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Schlagwort: EEP-Empfehlung gegen die Zucht

  • Löwenzucht im Zoo Dortmund: Stawinoga erklärt Entscheidung und kritisiert Artenschutzkommunikation

    Löwenzucht im Zoo Dortmund: Stawinoga erklärt Entscheidung und kritisiert Artenschutzkommunikation

    Marcel Stawinoga begründet die umstrittene Löwenzucht im Dortmunder Zoo mit dem Sozialverhalten des Rudels – und äußert zugleich Vorbehalte gegen ihre öffentliche Darstellung als Artenschutzbeitrag. Im Gespräch mit RUHR24 am 21. Oktober 2026 erklärt der Artenschutzkoordinator und Kommunikationsleiter, warum die Einrichtung den Löwinnen Zuri und Saba Nachwuchs ermöglichen wollte. Die Anziehungskraft der zwölf Jungtiere auf Besucher sei dafür nicht ausschlaggebend gewesen. Seine Erläuterungen machen einen entscheidenden Unterschied sichtbar: Die gemeinsame Jungenaufzucht kann aus Sicht des Zoos für das Rudel sinnvoll sein, ohne dass damit schon ein konkreter Nutzen für die Erhaltungszucht feststeht.

    Warum Stawinoga den Artenschutzverweis problematisch findet

    Auslöser der Auseinandersetzung war eine Mitteilung von Stadt und Zoo vom 3. August 2026 über die zwölf Jungtiere. Darin wurde erklärt, Zoos leisteten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Löwen und unterstützten den internationalen Artenschutz. Robert Marc Lehmann kritisierte diesen Artenschutzansatz; außerdem stand in Kommentaren der Vorwurf im Raum, der Nachwuchs solle vor allem Besucher anlocken. Stawinoga reagierte damals ausdrücklich als Privatperson und gab Lehmann teilweise recht. Nach dem RUHR24-Bericht war er während der Abstimmung und Veröffentlichung im Urlaub gewesen und bezeichnete die Mitteilung als fachlich nicht korrekt.

    Im Oktoberinterview fällt seine Bewertung differenzierter aus. Den Bezug zum Artenschutz nennt er „ein bisschen konstruiert“, den betreffenden Satz aber auch „nicht komplett falsch“, weil Löwen Artenschutzprojekte unterstützen könnten. Wie gerade diese Tiere später dazu beitragen könnten, sei offen. Seine Kritik richtet sich damit gegen eine Begründung, die mehr Eindeutigkeit vermittelt als die konkrete Zuchtentscheidung hergibt. Wenn Zoos ihre Kommunikation stark auf Artenschutz konzentrierten, müsse man aufpassen, diesen nicht „wie so ein Feigenblatt“ zu nutzen, sagt Stawinoga.

    Jungenaufzucht als erklärtes Ziel der Zucht

    Für die Entscheidung in Dortmund nennt Stawinoga einen anderen Schwerpunkt: Man habe der Gruppe einmal ermöglichen wollen, Jungtiere aufzuziehen. Für ein Löwenrudel sei dies „super verhaltensanreichernd“. Die städtische Stellungnahme beschreibt dazu zusätzliche soziale Interaktionen zwischen erwachsenen Tieren und Nachwuchs. Paarung, Geburt und gemeinsame Aufzucht sollten dem Rudel ein größeres Spektrum seines artspezifischen Verhaltens ermöglichen. Das ist die vom Zoo vorgetragene Begründung zugunsten der gehaltenen Tiere, keine Aussage über eine spätere Auswilderung oder den genetischen Wert der Nachkommen.

    Dass junge Löwen Besucher interessieren, bestreitet Stawinoga keineswegs. Tiere würden manchmal auch gehalten, weil Menschen sie sehen wollten; „Da müssen wir uns auch nichts schönreden“, sagt er. Für diese Zucht sei das jedoch nicht der ausschlaggebende Grund gewesen. Als Gegenargument zum Vorwurf einer bloßen Besucherstrategie verweist der Zoo in seiner Stellungnahme auf andere attraktive Arten, bei denen er wegen EEP-Zuchtstopps auf Nachwuchs verzichtet habe, darunter Jaguar, Nebelparder und Kleiner Panda. Dieser Vergleich erläutert die Position der Einrichtung: Besucherinteresse und Zuchtentscheidung sind für sie keine gleichbedeutenden Größen.

