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Schlagwort: Brandenburger Tor

  • Robert Marc Lehmann: 4.000 Demonstranten behauptet – Polizei zählt nur 2.500

    Robert Marc Lehmann: 4.000 Demonstranten behauptet – Polizei zählt nur 2.500

    5.000 angemeldet, 4.000 öffentlich verkündet und lediglich 2.500 von der Berliner Polizei geschätzt. Die von Robert Marc Lehmann als größte Anti-Zoo-Demonstration der Welt beworbene Veranstaltung vom 4. Oktober 2026 bekommt nachträglich ein erhebliches Zahlenproblem. Während Mitveranstalterin Caroh Weber über Instagram weiterhin eine Erfolgsmeldung mit rund 4.000 Teilnehmern verbreitet, ergibt sich aus einer direkten Anfrage von Philipp J. Kroiß von zoos.media bei der Berliner Polizei ein deutlich anderes Bild. Damit stellt sich eine berechtigte Frage: Warum werden in der Anti-Zoo-Szene wesentlich höhere Teilnehmerzahlen verbreitet als jene, die die Polizei tatsächlich festgestellt hat?

    Besonders bemerkenswert ist der Umgang mit diesen Zahlen, weil Robert Marc Lehmann und sein Umfeld bei ihrer Kritik an zoologischen Einrichtungen regelmäßig auf Fakten und überprüfbare Aussagen pochen. Nun steht ausgerechnet die eigene Demonstration im Mittelpunkt einer Diskussion über Zahlen, öffentliche Darstellung und Glaubwürdigkeit. Die Differenz zwischen Veranstalterangabe und Polizeischätzung beträgt immerhin 1.500 Menschen beziehungsweise 37,5 Prozent. Für eine Veranstaltung, die zuvor mit einem weltweiten Rekordanspruch beworben wurde, ist das keine unbedeutende Abweichung.

    Philipp J. Kroiß erhält die Teilnehmerzahl direkt von der Berliner Polizei

    Am 6. Oktober veröffentlichte Philipp J. Kroiß auf zoos.media den Artikel „Anti-Zoo-Demo in Berlin: Nur halb so viele Teilnehmer wie angemeldet“. Dafür hatte er sich direkt an die Pressestelle der Berliner Polizei gewandt und nach der tatsächlichen Teilnehmerzahl gefragt. Die Antwort fiel deutlich niedriger aus als die zuvor verbreiteten Zahlen der Veranstalter. Nach polizeilicher Einschätzung nahmen in der Spitze rund 2.500 Menschen an der Demonstration teil.

    Die Polizei erklärte gegenüber zoos.media:

    „Nach interner Schätzung der Polizei Berlin nahmen an der Versammlung in der Spitze rund 2500 Menschen teil.“

    Damit liegt erstmals eine behördliche Einschätzung vor, an der sich die öffentlich verbreiteten Teilnehmerangaben messen lassen müssen. Angemeldet waren laut Polizei 5.000 Teilnehmer, tatsächlich erreichte die Veranstaltung nach ihrer Schätzung lediglich die Hälfte dieser Zahl. Selbst gegenüber den von Unterstützern verbreiteten 4.000 Teilnehmern beträgt die Abweichung noch 37,5 Prozent. Aus einem angekündigten Weltrekord wurde damit eine Demonstration, deren Größe deutlich hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückblieb.

    Warum verbreitet Caroh Weber weiterhin 4.000 Teilnehmer?

    Besonders interessant ist die Rolle von Caroh Weber, die als Mitveranstalterin der Berliner Demonstration auftrat. Über ihren Instagram-Account teilte sie eine Veröffentlichung des Online-Magazins This Is Vegan mit der auffälligen Schlagzeile „Rund 4.000 gegen Zoos“. Darunter wurde die Demonstration am Brandenburger Tor als Erfolg präsentiert. Weber bedankte sich in ihrer Instagram-Story ausdrücklich für den Beitrag.

    Das Magazin This Is Vegan hatte am 6. Oktober einen ausführlichen Rückblick unter dem Titel „Anti-Zoo-Demo in Berlin: Tausende folgen Robert Marc Lehmann ans Brandenburger Tor“ veröffentlicht. Darin wird die Zahl von rund 4.000 Teilnehmern ausdrücklich als Schätzung der Veranstalter bezeichnet. Zugleich heißt es in dem Beitrag, es gebe noch keine offizielle Teilnehmerzahl. Die inzwischen von zoos.media veröffentlichte Polizeiauskunft liefert jedoch eine deutlich niedrigere Einschätzung.

