PETA hat wieder einmal Circus Krone ins Visier genommen. Pünktlich zum Gastspiel in Goslar wirft die Tierrechtsorganisation dem Traditionszirkus Tierquälerei vor und fordert die Menschen auf, keine Eintrittskarten zu kaufen. Als Belege dienen Videoaufnahmen von Großkatzen, Pferden, Hunden und Kamelen. Was auf den ersten Blick wie eine neue Enthüllung klingt, entpuppt sich bei näherer Recherche allerdings als eine seit Monaten laufende Kampagne mit längst bekannten Aufnahmen. Und auch bei der Bewertung der gezeigten Tierdressuren lohnt sich ein genauerer Blick, denn PETA macht es sich an einigen Stellen bemerkenswert einfach.
Circus Krone in Goslar: PETA wiederholt bekannte Vorwürfe
Vom 15. bis 18. Oktober 2026 gastiert Circus Krone mit seinem Programm „Farbenspiel – Gold Edition“ auf dem Schützenplatz in Goslar. Zwei Tage vor Beginn veröffentlichte PETA eine Pressemitteilung, in der dem Unternehmen ein gewaltsamer Umgang mit Tieren vorgeworfen wird. Die Organisation spricht von verängstigten Großkatzen, gestressten Pferden und Hunden, die zu Kunststücken gezwungen würden. Den Besuchern legt sie nahe, auf den Kauf einer Eintrittskarte zu verzichten, um das angebliche Tierleid nicht finanziell zu unterstützen.
Als Beweismaterial präsentiert PETA Aufnahmen, auf denen unter anderem Peitschen und Stöcke bei der Großkatzendressur eingesetzt werden. Außerdem sollen Pferde deutliche Stressreaktionen zeigen, während Kamele ruckartig an den Zügeln geführt würden. Ein Kamel wirft während einer Vorstellung offenbar eine Reiterin ab, und Hunde bewegen sich auf den Hinterbeinen durch die Manege. Für PETA ergibt sich daraus ein eindeutiges Bild: Die Tiere würden zu unnatürlichen Darbietungen gezwungen und müssten darunter leiden.
Doch genau hier beginnt das Problem. Die Organisation beschreibt nicht nur, was auf den Aufnahmen zu sehen sein soll, sondern liefert die gewünschte Interpretation gleich mit. Aus einer Peitsche wird Gewalt, aus einem bestimmten Bewegungsablauf ein Zeichen von Angst und aus einer Dressurnummer der Beweis für Tierquälerei. Dass die einzelnen Szenen durchaus unterschiedliche Ursachen und Hintergründe haben können, spielt in dieser Darstellung kaum eine Rolle.
Das heißt natürlich nicht, dass Circus Krone automatisch von sämtlichen Vorwürfen freizusprechen wäre. Wer Tiere hält und öffentlich vorführt, muss sich kritischen Fragen stellen und die geltenden Tierschutzvorschriften einhalten. Die Vorwürfe verdienen eine sorgfältige Prüfung, gerade wenn möglicherweise schmerzhafte Dressurmethoden eingesetzt wurden. Allerdings sollte diese Prüfung nicht schon mit einem feststehenden Urteil beginnen.
Dieselbe Geschichte, nur eine andere Stadt
Besonders interessant wird die Angelegenheit, wenn man sich PETAs frühere Pressemitteilungen anschaut. Bereits am 26. Mai 2025 berichtete die Organisation über das Gastspiel von Circus Krone in Kaufbeuren und verwendete dabei dieselben zentralen Vorwürfe zu dem damals neuen Programm. Ein Jahr später erschienen entsprechende Veröffentlichungen am 22. Juni 2026 für Zwickau, am 18. August für Hannover und am 15. September für Hamburg. Jetzt ist Goslar an der Reihe.
Die Texte ähneln sich nicht nur thematisch. Teilweise sind ganze Formulierungen praktisch identisch, während der jeweilige Gastspielort ausgetauscht wird. Immer wieder geht es um knallende Peitschen, verängstigte Großkatzen, hüpfende Hunde und angeblich gestresste Pferde. Auch die Aufforderung, keine Eintrittskarten zu kaufen, gehört zum festen Bestandteil dieser Veröffentlichungen.
