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Schlagwort: Anti-Zoo-Demo Berlin

  • Robert Marc Lehmann und seine Lügen zur Anti-Zoo-Demo: Was die Polizei wirklich aufgedeckt hat

    Robert Marc Lehmann und seine Lügen zur Anti-Zoo-Demo: Was die Polizei wirklich aufgedeckt hat

    Robert Marc Lehmann wirft anderen regelmäßig vor, die Öffentlichkeit mit falschen Informationen zu täuschen. Er präsentiert sich als kompromissloser Aufklärer, der angebliche Lügen und Missstände in zoologischen Einrichtungen aufdeckt. Doch ausgerechnet bei seiner eigenen Anti-Zoo-Demonstration am 4. Oktober 2026 in Berlin verbreitete er Aussagen, die einer Überprüfung anhand offizieller Polizeidokumente nicht standhalten. Eine angeblich von der Polizei angeordnete Verlegung, eine falsche Ortsangabe und deutlich überhöhte Teilnehmerzahlen werfen erhebliche Fragen nach seiner Glaubwürdigkeit auf. GERATI erhebt deshalb den Vorwurf, dass Lehmann die Öffentlichkeit über wesentliche Umstände seiner Demonstration in die Irre geführt hat.

    Robert Marc Lehmann und die Geschichte von der angeblichen Polizeiverlegung

    Am 4. Oktober 2026 versammelten sich Gegner zoologischer Einrichtungen am Brandenburger Tor in Berlin. Über Wochen war die Veranstaltung beworben worden, unter anderem mit dem Hinweis auf den Pariser Platz. Auch Robert Marc Lehmann und sein Umfeld nannten diesen Veranstaltungsort. Wer den Ankündigungen folgte, musste davon ausgehen, dass die Demonstration auf der östlichen Seite des Brandenburger Tores stattfinden würde.

    Tatsächlich standen die Demonstranten jedoch auf der gegenüberliegenden Seite, auf dem Platz des 18. März. Lehmann erklärte den Ortswechsel in einem Video nach der bisherigen GERATI-Auswertung mit einer angeblichen Entscheidung der Berliner Polizei. Der Pariser Platz könne nicht genügend Menschen aufnehmen, weshalb die Polizei die Veranstaltung verlegt habe. Damit gab er seinem Publikum eine Erklärung, die den Ortswechsel als behördliche Maßnahme erscheinen ließ.

    Philipp J. Kroiß von zoos.media wollte wissen, was die Polizei tatsächlich über die Veranstaltung wusste. Er fragte direkt bei der zuständigen Behörde nach und veröffentlichte die erhaltenen Informationen am 6. Oktober 2026. Die Berliner Polizei bestätigte den Platz des 18. März als angemeldeten Veranstaltungsort. Genau dort hatte die Demonstration auch stattgefunden.

    Das ist der entscheidende Punkt dieser Geschichte. Lehmann sprach von einer angeblichen polizeilichen Verlegung, während die veröffentlichte Auskunft den Platz des 18. März als Anmeldeort bestätigt. Eine behördliche Anordnung, mit der eine bereits für den Pariser Platz angemeldete Demonstration verlegt worden wäre, ist durch diese Auskunft nicht dokumentiert. Seine öffentlich verbreitete Erklärung wird damit von dem vorliegenden Polizeinachweis nicht getragen.

    Warum wurde der Pariser Platz überhaupt öffentlich beworben?

    Die falsche Ortsangabe war keine nebensächliche Information, die erst nach der Veranstaltung auftauchte. Schon im Vorfeld wurde der Pariser Platz als Veranstaltungsort genannt, und verschiedene Unterstützer verbreiteten diese Ankündigung weiter. Auch Medien griffen die Angaben auf. Der bekannte Platz direkt vor dem Brandenburger Tor gehörte damit zur öffentlichen Werbung für die Demonstration.

    GERATI berichtete bereits am 15. September 2026 über Robert Marc Lehmanns geplante Anti-Zoo-Demonstration in Berlin. Auch damals wurde der öffentlich angekündigte Pariser Platz als Veranstaltungsort genannt. Die später von Kroiß recherchierte Polizeiauskunft machte deutlich, dass diese Information nicht dem bestätigten Anmeldeort entsprach. Wer für die Veranstaltung auf dem Pariser Platz warb, verbreitete damit eine falsche Angabe über den angemeldeten Ort.

    Dass beide Plätze unmittelbar am Brandenburger Tor liegen, ist für diese Feststellung unerheblich. Der Pariser Platz und der Platz des 18. März sind zwei unterschiedliche Veranstaltungsflächen. Wer einen konkreten Veranstaltungsort ankündigt, muss sich daran messen lassen, ob diese Angabe stimmt. Bei der Berliner Anti-Zoo-Demonstration stimmten öffentliche Werbung und bestätigte Anmeldung nicht überein.