    Genau hier beginnt das Problem mit der öffentlichen Darstellung. Eine Mitveranstalterin verbreitet eine Zahl, die deutlich über der inzwischen bekannten Polizeischätzung liegt, und präsentiert sie als positive Bilanz der eigenen Veranstaltung. Statt 4.000 Menschen schätzte die Polizei in der Spitze lediglich 2.500 Teilnehmer. Wer anderen regelmäßig falsche Darstellungen und mangelnde Fakten vorwirft, muss sich deshalb fragen lassen, warum die eigene Erfolgsmeldung nicht mit der polizeilichen Einschätzung übereinstimmt.

    Robert Marc Lehmann legt mit „3.500+“ und einer angeblichen KI-Zählung nach

    Inzwischen hat auch Robert Marc Lehmann selbst eine konkrete Teilnehmerzahl veröffentlicht. In einem Beitrag zur Demonstration schreibt er zunächst von „tausenden friedlichen Menschen“ und ergänzt anschließend ausdrücklich: „Teilnehmeranzahl: ca. 3.500+ (von KI aus Panorama-Aufnahmen ausgezählt und extrem konservativ berechnet)“. Damit präsentiert Lehmann eine weitere Zahl, die wiederum von den zuvor verbreiteten 4.000 Teilnehmern abweicht und gleichzeitig rund 1.000 Menschen beziehungsweise 40 Prozent über der Schätzung der Berliner Polizei liegt. Aus 5.000 angemeldeten Teilnehmern werden damit je nach Quelle 4.000, 3.500+ oder 2.500 Menschen.

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    Screenshot Facebook – Robert Marc Lehmann – Meeresbiologe https://www.facebook.com/20531316728/posts/10154009990506729/

    Die Formulierung mit der künstlichen Intelligenz klingt zunächst nach einer technisch überprüfbaren Berechnung. Genau das ist sie öffentlich bislang jedoch nicht. Lehmann zeigt in seinem Beitrag weder die angebliche Panoramaaufnahme noch erläutert er, welches Bildmaterial ausgewertet wurde, aus welcher Position es aufgenommen wurde oder mit welcher Methode die KI auf mehr als 3.500 Personen gekommen sein soll. Wer eine KI-Auswertung als Beleg für eine Teilnehmerzahl verwendet, müsste wenigstens das Ausgangsmaterial offenlegen, damit sich die Berechnung nachvollziehen lässt.

    Gerade die Frage nach der Panoramaaufnahme ist deshalb entscheidend. Auf den öffentlich verbreiteten Fotos der Demonstration sind zwar zahlreiche Teilnehmer zu sehen, viele Bilder zeigen jedoch dieselben Bereiche aus ähnlichen Perspektiven und eignen sich damit nicht für eine Addition sichtbarer Personen. Andere Aufnahmen zeigen nur die ersten Reihen vor der Bühne oder einzelne Ausschnitte des Versammlungsbereichs. Eine vollständige Panoramaaufnahme, auf der tatsächlich mehrere Tausend Personen gleichzeitig und ohne erhebliche Doppelzählungen erfasst werden könnten, wurde von Lehmann zusammen mit seiner Behauptung nicht präsentiert.

    GERATI hat mehrere der öffentlich verbreiteten Aufnahmen auf ihre Eignung für eine solche Zählung betrachtet. Die Bilder zeigen je nach Perspektive einige Dutzend bis einige hundert sichtbare Personen, wobei sich die abgebildeten Bereiche teilweise erheblich überschneiden. Eine seriöse Hochrechnung auf 3.500 oder mehr Teilnehmer lässt sich aus diesen veröffentlichten Bildern nicht nachvollziehen. Genau deshalb wäre das von Lehmann erwähnte Panorama das entscheidende Beweisstück: Wo ist die Aufnahme, auf deren Grundlage eine KI angeblich „extrem konservativ“ mehr als 3.500 Demonstranten gezählt haben soll?

    Die Berliner Polizei benötigt für ihre Einschätzung jedenfalls keine nachträglich präsentierte KI-Auswertung eines unbekannten Fotos. Sie schätzte die Zahl der Teilnehmer während der Veranstaltung und spricht ausdrücklich von rund 2.500 Menschen in der Spitze. Damit beschreibt die Polizeizahl bereits den höchsten angenommenen Teilnehmerstand und nicht lediglich eine Momentaufnahme zu Beginn oder zum Ende der Veranstaltung. Wenn Lehmann diese Einschätzung mit einer eigenen KI-Zahl widerlegen möchte, wäre es umso einfacher, das dafür angeblich verwendete Panorama und die Berechnung offenzulegen.

