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Schlagwort: Forschungskooperation Universität Zürich

  • Zoo Zürich Neuausrichtung Artenschutz: Trampeltiere und Königspinguine ziehen bis 2030 aus

    Zoo Zürich Neuausrichtung Artenschutz: Trampeltiere und Königspinguine ziehen bis 2030 aus

    Der Zoo ordnet seinen Tierbestand neu

    Der Zoo Zürich richtet seinen Tierbestand bis 2030 grundsätzlich auf bedrohte oder für die Forschung relevante Arten aus. Die Neuausrichtung hat bereits konkrete Folgen: Vier Trampeltiere sollen den Zoo in den kommenden zwei Wochen verlassen und auf einen Kamelhof im Thurgau wechseln. Ihren Platz sollen Goldtakine aus dem Himalaya übernehmen. Auch bei anderen Tierarten stehen Veränderungen an: Seehunde sollen den Zoo verlassen, ein neuer Standort ist nach Angaben des Berichts noch nicht bekannt. Die nicht bedrohten Königspinguine sollen künftig ebenfalls abgegeben werden, während die bedrohten Humboldtpinguine bleiben. Damit verändert sich nicht nur die Zusammensetzung einzelner Anlagen, sondern schrittweise auch das Besuchsangebot in Zürich.

    Artenschutz als Leitlinie – mit Ausnahmen

    Als Orientierung dient die Rote Liste der Weltnaturschutzunion IUCN. Nach Angaben von Zoo-Mediensprecher Dominik Ryser soll die Umstellung schrittweise bis 2030 erfolgen. Eine bestimmte Reihenfolge sei dabei nicht vorgesehen. Wann eine nicht bedrohte Art aus dem Bestand genommen wird, hänge von verschiedenen Faktoren ab; deshalb gebe es keinen verbindlichen Terminplan für alle Veränderungen.

    Eine Ausnahme bilden die Erdmännchen. Obwohl sie nicht als bedroht gelten, sollen sie im Zoo Zürich bleiben. Ausschlaggebend ist laut Ryser eine langjährige Forschungskooperation mit der Universität Zürich. Der Zoo wolle Wissen über Tierarten und ökologische Zusammenhänge gewinnen, das wiederum zum Schutz natürlicher Lebensräume beitragen könne, sagt der Mediensprecher.

    Der Ansatz verschiebt damit den Schwerpunkt: Nicht ausschließlich der Gefährdungsstatus einer Art entscheidet über ihre Zukunft im Zoo. Auch Forschung und der mögliche Beitrag zu ökologischen Fragestellungen können eine Haltung begründen. Dies zeigt sich laut Ryser an der Ausnahme für die Erdmännchen. Nach Angaben Rysers ist bereits mehr als die Hälfte der Wirbeltierarten im Zoo bedroht; bei Säugetieren, Amphibien und Reptilien liege der Anteil sogar bei über 70 Prozent.

    Für Besucher ändert sich das vertraute Bild

    Für die praktische Umsetzung stehen mehrere Wege offen. Tiere, die künftig nicht mehr zum Konzept passen, sollen an andere Zoos oder geeignete Privathaltungen abgegeben werden. In manchen Fällen will der Zoo zudem die Zucht einstellen und einen Bestand allmählich auslaufen lassen. Das bedeutet, dass nicht jede Veränderung durch einen unmittelbaren Austausch ersetzt wird.

    Gerade darin liegt die direkte Bedeutung der Strategie für das Publikum. Wer den Zoo Zürich besucht, wird bekannte Arten wie Trampeltiere, Seehunde und Königspinguine künftig möglicherweise nicht mehr sehen. Die Trampeltiere sollen durch Goldtakine ersetzt werden. Für die Seehundanlage ist nach Rysers Angaben eine andere bedrohte Robbenart vorgesehen, wobei ein direkter Ersatz nicht für jede Tierart notwendig sei.

    Der Zoo rechnet damit, dass der Abschied von beliebten Tieren zunächst Enttäuschung auslösen kann. Ryser sagt jedoch, bislang gebe es nur wenige negative Reaktionen. Der Zoo stelle nicht das einzelne Tier in den Mittelpunkt, sondern Lebensräume und die Verbindung zur weltweiten Naturschutzarbeit. Damit wird der Wandel als langfristige konzeptionelle Entscheidung und nicht als einzelner Austausch von Tieren begründet.

    Ein schrittweiser Umbau bis 2030

    Die ersten Abgaben machen sichtbar, wie weit der Strategiewechsel reichen kann. Aus dem Bestand verschwinden nicht nur einzelne Tiere, sondern perspektivisch ganze Arten, wenn sie weder bedroht noch für die Forschung relevant sind. Zugleich bleibt Spielraum für Ausnahmen, wenn eine Art wie das Erdmännchen für wissenschaftliche Kooperationen bedeutsam ist. Für den Zoo besteht die Herausforderung deshalb darin, die neue Linie nachvollziehbar umzusetzen: Der Status auf der Roten Liste liefert eine wichtige Orientierung, entscheidet aber nicht allein über jede Haltung. Für Besucher wird dabei besonders sichtbar sein, ob auf vertraute Arten jeweils neue bedrohte Tiere folgen – oder ob Anlagen künftig bewusst anders genutzt werden.

    Quellen