    Noch problematischer ist, wie dieser Widerspruch anschließend erklärt wurde. Statt lediglich die abweichende Ortsangabe richtigzustellen, führte Lehmann eine angebliche Polizeientscheidung an. Damit wurde die Verantwortung für die Änderung des Veranstaltungsortes einer Behörde zugeschrieben. Genau diese Darstellung steht nun im Mittelpunkt der Kritik von GERATI.

    Die Berliner Polizei dokumentierte selbst 9.000 Menschen auf dem Pariser Platz

    Lehmann begründete den angeblichen Ortswechsel nach der von GERATI ausgewerteten Aussage mit einer Kapazitätsgrenze von 5.000 Menschen auf dem Pariser Platz. Diese Darstellung lässt sich anhand einer offiziellen Polizeimeldung überprüfen. Bereits am 1. Mai 2022 fand auf genau diesem Platz eine Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes statt. Die Berliner Polizei veröffentlichte dazu am folgenden Tag ihre Pressemitteilung Nr. 0958.

    Darin dokumentierte die Behörde bei der DGB-Kundgebung in der Spitze rund 9.000 Versammelte. Der Ort wurde ausdrücklich als Pariser Platz bezeichnet. Das ist keine Zahl aus der Werbung der Gewerkschaft und auch keine Berechnung von GERATI. Die Berliner Polizei selbst hielt diese Teilnehmerzahl in ihrer offiziellen Einsatzbilanz fest.

    Damit liegt ein amtlicher Gegenbeleg zu der pauschalen Behauptung vor, auf dem Pariser Platz könnten grundsätzlich nur 5.000 Menschen zusammenkommen. Die zuständige Behörde dokumentierte selbst eine deutlich größere Versammlung. Gerade weil Lehmann sich bei seiner Erklärung auf die Polizei berief, ist dieser Widerspruch besonders bemerkenswert. Seine vereinfachte Darstellung der Platzkapazität passt nicht zu den veröffentlichten Erfahrungen der Behörde.

    Für GERATI ist das ein wesentlicher Bestandteil des Lügenvorwurfs. Lehmann präsentierte seinem Publikum eine konkrete Begründung für den angeblichen Ortswechsel. Die bekannten Polizeidokumente zeigen jedoch, dass die angeführte pauschale Kapazitätsgrenze nicht zutrifft. Ein Influencer, der selbst regelmäßig andere wegen angeblich falscher Informationen angreift, muss sich diese Diskrepanz vorhalten lassen.

    Bei einer CSD-Gedenkveranstaltung war sogar von bis zu 10.000 Menschen die Rede

    Ein weiteres Beispiel stammt aus dem Juli 2026. Nach dem Anschlag im Zusammenhang mit dem Berliner Christopher Street Day versammelten sich am 26. Juli zahlreiche Menschen auf dem Pariser Platz, um der Opfer zu gedenken. Der Tagesspiegel und tagesschau24 berichteten von einer Menschenmenge zwischen 8.000 und 10.000 Personen. Die Veranstaltung fand damit nur wenige Monate vor Lehmanns Anti-Zoo-Demonstration statt.

    Auch dieses Ereignis zeigt, dass der Pariser Platz bereits Schauplatz von Versammlungen in erheblich größerer Dimension war. Die Zahl von bis zu 10.000 Menschen wurde in der zeitgenössischen Berichterstattung ausdrücklich genannt. Sie ergänzt die amtlich dokumentierte DGB-Kundgebung mit rund 9.000 Teilnehmern aus dem Jahr 2022. Beide Ereignisse stehen einer pauschalen Darstellung entgegen, wonach der Pariser Platz grundsätzlich auf 5.000 Menschen begrenzt sei.

    Besonders auffällig ist der zeitliche Abstand. Während Lehmann die angeblich unzureichende Kapazität als Erklärung für den Veranstaltungsort seiner Anti-Zoo-Demonstration anführte, war der Pariser Platz wenige Monate zuvor Schauplatz einer großen Gedenkversammlung gewesen. Diese Berichterstattung war öffentlich zugänglich. Sie hätte bei einer sorgfältigen Prüfung seiner Kapazitätsbehauptung berücksichtigt werden müssen.

    Die beiden dokumentierten Veranstaltungen sind deshalb wichtige Bestandteile der GERATI-Recherche. Sie zeigen, weshalb Lehmanns pauschale Erklärung nicht überzeugt. Zusammen mit der bestätigten Anmeldung für den Platz des 18. März ergeben sie ein Bild, das erheblich von seiner öffentlichen Darstellung abweicht.

    Robert Marc Lehmanns Umfeld spricht von 4.000 Demonstranten, die Polizei von 2.500

    Auch bei den Teilnehmerzahlen geriet die Darstellung der Berliner Anti-Zoo-Demonstration unter Druck. Nach der Veranstaltung wurden aus Lehmanns Umfeld Zahlen von bis zu 4.000 Demonstranten verbreitet. Damit entstand der Eindruck, die Kundgebung habe eine besonders große Menschenmenge mobilisiert. Doch auch hier liefert die Recherche von Philipp J. Kroiß ein anderes Ergebnis.

