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Schlagwort: EndZOO Deutschland

  • Frank Albrecht von Projekt Endzoo: Zehn Denkfehler und niemand diskutiert mit

    Frank Albrecht von Projekt Endzoo: Zehn Denkfehler und niemand diskutiert mit

    Während Robert Marc Lehmann, die Militante Veganerin und weitere Beteiligte über Zoos, Tierwohl und die Freiheit von Wildtieren diskutieren, möchte offenbar auch Frank Albrecht von Projekt Endzoo ein Stück vom aktuellen Aufmerksamkeitskuchen abbekommen. Gleich zwei Facebook-Beiträge sollen zeigen, weshalb Zoovertreter angeblich die Natur diffamieren und sich bei Auswilderungen in Widersprüche verwickeln. Das Ergebnis ist bemerkenswert: zehn angreifbare Denkfehler und erstaunlich wenig Resonanz. Auf einem am 28. Oktober 2026 dokumentierten Screenshot sind die Beiträge seit 18 beziehungsweise 19 Stunden online – ohne einen einzigen sichtbaren Like oder Kommentar. Ein Alleinunterhalter hat schließlich auch dann ein Programm, wenn das Publikum noch auf sich warten lässt.

    Frank Albrecht entdeckt die aktuelle Zoo-Debatte

    Ausgangspunkt ist die öffentliche Diskussion zwischen Robert Marc Lehmann, dem Zoolotsen Marcel Stawinoga und der Militanten Veganerin. GERATI berichtete bereits darüber, dass die Veganerin in einem Reaktionsvideo überraschend positive Worte für die Argumentation des Zoolotsen fand und damit Lehmanns pauschaler Zoo-Kritik widersprach. [1] Dabei machte sie deutlich, dass sie Zoos weiterhin grundsätzlich ablehnt, einzelne Argumente eines Zoobefürworters aber trotzdem anerkennen kann. Eine für ideologisch aufgeladene Diskussionen beinahe revolutionäre Erkenntnis: Man darf jemandem recht geben, ohne gleich seine gesamte Weltanschauung übernehmen zu müssen.

    Frank Albrecht scheint diese Differenzierung weniger zu begeistern. In seinem ersten Beitrag mit der Überschrift „NATUR DIFFAMIEREN“ stellt er Aussagen von Thomas Kölpin, Marcel Stawinoga und der Militanten Veganerin zusammen. Letztere bezeichnet er kurzerhand als „Nicht-Tierrechtlerin“ und erklärt alle drei zu Gegnern der Freiheit nichtmenschlicher Tiere. In einem zweiten Beitrag möchte er wissen, weshalb Zoos überhaupt Tiere auswildern, wenn die Natur angeblich so gefährlich sei. Was zunächst wie eine kritische Nachfrage klingt, entwickelt sich bei näherer Betrachtung zu einer kleinen Ausstellung argumentativer Kurzschlüsse.

    Denkfehler 1: Wer Naturgefahren erwähnt, diffamiert die Natur

    Albrechts erster Denkfehler steckt bereits in seiner Überschrift. Unter dem Schlagwort „NATUR DIFFAMIEREN“ präsentiert er Aussagen über Parasiten, Krankheiten und Beutegreifer, als handele es sich dabei um böswillige Verleumdungen der Wildnis. Tatsächlich gehören diese Faktoren zu den normalen biologischen Bedingungen natürlicher Ökosysteme. Krankheiten, Räuber-Beute-Beziehungen und Konkurrenz um Ressourcen sind weder Erfindungen der Zooindustrie noch Propaganda gegen freilebende Tiere. Wer solche Zusammenhänge beschreibt, betreibt Biologie und nicht Naturdiffamierung.

    Nach Albrechts Maßstab müssten vermutlich auch zahlreiche Biologielehrbücher unter Generalverdacht gestellt werden. Schließlich beschreiben sie ausführlich, wie Tiere andere Tiere töten, Krankheitserreger übertragen werden und Jungtiere sterben. Dass diese Vorgänge natürlich sind, macht sie weder angenehm noch moralisch verwerflich. Es bedeutet lediglich, dass die Natur nicht ausschließlich aus idyllischen Waldspaziergängen und friedlich grasenden Rehen besteht. Für diese Erkenntnis braucht es keinen Zoo, sondern lediglich einen Blick in die Ökologie.

