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Schlagwort: Bärenpopulation Rumänien

  • Rumänien verdoppelt Abschussquote für Bären trotz Kritik

    Rumänien verdoppelt Abschussquote für Bären trotz Kritik

    Bis zu 969 Bären dürfen abgeschossen werden

    Rumänien hat die Abschussquote für Bären im Jahr 2026 verdoppelt. Nach dem neuen Gesetz dürfen bis zu 969 Tiere getötet werden. Die Regierung begründet den Schritt mit zahlreichen Angriffen und zunehmenden Konflikten zwischen Bären und Menschen.

    Die Entscheidung fiel trotz des Widerstands von Staatspräsident Nicusor Dan. Dan hatte den Gesetzentwurf zunächst wegen möglicher Verstöße gegen EU-Recht beim rumänischen Verfassungsgericht angefochten. Das Gericht wies seine Beanstandung zurück. Anschließend schickte der Präsident das Vorhaben zur erneuten Beratung an das Parlament, doch die Volksvertretung hielt an ihrem früheren Beschluss fest. Danach unterzeichnete Dan das bereits im September verabschiedete Gesetz.

    Deutlicher Anstieg gegenüber 2024

    Der Vergleich mit den Abschussquoten von 2024 zeigt die Ausweitung der Regelung. Damals lag die Präventionsquote bei 426 Bären; bei Gefährdung von Menschen waren zusätzlich 55 Abschüsse vorgesehen. Für 2026 summieren sich beide Kategorien nun auf 969 Tiere. Das entspricht mehr als dem Doppelten der damaligen Gesamtzahl von 481 Abschüssen.

    Nach Schätzungen des rumänischen Umweltministeriums leben im Land etwa 12.800 Bären. Diese Zahl liegt demnach mehr als doppelt über dem Bestand, der als ökologisch vertretbar gilt. Rumänien besitzt damit die zweitgrößte Bärenpopulation Europas nach Russland. Die Quote betrifft allerdings nicht jedes Gebiet gleichermaßen: Wo die Jagd grundsätzlich verboten ist, bleibt auch der Abschuss von Bären untersagt.

    Für Gemeinden und Menschen in betroffenen Regionen hat die Entscheidung unmittelbare Bedeutung. Bären dringen laut dem Bericht wiederholt in Höfe ein, reißen Schafe und suchen in der Nähe von Städten nach Nahrung. Zugleich können Schutzmaßnahmen wie gesicherte Mülltonnen, Elektrozäune oder das Entfernen von Obstbäumen die Abschussregelung ergänzen, aber nicht automatisch ersetzen. Gerade dort, wo Menschen, Landwirtschaft und Tourismus eng an Bärenlebensräume grenzen, entscheidet deshalb die konkrete Umsetzung über die Sicherheitswirkung des Gesetzes.

    Tierschutzgesellschaft fordert Prüfung durch Brüssel

    Die Welttierschutzgesellschaft kritisiert die Verdopplung der Quote. Sie startete eine Petition an die EU-Kommission und verlangt darin, dass die wissenschaftliche Grundlage der rumänischen Argumentation sowie die Rechtmäßigkeit des neuen Gesetzes überprüft werden. Das ist eine Forderung der Organisation und keine bereits festgestellte Rechtswidrigkeit der Regelung.

    Die Kritik richtet sich damit auf zwei unterschiedliche Ebenen: auf die Frage, ob die Populations- und Gefährdungsdaten die Zahl der Abschüsse tragen, und auf die Vereinbarkeit des Gesetzes mit europäischem Naturschutzrecht. Eine Entscheidung der EU-Kommission über die Petition wird in der Meldung nicht genannt. Ebenso bleibt offen, welche konkreten wissenschaftlichen Berechnungen die Regierung ihrer Quote zugrunde legt.

    Konflikte reichen bis in touristische Gebiete

    Die Auseinandersetzungen sind nicht auf abgelegene Wälder beschränkt. Erst wenige Tage vor der aktuellen Entscheidung wurde im siebenbürgischen Dorf Hoghiz nahe Brașov ein 55 Jahre alter Bauer bei der Arbeit auf einem Maisfeld von einem Bären getötet. Seine Ehefrau, die ebenfalls am Ort des Angriffs war, konnte sich nach der Darstellung im letzten Moment retten.

    Auch touristisches Verhalten verschärft die Nähe zwischen Mensch und Tier. Behörden beklagen, dass Besucher trotz Verbots Bären füttern und die Tiere dadurch an menschliche Nähe gewöhnen. Im Sommer 2025 wurde ein italienischer Tourist an der Karpaten-Passstraße Transfăgărășan von einer Bärin getötet, nachdem er das Tier gefüttert hatte. Im Kurort Băile Tușnad setzen Kommunen nach dem Bericht auf Schutzmaßnahmen; dennoch kam es dort im vergangenen Sommer erneut zu einer gefährlichen Begegnung zwischen einem Bären und einem Jogger.

    Der politische Streit ist damit nicht nur eine Abstimmung über eine Zahl. Rumänien verbindet die hohe Bärenpopulation mit dem Ziel, Menschen besser zu schützen; Tierschützer verlangen dagegen eine überprüfbare wissenschaftliche und rechtliche Grundlage. Solange Brüssel dazu keine Bewertung abgegeben hat, bleibt genau diese Begründung der zentrale offene Punkt der neuen Abschussregelung.

    Quellen