    Große Namen angekündigt – doch nicht alle standen auf der Bühne

    Philipp J. Kroiß geht in seiner Recherche noch auf weitere Auffälligkeiten ein. Bereits im Vorfeld waren neben Robert Marc Lehmann prominente Namen wie Sarah Connor, Malte Zierden und Jonas Ems im Zusammenhang mit der Demonstration genannt worden. Kroiß weist darauf hin, dass keiner dieser drei angekündigten Gäste schließlich auf der Bühne stand. Die öffentliche Mobilisierung hatte damit auch Erwartungen erzeugt, die sich beim tatsächlichen Bühnenprogramm nicht erfüllten.

    Hinzu kam die bereits im Vorfeld kritisierte Verwirrung um den Veranstaltungsort. Während in Ankündigungen immer wieder vom Pariser Platz die Rede war, war die Demonstration tatsächlich für den Platz des 18. März angemeldet. Dieser befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des Brandenburger Tors. GERATI hatte diesen Widerspruch bereits in seiner Recherche zur angekündigten Anti-Zoo-Demonstration von Robert Marc Lehmann thematisiert.

    Kroiß bezeichnet die Veranstaltung angesichts der Teilnehmerzahl und des tatsächlichen Ablaufs als deutlich kleiner als ursprünglich angekündigt. Besonders kritisch bewertet er den Versuch, aus der Kundgebung eine außergewöhnlich große Bewegung gegen zoologische Einrichtungen abzuleiten. Die tatsächliche Mobilisierung blieb jedenfalls weit hinter den angemeldeten 5.000 Teilnehmern zurück. Auch der zuvor angekündigte Weltrekord lässt sich mit den veröffentlichten Zahlen nicht belegen.

    Berliner Zoos ziehen täglich ein Vielfaches der Demonstranten an

    Ein besonders aufschlussreicher Vergleich ergibt sich beim Blick auf die Berliner Zoos. Während Robert Marc Lehmann seine Anhänger aus verschiedenen Regionen Deutschlands nach Berlin mobilisierte, verzeichneten Zoo Berlin einschließlich Aquarium und Tierpark Berlin im Jahr 2025 zusammen 4.730.658 Besuche. Diese Zahl stammt aus der offiziellen Jahresbilanz der Zoologischen Gärten Berlin. Rechnerisch entspricht das durchschnittlich rund 12.960 Besuchen pro Kalendertag.

    Damit liegt bereits der rechnerische Tagesdurchschnitt der Berliner zoologischen Einrichtungen bei mehr als dem Fünffachen der polizeilich geschätzten Demonstrantenzahl. Während sich am Brandenburger Tor in der Spitze rund 2.500 Menschen gegen Zoos versammelten, erreichen die Berliner Einrichtungen durchschnittlich nahezu 13.000 Besuche täglich. Dabei handelt es sich ausdrücklich um den Jahresdurchschnitt von 2025 und nicht um eine gesondert erhobene Besucherzahl für den 4. Oktober 2026. Der Größenvergleich bleibt dennoch bemerkenswert.

    Und das betrifft ausschließlich Berlin. Bundesweit erreichen zoologische Einrichtungen jedes Jahr viele Millionen Besucher, die sich für Tiere, Natur und Artenschutz interessieren. Allein die Mitgliedseinrichtungen des Verbands der Zoologischen Gärten verzeichnen jährlich mehr als 42 Millionen Besuche. Vor diesem Hintergrund wirkt die Mobilisierung von 2.500 Menschen gegen Zoos deutlich weniger eindrucksvoll, als es der zuvor verbreitete Weltrekordanspruch vermuten ließ.

    Auch beim Naturschutz gab es eine bemerkenswerte Panne

    Philipp J. Kroiß greift in seinem Nachbericht außerdem einen Vorfall auf, über den GERATI bereits berichtet hatte. Bei der Demonstration wurden offenbar kleine Päckchen mit Pflanzensamen verteilt, die nachträglich teilweise problematische Arten enthalten haben sollen. Über Instagram wurde anschließend dazu aufgerufen, die betreffenden Samen nicht auszusäen, sondern zu entsorgen. Ausgerechnet bei einer Veranstaltung, deren Teilnehmer sich für Natur- und Artenschutz einsetzen wollten, sorgte damit eine gut gemeinte Aktion für erhebliche Irritationen.

