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Schlagwort: Demontage der Gaskesselanlage

  • Fernwärme im Tiergarten Schönbrunn ersetzt Gaskessel mit zehn Megawatt

    Fernwärme im Tiergarten Schönbrunn ersetzt Gaskessel mit zehn Megawatt

    Der Tiergarten Schönbrunn hat seine Wärmeversorgung von einer Gaskesselanlage auf Fernwärme umgestellt. Dafür erweiterte Wien Energie sein Netz im Wiener Bezirk Hietzing. Die bisherige Anlage mit insgesamt zehn Megawatt Heizleistung wurde demontiert. Der Anschluss umfasst neben den Tieranlagen auch das Verwaltungsgebäude, die Gastronomie und das Wüstenhaus vor den Toren des Tiergartens.

    Wärme für Tierhäuser und den täglichen Betrieb

    Die Größenordnung des Projekts zeigt sich an der bisherigen Heizzentrale: Sie versorgte das 17 Hektar große Areal und war nach Angaben von Wien Energie die größte noch aktive Gaskesselanlage bei einem Kunden des Unternehmens. Mit ihrem Ersatz verändert sich damit die Wärmeversorgung eines ganzen Betriebsstandorts. Die Umstellung reicht von den Anlagen für die Tiere über die Räume der Verwaltung bis zu den gastronomischen Einrichtungen. Auch das außerhalb des eigentlichen Tiergartens gelegene Wüstenhaus gehört zu den versorgten Gebäuden.

    Für die Tierhaltung steht dabei eine verlässliche Beheizung im Mittelpunkt. Tiergartendirektor Stephan Hering-Hagenbeck betont, dass viele Tiere gerade im Winter auf eine zuverlässige Wärmeversorgung angewiesen seien. Er begrüßt den Fernwärmeanschluss als regionale Versorgung durch den langjährigen Partner Wien Energie. Zugleich erwartet er von einem mittelfristig besser kalkulierbaren Preisniveau mehr Planungssicherheit für den Betrieb. Das ist eine betriebliche Erwartung des Direktors, keine Zusage sinkender Heizkosten.

    Welche technische Aufgabe hinter dem Anschluss steckt, hatte der damalige Vorsitzende der Wien-Energie-Geschäftsführung Michael Strebl bereits bei der Projektankündigung beschrieben. Ein Zoo sei hinter den Kulissen ein aufwendiger technischer Betrieb mit hohem Energiebedarf. Als Beispiele nannte er die Beheizung tropischer Tierhäuser sowie von Besucherräumen und Gastronomie. In Schönbrunn betrifft der Heizungswechsel entsprechend sowohl die Tierhaltung als auch die Infrastruktur für Mitarbeiter und Gäste.

    Die neue Leitung erschließt mehr als den Tiergarten

    Für den Anschluss wurde eine neue Fernwärmeleitung entlang der Maxingstraße benötigt. Bereits die frühere Projektankündigung beschrieb eine Trasse, die den Tiergarten aus südlicher Richtung erreichen sollte. Mit dem Ausbau sollte zugleich die verfügbare Fernwärmeleistung in der Umgebung steigen. Die Leitung ist damit nicht ausschließlich für den Bedarf innerhalb des Tiergartens relevant.

    Nach der Mitteilung zum abgeschlossenen Anschluss schafft die neue Leitung die Voraussetzung, mehr als 60 weitere Gebäude an Fernwärme anzuschließen. Für Eigentümer entlang der Trasse eröffnet sich dadurch eine zusätzliche Möglichkeit, ihre Heizung umzustellen. Die Zahl bezeichnet allerdings das erschlossene Anschlusspotenzial und nicht mehr als 60 bereits umgestellte Häuser. Der Zooanschluss ist vollzogen; bei den weiteren Gebäuden geht es zunächst um die durch den Leitungsbau geschaffene Möglichkeit.

    Die örtliche Gasheizung ist ersetzt, das Netz noch im Umbau

    Der Ausstieg aus der eigenen Gaskesselanlage bedeutet noch keine vollständig gasfreie Wärmeerzeugung. Wien Energie gibt an, dass weiterhin rund die Hälfte der Wiener Fernwärmeproduktion aus gasbetriebenen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen stammt. Der Tiergarten wechselt somit das Versorgungssystem, während dessen Energiequellen ebenfalls schrittweise verändert werden sollen. Der konkrete Fortschritt in Schönbrunn liegt im Ersatz der örtlichen Gasheizung; die weitere Verringerung des fossilen Anteils hängt vom Umbau der Fernwärmeerzeugung ab.

    Schon bei der früheren Ankündigung bezifferte Wien Energie die erwartete Einsparung auf etwa 800 Tonnen CO₂ je Heizsaison. Diese Zahl war eine Prognose für den Fernwärmeanschluss. Sie beschreibt kein nach der Umstellung gemessenes Ergebnis. Für die Einordnung des Projekts bleiben deshalb zwei Größen auseinanderzuhalten: Die zehn Megawatt benennen die Leistung der ersetzten Kesselanlage, die 800 Tonnen die damals erwartete jährliche Emissionsminderung je Heizsaison.

    Für die weitere Veränderung der Wärmeproduktion setzt Wien Energie auf Tiefengeothermie, Großwärmepumpen und Abwärme. Die gemeinsam mit OMV errichtete Geothermieanlage in der Seestadt Aspern soll ab 2029 Wärme für rund 25.000 durchschnittliche Haushalte liefern. Für die Wärmepumpenanlagen bei Spittelau, Simmering und der Kläranlage ebswien nennt das Unternehmen zusammen eine Versorgungskapazität für rund 100.000 Wiener Haushalte. Diese Vorhaben und Anlagen betreffen das Fernwärmesystem, an das nun auch Schönbrunn angeschlossen ist. Für den Tiergarten ist damit die Umstellung seiner eigenen Heizzentrale abgeschlossen, während sich die Zusammensetzung seiner künftig bezogenen Wärme mit dem Netz weiterentwickeln soll.

    Quellen