Noch bemerkenswerter ist das Alter der Aufnahmen. PETA selbst erklärt, dass das verwendete Material von der Tour-Premiere in München im April 2025 stammt. Die Pressemitteilung aus Goslar vom Oktober 2026 greift damit auf Szenen zurück, die bereits rund eineinhalb Jahre alt sind. Neue Erkenntnisse über die Tierhaltung während des Goslarer Gastspiels liefert die Organisation mit dieser Veröffentlichung nicht.
Das macht die Aufnahmen nicht automatisch wertlos. Wenn eine Aufnahme eine tatsächliche Misshandlung dokumentiert, bleibt sie auch nach längerer Zeit relevant. Allerdings sollte ein Leser erfahren, dass ihm keine neuen Vorfälle aus Goslar präsentiert werden, sondern Bilder aus einer älteren Vorstellung. Genau dieser Unterschied geht in PETAs örtlich zugeschnittenen Kampagnen leicht unter.
Das Vorgehen hat durchaus System. Der Zirkus kündigt ein Gastspiel an, PETA veröffentlicht die bekannten Anschuldigungen und örtliche Medien erhalten eine passende Geschichte über angebliches Tierleid. Für die Organisation ist das eine einfache Möglichkeit, ihre politische Botschaft regelmäßig in die Öffentlichkeit zu bringen. Ob dadurch tatsächlich neue Erkenntnisse über die Tiere gewonnen werden, ist eine andere Frage.
Eine Peitsche in der Manege ist noch kein Beweis für Tierquälerei
Besonders emotional wirkt der Vorwurf, bei Circus Krone würden Peitschen und Stöcke zur Dressur von Großkatzen eingesetzt. Wer dabei an schmerzhafte Schläge denkt, wird die Bilder entsprechend bewerten. Dass eine Peitsche unterschiedliche Funktionen haben kann, bleibt in PETAs Darstellung dagegen weitgehend außen vor. Dabei ist gerade dieser Unterschied für eine seriöse Beurteilung wichtig.
In der Tierdressur können Peitschen unter anderem dazu dienen, optische oder akustische Signale zu geben. Auch Stöcke werden als Hilfsmittel verwendet, beispielsweise zur räumlichen Orientierung oder um bestimmte Bewegungen anzuzeigen. Solche Hilfsmittel sind nicht zwangsläufig dazu bestimmt, einem Tier Schmerzen zuzufügen. Ob ihre Verwendung problematisch ist, hängt davon ab, wie der Mensch damit umgeht und was das Tier dabei tatsächlich erlebt.
Ein Dompteur, der mit einer Peitsche ein Signal gibt, handelt nicht allein deshalb tierschutzwidrig. Anders sieht es aus, wenn ein Tier gezielt geschlagen oder durch schmerzhafte Einwirkungen zu einer Leistung gezwungen wird. Hier gibt es nichts zu beschönigen, denn auch bei einem traditionsreichen Zirkus wäre ein solcher Umgang nicht akzeptabel. Wer einen Verstoß behauptet, sollte deshalb möglichst genau zeigen, welche Handlung stattgefunden hat und welche Belastung damit verbunden war.
Dass diese Unterscheidung keineswegs theoretisch ist, zeigt sogar ein Fall, auf den PETA selbst verweist. Wegen Videoaufnahmen einer Dressurprobe aus dem Jahr 2019 kam es zu einer Strafanzeige gegen Martin Lacey. Nach PETAs eigener Darstellung wurde das Verfahren eingestellt, weil die zuständige Staatsanwaltschaft zwar leichtere Schmerzen, aber keine erheblichen Schmerzen oder Leiden annahm. Das bedeutet nicht, dass die damalige Behandlung der Tiere unproblematisch gewesen sein muss, zeigt jedoch, dass die rechtliche Bewertung deutlich komplizierter ausfallen kann als die öffentliche Anklage.
Auch das Tierschutzgesetz unterscheidet zwischen verschiedenen Tatbeständen. Nach § 3 Nummer 5 ist das Training von Tieren verboten, wenn damit erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden verbunden sind. Bei der Verwendung von Tieren für Schaustellungen setzt § 3 Nummer 6 bereits bei Schmerzen, Leiden oder Schäden an. Welche Vorschrift im konkreten Fall greift, hängt von der jeweiligen Handlung und ihren Folgen ab.