    Kroiß nennt in diesem Zusammenhang unter anderem die Gemeine Nachtkerze, eine ursprünglich aus Nordamerika stammende Pflanzenart. Sein Kritikpunkt richtet sich besonders gegen den Umgang mit gebietsfremden Arten und die Risiken einer unkontrollierten Aussaat. Wer sich öffentlich für den Schutz natürlicher Lebensräume einsetzt, sollte bei der Verteilung von Saatgut besondere Sorgfalt walten lassen. Dass Teilnehmer anschließend aufgefordert werden mussten, bereits erhaltene Samen zu entsorgen, passt jedenfalls kaum zum Anspruch einer fachlich vorbereiteten Naturschutzveranstaltung.

    Robert Marc Lehmann und der selbst ausgerufene Weltrekord

    Bereits vor der Demonstration hatte GERATI die ungewöhnlich große Ankündigung von Robert Marc Lehmann kritisch betrachtet. Die Veranstaltung sollte nicht einfach eine Kundgebung gegen Zoos werden, sondern ausdrücklich die größte Anti-Zoo-Demonstration der Welt. Ein solcher Anspruch verlangt nachvollziehbare Vergleichszahlen und eine entsprechend große Mobilisierung. Die inzwischen vorliegende Polizeischätzung liefert dafür jedoch keinen Nachweis.

    Statt der angemeldeten 5.000 Teilnehmer kamen nach Einschätzung der Berliner Polizei in der Spitze rund 2.500 Menschen zusammen. Gleichzeitig verbreiten Unterstützer weiterhin die deutlich höhere Zahl von 4.000 Demonstranten. Die Differenz ist dokumentiert und verdient gerade deshalb Aufmerksamkeit, weil die Veranstalter ihre öffentliche Wirkung selbst immer wieder betonen. Die entscheidende Frage ist nicht, wie eindrucksvoll eine Menschenmenge auf einem Foto erscheint, sondern wie viele Menschen tatsächlich teilgenommen haben.

    Am Ende steht deshalb ein bemerkenswerter Gegensatz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Robert Marc Lehmann kündigte eine weltweite Rekorddemonstration an, Caroh Weber verbreitet eine Erfolgsmeldung mit 4.000 Teilnehmern und die Berliner Polizei schätzt lediglich 2.500 Menschen in der Spitze. Währenddessen erreichen die Berliner Zoos im Jahresdurchschnitt mehr als fünfmal so viele Besuche pro Tag. Wer ständig Faktenchecks von anderen fordert, sollte bei den eigenen Erfolgsmeldungen zunächst mit den Zahlen beginnen.

    Quellen

  • Robert Marc Lehmann Demo Berlin: Erst der falsche Platz, dann sagt auch noch Sarah Connor ab

    Robert Marc Lehmann Demo Berlin: Erst der falsche Platz, dann sagt auch noch Sarah Connor ab

    Groß ankündigen kann jeder

    Robert Marc Lehmann wollte an diesem Sonntag offenbar nicht einfach irgendeine Demonstration gegen Zoos veranstalten. Nein, es musste selbstverständlich gleich die „größte Anti-Zoo-Demo der Welt“ sein. Bescheidenheit war gestern, Weltrekord ist heute. Beworben wurde die Veranstaltung für den 4. Oktober 2026 von 12 bis 15 Uhr auf dem Pariser Platz in Berlin.

    Wer dort heute tatsächlich auf die angekündigte Demonstration wartet, könnte allerdings ein kleines Orientierungsproblem bekommen. Denn die Berliner Polizei führt die Versammlung „Für Tiere in Freiheit“ zur exakt passenden Uhrzeit von 12 bis 15 Uhr auf dem Platz des 18. März. Das ist zwar nur die andere Seite des Brandenburger Tors, aber eben trotzdem ein anderer Platz. Bei der angeblich „größten Anti-Zoo-Demo der Welt“ hätte man vielleicht erwarten dürfen, dass wenigstens der Veranstaltungsort in der öffentlichen Werbung stimmt. Imginn

    Pariser Platz? Fast. Nur einmal durchs Brandenburger Tor

    Geografisch ist die Sache eigentlich nicht besonders kompliziert. Der Pariser Platz liegt auf der Ostseite des Brandenburger Tors in Richtung Unter den Linden, der Platz des 18. März auf der Westseite in Richtung Tiergarten und Straße des 17. Juni. Zwischen beiden steht dieses eher unauffällige Bauwerk namens Brandenburger Tor. Wer also der ursprünglichen Ortsangabe „Pariser Platz“ folgt, steht schlicht auf der falschen Seite.