    Denkfehler 2: Aus einem verkürzten Zitat wird eine komplette Weltanschauung

    Besonders interessant ist Albrechts Umgang mit Thomas Kölpin. Der frühere beziehungsweise langjährige Wilhelma-Direktor wird mit einer Aussage über natürliche Gefahren zitiert, die Albrecht als Beleg für eine naturfeindliche Haltung verwendet. Im auffindbaren Interview der Augsburger Allgemeinen erläutert Kölpin jedoch ausdrücklich, worum es ihm bei artgemäßer Haltung geht: Tiere sollen ihre Bedürfnisse erfüllen und ihr normales Verhaltensspektrum ausleben können. [2] Seine Unterscheidung betrifft die Frage, welche Bestandteile natürlicher Lebensbedingungen in zoologischen Einrichtungen nachgebildet werden müssen. Daraus eine grundsätzliche Ablehnung der Freiheit wildlebender Tiere abzuleiten, ist ein bemerkenswerter interpretatorischer Kraftakt.

    Kölpin argumentiert damit gerade nicht, dass natürliche Lebensräume abgeschafft und sämtliche Wildtiere in Zoos untergebracht werden sollten. Er erklärt vielmehr, dass artgemäße Haltung nicht bedeuten kann, einem Zootier absichtlich sämtliche natürlichen Gefahren zuzumuten. Ein Tier muss schließlich nicht erst von Parasiten befallen oder von einem Raubtier verfolgt werden, damit seine Haltung als tiergerecht gelten kann. Bei Projekt Endzoo scheint daraus allerdings bereits eine ideologische Kriegserklärung gegen die Wildnis zu werden. Kontext ist offenbar ein lästiges Detail, wenn das gewünschte Urteil schon feststeht.

    Denkfehler 3: Freiheit wird automatisch mit Tierwohl gleichgesetzt

    Für Albrecht scheint die Einteilung besonders einfach zu funktionieren: Freiheit bedeutet gut, menschliche Obhut bedeutet schlecht. Dabei sind Freiheit und individuelles Tierwohl zwei unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe, die sich nicht automatisch gegenseitig ersetzen. Ein wildlebendes Tier kann erhebliche Schmerzen, Hunger, Verletzungen oder Krankheiten erleiden, während ein Tier in menschlicher Obhut medizinisch behandelt und vor bestimmten Gefahren geschützt werden kann. Umgekehrt garantiert menschliche Obhut keineswegs gute Haltungsbedingungen, und ein natürlich lebendes Tier ist selbstverständlich nicht automatisch einem schlechten Leben ausgesetzt. Wer Tierwohl bewerten möchte, muss deshalb die tatsächlichen Lebensbedingungen untersuchen.

    Albrecht vertritt eine tierrechtliche Position, in der die Freiheit des Tieres offenbar einen besonders hohen moralischen Stellenwert besitzt. Das ist zunächst eine ethische Entscheidung und keine wissenschaftlich gemessene Aussage über das Wohlbefinden jedes einzelnen Tieres. Problematisch wird seine Argumentation, sobald diese moralische Überzeugung als allgemeingültiger Beweis gegen zoologische Einrichtungen verwendet wird. Die tatsächliche Verfassung eines Tieres lässt sich nicht allein anhand der Frage bestimmen, auf welcher Seite eines Zauns es sich befindet. Ein Zaun ist schließlich weder ein veterinärmedizinisches Untersuchungsergebnis noch eine Verhaltensstudie.

    Denkfehler 4: Drei unterschiedliche Aussagen ergeben plötzlich eine gemeinsame Gesinnung

    Thomas Kölpin spricht über artgemäße Haltung, Marcel Stawinoga über leidende Tiere in der Natur und die Militante Veganerin über natürliche Sterblichkeit. Albrecht verbindet diese Aussagen und erklärt anschließend, alle drei Personen seien gegen die Freiheit nichtmenschlicher Tiere und für deren Ausbeutung in Zoo-Gefangenschaft. Eine solche Schlussfolgerung ergibt sich aus den angeführten Zitaten jedoch nicht. Insbesondere die Militante Veganerin hat ihre grundsätzliche Ablehnung zoologischer Einrichtungen gerade nicht aufgegeben, als sie dem Zoolotsen in einzelnen Punkten zustimmte. [1] Sie erkennt ein Argument an, während Albrecht daraus offenbar gleich einen ideologischen Seitenwechsel macht.