PETAs Darstellung lässt solche Unterschiede weitgehend verschwinden. Die Verwendung eines Dressurhilfsmittels wird zum Bestandteil einer umfassenden Gewaltanklage, ohne dass jede einzelne Szene nachvollziehbar rechtlich und fachlich eingeordnet wird. Dabei wäre gerade das notwendig, wenn aus Videoaufnahmen mehr werden soll als eine emotional wirkende Kampagne. Wer Tierquälerei nachweisen möchte, muss sich mit den konkreten Handlungen beschäftigen und darf nicht allein auf die abschreckende Wirkung bestimmter Gegenstände setzen.
Sind die Pferde tatsächlich verängstigt?
Bei den Pferden arbeitet PETA mit einer ähnlich eindeutigen Interpretation. Die Tiere sollen während der Vorstellung sichtbare Stressreaktionen zeigen, eines soll sogar versucht haben, aus der Manege auszubrechen. Solche Beobachtungen können durchaus auf Überforderung, Angst oder andere Probleme hinweisen. Ob sie tatsächlich Ausdruck einer erheblichen Belastung sind, lässt sich aber nicht aus einer einzelnen Momentaufnahme zuverlässig bestimmen.
Pferde reagieren auf ihre Umgebung, auf Geräusche, Bewegungen und auf die Signale ihrer Trainer. Ein plötzliches Ausweichen oder eine unerwartete Bewegung kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Auch ein Tier, das grundsätzlich an Auftritte gewöhnt ist, kann sich erschrecken oder in einer bestimmten Situation unwohl fühlen. Aus einem solchen Vorfall lässt sich deshalb noch keine allgemeine Aussage über die gesamte Haltung oder Ausbildung ableiten.
Umgekehrt sollte niemand eine sichtbare Angstreaktion einfach wegdiskutieren. Wenn ein Pferd wiederholt versucht, einer Situation zu entkommen, sich massiv verspannt oder deutliche Anzeichen von Überforderung zeigt, gehört das untersucht. Dafür gibt es verhaltensbiologische Kriterien, die weit über die Interpretation einzelner Bilder hinausgehen. Gerade bei Pferden lässt sich viel aus Körperhaltung, Muskelspannung, Ohrenstellung, Mimik und Bewegungsmustern ablesen.
In früheren Veröffentlichungen stellte PETA auch Schaum am Pferdemaul als eindeutiges Stressanzeichen dar. Eine solche Behauptung ist in dieser Pauschalität fachlich nicht haltbar. Schaumbildung kann bei Pferden beispielsweise mit Speichelproduktion, Kaubewegungen und der Arbeit mit dem Gebiss zusammenhängen. Sie ist für sich genommen weder ein sicherer Beweis für Entspannung noch für Angst.
Gerade bei solchen Details zeigt sich, weshalb eine fachliche Bewertung mehr leisten muss als das bloße Betrachten dramatisch ausgewählter Szenen. Ein Video kann wichtige Hinweise liefern, aber die entscheidenden Fragen lassen sich häufig erst durch die Untersuchung des gesamten Verhaltens und der jeweiligen Umstände beantworten. PETAs Einschätzung muss deshalb nicht zwangsläufig falsch sein. Sie ist aber auch nicht automatisch richtig, nur weil die Organisation sie mit großer Überzeugung vorträgt.
Hüpfende Hunde und ein widerspenstiges Kamel
Noch fragwürdiger erscheint es, wenn PETA Hunde, die auf den Hinterbeinen hüpfen, bereits als Beispiel für Tierleid anführt. Hunde können sich aufrichten und auf den Hinterbeinen bewegen, ohne dass dies zwangsläufig mit Schmerzen verbunden sein muss. Problematisch kann eine solche Übung allerdings werden, wenn sie übermäßig häufig, über längere Zeit oder bei körperlich ungeeigneten Tieren verlangt wird. Ebenso kommt es darauf an, wie das Tier die Bewegung erlernt hat.