    Natürlich kann ein Veranstaltungsort geändert werden. Aber genau deshalb wäre es bei einer mit maximaler Reichweite beworbenen Veranstaltung nicht ganz unwichtig, die eigene Community auch entsprechend eindeutig auf den tatsächlichen Ort hinzuweisen. Gerade wenn gleichzeitig mit Begriffen wie „größte Anti-Zoo-Demo der Welt“ gearbeitet wird, wirkt dieses Durcheinander unfreiwillig komisch. Große Worte vorne, Kleingedrucktes hinten.

    GERATI hatte bereits vor der Veranstaltung hinterfragt, warum Robert Marc Lehmann seine Anti-Zoo-Demonstration überhaupt am Brandenburger Tor inszeniert und welche Aussagekraft die großspurige Rekordankündigung tatsächlich hat. Mehr dazu hier: Robert Marc Lehmann Anti-Zoo-Demonstration Berlin: Warum am Brandenburger Tor statt vor einem Zoo?

    Dann sagt auch noch Sarah Connor ab

    Und als wäre die Sache mit dem Veranstaltungsort nicht schon genug, gab es unmittelbar vor der Demo noch einen weiteren Dämpfer. Sarah Connor, die im Zusammenhang mit der Veranstaltung als prominente Unterstützerin auftrat, sagte ihre persönliche Teilnahme kurzfristig ab. Damit fehlt ausgerechnet einer der Namen, der außerhalb der eigenen Anti-Zoo-Blase zusätzliche Aufmerksamkeit hätte bringen können.

    Gerade für eine Veranstaltung, die von Beginn an möglichst groß, möglichst bedeutend und möglichst rekordverdächtig erscheinen sollte, ist das keine Nebensache. Ein prominenter Name wie Sarah Connor sorgt nicht nur für zusätzliche Reichweite, sondern auch für Presseinteresse und Besucher, die mit Robert Marc Lehmann selbst möglicherweise gar nicht viel anfangen können. Fällt dieser Faktor unmittelbar vor Beginn weg, wird aus dem angekündigten Star-Auflauf schnell wieder deutlich mehr Eigenpublikum.

    Und die Ironie lässt sich kaum übersehen. Erst heißt es „größte Anti-Zoo-Demo der Welt“, dann stimmt der beworbene Platz nicht mit der aktuellen Polizeiliste überein, und unmittelbar vor der Veranstaltung fällt auch noch eine der prominentesten Unterstützerinnen aus. Für einen angeblichen Weltrekordversuch läuft das Warm-up zumindest bemerkenswert unrund.

    Wenn aus Weltrekord-Marketing plötzlich Schadensbegrenzung wird

    Natürlich macht eine einzelne Absage eine Demonstration nicht automatisch klein. Das wäre genauso unseriös wie die Behauptung, eine Veranstaltung sei schon vor Beginn die größte ihrer Art weltweit. Aber genau hier liegt das Problem der eigenen Inszenierung: Wer die Erwartungen künstlich maximal hochschraubt, macht jeden Rückschlag automatisch größer.

    Hätte man einfach zu einer Anti-Zoo-Demonstration in Berlin aufgerufen, wäre eine kurzfristige Absage einer prominenten Unterstützerin kaum bemerkenswert. Wer dagegen mit „größte Anti-Zoo-Demo der Welt“ wirbt, stellt sich selbst auf eine Bühne, auf der plötzlich jede Lücke sichtbar wird. Dann wird eben auch interessant, wer tatsächlich kommt, wer absagt und wie viele Menschen am Ende wirklich auf dem Platz stehen.

    Das ist übrigens kein Angriff auf das Demonstrationsrecht. Robert Marc Lehmann und seine Unterstützer dürfen selbstverständlich gegen Zoos demonstrieren. Sie dürfen auch prominente Unterstützer einladen und möglichst viele Menschen mobilisieren. Aber sie dürfen nicht erwarten, dass großspuriges Marketing anschließend einfach als Tatsache übernommen wird.

    Auf dem Pariser Platz findet später tatsächlich eine andere Demo statt

    Die Sache mit dem Ort bekommt noch eine zusätzliche Pointe. Die Berliner Polizei führt am selben Tag ab 15 Uhr auf dem Pariser Platz tatsächlich eine andere Versammlung. Die Anti-Zoo-Demo ist dagegen für 12 bis 15 Uhr auf dem Platz des 18. März gelistet. Damit liegen am selben Nachmittag tatsächlich zwei unterschiedliche Versammlungen auf zwei unterschiedlichen Seiten des Brandenburger Tors.