    Die Berliner Polizei gab für die Demonstration eine Höchstzahl von rund 2.500 Teilnehmern an. Die Beamten waren mit dem Veranstaltungsgeschehen befasst und verfügen über Erfahrung bei der Einschätzung größerer Menschenmengen. Ihre Angaben beruhen auf Erkenntnissen aus dem Einsatz. Für die Bewertung der Demonstrationsgröße handelt es sich deshalb um eine fachlich fundierte, behördliche Grundlage.

    Zwischen der polizeilichen Zahl und den verbreiteten 4.000 Demonstranten liegen 1.500 Menschen. Das entspricht einer um 60 Prozent höheren Angabe aus dem Umfeld der Veranstalter. Eine solche Differenz ist erheblich, zumal es gerade bei dieser Demonstration stark um deren angeblich historische Größe ging. Wer eine höhere Zahl öffentlich verbreitet, muss diese durch eine nachvollziehbare Erhebung belegen können.

    GERATI hatte die Teilnehmerzahlen bereits am 7. Oktober 2026 im Beitrag „Robert Marc Lehmann: 4.000 Demonstranten behauptet – Polizei zählt nur 2.500“ aufgegriffen. Dabei ging es um den Unterschied zwischen der öffentlichen Erfolgserzählung und den Angaben der zuständigen Behörde. Die polizeilich ermittelte Größenordnung ist dabei der entscheidende Maßstab. Sie widerspricht den wesentlich höheren Zahlen, die im Umfeld Lehmanns verbreitet wurden.

    Eine angebliche KI-Zählung soll die höhere Teilnehmerzahl bestätigen

    In der Diskussion über die Teilnehmerzahlen wurde auch eine angeblich KI-gestützte Auswertung von Bildern angeführt. Mit künstlicher Intelligenz sollte offenbar die Zahl der Demonstranten ermittelt worden sein. Solche technischen Hinweise klingen nach besonderer Genauigkeit und wissenschaftlicher Objektivität. Ohne die zugrunde liegenden Aufnahmen und eine nachvollziehbare Dokumentation des Verfahrens lässt sich die behauptete Auszählung allerdings nicht unabhängig überprüfen.

    Gerade deshalb ist die Berufung auf künstliche Intelligenz kein Ersatz für belastbare Daten. Eine überprüfbare Zählung müsste erkennen lassen, welche Aufnahmen verwendet wurden und wie das Ergebnis zustande kam. Die Bezeichnung einer Methode allein sagt noch nichts darüber aus, ob das Resultat zutrifft. Für die höhere Zahl von 4.000 Demonstranten wurde bislang keine entsprechend nachvollziehbare Dokumentation vorgelegt.

    Das ist besonders bemerkenswert, weil Lehmann in seinen Veröffentlichungen häufig auf wissenschaftliche Erkenntnisse und überprüfbare Tatsachen verweist. Gerade bei einer Debatte über Teilnehmerzahlen sollte es deshalb selbstverständlich sein, das eigene Ergebnis offen zu dokumentieren. Stattdessen steht einer höheren Zahl aus seinem Umfeld eine deutlich niedrigere Einschätzung der Berliner Polizei gegenüber. Die Behörde verfügt über die Erfahrung und die Erkenntnisse aus dem Einsatzgeschehen, um die Größenordnung einer solchen Versammlung fachlich zu beurteilen.

    Damit bleibt der Widerspruch bestehen. Die öffentlich verbreiteten 4.000 Teilnehmer werden durch die bekannten behördlichen Angaben nicht bestätigt. Auch eine behauptete technische Auswertung beseitigt diese Differenz nicht, solange ihre Ergebnisse nicht überprüfbar vorliegen. Für einen Aktivisten, der seine Glaubwürdigkeit auf die Aufdeckung vermeintlicher Falschinformationen stützt, ist das eine ausgesprochen unangenehme Ausgangslage.

    Die größte Anti-Zoo-Demo der Welt entpuppt sich als unbelegter Rekord

    Bereits vor dem 4. Oktober wurde die Berliner Demonstration mit großen Worten angekündigt. Im Umfeld von Robert Marc Lehmann war vom Anspruch die Rede, die größte Anti-Zoo-Demonstration aller Zeiten zu veranstalten. Damit wurde die Erwartung eines historischen Ereignisses geweckt. Wer teilnahm, sollte offenbar das Gefühl bekommen, an etwas noch nie Dagewesenem beteiligt zu sein.

    Die tatsächliche Größe der Veranstaltung lässt sich inzwischen anhand der polizeilichen Angaben einordnen. Rund 2.500 Teilnehmer sind eine beachtliche Menschenmenge, aber allein noch kein Beweis für einen internationalen Rekord. Wer die größte Demonstration einer bestimmten Art für sich beansprucht, benötigt Vergleichszahlen früherer Veranstaltungen. Eine solche nachvollziehbare internationale Auswertung wurde bislang nicht vorgelegt.