Genau diese Informationen liefert die bloße Beschreibung der Aufnahmen nicht. Wir erfahren daraus weder, wie lange die Hunde die Übung ausführen, noch unter welchen Bedingungen sie trainiert wurden. Trotzdem wird das Kunststück von PETA als Bestandteil einer angeblich gewaltsamen Dressur präsentiert. Hier verschwimmen die Grenzen zwischen einer tatsächlich beobachteten Bewegung und einer grundsätzlichen Ablehnung von Tierauftritten.
Ähnlich verhält es sich mit dem Kamel, das während einer Vorstellung eine Reiterin abgeworfen haben soll. Ein solcher Vorfall kann viele Ursachen haben, von einer Schreckreaktion bis hin zu Unbehagen oder Problemen bei der Führung. Er kann auch Anlass sein, das Training und die Situation genauer zu untersuchen. Aber weshalb sollte allein das Abwerfen einer Reiterin beweisen, dass das Tier zuvor misshandelt wurde?
Ein Tier ist schließlich keine Maschine, die unter allen Umständen genau das tut, was ein Mensch erwartet. Unerwartete Reaktionen kommen auch bei gut ausgebildeten Tieren vor. Für die Bewertung wäre interessant, was unmittelbar vor dem Zwischenfall geschah und wie anschließend mit dem Kamel umgegangen wurde. Aus PETAs zusammenfassender Darstellung lässt sich diese Frage nicht abschließend beantworten.
Was PETA eigentlich erreichen will
Wer verstehen möchte, weshalb PETA solche Aufnahmen verwendet, muss sich mit der grundsätzlichen Position der Organisation beschäftigen. PETA lehnt die Nutzung von Tieren zur Unterhaltung ab, und zwar unabhängig davon, ob ein einzelner Zirkus seine Tiere gut oder schlecht hält. Es geht ihr nicht nur um strengere Vorschriften oder bessere Kontrollen. Das politische Ziel besteht darin, Tiere vollständig aus Zirkusvorstellungen zu verbannen.
Dieser Unterschied wird in der öffentlichen Diskussion häufig übersehen. Tierschutz fragt danach, ob ein Tier angemessen gehalten, versorgt und behandelt wird. Werden Missstände festgestellt, geht es darum, sie abzustellen und gegebenenfalls Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen. Eine grundsätzlich ablehnende Tierrechtsposition bewertet dagegen bereits die Nutzung des Tieres als problematisch.
Damit wird verständlich, weshalb PETAs Kritik weit über die konkret veröffentlichten Aufnahmen hinausgeht. Selbst wenn Circus Krone sämtliche behaupteten Verstöße widerlegen und die Einhaltung aller gesetzlichen Vorschriften nachweisen könnte, würde PETA die Tiernummern weiterhin ablehnen. Der politische Konflikt bestünde unverändert fort. Die Organisation verfolgt schließlich nicht bloß das Ziel eines besseren Zirkus mit Tieren, sondern eines Zirkus ohne Tiere.
Darauf haben wir bei GERATI bereits im Beitrag „Tierquälerei: PETA gegen Circus Krone – Zwischen berechtigter Kritik und altbekannter Polemik?“ hingewiesen. Die Kritik an einzelnen Dressurmethoden wird regelmäßig mit grundsätzlichen Forderungen gegen die Tierhaltung verknüpft. So entsteht schnell der Eindruck, als sei jede Tiernummer bereits ein Tierschutzproblem. Ob das einzelne Tier tatsächlich leidet, rückt dabei erstaunlich weit in den Hintergrund.
Natürlich darf PETA für eine Gesellschaft eintreten, in der Tiere nicht mehr für Unterhaltungszwecke eingesetzt werden. Das ist eine legitime politische und ethische Position. Problematisch wird es, wenn diese Überzeugung als scheinbar objektives Ergebnis einer Untersuchung präsentiert wird, obwohl die Schlussfolgerung für die Organisation längst feststeht. Wer Tiere im Zirkus grundsätzlich ablehnt, ist eben kein neutraler Gutachter dieser Haltungsform.
