Zum Inhalt springen

Fakten statt Polemik. Aufklärung über radikalen Tierschutz.

Kritisch. Fundiert. Unabhängig.Hintergrundanalysen und aktuelle Entwicklungen.

Schlagwort: Ermittlungen wegen krimineller Vereinigung

  • Razzia gegen den Schmuggel mit Wildvogeleiern: Festnahmen auf Gran Canaria

    Razzia gegen den Schmuggel mit Wildvogeleiern: Festnahmen auf Gran Canaria

    Brasilianische, spanische und Schweizer Behörden sind am 19. Oktober 2026 gemeinsam gegen eine mutmaßliche Organisation vorgegangen, die Eier brasilianischer Wildvögel ins Ausland geschmuggelt haben soll. Bei der Operation Ninho Vazio wurden auf Gran Canaria zwei Verdächtige festgenommen, die von den Ermittlern als Führungspersonen bezeichnet werden. Weitere Maßnahmen gab es in Curitiba und im Schweizer Weinfelden. Ausgangspunkt der Ermittlungen war die Sicherstellung von 24 Vogeleiern am Flughafen Galeão in Rio de Janeiro ein Jahr zuvor.

    Festnahmen auf Gran Canaria, Durchsuchungen in Weinfelden

    Die spanische Nationalpolizei nahm die beiden mutmaßlichen Führungspersonen auf Grundlage brasilianischer Untersuchungshaftbefehle fest. Nach Angaben der brasilianischen Bundespolizei waren sie gemeinsam aus der Schweiz auf die Kanarischen Inseln gereist. In Weinfelden vollzogen Schweizer Zoll- und Grenzbehörden drei Durchsuchungs- und Beschlagnahmebeschlüsse. In Curitiba vollstreckte die brasilianische Bundespolizei zwei befristete Haftbefehle sowie drei Durchsuchungs- und Beschlagnahmebeschlüsse. Damit richtete sich der koordinierte Einsatz gegen Verdächtige und mögliche Beweismittel an mehreren Orten in drei Ländern.

    Zur Operation gehört außerdem ein Untersuchungshaftbefehl gegen eine Frau, die den Transport von Vogeleiern übernommen haben soll. Sie wurde zur internationalen Fahndung über eine Red Notice von Interpol ausgeschrieben. Eine Festnahme dieser Verdächtigen meldete die Bundespolizei in ihrer Mitteilung vom 19. Oktober nicht. Die Unterscheidung ist für den Stand des Verfahrens wichtig: Während die beiden Verdächtigen auf Gran Canaria festgenommen wurden, diente die internationale Ausschreibung der Suche nach der mutmaßlichen Transporteurin.

    24 Eier unter der Kleidung führten zu den Ermittlungen

    Die Untersuchung begann im Oktober 2025 am internationalen Flughafen Galeão. Dort wurden bei der Verdächtigen 24 Eier von Wildvögeln entdeckt, als sie sich zum Abflug vorbereitete. Die Eier waren unter ihrer Kleidung unmittelbar am Körper verborgen. Aus dieser konkreten Sicherstellung entwickelte sich die Untersuchung eines möglichen arbeitsteiligen Handelswegs zwischen Brasilien und dem Ausland.

    Im weiteren Verlauf stellten die Ermittler wiederkehrende Reisen von Gruppenmitgliedern zwischen Brasilien und der Schweiz über ungefähr 20 Jahre fest. Dazu gehörten zahlreiche kurze Aufenthalte in Brasilien. Die Bundespolizei wertet das Reisemuster zusammen mit ausgewerteter Kommunikation, Verbindungen zwischen den Beschuldigten und dem Eierfund als Hinweise auf wiederholte heimliche Transporte. Daraus folgt allerdings kein Nachweis, dass jede dieser Reisen dem Schmuggel diente. Der Verdacht eines länger betriebenen Handels beruht nach der polizeilichen Darstellung auf dem Zusammenspiel dieser Anhaltspunkte.

    Betroffen sind auch bedrohte brasilianische Papageien

    Unter den überlebenden Tieren wurden eine Rotschwanzamazone, wissenschaftlich Amazona brasiliensis, und eine Prachtamazone, Amazona pretrei, als betroffene Arten identifiziert. Die Bundespolizei beschreibt die Prachtamazone als bedroht und nennt vor allem Rio Grande do Sul und Santa Catarina als Verbreitungsgebiete. Die Rotschwanzamazone lebt an der Küste der Bundesstaaten São Paulo und Paraná und wird in der Mitteilung als potenziell gefährdet eingeordnet. Der Fund betrifft damit konkret bestimmbare brasilianische Wildvogelarten mit unterschiedlichen Gefährdungsangaben.

    Für die Tiere hatte der Transport nach Darstellung der Bundespolizei bereits unmittelbare Folgen: Ungeeignete Bedingungen verursachten Leiden und den Tod von Embryonen. Wie viele der 24 sichergestellten Eier betroffen waren, beziffert die Mitteilung nicht. Die Entnahme aus der Natur beeinträchtigt zudem die Fortpflanzung der betroffenen Vögel. Der praktische Schaden besteht somit sowohl im Verlust möglicher Nachkommen für die Wildbestände als auch in den Folgen des Transports. Eine Sicherstellung allein bedeutet deshalb noch nicht, dass alle darin befindlichen Tiere überleben.

    Ermittler verfolgen die gesamte Transportkette

    Einen vergleichbaren Sachverhalt behandelt GERATI im Bericht über 468 in Johannesburg beschlagnahmte Papageieneier. Dort wurden zwei getrennte Transporte beschrieben; anschließend übernahm der National Zoological Garden in Pretoria die Eier, und erste Küken schlüpften. Dieser gesonderte Fall veranschaulicht die anspruchsvolle Versorgung nach einer Beschlagnahmung. Er ist der Operation Ninho Vazio jedoch nicht zugeordnet und erlaubt keine Rückschlüsse auf deren Beschuldigte oder Handelswege.

    Im brasilianischen Verfahren sehen die Ermittler Hinweise auf eine Aufgabenteilung bei Beschaffung, Reiseorganisation, Transport und Empfang im Ausland. Je nach individueller Beteiligung kommen nach ihrer Darstellung Vorwürfe des Wildtierhandels, der Tiermisshandlung, des Schmuggels und der kriminellen Organisation in Betracht. Das sind mögliche strafrechtliche Vorwürfe, keine gerichtlichen Schuldfeststellungen. Die weiteren Ermittlungen sollen zusätzliche Lieferanten, Vermittler und Empfänger identifizieren. Entscheidend ist damit, wie weit sich die vermutete Lieferkette über die bereits ins Visier geratenen Personen hinaus nachvollziehen lässt.

    Quellen