    Damit bleibt vom angekündigten Weltrekord vor allem die öffentliche Werbewirkung. Die Veranstaltung bekam durch den Superlativ eine Bedeutung zugeschrieben, die sich anhand der verfügbaren Informationen nicht unabhängig nachweisen lässt. Hinzu kamen Ankündigungen prominenter Gäste, darunter Sarah Connor, Malte Zierden und Jonas Ems, die nach der Darstellung von zoos.media schließlich nicht auf der Bühne standen. Auch das tatsächliche Programm entsprach damit nicht vollständig dem zuvor öffentlich vermittelten Bild.

    So ergibt sich eine auffällige Reihe von Unterschieden zwischen Ankündigung und Realität. Der Veranstaltungsort wurde falsch kommuniziert, die polizeiliche Verlegung nicht belegt, die Teilnehmerzahl deutlich höher dargestellt als von der Polizei ermittelt und der historische Rekord nicht nachgewiesen. Das sind keine bloßen Meinungsverschiedenheiten über zoologische Einrichtungen. Es geht um konkrete Angaben, die sich anhand von Dokumenten und unabhängigen Informationen überprüfen lassen.

    Robert Marc Lehmann und die Lügen: GERATI erhebt einen schweren Vorwurf

    Robert Marc Lehmann ist bekannt dafür, seine Kritik an zoologischen Einrichtungen mit deutlichen Worten vorzutragen. Er wirft anderen vor, wichtige Informationen zu verschweigen, Tatsachen zu verdrehen oder die Öffentlichkeit zu täuschen. Dabei vermittelt er regelmäßig den Eindruck, selbst auf der Seite der Wahrheit zu stehen. Gerade deshalb müssen seine eigenen Aussagen einer ebenso gründlichen Überprüfung standhalten.

    Im Fall der Berliner Anti-Zoo-Demonstration ist das in mehreren Punkten nicht gelungen. Der öffentlich beworbene Pariser Platz stimmte nicht mit dem polizeilich bestätigten Anmeldeort überein. Die Erklärung über eine angebliche Polizeiverlegung ist durch die veröffentlichte Auskunft nicht belegt. Die behauptete allgemeine Kapazitätsgrenze wird durch eine amtlich dokumentierte Versammlung mit rund 9.000 Menschen widerlegt.

    Hinzu kommt die Differenz zwischen den polizeilich ermittelten rund 2.500 Teilnehmern und den aus Lehmanns Umfeld verbreiteten 4.000. Der historische Rekordanspruch ist ebenfalls nicht unabhängig dokumentiert. GERATI erhebt deshalb den Vorwurf, dass Lehmann mit seiner Darstellung die Öffentlichkeit über zentrale Umstände der Demonstration in die Irre geführt hat. Die Beweisführung richtet sich dabei auf seine konkreten Aussagen und die Widersprüche zu den dokumentierten Fakten.

    Die Frage, ob jede einzelne falsche Aussage auch in Kenntnis ihrer Unrichtigkeit getroffen wurde, ist davon zu unterscheiden. Der journalistische Vorwurf bleibt dennoch schwerwiegend: Ein reichweitenstarker Aktivist, der andere regelmäßig wegen vermeintlicher Lügen angreift, verbreitet selbst Angaben, die einer Überprüfung nicht standhalten. Sein Publikum erhält dadurch ein Bild der Veranstaltung, das in wesentlichen Punkten von den behördlichen Informationen abweicht. Genau daran muss sich seine Glaubwürdigkeit messen lassen.

    Philipp J. Kroiß zeigt, wie leicht sich die Erzählung überprüfen lässt

    Die entscheidende Recherche kam von Philipp J. Kroiß. Statt die Angaben aus Lehmanns Umfeld einfach zu übernehmen, fragte er bei der Berliner Polizei nach. Die Antwort brachte zwei zentrale Informationen ans Licht: den angemeldeten Veranstaltungsort und die polizeiliche Teilnehmerzahl. Damit standen den öffentlichen Aussagen überprüfbare Angaben der zuständigen Behörde gegenüber.

    GERATI hat die Arbeit von Kroiß bereits im Artikel „Philipp J. Kroiß von zoos.media: Warum seine Recherchen die Anti-Zoo-Szene beschäftigen“ behandelt. Die Berliner Demonstration ist ein Beispiel dafür, weshalb unabhängige Nachfragen gerade bei reichweitenstarken Influencern wichtig sind. Wer sich ausschließlich auf deren öffentliche Darstellung verlässt, erfährt nicht zwangsläufig das vollständige Bild. Erst der Abgleich mit den Behördeninformationen macht die Widersprüche sichtbar.