Die alten Aufnahmen von Circus Krone
Um ihre aktuellen Anschuldigungen zu unterstreichen, führt PETA erneut frühere Vorfälle an. Dazu gehören Aufnahmen einer Dressurprobe mit Martin Lacey aus dem Jahr 2019 und Material aus dem Jahr 2024 von der Krone-Farm im bayerischen Weßling. Auch ein Vorfall aus dem November 2022 wird erwähnt, bei dem ein Mitarbeiter ein Pferd mit einem Strick auf den Kopf geschlagen haben soll. Die Organisation stellt diese Ereignisse als Belege für einen über längere Zeit problematischen Umgang mit Tieren dar.
Solche Vorwürfe dürfen nicht unter den Tisch fallen. Wenn Tiere tatsächlich geschlagen oder unangemessen behandelt wurden, muss das ernst genommen werden. Auch ein großes und bekanntes Unternehmen steht nicht über dem Tierschutzgesetz. Die Geschichte eines Zirkus kann durchaus relevant sein, wenn wiederholt vergleichbare Vorfälle auftreten.
Allerdings sollte man auch hier sauber unterscheiden. Eine Aufnahme aus dem Jahr 2019 sagt nicht automatisch etwas darüber aus, wie die Tiere im Oktober 2026 gehalten oder trainiert werden. Ebenso wenig kann aus einem einzelnen Vorfall ohne weitere Prüfung auf die gesamte Tierhaltung eines Unternehmens geschlossen werden. Für eine belastbare Bewertung müsste untersucht werden, welche Vorwürfe bestätigt wurden, welche Maßnahmen darauf folgten und ob sich vergleichbare Probleme später erneut nachweisen ließen.
Gerade diese Zusammenhänge bleiben bei PETA teilweise offen. Statt die Ergebnisse früherer Verfahren ausführlich einzuordnen, reiht die Organisation unterschiedliche Vorfälle aneinander und verbindet sie mit ihrer aktuellen Forderung. Das ergibt eine eindrucksvolle Anklage, lässt aber wesentliche Fragen unbeantwortet. Für einen journalistischen Beitrag sind diese Fragen mindestens ebenso wichtig wie die ursprünglichen Anschuldigungen.
Auch unser GERATI-Beitrag „PETA Kritik Zirkus: Wenn Vorwürfe lauter sind als Fakten“ beschäftigt sich mit dieser Art der öffentlichen Auseinandersetzung. Einzelne belastende Aufnahmen können wichtige Beweismittel sein. Ihre Aussagekraft hängt jedoch davon ab, was tatsächlich dokumentiert wurde und welche weiteren Erkenntnisse vorliegen. Eine lange Liste von Anschuldigungen ersetzt keine sorgfältige Untersuchung.
Warum ein pauschales Wildtierverbot nicht automatisch die Antwort ist
Mit der Goslarer Pressemitteilung richtet PETA zugleich einen Appell an Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer. Er solle dafür sorgen, dass zumindest Wildtiere künftig nicht mehr in deutschen Zirkusmanegen auftreten dürfen. Als Beispiele führt die Organisation Länder mit entsprechenden Verboten an und verweist auf Circus Roncalli, der inzwischen vollständig ohne lebende Tiere arbeitet. Die Botschaft ist klar: Was andere Länder und Unternehmen bereits umgesetzt haben, soll auch für Deutschland gelten.
Doch die politische Frage ist komplizierter, als PETA sie darstellt. Ein mögliches Fehlverhalten bei Circus Krone wäre zunächst einmal ein Anlass, genau dieses Fehlverhalten zu untersuchen und gegebenenfalls zu sanktionieren. Daraus ergibt sich noch nicht zwangsläufig, dass sämtliche Unternehmen und Tierhalter von einem allgemeinen Verbot betroffen sein müssen. Für eine solche Entscheidung braucht es eine breitere Betrachtung, die unter anderem Tierarten, Haltungsbedingungen, Transportbelastungen und wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt.
Ein Löwe stellt andere Anforderungen an seine Haltung als ein Pferd oder ein Hund. Ebenso unterscheiden sich Zirkusbetriebe in ihren räumlichen Möglichkeiten, in ihren Abläufen und im Umgang mit den Tieren. Wer diese Unterschiede vollständig ausblendet, wird den tatsächlichen Haltungsbedingungen kaum gerecht. Eine pauschale Forderung lässt sich politisch zwar einfacher vermitteln, ist aber nicht automatisch die fachlich überzeugendste Lösung.