    Das Muster ist einfach: Drei Aussagen werden aus ihrem jeweiligen Zusammenhang herausgelöst, mit abwertenden Bezeichnungen versehen und anschließend unter einer gemeinsamen Anschuldigung zusammengefasst. Aus einer Beobachtung über natürliche Gefahren wird dadurch eine vermeintliche Unterstützung von Unrecht und Ausbeutung. Dass die drei Personen keineswegs dieselbe Haltung zu Zoos vertreten, stört die Konstruktion nicht weiter. Besonders ironisch ist dabei, dass ausgerechnet die Militante Veganerin für ihre Zustimmung zu einem konkreten Sachargument als „Nicht-Tierrechtlerin“ bezeichnet wird. Bei Projekt Endzoo genügt offenbar schon ein Moment eigenständigen Denkens, um die ideologische Mitgliedschaft zu verlieren.

    Denkfehler 5: Eine gefährliche Natur darf offenbar kein Ziel von Auswilderungen sein

    Im zweiten Facebook-Beitrag fragt Albrecht, weshalb Zoos Tiere überhaupt auswildern, wenn die Natur nach den Aussagen von Zoovertretern gefährlicher sein könne als menschliche Obhut. Die Antwort ist erstaunlich unkompliziert: Weil die Existenz natürlicher Gefahren und die Wiederherstellung wildlebender Populationen zwei völlig unterschiedliche Sachverhalte sind. Niemand muss behaupten, dass ein Wald ungefährlich sei, um seine ökologische Bedeutung anzuerkennen. Ebenso wenig müssen zoologische Einrichtungen sämtliche Risiken der Wildnis bestreiten, bevor sie sich an Auswilderungsprogrammen beteiligen dürfen. Albrecht konstruiert einen Widerspruch, der bei sachlicher Betrachtung gar keiner ist.

    Die Internationale Naturschutzunion IUCN beschreibt in ihren Richtlinien ausdrücklich, dass Wiederansiedlungen und andere Naturschutzumsiedlungen einem messbaren Erhaltungsziel dienen und sorgfältig geplant werden müssen. [3] Dabei gehören die Bewertung von Lebensräumen, biologischen Risiken und möglichen negativen Folgen zu den wesentlichen Bestandteilen verantwortungsvoller Programme. Eine Auswilderung ist also keine Erklärung, dass jedes freigelassene Tier künftig ein gefahrloses Leben führen wird. Vielmehr geht es darum, unter geeigneten Bedingungen wildlebende Populationen zu erhalten oder wiederherzustellen. Nach Albrechts Logik dürfte man vermutlich auch niemanden vor den Gefahren des Straßenverkehrs warnen und gleichzeitig den öffentlichen Raum für sinnvoll halten.

    Denkfehler 6: Das Wohlergehen eines Individuums wird mit dem Überleben einer Art verwechselt

    Ein einzelnes Tier kann unter kontrollierten Bedingungen länger überleben, als es in einer bestimmten natürlichen Umgebung wahrscheinlich wäre. Für den langfristigen Erhalt einer wildlebenden Art genügt es jedoch nicht, ausschließlich einzelne Tiere in menschlicher Obhut zu schützen. Populationen müssen sich fortpflanzen, genetisch lebensfähig bleiben und in geeigneten Lebensräumen eigenständig bestehen können. Genau deshalb unterscheiden Naturschutzprogramme zwischen Maßnahmen im natürlichen Lebensraum und Maßnahmen außerhalb dieses Lebensraums. Beide Ansätze können sich ergänzen, statt einander auszuschließen.

    Die IUCN behandelt Auswilderungen deshalb als Instrument des Populations- und Artenschutzes und nicht als bloßen Ortswechsel einzelner Tiere. [3] Für Albrechts vermeintlichen Widerspruch müsste hingegen jede Maßnahme automatisch demselben unmittelbaren Zweck dienen. Ein geschütztes Tier und eine langfristig überlebensfähige Wildpopulation sind jedoch nicht dasselbe. Wer diesen Unterschied übersieht, kann aus nahezu jedem Artenschutzprogramm einen Widerspruch konstruieren. Das Ergebnis klingt vielleicht nach einer scharfsinnigen Frage, beantwortet aber vor allem die Frage, weshalb grundlegende Begriffe im Naturschutz wichtig sind.