    Besonders aufschlussreich bleibt die Geschichte vom angeblich verlegten Veranstaltungsort. Lehmann erklärte seinem Publikum einen Ortswechsel mit einer Entscheidung der Polizei. Kroiß erhielt von derselben Behörde die Bestätigung, dass der Platz des 18. März als Veranstaltungsort angemeldet war. Diese Auskunft passt nicht zu der öffentlich vermittelten Vorstellung einer nach der Anmeldung verlegten Demonstration.

    Die zusätzlichen GERATI-Recherchen zur Kapazität des Pariser Platzes verschärfen die Kritik. Eine amtlich dokumentierte Kundgebung mit rund 9.000 Teilnehmern widerspricht der pauschalen Begrenzung, mit der Lehmann den anderen Veranstaltungsort erklärte. Die bis zu 10.000 Menschen bei der späteren CSD-Gedenkveranstaltung ergänzen diesen Befund. Damit stützt sich die Kritik nicht auf persönliche Abneigung, sondern auf konkrete und nachprüfbare Informationen.

    Robert Marc Lehmann muss sich an seinen eigenen Wahrheitsansprüchen messen lassen

    Am Ende bleibt von der großen Berliner Anti-Zoo-Inszenierung ein erhebliches Glaubwürdigkeitsproblem. Der Pariser Platz wurde öffentlich beworben, obwohl die Polizei den Platz des 18. März als angemeldeten Veranstaltungsort bestätigte. Lehmann erzählte von einer angeblichen Polizeiverlegung, für die in der veröffentlichten Auskunft kein Nachweis vorliegt. Seine pauschale Behauptung über die Kapazität des Pariser Platzes widerspricht einer offiziellen Polizeimeldung über eine deutlich größere Kundgebung.

    Auch bei den Teilnehmerzahlen klaffen öffentliche Darstellung und behördliche Erkenntnisse auseinander. Während aus Lehmanns Umfeld bis zu 4.000 Demonstranten genannt wurden, ermittelte die Berliner Polizei rund 2.500 Teilnehmer. Der angekündigte Weltrekord blieb ebenfalls ohne überprüfbare Vergleichsdaten. Mehrere zentrale Bestandteile der öffentlichen Erfolgserzählung halten damit einer unabhängigen Überprüfung nicht stand.

    Für GERATI ist das ein schwerwiegender Befund. Robert Marc Lehmann erhebt gegenüber Zoos und deren Verantwortlichen regelmäßig den Anspruch auf Wahrheit und Transparenz. Doch bei seiner eigenen Demonstration verbreitete er Darstellungen, die mit dokumentierten Fakten kollidieren. GERATI wirft ihm deshalb vor, die Öffentlichkeit durch falsche und irreführende Angaben getäuscht zu haben.

    Wer wie Lehmann regelmäßig andere der Lüge bezichtigt, darf nicht erwarten, dass seine eigenen Aussagen ungeprüft bleiben. Die polizeilich bestätigte Anmeldung, die amtlich dokumentierten Menschenmengen auf dem Pariser Platz und die Teilnehmerzahlen seiner Demonstration sprechen eine deutliche Sprache. Sie zeigen, dass wesentliche Bestandteile seiner öffentlichen Darstellung nicht stimmen oder ohne den behaupteten Nachweis geblieben sind.

    Die entscheidende Frage ist längst nicht mehr, wie laut Robert Marc Lehmann seine Botschaften verbreitet oder wie begeistert seine Unterstützer darauf reagieren. Entscheidend ist, ob seine Aussagen den Tatsachen entsprechen. Bei der Berliner Anti-Zoo-Demonstration ist das in mehreren zentralen Punkten nicht der Fall. Wer anderen ständig vorwirft, die Öffentlichkeit zu belügen, muss sich gefallen lassen, dass auch seine eigenen Unwahrheiten aufgedeckt werden.

    Quellen

  • Robert Marc Lehmann: 4.000 Demonstranten behauptet – Polizei zählt nur 2.500

    Robert Marc Lehmann: 4.000 Demonstranten behauptet – Polizei zählt nur 2.500

    5.000 angemeldet, 4.000 öffentlich verkündet und lediglich 2.500 von der Berliner Polizei geschätzt. Die von Robert Marc Lehmann als größte Anti-Zoo-Demonstration der Welt beworbene Veranstaltung vom 4. Oktober 2026 bekommt nachträglich ein erhebliches Zahlenproblem. Während Mitveranstalterin Caroh Weber über Instagram weiterhin eine Erfolgsmeldung mit rund 4.000 Teilnehmern verbreitet, ergibt sich aus einer direkten Anfrage von Philipp J. Kroiß von zoos.media bei der Berliner Polizei ein deutlich anderes Bild. Damit stellt sich eine berechtigte Frage: Warum werden in der Anti-Zoo-Szene wesentlich höhere Teilnehmerzahlen verbreitet als jene, die die Polizei tatsächlich festgestellt hat?