Auch der Verweis auf Roncalli beantwortet die eigentliche Tierschutzfrage nicht. Ein Zirkus ohne Tiere kann erfolgreich sein und sein Publikum begeistern. Das beweist allerdings nicht, dass jeder Zirkus mit Tieren seine Tiere schlecht behandelt. Unterschiedliche Unterhaltungskonzepte können nebeneinander bestehen, solange die gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden und das Tierwohl angemessen berücksichtigt wird.
Letztlich geht es darum, ob der Staat konkrete Haltungsformen anhand nachvollziehbarer Kriterien bewertet oder bestimmte Nutzungen grundsätzlich verbietet. Beide Ansätze haben unterschiedliche Konsequenzen, die offen diskutiert werden sollten. PETA bevorzugt erkennbar den zweiten Weg. Dass dieser Weg politisch gewünscht wird, macht ihn jedoch nicht automatisch zur einzig möglichen Konsequenz aus den veröffentlichten Videoaufnahmen.
Was bislang über die aktuellen Vorwürfe bekannt ist
Nach den vorliegenden Informationen hat PETA für ihre Goslarer Kampagne keine neuen Vorfälle vor Ort dokumentiert. Stattdessen greift die Organisation auf bereits seit 2025 bekannte Videoaufnahmen und ältere Anschuldigungen zurück. Einige der beschriebenen Szenen können Anlass zu tierschutzfachlichen Fragen geben, insbesondere dort, wo Tiere möglicherweise geschlagen oder übermäßig belastet wurden. Andere Beobachtungen, etwa das Hüpfen von Hunden oder der bloße Einsatz eines Stocks, lassen ohne zusätzliche Informationen keine eindeutige Bewertung zu.
Hinzu kommt, dass in der aktuellen Veröffentlichung keine unabhängige veterinärbehördliche Untersuchung dieser konkreten Szenen vorgestellt wird. Eine aktuelle Stellungnahme von Circus Krone zu den Goslarer Vorwürfen liegt in den ausgewerteten Quellen ebenfalls nicht vor. Das erschwert eine abschließende Bewertung, weil PETAs Darstellung damit zunächst die einzige ausführliche Interpretation des veröffentlichten Materials bleibt. Gerade deshalb wäre es falsch, ihre Schlussfolgerungen ungeprüft als feststehende Tatsachen zu übernehmen.
Für die Besucher in Goslar ergibt sich daraus kein Grund, vorschnell in die eine oder andere Richtung zu urteilen. Wer sich für die Tierhaltung interessiert, kann kritische Fragen stellen und sich über die geltenden Anforderungen informieren. Gleichzeitig sollte man zwischen einer behördlich festgestellten Misshandlung und einer politischen Kampagne unterscheiden können. Beides einfach gleichzusetzen, hilft den Tieren wenig.
PETA gegen Circus Krone: Kritik ja, Vorverurteilung nein
PETA versteht es zweifellos, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Die Organisation weiß, welche Bilder Emotionen auslösen und welche Begriffe öffentliche Empörung hervorrufen. Wenn von verängstigten Löwen, knallenden Peitschen und gequälten Tieren die Rede ist, entsteht schnell ein klares Bild im Kopf. Ob die veröffentlichten Aufnahmen dieses Bild in allen Punkten tatsächlich rechtfertigen, wird dabei häufig erst an zweiter Stelle gefragt.
Bei der aktuellen Kampagne gegen Circus Krone fällt vor allem die ständige Wiederholung auf. Seit mindestens Mai 2025 verwendet PETA vergleichbare Vorwürfe zu dem Programm „Farbenspiel – Gold Edition“ und veröffentlicht sie passend zu wechselnden Gastspielorten. Was als aktuelle Warnung vor Tierquälerei erscheint, ist in weiten Teilen die Fortsetzung einer bereits lange laufenden Kampagne. Das sollte jeder wissen, der sich anhand solcher Pressemitteilungen eine Meinung bilden möchte.