    Wer ausschließlich der ursprünglichen Lehmann-Werbung mit „Pariser Platz Berlin“ folgt, könnte daher problemlos am falschen Ort landen. Und wer dort etwas länger wartet, bekommt ab 15 Uhr sogar noch eine völlig andere politische Kundgebung geliefert. Mehr Kontrast zwischen Werbegrafik und tatsächlicher Versammlungslage bekommt man vermutlich selbst mit professionellem Storytelling kaum hin.

    Bemerkenswert ist dabei vor allem eines: Die Veranstaltung selbst wurde mit einer Präzision beworben, die an Superlativen nichts vermissen ließ. Weltgrößte Demo, große Namen, große Aufmerksamkeit. Nur beim banalen Detail, auf welcher Seite des Brandenburger Tors das Ganze stattfindet, wurde es offenbar etwas schwieriger.

    Weltrekord zuerst, Teilnehmer zählen später

    Auch die Formulierung „größte Anti-Zoo-Demo der Welt“ bleibt vor Beginn vor allem eines: ein Werbeclaim. Welche internationalen Demonstrationen dafür verglichen wurden, welche Teilnehmerzahlen als Referenz dienen und nach welchen Kriterien dieser Weltrekord überhaupt festgestellt werden soll, wird in der öffentlichen Bewerbung nicht erklärt. Der Titel steht also bereits fest, bevor überhaupt jemand gezählt wurde.

    Vielleicht ist das inzwischen die moderne Variante des Aktivismus: Erst kommt die Schlagzeile, danach kommt die Realität. Erst wird der Weltrekord ausgerufen, danach schaut man, wie viele Menschen tatsächlich erscheinen. Und wenn am Ende weniger Menschen als erhofft kommen, findet sich vermutlich irgendeine andere Kennzahl, mit der sich trotzdem ein Erfolg verkünden lässt.

    GERATI hat diese Art der Inszenierung bei Robert Marc Lehmann schon mehrfach kritisch betrachtet. Auch bei früheren Auseinandersetzungen rund um Zoos gehörten maximale Zuspitzung und größtmögliche öffentliche Aufmerksamkeit regelmäßig zum Konzept. Mehr dazu: Meinungsfreiheit à la Robert Marc Lehmann?

    Entscheidend ist nicht Instagram, sondern der Platz

    Am Ende bleibt deshalb nur eine wirklich interessante Zahl: Wie viele Menschen waren tatsächlich da? Nicht Likes, nicht Shares, nicht Follower und nicht irgendwelche hochgerechneten Reichweiten. Menschen auf dem Platz.

    Gerade bei einer derart groß angekündigten Veranstaltung sollte anschließend genau hingeschaut werden. Veranstalterzahlen, Polizeischätzungen, Fotos und die tatsächlich gefüllte Fläche lassen sich miteinander vergleichen. Dann wird sich zeigen, ob aus dem vollmundigen „größte Anti-Zoo-Demo der Welt“ tatsächlich ein Ereignis entsprechender Größenordnung wurde oder lediglich ein besonders großes Social-Media-Versprechen.

    Sarah Connors kurzfristige Absage macht diesen Vergleich nur noch interessanter. Einer der prominentesten Namen fällt aus, der beworbene Veranstaltungsort stimmt nicht mit dem offiziellen Eintrag der Polizei überein, und trotzdem steht über allem weiterhin der Weltrekord-Claim. Mehr Fallhöhe kann man sich eigentlich kaum selbst bauen.

    Zwischen Anspruch und Realität steht heute das Brandenburger Tor

    Robert Marc Lehmann darf seine Veranstaltung selbstverständlich so offensiv bewerben, wie er möchte. Aber wer mit maximalen Superlativen arbeitet, muss sich anschließend auch daran messen lassen. Genau das wird GERATI tun.

    Heute reicht dafür zunächst ein Blick auf zwei Seiten des Brandenburger Tors. Pariser Platz beworben, Platz des 18. März offiziell gelistet. Prominente Unterstützung angekündigt, Sarah Connor kurzfristig nicht persönlich dabei. Weltgrößte Anti-Zoo-Demo ausgerufen, tatsächliche Teilnehmerzahl noch abzuwarten.

    Dazwischen steht das Brandenburger Tor. Und selten hat ein Berliner Bauwerk Anspruch und Realität so praktisch voneinander getrennt.

    Quellen