    Besonders bemerkenswert ist der Umgang mit diesen Zahlen, weil Robert Marc Lehmann und sein Umfeld bei ihrer Kritik an zoologischen Einrichtungen regelmäßig auf Fakten und überprüfbare Aussagen pochen. Nun steht ausgerechnet die eigene Demonstration im Mittelpunkt einer Diskussion über Zahlen, öffentliche Darstellung und Glaubwürdigkeit. Die Differenz zwischen Veranstalterangabe und Polizeischätzung beträgt immerhin 1.500 Menschen beziehungsweise 37,5 Prozent. Für eine Veranstaltung, die zuvor mit einem weltweiten Rekordanspruch beworben wurde, ist das keine unbedeutende Abweichung.

    Philipp J. Kroiß erhält die Teilnehmerzahl direkt von der Berliner Polizei

    Am 6. Oktober veröffentlichte Philipp J. Kroiß auf zoos.media den Artikel „Anti-Zoo-Demo in Berlin: Nur halb so viele Teilnehmer wie angemeldet“. Dafür hatte er sich direkt an die Pressestelle der Berliner Polizei gewandt und nach der tatsächlichen Teilnehmerzahl gefragt. Die Antwort fiel deutlich niedriger aus als die zuvor verbreiteten Zahlen der Veranstalter. Nach polizeilicher Einschätzung nahmen in der Spitze rund 2.500 Menschen an der Demonstration teil.

    Die Polizei erklärte gegenüber zoos.media:

    „Nach interner Schätzung der Polizei Berlin nahmen an der Versammlung in der Spitze rund 2500 Menschen teil.“

    Damit liegt erstmals eine behördliche Einschätzung vor, an der sich die öffentlich verbreiteten Teilnehmerangaben messen lassen müssen. Angemeldet waren laut Polizei 5.000 Teilnehmer, tatsächlich erreichte die Veranstaltung nach ihrer Schätzung lediglich die Hälfte dieser Zahl. Selbst gegenüber den von Unterstützern verbreiteten 4.000 Teilnehmern beträgt die Abweichung noch 37,5 Prozent. Aus einem angekündigten Weltrekord wurde damit eine Demonstration, deren Größe deutlich hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückblieb.

    Warum verbreitet Caroh Weber weiterhin 4.000 Teilnehmer?

    Besonders interessant ist die Rolle von Caroh Weber, die als Mitveranstalterin der Berliner Demonstration auftrat. Über ihren Instagram-Account teilte sie eine Veröffentlichung des Online-Magazins This Is Vegan mit der auffälligen Schlagzeile „Rund 4.000 gegen Zoos“. Darunter wurde die Demonstration am Brandenburger Tor als Erfolg präsentiert. Weber bedankte sich in ihrer Instagram-Story ausdrücklich für den Beitrag.

    Das Magazin This Is Vegan hatte am 6. Oktober einen ausführlichen Rückblick unter dem Titel „Anti-Zoo-Demo in Berlin: Tausende folgen Robert Marc Lehmann ans Brandenburger Tor“ veröffentlicht. Darin wird die Zahl von rund 4.000 Teilnehmern ausdrücklich als Schätzung der Veranstalter bezeichnet. Zugleich heißt es in dem Beitrag, es gebe noch keine offizielle Teilnehmerzahl. Die inzwischen von zoos.media veröffentlichte Polizeiauskunft liefert jedoch eine deutlich niedrigere Einschätzung.

    Genau hier beginnt das Problem mit der öffentlichen Darstellung. Eine Mitveranstalterin verbreitet eine Zahl, die deutlich über der inzwischen bekannten Polizeischätzung liegt, und präsentiert sie als positive Bilanz der eigenen Veranstaltung. Statt 4.000 Menschen schätzte die Polizei in der Spitze lediglich 2.500 Teilnehmer. Wer anderen regelmäßig falsche Darstellungen und mangelnde Fakten vorwirft, muss sich deshalb fragen lassen, warum die eigene Erfolgsmeldung nicht mit der polizeilichen Einschätzung übereinstimmt.

    Robert Marc Lehmann legt mit „3.500+“ und einer angeblichen KI-Zählung nach

    Inzwischen hat auch Robert Marc Lehmann selbst eine konkrete Teilnehmerzahl veröffentlicht. In einem Beitrag zur Demonstration schreibt er zunächst von „tausenden friedlichen Menschen“ und ergänzt anschließend ausdrücklich: „Teilnehmeranzahl: ca. 3.500+ (von KI aus Panorama-Aufnahmen ausgezählt und extrem konservativ berechnet)“. Damit präsentiert Lehmann eine weitere Zahl, die wiederum von den zuvor verbreiteten 4.000 Teilnehmern abweicht und gleichzeitig rund 1.000 Menschen beziehungsweise 40 Prozent über der Schätzung der Berliner Polizei liegt. Aus 5.000 angemeldeten Teilnehmern werden damit je nach Quelle 4.000, 3.500+ oder 2.500 Menschen.