Damit sind die konkreten Vorwürfe keineswegs erledigt. Sollte sich herausstellen, dass Tiere geschlagen, überfordert oder tierschutzwidrig gehalten wurden, muss das Konsequenzen haben. Aber diese Feststellung gehört in die Hände einer sorgfältigen Untersuchung und darf nicht durch eine bereits feststehende politische Überzeugung ersetzt werden. Auch eine Tierrechtsorganisation muss sich daran messen lassen, wie nachvollziehbar ihre Anschuldigungen sind.
Circus Krone verdient keine Sonderbehandlung, nur weil das Unternehmen auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. PETA verdient allerdings ebenso wenig einen Vertrauensvorschuss, nur weil die Organisation behauptet, im Namen der Tiere zu sprechen. Für beide Seiten sollten dieselben Maßstäbe gelten: überprüfbare Tatsachen, nachvollziehbare Belege und eine klare Trennung zwischen Beobachtung und Bewertung.
Und genau daran fehlt es in der Goslarer Kampagne an mehreren Stellen. PETA präsentiert bekannte Aufnahmen erneut, zieht weitreichende Schlussfolgerungen aus einzelnen Szenen und verbindet ihre Vorwürfe unmittelbar mit der Forderung nach einem grundsätzlichen Verbot von Tierauftritten. Das ist wirkungsvolle Öffentlichkeitsarbeit für die eigene Sache. Eine unabhängige Beweisführung für sämtliche erhobenen Vorwürfe ist es jedoch nicht.
Quellen
- PETA Deutschland – Circus Krone in Goslar – knallende Peitschen und verängstigte Großkatzen, Pferde und Hunde: PETA-Video zeigt Tierleid bei aktueller Tour – [https://presseportal.peta.de/circus-krone-in-goslar-knallende-peitschen-und-veraengstigte-grosskatzen-pferde-und-hunde-peta-video-zeigt-tierleid-bei-aktueller-tour/]
- PETA Deutschland – Circus Krone in Kaufbeuren – knallende Peitschen sowie verängstigte Großkatzen, Pferde und Hunde: PETA-Video zeigt Tierleid bei aktueller Tour – [https://presseportal.peta.de/circus-krone-in-kaufbeuren-knallende-peitschen-sowie-veraengstigte-grosskatzen-pferde-und-hunde-peta-video-zeigt-tierleid-bei-aktueller-tour/]
- PETA Deutschland – Circus Krone in Zwickau – knallende Peitschen sowie verängstigte Großkatzen, Pferde und Hunde: PETA-Video zeigt Tierleid – [https://presseportal.peta.de/circus-krone-in-zwickau-knallende-peitschen-sowie-veraengstigte-grosskatzen-pferde-und-hunde-peta-video-zeigt-tierleid/]
- PETA Deutschland – Circus Krone in Hannover – knallende Peitschen sowie verängstigte Großkatzen, Pferde und Hunde: PETA-Video zeigt Tierleid bei aktueller Tour – [https://presseportal.peta.de/circus-krone-in-hannover-knallende-peitschen-sowie-veraengstigte-grosskatzen-pferde-und-hunde-peta-video-zeigt-tierleid-bei-aktueller-tour/]
- PETA Deutschland – Circus Krone in Hamburg – knallende Peitschen sowie verängstigte Großkatzen, Pferde und Hunde: PETA-Video zeigt Tierleid bei aktueller Tour – [https://presseportal.peta.de/circus-krone-in-hamburg-knallende-peitschen-sowie-veraengstigte-grosskatzen-pferde-und-hunde-peta-video-zeigt-tierleid-bei-aktueller-tour/]
- PETA Deutschland – Tierquälerei im Circus Krone: So schlecht geht es den Tieren – [https://www.peta.de/themen/circus-krone/]
- Bundesministerium der Justiz – Tierschutzgesetz, insbesondere §§ 2 und 3 – [https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/]
- GERATI – Tierquälerei: PETA gegen Circus Krone – Zwischen berechtigter Kritik und altbekannter Polemik? – [https://gerati.de/2025/06/11/tierquaelerei-peta-gegen-circus-krone-6rkz/]
- GERATI – PETA Kritik Zirkus: Wenn Vorwürfe lauter sind als Fakten – [https://gerati.de/2025/12/11/peta-kritik-zirkus-kq8g/]