    Denkfehler 7: Erfolgreiche Auswilderungen aus Zoos passen nicht ins Weltbild

    Besonders unangenehm für Albrechts Argumentation sind erfolgreiche Artenschutzprogramme, bei denen Zoos selbst eine entscheidende Rolle gespielt haben. Ein anschauliches Beispiel sind die Goldenen Löwenäffchen in Brasilien, deren wildlebende Bestände durch Lebensraumverlust massiv zurückgegangen waren. Zwischen 1984 und 2001 wurden insgesamt 146 in menschlicher Obhut geborene Tiere ausgewildert, die aus 43 Einrichtungen stammten, darunter 41 zoologische Einrichtungen. Die Wiederansiedlungen waren Teil eines internationalen Schutzprogramms, das sowohl die Bestandsentwicklung als auch den Erhalt genetischer Vielfalt berücksichtigte. [4] Offenbar war die sogenannte Zoo-Gefangenschaft in diesem Fall ein wichtiger Bestandteil der Rückkehr in die Natur.

    Auch das Smithsonian National Zoo and Conservation Biology Institute beschreibt seine Beteiligung an der Erhaltungszucht und Wiederansiedlung der Goldenen Löwenäffchen. [5] Zoologische Einrichtungen stellten Tiere bereit, unterstützten Forschungsarbeiten und halfen bei der Vorbereitung auf das Leben im natürlichen Lebensraum. Die vermeintlichen Gegner der Freiheit trugen also dazu bei, wildlebende Populationen wieder aufzubauen. Damit wird Albrechts Konstruktion besonders deutlich: Zoos können Tiere schützen, züchten und anschließend zur Stärkung natürlicher Populationen auswildern. Ein Widerspruch entsteht daraus nur, wenn man die Ziele solcher Programme vorher konsequent ignoriert.

    Denkfehler 8: Auswilderung wird mit wahlloser Freilassung verwechselt

    In Albrechts zweitem Beitrag klingt es, als würden Zoos ihre Schützlinge sehenden Auges in eine tödliche Umgebung schicken und sich anschließend dafür feiern. Wissenschaftlich organisierte Wiederansiedlungen funktionieren allerdings grundlegend anders. Die IUCN verlangt eine sorgfältige Prüfung der biologischen Voraussetzungen, möglicher Gefahren, der Eignung des Lebensraums und der Erfolgsaussichten einer Freilassung. Ebenso gehören Überwachung und Auswertung der Ergebnisse zu den vorgesehenen Maßnahmen. [3] Derartige Programme sind komplexe Naturschutzvorhaben und keine spontane Entscheidung, morgens ein Gehege zu öffnen und nachmittags eine Pressemitteilung zu verschicken.

    Nicht jedes Tier in menschlicher Obhut eignet sich für eine Auswilderung. Entscheidend sind unter anderem sein Gesundheitszustand, seine Überlebensfähigkeiten und die Bedingungen am vorgesehenen Freilassungsort. Gerade die von Albrecht kritisierten Hinweise auf Krankheiten, Gefahren und mögliche Todesursachen spielen bei solchen Entscheidungen eine wichtige Rolle. Wer diese Risiken ignoriert, würde nicht besonders tierfreundlich handeln, sondern wesentliche Grundlagen des verantwortungsvollen Artenschutzes missachten. Die Natur lässt sich schließlich nicht dadurch sicherer machen, dass man ihre Gefahren aus einer Facebook-Diskussion streicht.

    Denkfehler 9: Jeder Zoo wird automatisch zum Unrechtsbetrieb

    Albrecht verwendet Formulierungen wie „Zoo-Unrechtsbefürworter“ und „Zoo-Gefangenschaft“, um seine grundsätzliche Ablehnung zoologischer Einrichtungen zum Ausdruck zu bringen. Mit einer solchen sprachlichen Vorverurteilung verschwinden allerdings wichtige Unterschiede zwischen einzelnen Haltungen, Institutionen und Aufgaben. Die Versorgung beschlagnahmter Wildtiere, die Haltung einer bedrohten Art innerhalb eines Erhaltungszuchtprogramms und eine ungeeignete Unterbringung unter tierschutzwidrigen Bedingungen sind keine identischen Sachverhalte. Wer alles unterschiedslos als Ausbeutung bezeichnet, ersetzt eine konkrete Bewertung durch ein pauschales moralisches Urteil. Besonders hilfreich ist das nicht, wenn es eigentlich um das Wohlergehen realer Tiere gehen soll.