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    Screenshot Facebook – Robert Marc Lehmann – Meeresbiologe https://www.facebook.com/20531316728/posts/10154009990506729/

    Die Formulierung mit der künstlichen Intelligenz klingt zunächst nach einer technisch überprüfbaren Berechnung. Genau das ist sie öffentlich bislang jedoch nicht. Lehmann zeigt in seinem Beitrag weder die angebliche Panoramaaufnahme noch erläutert er, welches Bildmaterial ausgewertet wurde, aus welcher Position es aufgenommen wurde oder mit welcher Methode die KI auf mehr als 3.500 Personen gekommen sein soll. Wer eine KI-Auswertung als Beleg für eine Teilnehmerzahl verwendet, müsste wenigstens das Ausgangsmaterial offenlegen, damit sich die Berechnung nachvollziehen lässt.

    Gerade die Frage nach der Panoramaaufnahme ist deshalb entscheidend. Auf den öffentlich verbreiteten Fotos der Demonstration sind zwar zahlreiche Teilnehmer zu sehen, viele Bilder zeigen jedoch dieselben Bereiche aus ähnlichen Perspektiven und eignen sich damit nicht für eine Addition sichtbarer Personen. Andere Aufnahmen zeigen nur die ersten Reihen vor der Bühne oder einzelne Ausschnitte des Versammlungsbereichs. Eine vollständige Panoramaaufnahme, auf der tatsächlich mehrere Tausend Personen gleichzeitig und ohne erhebliche Doppelzählungen erfasst werden könnten, wurde von Lehmann zusammen mit seiner Behauptung nicht präsentiert.

    GERATI hat mehrere der öffentlich verbreiteten Aufnahmen auf ihre Eignung für eine solche Zählung betrachtet. Die Bilder zeigen je nach Perspektive einige Dutzend bis einige hundert sichtbare Personen, wobei sich die abgebildeten Bereiche teilweise erheblich überschneiden. Eine seriöse Hochrechnung auf 3.500 oder mehr Teilnehmer lässt sich aus diesen veröffentlichten Bildern nicht nachvollziehen. Genau deshalb wäre das von Lehmann erwähnte Panorama das entscheidende Beweisstück: Wo ist die Aufnahme, auf deren Grundlage eine KI angeblich „extrem konservativ“ mehr als 3.500 Demonstranten gezählt haben soll?

    Die Berliner Polizei benötigt für ihre Einschätzung jedenfalls keine nachträglich präsentierte KI-Auswertung eines unbekannten Fotos. Sie schätzte die Zahl der Teilnehmer während der Veranstaltung und spricht ausdrücklich von rund 2.500 Menschen in der Spitze. Damit beschreibt die Polizeizahl bereits den höchsten angenommenen Teilnehmerstand und nicht lediglich eine Momentaufnahme zu Beginn oder zum Ende der Veranstaltung. Wenn Lehmann diese Einschätzung mit einer eigenen KI-Zahl widerlegen möchte, wäre es umso einfacher, das dafür angeblich verwendete Panorama und die Berechnung offenzulegen.

    Große Namen angekündigt – doch nicht alle standen auf der Bühne

    Philipp J. Kroiß geht in seiner Recherche noch auf weitere Auffälligkeiten ein. Bereits im Vorfeld waren neben Robert Marc Lehmann prominente Namen wie Sarah Connor, Malte Zierden und Jonas Ems im Zusammenhang mit der Demonstration genannt worden. Kroiß weist darauf hin, dass keiner dieser drei angekündigten Gäste schließlich auf der Bühne stand. Die öffentliche Mobilisierung hatte damit auch Erwartungen erzeugt, die sich beim tatsächlichen Bühnenprogramm nicht erfüllten.

    Hinzu kam die bereits im Vorfeld kritisierte Verwirrung um den Veranstaltungsort. Während in Ankündigungen immer wieder vom Pariser Platz die Rede war, war die Demonstration tatsächlich für den Platz des 18. März angemeldet. Dieser befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des Brandenburger Tors. GERATI hatte diesen Widerspruch bereits in seiner Recherche zur angekündigten Anti-Zoo-Demonstration von Robert Marc Lehmann thematisiert.

    Kroiß bezeichnet die Veranstaltung angesichts der Teilnehmerzahl und des tatsächlichen Ablaufs als deutlich kleiner als ursprünglich angekündigt. Besonders kritisch bewertet er den Versuch, aus der Kundgebung eine außergewöhnlich große Bewegung gegen zoologische Einrichtungen abzuleiten. Die tatsächliche Mobilisierung blieb jedenfalls weit hinter den angemeldeten 5.000 Teilnehmern zurück. Auch der zuvor angekündigte Weltrekord lässt sich mit den veröffentlichten Zahlen nicht belegen.

