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Schlagwort: Hubertus-Legende

  • Hubertusfeier in Hinterkappelen: Kritik an der Hobby-Jagd

    Hubertusfeier in Hinterkappelen: Kritik an der Hobby-Jagd

    Hubertusfeier in Hinterkappelen: Kritik an der Hobby-Jagd

    Am Freitag, 20. November 2026, ist um 18.30 Uhr auf der Jagdschiessanlage Bergfeld in Hinterkappelen im Kanton Bern eine Hubertusfeier angekündigt. Gemäss der öffentlichen Ankündigung laden die Jagdschützen Bern mit Unterstützung des Jagd- und Wildschutzvereins Hubertus Bern zu der Feier ein. Vorgesehen ist die Predigt eines Pfarrers. Die Jagdhornbläsergruppe des Hubertus Bern soll die Veranstaltung musikalisch begleiten.

    Kritik an Predigt und Veranstaltungsort

    Die Tierschutzorganisation IG Wild beim Wild kritisiert, dass ein Pfarrer seine Predigt für ein jagdliches Brauchtumsfest zur Verfügung stellt. Nach Auffassung der Organisation verleiht ein geistlicher Auftritt dem Töten von Wildtieren einen religiösen Anstrich. Die Kritik richtet sich dabei auch gegen den Veranstaltungsort: Gepredigt werde auf einer Anlage, auf der das Schiessen auf Tiere geübt wird. Die IG Wild beim Wild fordert deshalb die zuständige Kirchgemeinde auf, auf eine kirchliche Aufwertung der Hobby-Jagd zu verzichten.

    Die Organisation bewertet Jagdhornmusik, Jagdvereine und jagdliche Rituale nicht als neutrale Dekoration. Sie verbindet diese Elemente mit einer Kultur des Verfolgens, Anschiessens und Tötens von Wildtieren. Aus ihrer Sicht steht die kirchliche Begleitung solcher Rituale im Widerspruch zu Barmherzigkeit, Gewaltlosigkeit und Verantwortung für die Schöpfung. Seelsorge solle vielmehr für Mitgefühl und den Schutz verletzlicher Lebewesen stehen, nicht für eine Verklärung von Gewalt an Wildtieren.

    Position zum Umgang mit Wildtieren

    In ihrer Mitteilung bezeichnet die IG Wild beim Wild die Hobby-Jagd als mehr als harmlose Folklore. Sie argumentiert, Wildtiere seien fühlende Lebewesen mit Sozialstruktur und keine beliebig nachwachsende Ressource. Rehe, Hirsche, Füchse und weitere Arten lebten in Familienverbänden, zögen ihre Jungen über Monate auf und pflegten enge Bindungen. Das Töten von Elterntieren im Herbst und Winter könne nach Darstellung der Organisation auch deren Nachwuchs treffen, weil Jungtiere verwaisten oder verhungerten.

    Die IG Wild beim Wild verweist zudem auf verwundete Tiere nach Jagdschüssen. Für Graubünden nennt sie die Angabe, dass jeder zehnte Hirsch angeschossen statt erlegt werde. Nachsuchen seien je nach Kanton in 35 bis 65 Prozent der Fälle erfolgreich. Die Stiftung für das Tier im Recht schätzt nach Darstellung der Organisation schweizweit jährlich 3000 bis 4000 Stück flüchtiges Wild; die IG folgert daraus, dass bis zur Hälfte der verwundeten Tiere ohne Erlösung sterbe, teils über Stunden oder Tage.

    Auch die Risiken für Menschen gehören zur Argumentation der Organisation. Sie schreibt, rein rechnerisch ereigne sich in der Schweiz alle 29 Stunden ein Jagdunfall. Die offizielle Zählung beginne erst im Jahr 2000 und erfasse weder Todesfälle aus früheren Jahrzehnten noch Fälle, die als Tötungsdelikt oder erweiterter Suizid mit einer legalen Jagdwaffe nicht als Jagdunfall gezählt würden. Als konkretes Beispiel nennt die Mitteilung zwei Hobby-Jäger, die am Wochenende vom 5. September 2026 im Tessin am selben Tag bei der Jagdausübung gestorben seien. Diese Angaben führt die Organisation als Grundlage für ihre Ablehnung eines geistlichen Beistands für die Hobby-Jagd an.

