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Schlagwort: Baltensperger Zoo Zürich

  • Pantanal-Voliere Zoo Zürich: Bau wird nach monatelanger Pause fortgesetzt

    Pantanal-Voliere Zoo Zürich: Bau wird nach monatelanger Pause fortgesetzt

    Nach monatelangem Stillstand kommt beim Bau der Pantanal-Voliere im Zoo Zürich wieder Bewegung in das Projekt. Zwei neue Stahlbauunternehmen aus der Slowakei und Italien haben die Arbeiten übernommen, nachdem die Zusammenarbeit mit dem ursprünglichen Auftragnehmer Baltensperger gescheitert war. Erste Stahlelemente für die außergewöhnliche Konstruktion werden inzwischen geliefert. Einen neuen Termin für die Eröffnung der Anlage nennt der Zoo weiterhin nicht.

    Zwei Spezialfirmen übernehmen den Stahlbau

    Der Zoo Zürich hatte bereits im Mai 2026 bekannt gegeben, dass die slowakische Stakotra Manufacturing s.r.o. und die italienische Cimolai S.p.A. mit der Fertigstellung der Stahlkonstruktion beauftragt wurden. Beide Unternehmen arbeiten parallel, übernehmen jedoch unterschiedliche Aufgaben. Stakotra soll die Unterkonstruktion herstellen und montieren sowie später die Bogenträgerelemente montieren, während Cimolai rund 60 einzelne Bogenteile produziert.

    Vor der endgültigen Vergabe mussten beide Unternehmen nach Angaben des Zoos Probeelemente im Maßstab 1:1 herstellen. Diese Werkstücke mussten innerhalb der vorgegebenen Toleranzen und des verlangten Zeitrahmens gefertigt werden. Der Zoo erklärte anschließend, beide Unternehmen hätten diese Anforderungen erfüllt. Mit dem Eintreffen erster Bauteile auf dem Zoogelände wird nun sichtbar, dass die unterbrochene Stahlbauphase tatsächlich wieder anlaufen kann.

    Bemerkenswert ist dabei, dass sich der Zoo nach dem Scheitern mit einem Schweizer Unternehmen bewusst für zwei international tätige Spezialisten entschieden hat. Stakotra fertigt unter anderem hochpräzise Konstruktionen für Industrieanlagen und Achterbahnen. Cimolai ist an internationalen Großprojekten beteiligt und verfügt ebenfalls über Erfahrung mit technisch anspruchsvollen Stahlkonstruktionen.

    Der Streit mit Baltensperger bleibt ungeklärt

    Die vorherige Zusammenarbeit mit der Baltensperger AG aus Höri war Ende 2025 eskaliert. Nach Darstellung des Zoo Zürich habe das Unternehmen die vertraglich vereinbarten Anforderungen hinsichtlich technischer Toleranzen, Terminen und Kosten nicht ausreichend erfüllt. Der Zoo erklärte später, dass insbesondere bei der Fertigung der komplizierten Unterkonstruktion erhebliche Verzögerungen und Abweichungen aufgetreten seien.

    Baltensperger widersprach dieser Darstellung. Das Unternehmen argumentierte unter anderem, das Projekt habe sich gegenüber dem ursprünglich vereinbarten Rahmen erheblich verändert und die Anforderungen seien mit der ursprünglichen Planung und Kalkulation nicht vereinbar gewesen. Auch über bereits produzierte Stahlbogenteile kam es anschließend zu keiner Einigung zwischen beiden Seiten.

    Der Zoo entschied schließlich, die bereits bei Baltensperger produzierten Bogenteile nicht weiterzuverwenden. Auch die neuen Auftragnehmer wollten diese nach Angaben des Zoos nicht übernehmen, weil deren tatsächliche Fertigungsqualität und Maßhaltigkeit nicht ausreichend beurteilt werden könnten. Die unterschiedlichen Darstellungen des Zoos und des ehemaligen Auftragnehmers zum Scheitern der Zusammenarbeit bleiben damit bestehen.

    11.000 Quadratmeter und bis zu 35 Meter Höhe

    Die Pantanal-Voliere gehört zu den technisch aufwendigsten Bauvorhaben im Entwicklungsplan 2050 des Zoo Zürich. Die Anlage entsteht auf einer Fläche von rund 11.000 Quadratmetern und soll an ihrer höchsten Stelle etwa 35 Meter erreichen. Zehn weit gespannte Stahlbögen bilden später die tragende Konstruktion der Voliere, deren Inneres weitgehend ohne störende Stützpfeiler auskommen soll.