    Keine Zuchtempfehlung, aber auch kein Zuchtverbot

    Besonders deutlich äußert sich Stawinoga zur Rolle des EAZA-Ex-situ-Programms, kurz EEP. Dieses habe wegen der damals unklaren genetischen Einordnung von der Zucht abgeraten, berichtet er im Interview. Die städtische Stellungnahme formuliert zurückhaltender: Für die konkrete Zucht habe keine ausdrückliche Empfehlung vorgelegen, zugleich aber auch kein Zuchtverbot. Ein fachlicher Rat gegen Nachwuchs ist eine weitergehende Aussage als das bloße Fehlen einer Empfehlung. Beide Darstellungen müssen deshalb auseinandergehalten werden; übereinstimmend beschreiben sie eine eigenverantwortliche Entscheidung des Zoos und keine ausdrücklich empfohlene Zucht.

    Die erwachsenen Tiere Boeti, Saba und Zuri gehören nach Angaben der Stadt zum EEP für Südliche Löwen. Auch ihre Zusammenführung sei mit Zustimmung des damaligen Koordinators erfolgt. Diese Zustimmung zur Zusammenstellung der Gruppe ist jedoch von einer Empfehlung für deren Fortpflanzung zu unterscheiden. Die frühere GERATI-Einordnung zur Löwenzucht ohne EEP-Empfehlung behandelte bereits diesen Unterschied. Für Dortmund hat er eine handfeste Folge: Nach der städtischen Darstellung hatte das EEP vorab mitgeteilt, dass mögliche Jungtiere eigenständig vermittelt werden müssten und nicht über das Programm.

    Was die genetischen Angaben tatsächlich bedeuten

    Die Unsicherheit betrifft nicht die Existenz eines dokumentierten Stammbaums, sondern dessen Aussagekraft für die genetische Zuordnung. Die Abstammung ist im Zoological Information Management System ZIMS erfasst; bei einzelnen Vorfahren lässt sich die geografische Herkunft jedoch nicht mehr rekonstruieren. Nach der in der Stellungnahme wiedergegebenen EEP-Auskunft wird Vater Boeti ungefähr zur Hälfte dem Nördlichen und zur Hälfte dem Südlichen Löwen zugerechnet. Bei den beiden miteinander verschwisterten Löwinnen Saba und Zuri liegt der angegebene Anteil des Südlichen Löwen bei etwa 62 Prozent. Diese Angaben beschreiben die derzeitige Einordnung und sind nicht mit einem abschließenden Ergebnis neuer Gentests gleichzusetzen.

    Hinzu kommt eine Besonderheit der Herkunftsregionen: Im Südsudan treffen nach Darstellung der Stadt die nördliche und die südliche Linie in einer natürlichen Kontaktzone aufeinander. Eine Herkunftsangabe allein liefert deshalb nicht für jeden Vorfahren eine eindeutige Zuordnung. Der Zoo kündigt an, sich mit den Jungtieren an einem genetischen Forschungsprojekt innerhalb der EAZA zu beteiligen, das die Abstammung und Zusammensetzung der europäischen Löwenpopulation untersuchen soll. Abhängig von den Ergebnissen könnten sich Zuordnungen einzelner Tiere verändern. Damit ist eine mögliche wissenschaftliche Verwendung benannt; welche populationsgenetische Bedeutung die zwölf Jungtiere haben können, lässt die Stellungnahme ausdrücklich offen.

    Die Verantwortung reicht über die Aufzucht hinaus

    Für die Tiere wird vor allem entscheidend, wo und in welcher Gruppenzusammensetzung sie später leben. Der Zoo erklärt, bereits vor der Zucht geprüft zu haben, ob geeignete Unterbringungsmöglichkeiten realistisch seien, und dies grundsätzlich bejaht zu haben. In seiner Stellungnahme nennt er Kontakte zu Interessenten. Verbindliche Zusagen seien jedoch erst nach der Geschlechtsbestimmung und abhängig von der individuellen Entwicklung der Jungtiere möglich. Als eine Option beschreibt er auch den Verbleib einer Junggesellengruppe in Dortmund, ohne diese Möglichkeit bereits als beschlossene Lösung darzustellen.

    Eine spätere Auswilderung war dem Zoo zufolge zu keinem Zeitpunkt Motivation für die Zucht. Die praktische Aufgabe besteht somit zunächst darin, die selbst übernommene Vermittlung zu organisieren und geeignete Haltungsorte zu finden. Stawinoga verbindet seine Erläuterungen im Interview dennoch mit einer positiven Bewertung der öffentlichen Diskussion: Er begrüßt, dass inhaltlich über diese Zucht und nicht ausschließlich grundsätzlich über Zoos gestritten worden sei. Für die weitere Beurteilung der Dortmunder Entscheidung sind damit zwei konkrete Entwicklungen maßgeblich: welche Erkenntnisse die genetischen Untersuchungen bringen und wie aus den beschriebenen Unterbringungsoptionen verbindliche Lösungen für die Jungtiere werden.

    Quellen