien vorkommende Wildschweinearten, deren Überleben durch die Seuche zusätzlich gefährdet wird. Rode-White, zugleich Vorsitzende der IUCN-Fachgruppe für Wildschweine, erklärte in der WCS-Mitteilung, bei mindestens sechs dieser Arten seien Infektionen bestätigt oder würden dringend vermutet. Das bedeutet nicht, dass für alle sechs Arten derselbe Nachweisstand besteht. Ihre Warnung richtet sich vor allem auf das Zusammentreffen mehrerer Belastungen: Jagd und Lebensraumverlust setzen den Tieren bereits zu, und die Krankheit könnte nach ihrer Einschätzung einzelne Arten über die Grenze ihrer Erholungsfähigkeit hinausdrängen.

    Besonders deutlich wird die Gefahr bei Arten, die nur auf einzelnen Inseln leben. Die WCS-Mitteilung nennt den indonesischen Archipel als einen Schwerpunkt und berichtet von betroffenen Hirschebern und Pustelschweinen auf Sulawesi. Zugleich verweist sie auf jüngste IUCN-Neubewertungen, nach denen fünf der zwölf endemischen Arten als vom Aussterben bedroht und eine weitere als stark gefährdet eingestuft sind. Der Schutzplan betrifft damit eine Tiergruppe, bei der die Abwehr einer Infektionskrankheit unmittelbar mit dem Erhalt ganzer Arten zusammenhängt – nicht lediglich mit der Erholung einzelner lokaler Bestände.

    Seuchenschutz beginnt vor dem Betreten eines Schutzgebiets

    Für Rode-White gehört Biosicherheit zu den wichtigsten Aufgaben: Gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger nennt sie das Säubern von Schuhen und Autoreifen vor dem Betreten von Naturschutzgebieten. Hinzu kommen ihrer Darstellung zufolge Virustests für Schweinefleisch sowie Notfallpläne und Frühwarnsysteme für Ausbrüche. Die Autoren des Maßnahmenkatalogs setzen laut WCS besonders auf frühzeitige Überwachung, damit Infektionen dort schneller auffallen, wo Haus- und Wildschweine miteinander in Kontakt kommen. Künstliche Intelligenz und Beobachtungen aus der Bevölkerung sehen sie als zusätzliche Möglichkeiten dieser Überwachung, nicht als alleinige Antwort auf die Seuche.

    Welche praktischen Eingriffe Seuchenschutz bedeuten kann, zeigt ein gesonderter Fall auf den Philippinen: GERATI berichtete über Quarantäne und Kontrollpunkte nach dem Schweinepestausbruch in Agutaya. Dort sollten Kontrollen die Bewegung von Menschen, Tieren und Materialien begrenzen und eine weitere Verschleppung verhindern. Dieser Ausbruch ist ein anderes Ereignis als die Erarbeitung des internationalen Schutzplans, veranschaulicht aber dessen Anliegen, Übertragungswege frühzeitig zu unterbrechen. Für Halter, Händler und Transporteure bedeuteten die Maßnahmen strengere Vorgaben im betroffenen Gebiet – eine konkrete Folge der Seuchenbekämpfung, die über die Versorgung erkrankter Tiere hinausgeht.

    Reservebestände fehlen bei sieben der zwölf Arten

    Neben der Überwachung zählen die Studienautoren den Ausbau der Erhaltungszucht und kurzfristig verfügbare Notfallmittel zu den drei besonders dringlichen Aufgaben. Nach der WCS-Mitteilung bestehen bislang nur für fünf der zwölf Arten Populationen außerhalb ihres natürlichen Lebensraums; einige davon sind für eine langfristige Absicherung zu klein. Damit fehlen solche Reservebestände bei sieben Arten vollständig, während auch vorhandene Bestände nicht automatisch dauerhafte Sicherheit bieten. Für Zoos und Zuchtstationen ergibt sich daraus eine konkrete Artenschutzaufgabe: Entscheidend ist nicht allein, eine seltene Art zu halten, sondern ausreichend tragfähige Erhaltungspopulationen aufzubauen.

    Rode-White verbindet diese Zuchtarbeit mit einer späteren Perspektive: Gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger beschreibt sie Reservepopulationen als mögliche Grundlage für Wiederansiedlungen, wenn sich die Situation verbessert. Auch die Impfstoffentwicklung nennt sie als Ziel, für das die Schutzmaßnahmen Zeit gewinnen sollen. Die Studienautoren veranschlagen für die Umsetzung des Maßnahmenkatalogs fortlaufende Investitionen über fünf Jahre und betonen, dass keine einzelne Maßnahme die Krise lösen werde. Der Plan setzt deshalb auf zwei miteinander verbundene Aufgaben: verbliebene Wildbestände vor weiteren Ausbrüchen zu schützen und zugleich Tiere für den langfristigen Fortbestand ihrer Arten zu erhalten.

    Quellen