    Die wissenschaftliche und praktische Bedeutung zoologischer Einrichtungen lässt sich an dokumentierten Erhaltungszuchtprogrammen überprüfen. Das Smithsonian beschreibt beispielsweise, wie bei Goldenen Löwenäffchen Forschung, Zuchtmanagement, Lebensraumschutz und Auswilderung miteinander verbunden wurden. [5] Solche Leistungen machen nicht jede zoologische Einrichtung automatisch vorbildlich, gehören aber unbestreitbar zur tatsächlichen Arbeit zoologischer Institutionen. Albrechts pauschales Unrechtsurteil lässt für diese Unterschiede kaum Platz. Warum sollte man auch einzelne Einrichtungen beurteilen, wenn man bereits vor Beginn der Prüfung weiß, wie das Urteil ausfallen soll?

    Denkfehler 10: Eine moralische Überzeugung wird zum wissenschaftlichen Beweis erklärt

    Der letzte Denkfehler verbindet die beiden Beiträge miteinander. Albrecht setzt seine tierrechtliche Überzeugung als Ausgangspunkt und behandelt die daraus abgeleitete Bewertung der Zoo-Haltung praktisch als feststehendes Ergebnis. Wer eine andere Position vertritt oder lediglich auf wissenschaftliche Tatsachen hinweist, wird anschließend zum Befürworter von Unrecht erklärt. Damit verschwimmen die Grenzen zwischen ethischer Haltung, fachlicher Aussage und tatsächlichem Beweis. Ein überzeugender Diskussionsbeitrag müsste diese Ebenen jedoch auseinanderhalten, statt sie nach Bedarf miteinander zu vermischen.

    Die Militante Veganerin demonstrierte ausgerechnet in ihrer Reaktion auf den Zoolotsen, dass eine solche Unterscheidung möglich ist. Sie blieb bei ihrer grundsätzlichen Ablehnung von Zoos und erkannte trotzdem an, dass Marcel Stawinoga in einzelnen Fragen überzeugende Argumente vorbrachte. [1] Frank Albrecht reagiert auf eine derartige Differenzierung dagegen mit der Bezeichnung „Nicht-Tierrechtlerin“. Offenbar genügt es nicht, grundsätzlich gegen Zoos zu sein, wenn man gleichzeitig anerkennt, dass auch ein Zoobefürworter etwas Richtiges sagen kann. So wird aus einer Debatte über Tiere zunehmend eine Gesinnungsprüfung unter Menschen.

    Zwei Facebook-Beiträge, null Reaktionen: Der Alleinunterhalter ist zurück

    endzoo ss 28 10 2026
    Screenshot Facebook: Projekt Endzoo

    Besonders unterhaltsam wird die Angelegenheit beim Blick auf die öffentliche Resonanz. Auf einem Screenshot vom 28. Oktober 2026 sind Albrechts beide Beiträge mit einem Alter von 18 beziehungsweise 19 Stunden zu sehen. Unter beiden Veröffentlichungen sind weder Likes noch Kommentare erkennbar, obwohl sich Albrecht ausgerechnet mit einer öffentlich kontrovers diskutierten Frage beschäftigt. Während andernorts über Lehmann, die Militante Veganerin und den Zoolotsen gestritten wird, scheint sich bei Projekt Endzoo bislang niemand zum Mitdiskutieren verpflichtet zu fühlen. So kann man selbstverständlich auch eine Debatte führen: Man stellt Fragen und überlässt die Antworten vorsichtshalber sich selbst.

    Für GERATI ist dieser Eindruck keineswegs neu. Bereits in früheren Veröffentlichungen haben wir uns mit der öffentlichen Resonanz auf Frank Albrechts Aktivitäten und seiner Rolle beim früheren EndZOO Deutschland e. V. beschäftigt. Auch im Oktober 2026 griff GERATI dieses Thema im Zusammenhang mit einer bemerkenswerten Auseinandersetzung zwischen Albrecht und dem Zoolotsen erneut auf. [6] Dort zeigte sich ebenfalls, wie schnell ein vermeintlicher Schlagabtausch zu einem weitgehend einseitigen öffentlichen Auftritt werden kann. Ein bisschen Publikum wäre für einen Alleinunterhalter natürlich von Vorteil, aber immerhin lässt sich ohne Zwischenrufe ungestört weitermachen.