    Über die Bögen wird ein etwa 13.500 Quadratmeter großes Gitternetz gespannt. Nach Angaben des Zoos ergibt sich für die Stahlbögen und das Netz zusammen eine Gesamtlast von rund 1.400 Tonnen, die über den Rand der Konstruktion abgetragen werden muss. Gerade die Kombination aus großen Spannweiten, geringen Fertigungstoleranzen und einer möglichst freien Fläche im Inneren macht den Stahlbau technisch anspruchsvoll.

    Der dadurch entstehende große Luftraum ist allerdings kein Selbstzweck. Die geplante Konstruktion soll insbesondere verschiedenen Vogelarten deutlich größere Flugräume ermöglichen und gleichzeitig unterschiedliche südamerikanische Tierarten in einem gemeinsamen, naturnah gestalteten Lebensraum zusammenführen.

    Mehr als 15 gefährdete Tierarten vorgesehen

    Der Zoo plant für die Pantanal-Anlage mehr als 15 gefährdete Tierarten. Genannt werden unter anderem Hyazintharas, Rotschwanzamazonen und Sonnensittiche sowie Flachlandtapire und Ameisenbären. Mehrere Arten sollen innerhalb des großflächigen Lebensraums gemeinsam gehalten werden.

    Gerade für die Vögel ist der weitgehend stützenfreie Luftraum von besonderer Bedeutung. Schwärme sollen sich innerhalb der bis zu 35 Meter hohen Anlage großräumiger bewegen können, als dies in klassischen kleineren Volieren möglich wäre. Gleichzeitig sieht der Zoo die Anlage als Bestandteil seiner Arbeit in Artenschutz, Forschung und Bildung.

    Mit dem Projekt ist auch die Beteiligung an Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen verbunden. Der Zoo Zürich koordiniert beispielsweise selbst das entsprechende Programm für den Hyazinthara und arbeitet beim Schutz dieser Art mit dem Instituto Arara Azul im brasilianischen Pantanal zusammen.

    Von 2025 über 2028 bis zu einem offenen Termin

    Die Verzögerungsgeschichte der Pantanal-Voliere begann bereits lange vor dem Streit mit Baltensperger. In frühen Planungen des Entwicklungsplans war eine Eröffnung Mitte dieses Jahrzehnts vorgesehen. Nach Einsprachen und dem entsprechenden Baurekurs verschob sich der Zeitplan zunächst deutlich.

    Nachdem das Baurekursgericht die Bewilligung bestätigt hatte, begannen im März 2024 die eigentlichen Bauarbeiten. Im Herbst 2024 waren die Erd-, Abbruch- und wesentlichen Vorbereitungsarbeiten weitgehend abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt plante der Zoo die Eröffnung für das Frühjahr 2028.

    Dieser Termin ist inzwischen ebenfalls überholt. Durch die monatelange Unterbrechung der Stahlbauarbeiten und die notwendige Neuvergabe lässt sich nach Angaben des Zoos derzeit kein belastbarer neuer Eröffnungstermin nennen. Erst der weitere Verlauf der Stahlfertigung und Montage dürfte zeigen, wie groß die tatsächliche Verzögerung am Ende ausfällt.

    Neustart mit erheblichem technischem Aufwand

    Dass nun wieder Stahlelemente für die Pantanal-Voliere produziert und angeliefert werden, ist deshalb ein wichtiger Schritt für das festgefahrene Großprojekt. Die entscheidende Phase beginnt jedoch erst mit der Montage der Unterkonstruktion und anschließend der gewaltigen Stahlbögen. Danach folgen Netzmontage, Innenausbau, Bepflanzung und die Vorbereitung der Tierbereiche.

    Der Zoo Zürich muss dabei zeigen, dass die Probleme der ersten Stahlbauphase mit den neuen Auftragnehmern tatsächlich überwunden sind. Die beiden Unternehmen haben ihre technische Leistungsfähigkeit bei den vom Zoo verlangten Probeelementen nachgewiesen. Ob sich das auch beim gesamten Bauwerk und unter realen Baustellenbedingungen bestätigt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

    Für die Tiere könnte am Ende eine außergewöhnlich groß dimensionierte Anlage entstehen, die insbesondere den Vogelarten erheblichen Flugraum bietet. Bevor Papageien, Tapire und andere Bewohner dort einziehen können, wartet auf den Zoo jedoch noch eine der technisch anspruchsvollsten Etappen des gesamten Projekts.

    Quellen