    Alternative nach Genfer Vorbild

    Als Alternative setzt sich die IG Wild beim Wild für ein professionelles und wissenschaftlich begründetes Wildtiermanagement nach dem Vorbild des Kantons Genf ein. Dort ist die Hobby-Jagd nach ihrer Darstellung seit 1974 verboten. Wenn ein Eingriff erforderlich sei, sollten ausgebildete staatliche Wildhüterinnen und Wildhüter gezielt, kontrolliert und auf fachlicher Grundlage handeln. Eingriffe sollten nach dieser Position nicht daran ausgerichtet werden, ob für eine Tierart gerade Jagdzeit sei und zum Vergnügen geschossen werden dürfe.

    Die Organisation verbindet dieses Modell mit dem Anspruch, Menschen, Wildtiere und Lebensräume zu schützen. Sie erklärt, dafür brauche es Fachkompetenz statt Freizeitjagd. Die Hubertusfeier in Hinterkappelen sieht sie als Gegenstand dieser grundsätzlichen Auseinandersetzung, weil dort Jagdpraxis, kirchliche Predigt und jagdliche Musik zusammenkämen. Die Angaben zu Zeitpunkt, Ort und Mitwirkenden der Feier dokumentierte die IG Wild beim Wild nach eigenen Angaben am 19. Oktober 2026 anhand der öffentlichen Veranstaltungsankündigung der Jagdpresse.

    Historischer Bezug auf Hubertus

    Die Kritik stützt die Organisation auch auf ihre Lesart der Hubertus-Legende. Der historische Hubertus von Lüttich war demnach ein Bischof des 8. Jahrhunderts. Die später mit ihm verbundene Geschichte vom Hirsch mit dem Kreuz im Geweih sei ihm erst viele Jahrhunderte später zugeschrieben worden und gehe auf die Legende des heiligen Eustachius zurück. In dieser Erzählung werde ein Jäger nach Darstellung der Organisation nicht in seinem Tun bestätigt, sondern breche die Jagd ab, werfe seine Waffe weg und verändere sein Leben.

    Aus dieser Überlieferung leitet die IG Wild beim Wild ihren Einwand gegen die Feier auf einem Jagdschiessstand ab. Eine Umkehrgeschichte an einem Ort zu feiern, an dem das Schiessen auf Tiere geübt werde, verdrehe nach ihrer Auffassung deren Kern ins Gegenteil. Die Organisation stellt dem die christliche Gründungsszene der Krippe gegenüber, in der Tiere nicht Beute, sondern Weggefährten seien. Daher könne, so ihre Position, das Verfolgen, Anschiessen und Töten fühlender Wildtiere nicht mit einer Predigt begleitet werden.

    Die IG Wild beim Wild beschreibt die Krippe darüber hinaus als Bild des Friedens zwischen Mensch und Tier und stellt diesem Bild das Halali gegenüber. Nach ihrer Auffassung ist die Hubertus-Legende deshalb keine Rechtfertigung für die Jagd, sondern eine Erzählung über deren Abbruch. Dass die Feier auf einer Jagdschiessanlage stattfindet, verbindet die Organisation mit ihrer bereits formulierten Kritik an der kirchlichen Begleitung jagdlicher Rituale. Wenn die Kirche solche Rituale begleite, werde die Hobby-Jagd nach ihrer Darstellung religiös und moralisch aufgewertet.

    Die Organisation begründet ihre Ablehnung zudem damit, dass die Hobby-Jagd für Wildtiere Verfolgung, Todesangst, Verletzungen und Tod bedeute. Sie erklärt, Jagdhörner und Uniformen blendeten aus, was die von ihr genannten Zahlen zu angeschossenen Tieren und Nachsuchen sichtbar machten. Ihre Forderung an die zuständige Kirchgemeinde richtet sich daher gegen eine kirchliche Aufwertung der Hobby-Jagd. Tiere brauchten keinen kirchlichen Segen für ihre Verfolgung, lautet die Position der Organisation.

    Zu Hubertusmessen veröffentlichte die IG Wild beim Wild nach eigenen Angaben auch das Lied «Warum jagst du mich». Es handele von Hobby-Jägern, die sich samt Waffen den kirchlichen Segen holten, und erinnere daran, dass Hubertus der Legende zufolge mit der Jagd aufgehört habe. Das Lied sei wie alle Antijagd-Lieder der Organisation frei verwendbar. Als weiterführende Hinweise verweist die Mitteilung auf ihr Dossier «Die Hobby-Jagd als Event» sowie auf die Kategorien Jagd und Wildtiere auf wildbeimwild.com. Dort kündigt die Organisation Hintergründe zur Schweizer Hobby-Jagd und zu deren Folgen für Wildtiere und Menschen an.

    Quellen