    Fazit: Vielleicht sollte Frank Albrecht erst einmal sein eigenes Interview veröffentlichen

    Die zehn Denkfehler zeigen vor allem eines: Frank Albrecht verwechselt seine grundsätzliche Ablehnung zoologischer Einrichtungen immer wieder mit einer fachlichen Widerlegung ihrer Aufgaben. Natürliche Gefahren werden zur angeblichen Diffamierung der Wildnis erklärt, wissenschaftliche Argumente zu Zeichen mangelnder Tierrechtstreue und erfolgreiche Auswilderungen zu vermeintlichen Widersprüchen. Besonders bemerkenswert ist, dass er damit ausgerechnet eine Diskussion aufgreift, in der die Militante Veganerin gezeigt hat, dass man trotz gegensätzlicher Grundüberzeugungen ein sachlich überzeugendes Argument anerkennen kann. Für Projekt Endzoo scheint diese Form der Differenzierung allerdings eine größere Herausforderung zu sein als Parasiten, Krankheiten und Beutegreifer zusammen. Vielleicht sollte Albrecht weniger Zeit mit der Suche nach Widersprüchen verbringen und mehr damit, seine eigenen Schlussfolgerungen zu überprüfen.

    Und dann wäre da noch die Geschichte mit dem Zoolotsen, die der Angelegenheit eine zusätzliche ironische Note verleiht. Wie GERATI bereits am 15. Oktober 2026 berichtete, hatten Frank Albrecht und Marcel Stawinoga im März 2026 einen rund dreistündigen Podcast aufgenommen. [6] Am 12. Oktober forderte Albrecht den Zoolotsen öffentlich zur Veröffentlichung auf und kündigte andernfalls an, das Gespräch selbst zugänglich zu machen. Besonders kurios: Nach Albrechts eigener Darstellung dürfen beide Gesprächspartner mit dem Material verfahren, wie sie möchten. Warum also auf die Veröffentlichung durch den Zoolotsen warten, wenn man nach eigener Aussage selbst dazu berechtigt ist?

    Vielleicht liefert das Gespräch ja die große argumentatorische Offenbarung, auf die Projekt Endzoo schon so lange wartet. Vielleicht erklärt Albrecht dort endlich, weshalb die Beschreibung natürlicher Gefahren eine Diffamierung der Natur sein soll und warum Auswilderungen angeblich den gesamten Artenschutzgedanken der Zoos widerlegen. Vielleicht ist der unveröffentlichte Podcast aber auch ein dreistündiges Anschauungsbeispiel dafür, dass große Überzeugung und überzeugende Belege nicht zwangsläufig dasselbe sind. Dann wäre es natürlich verständlich, wenn keiner der Beteiligten besonders großen Wert auf eine öffentliche Premiere legt. Wobei sich gerade Albrecht mit seiner eigenen Ankündigung längst die Möglichkeit geschaffen hat, diese Frage selbst zu beantworten.

    Bis dahin bleibt ein durchaus bemerkenswertes Bild: Während Robert Marc Lehmann und die Militante Veganerin für öffentliche Kontroversen sorgen, produziert Frank Albrecht zehn angreifbare Argumentationsschritte in zwei Facebook-Beiträgen, die zunächst ohne erkennbare Reaktion bleiben. Das angekündigte dreistündige Streitgespräch mit dem Zoolotsen könnte immerhin noch für Unterhaltung sorgen. Vielleicht wartet dort ja tatsächlich die große Widerlegung der Zoo-Haltung, die in seinen aktuellen Facebook-Beiträgen so schmerzlich vermisst wird. Und sollte der Podcast irgendwann erscheinen, könnte das Publikum wenigstens erfahren, ob Albrecht im direkten Gespräch überzeugender argumentiert als auf seiner Facebook-Seite. Bis dahin gilt für Projekt Endzoo: Die große Debatte ist eröffnet – das Publikum hat sich offenbar noch nicht angemeldet.

    Quellen