Der Ponnath Traditionshof in Wulfersdorf bei Wittstock-Dosse in Brandenburg ist eröffnet worden. Die Ponnath Family Group, der Landwirtschaftsbetrieb Grünhagen und Brand Qualitätsfleisch bauen damit eine integrierte Bio-Naturland-Lieferkette für Schweinefleisch auf. Sie soll Ferkelerzeugung, Mast, Schlachtung, Zerlegung und Verarbeitung miteinander verbinden. Für Verbraucher bedeutet die Eröffnung allerdings noch keinen unmittelbaren Verkaufsstart: Erste Bio-Schweinefleischprodukte aus den dort erzeugten Tieren sind für das dritte Quartal 2027 vorgesehen.
Arbeitsteilung über den Hof hinaus
Der Traditionshof ist der Ausgangspunkt einer Zusammenarbeit mehrerer Betriebe, nicht der Standort sämtlicher Produktionsschritte. Grünhagen übernimmt die landwirtschaftliche Erzeugung und Ferkelaufzucht. Die anschließende Mast soll zunächst in Naturland-zertifizierten Betrieben erfolgen. Brand Qualitätsfleisch ist für Schlachtung und Zerlegung in Lohne zuständig, während Ponnath Verarbeitung und Distribution übernimmt. Der Begriff der integrierten Lieferkette beschreibt hier somit die Verbindung unterschiedlicher Partner und Standorte.
Am Aufbau der Sauenherde ist nach eigener Darstellung auch das Unternehmen PIC als ausgewählter Genetikpartner beteiligt. Die Zusammenarbeit umfasst demnach die Erstbestückung der Bio-Sauenanlage mit Zuchttieren und die Begleitung des Gesamtkonzepts von Beginn an. Darüber hinaus soll PIC die spätere Remontierung übernehmen, also den Ersatz ausscheidender Zuchttiere durch nachrückende Tiere. Damit reicht die beschriebene Partnerschaft über die erste Lieferung hinaus: Sie soll die Entwicklung der Herde auch während weiterer Ausbauphasen begleiten.
Für die Sauenanlage werden rund 500 Muttersauen genannt. Nach Angaben der Projektpartner soll sie etwa 225 Ferkel pro Woche liefern; perspektivisch sind bis zu 14.000 Ferkel jährlich vorgesehen. Für die nachgelagerte Mast werden langfristig rund 6.500 Naturland-Mastplätze benötigt. Diese Zahl bezeichnet Mastplätze entlang der Lieferkette und darf nicht mit dem Sauenbestand in Wulfersdorf verwechselt werden. Für beteiligte Mastbetriebe liegt darin ein konkreter Anknüpfungspunkt: Der Aufbau der Ferkelerzeugung ist mit einem Bedarf an zertifizierten Plätzen für die weitere Aufzucht verbunden.
Auslauf und 42 Tage Säugezeit
Die Bio- und Naturland-zertifizierte Anlage erstreckt sich über rund 55.000 Quadratmeter. Etwa 24.000 Quadratmeter entfallen auf Gebäude, bauliche Anlagen und Verkehrsflächen. Nach der Projektbeschreibung stehen im Aufzuchtstall jeweils drei ferkelführenden Sauen zusammen 24 Quadratmeter Auslauf zur Verfügung, rechnerisch acht Quadratmeter je Sau. Die Säugezeit beträgt 42 Tage. Außenklimareize gehören ebenfalls zum Haltungskonzept und sollen nach Darstellung der Projektpartner das Tierwohl fördern.
Neben der Haltung umfasst das Konzept auch die Versorgung mit Futter und den Umgang mit Nährstoffen. Vorgesehen sind hofeigene Futtererzeugung und geschlossene Nährstoffkreisläufe. Damit wollen die Beteiligten ihre Abhängigkeit von Schwankungen an den Rohstoffmärkten verringern. Das ist ein wirtschaftliches Ziel des Projekts und keine Zusage unveränderlicher Produktionskosten. Die Partner verbinden ihre Haltungsplanung damit ausdrücklich mit der Frage, wie sich die Erzeugung langfristig organisieren lässt.
Zwischen Eröffnung und Marktstart liegt der Produktionsaufbau
Die feierliche Eröffnung und die Fertigstellung der Anlage sind unterschiedliche Schritte. Nach der Projektplanung soll die Anlage Ende 2026 fertiggestellt sein. Erste Ferkel werden ab dem ersten Quartal 2027 erwartet, die Verarbeitung zu Bio-Schweinefleischprodukten ist ab dem dritten Quartal vorgesehen. Der Zeitplan macht die praktische Reihenfolge deutlich: Auf die Ferkelerzeugung folgen zunächst Mast und Schlachtung, bevor Produkte in den Handel gelangen können. Der angekündigte Marktstart bleibt entsprechend eine Planung für 2027.
Das Investitionsvolumen liegt bei rund zehn Millionen Euro. Das Vorhaben erhält Förderung aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds zur Entwicklung des ländlichen Raums, kurz ELER, und wird durch Mittel des Landes Brandenburg kofinanziert. Damit spielt öffentliche Finanzierung beim Aufbau dieser Tierhaltung eine konkrete Rolle. Für den späteren Absatz richtet sich der Blick der Beteiligten dagegen auf den Lebensmittelhandel. Wilhelm Heilmann, Geschäftsführer der Naturland Zeichen GmbH, fordert für heimisches Bio-Schweinefleisch faire Preise und langfristige Abnahmezusagen.
Heilmanns Forderung benennt die wirtschaftliche Anschlussfrage zur neuen Anlage: Wer nimmt die geplanten Mengen zu welchen Bedingungen ab? Michael Ponnath sieht in dem Projekt eine transparente und langfristige Grundlage für Bio-Naturland-Schweinefleischprodukte aus Deutschland. Die Partner wollen verlässliche Mengen mit hohen Tierwohlstandards und mehr Transparenz verbinden. Ob daraus dauerhaft ein tragfähiges Angebot wird, entscheidet sich deshalb auch an der Verbindung zum Handel: Die geplante Erzeugung braucht passende Abnehmer, nicht allein fertige Stallgebäude.
Quellen
- oberpfalz-aktuell.com – Ponnath Traditionshof: Bio-Naturland-Fleisch aus Deutschland – Oberpfalz-Aktuell – https://www.oberpfalz-aktuell.com/artikel/ponnath-traditionshof-bio-naturland-fleisch-aus-deutschland
- rundschau.de – Integrierte Bio-Lieferkette: Ponnath eröffnet Traditionshof – rundschau.de – https://rundschau.de/produzenten/integrierte-bio-lieferkette-ponnath-eroeffnet-traditionshof/
- picdeutschland.de – Bio-Schweineproduktion neu gedacht: Ein integriertes Projekt mit Perspektive – PIC Germany – https://www.picdeutschland.de/2026/10/16/bio-schweineproduktion-neu-gedacht-ein-integriertes-projekt-mit-perspektive/
