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Schlagwort: Fachstelle Wolf LfULG

  • Wolfsübergriffe in Sachsen häufen sich im Spätsommer

    Wolfsübergriffe in Sachsen häufen sich im Spätsommer

    In Sachsen häufen sich derzeit die gemeldeten Wolfsübergriffe auf Weidetiere. Allein bis zum 26. August gingen bei der Fachstelle Wolf 27 Schadensmeldungen ein – zehn mehr als im gesamten August des Vorjahres. Hinzu kamen bereits 18 gemeldete Schadensereignisse im Juli. Die Zahlen zeigen damit deutlich, dass die erfahrungsgemäß kritische Phase im Spätsommer auch 2026 wieder begonnen hat.

    Die Fachstelle Wolf des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) fordert Tierhalter deshalb dazu auf, bestehende Herdenschutzmaßnahmen zu überprüfen. Dabei geht es insbesondere um die Funktion von Elektrozäunen, sichere Gatter, einen ausreichenden Bodenabschluss sowie mögliche Schwachstellen beim Untergrabschutz. Herdenschutz kann das Risiko eines Übergriffs reduzieren, stellt jedoch keinen absoluten Schutz vor Wolfsangriffen dar. Entscheidend bleibt deshalb immer die konkrete Situation vor Ort.

    27 Schadensmeldungen allein bis Ende August

    Im Juli wurden in Sachsen insgesamt 18 Schadensereignisse gemeldet. Bis zum Stichtag 26. August kamen weitere 27 Meldungen hinzu, wobei sich die Zahlen jeweils auf die entsprechenden Monatszeiträume beziehen. In insgesamt 31 Fällen konnte der Wolf bislang als Verursacher bestätigt werden. Bei den übrigen gemeldeten Ereignissen war die fachliche Bewertung zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen.

    Auffällig ist gleichzeitig der Schutzstatus der betroffenen Herden. Nach Angaben der Fachstelle Wolf verfügten rund drei Viertel der betroffenen Bestände nicht über einen ausreichenden Mindestschutz. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass ausreichend geschützte Herden grundsätzlich vor Wolfsangriffen sicher wären. Die Zahlen zeigen vielmehr, dass Schwachstellen an Zäunen, Gattern oder Bodenabschlüssen das Risiko eines erfolgreichen Übergriffs zusätzlich erhöhen können.

    Besonders viele Fälle wurden zuletzt im Schönfelder Hochland bei Dresden registriert. Dort kam es zu sechs Übergriffen, bei fünf davon waren die vorgesehenen Mindestschutzkriterien nicht erfüllt. Das Gebiet befindet sich im Territorium des Wolfsrudels Dresdner Heide. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Region zwischen Bischofswerda, Wilthen und Bautzen, wo bei fünf von 18 bestätigten Übergriffen ein ausreichender Mindestschutz vorhanden war.

    Wolfsübergriffe nehmen im Spätsommer regelmäßig zu

    Die derzeitige Entwicklung kommt nicht völlig überraschend. Nach Angaben der Fachstelle Wolf entfällt in Sachsen lediglich rund ein Drittel der Wolfsübergriffe auf das erste Halbjahr. Ein größerer Teil der Fälle wird dagegen im Spätsommer und Herbst registriert. Als ein Grund dafür gilt der zunehmende Nahrungsbedarf der heranwachsenden Wolfswelpen.

    Für Weidetierhalter bedeutet diese Entwicklung, dass gerade in den kommenden Wochen eine regelmäßige Kontrolle der Schutzmaßnahmen notwendig bleibt. Elektrozäune verlieren beispielsweise durch Bewuchs, beschädigte Leiter oder unzureichende Spannung schnell einen Teil ihrer Schutzwirkung. Auch Gatter und Übergänge innerhalb einer Einzäunung können Schwachstellen darstellen, wenn dort Abstände entstehen oder ein sicherer Bodenabschluss fehlt. Wo es die jeweilige Haltungsform ermöglicht, kann auch die nächtliche Einstallung das Risiko eines Übergriffs reduzieren.

    Sachsen fördert präventive Herdenschutzmaßnahmen nach der Förderrichtlinie „Natürliches Erbe“ vollständig. Gefördert werden unter anderem geeignete Elektrozäune, sichere Gatter und Maßnahmen zum Untergrabschutz. Sowohl gewerbliche als auch private Tierhalter können darüber hinaus eine individuelle Beratung durch die Fachstelle Wolf in Anspruch nehmen. Gerade in aktuell stärker betroffenen Regionen kann eine solche Kontrolle helfen, Schwachstellen zu erkennen, bevor es zu einem weiteren Übergriff kommt.

    Herdenschutz darf nicht zur einfachen Schuldfrage werden

    Die Zahlen zeigen gleichzeitig ein Problem, das in der öffentlichen Debatte häufig verkürzt dargestellt wird. Wenn bei einem Wolfsübergriff kein ausreichender Mindestschutz vorhanden war, bedeutet das nicht automatisch, dass der betroffene Tierhalter den Schaden selbst verursacht oder billigend in Kauf genommen hätte. Weideflächen unterscheiden sich erheblich hinsichtlich Gelände, Größe, Bewuchs, Tierart und technischer Umsetzbarkeit von Schutzmaßnahmen. Ein theoretischer Mindeststandard ist deshalb nicht in jeder praktischen Situation mit identischem Aufwand umzusetzen.

    Umgekehrt wäre es ebenso falsch, Herdenschutz grundsätzlich als wirkungslos darzustellen. Funktionierende Elektrozäune und gut gesicherte Gatter können Übergriffe erschweren und das Risiko reduzieren. Sie können jedoch nicht garantieren, dass ein Wolf eine ausreichend geschützte Weide niemals überwindet. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob Herdenschutz grundsätzlich funktioniert, sondern welche Maßnahmen unter den jeweiligen Bedingungen tatsächlich praktikabel und wirksam sind.

    Nutztiere bleiben kleiner Teil der Wolfsnahrung

    Trotz der aktuell zunehmenden Schadensmeldungen machen Nutztiere nach Angaben des LfULG insgesamt lediglich etwa ein bis zwei Prozent der Wolfsnahrung aus. Den weitaus größten Teil der Nahrung bilden wildlebende mittelgroße und große Huftiere. Für die statistische Betrachtung der Ernährung des Wolfes ist diese Einordnung wichtig. Für einen Tierhalter, der verletzte oder getötete Schafe, Ziegen oder andere Weidetiere vorfindet, ändert dieser geringe prozentuale Anteil jedoch wenig an den unmittelbaren Folgen eines Wolfsübergriffs.

    Nach einem gemeldeten Riss wird der Fall durch eine Rissbegutachterin oder einen Rissbegutachter der Fachstelle Wolf untersucht. Dabei werden sowohl die getöteten beziehungsweise verletzten Tiere als auch die Situation auf der betroffenen Weide dokumentiert. Ebenso wird geprüft, welche Schutzmaßnahmen zum Zeitpunkt des Ereignisses vorhanden waren. Gerade angesichts der derzeit steigenden Zahl gemeldeter Wolfsübergriffe bleibt für Tierhalter deshalb sinnvoll, Zäune und Gatter regelmäßig zu kontrollieren und erkennbare Schwachstellen möglichst frühzeitig zu beseitigen.

    Quellen