    Berliner Zoos ziehen täglich ein Vielfaches der Demonstranten an

    Ein besonders aufschlussreicher Vergleich ergibt sich beim Blick auf die Berliner Zoos. Während Robert Marc Lehmann seine Anhänger aus verschiedenen Regionen Deutschlands nach Berlin mobilisierte, verzeichneten Zoo Berlin einschließlich Aquarium und Tierpark Berlin im Jahr 2025 zusammen 4.730.658 Besuche. Diese Zahl stammt aus der offiziellen Jahresbilanz der Zoologischen Gärten Berlin. Rechnerisch entspricht das durchschnittlich rund 12.960 Besuchen pro Kalendertag.

    Damit liegt bereits der rechnerische Tagesdurchschnitt der Berliner zoologischen Einrichtungen bei mehr als dem Fünffachen der polizeilich geschätzten Demonstrantenzahl. Während sich am Brandenburger Tor in der Spitze rund 2.500 Menschen gegen Zoos versammelten, erreichen die Berliner Einrichtungen durchschnittlich nahezu 13.000 Besuche täglich. Dabei handelt es sich ausdrücklich um den Jahresdurchschnitt von 2025 und nicht um eine gesondert erhobene Besucherzahl für den 4. Oktober 2026. Der Größenvergleich bleibt dennoch bemerkenswert.

    Und das betrifft ausschließlich Berlin. Bundesweit erreichen zoologische Einrichtungen jedes Jahr viele Millionen Besucher, die sich für Tiere, Natur und Artenschutz interessieren. Allein die Mitgliedseinrichtungen des Verbands der Zoologischen Gärten verzeichnen jährlich mehr als 42 Millionen Besuche. Vor diesem Hintergrund wirkt die Mobilisierung von 2.500 Menschen gegen Zoos deutlich weniger eindrucksvoll, als es der zuvor verbreitete Weltrekordanspruch vermuten ließ.

    Auch beim Naturschutz gab es eine bemerkenswerte Panne

    Philipp J. Kroiß greift in seinem Nachbericht außerdem einen Vorfall auf, über den GERATI bereits berichtet hatte. Bei der Demonstration wurden offenbar kleine Päckchen mit Pflanzensamen verteilt, die nachträglich teilweise problematische Arten enthalten haben sollen. Über Instagram wurde anschließend dazu aufgerufen, die betreffenden Samen nicht auszusäen, sondern zu entsorgen. Ausgerechnet bei einer Veranstaltung, deren Teilnehmer sich für Natur- und Artenschutz einsetzen wollten, sorgte damit eine gut gemeinte Aktion für erhebliche Irritationen.

    Kroiß nennt in diesem Zusammenhang unter anderem die Gemeine Nachtkerze, eine ursprünglich aus Nordamerika stammende Pflanzenart. Sein Kritikpunkt richtet sich besonders gegen den Umgang mit gebietsfremden Arten und die Risiken einer unkontrollierten Aussaat. Wer sich öffentlich für den Schutz natürlicher Lebensräume einsetzt, sollte bei der Verteilung von Saatgut besondere Sorgfalt walten lassen. Dass Teilnehmer anschließend aufgefordert werden mussten, bereits erhaltene Samen zu entsorgen, passt jedenfalls kaum zum Anspruch einer fachlich vorbereiteten Naturschutzveranstaltung.

    Robert Marc Lehmann und der selbst ausgerufene Weltrekord

    Bereits vor der Demonstration hatte GERATI die ungewöhnlich große Ankündigung von Robert Marc Lehmann kritisch betrachtet. Die Veranstaltung sollte nicht einfach eine Kundgebung gegen Zoos werden, sondern ausdrücklich die größte Anti-Zoo-Demonstration der Welt. Ein solcher Anspruch verlangt nachvollziehbare Vergleichszahlen und eine entsprechend große Mobilisierung. Die inzwischen vorliegende Polizeischätzung liefert dafür jedoch keinen Nachweis.

    Statt der angemeldeten 5.000 Teilnehmer kamen nach Einschätzung der Berliner Polizei in der Spitze rund 2.500 Menschen zusammen. Gleichzeitig verbreiten Unterstützer weiterhin die deutlich höhere Zahl von 4.000 Demonstranten. Die Differenz ist dokumentiert und verdient gerade deshalb Aufmerksamkeit, weil die Veranstalter ihre öffentliche Wirkung selbst immer wieder betonen. Die entscheidende Frage ist nicht, wie eindrucksvoll eine Menschenmenge auf einem Foto erscheint, sondern wie viele Menschen tatsächlich teilgenommen haben.

    Am Ende steht deshalb ein bemerkenswerter Gegensatz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Robert Marc Lehmann kündigte eine weltweite Rekorddemonstration an, Caroh Weber verbreitet eine Erfolgsmeldung mit 4.000 Teilnehmern und die Berliner Polizei schätzt lediglich 2.500 Menschen in der Spitze. Währenddessen erreichen die Berliner Zoos im Jahresdurchschnitt mehr als fünfmal so viele Besuche pro Tag. Wer ständig Faktenchecks von anderen fordert, sollte bei den eigenen Erfolgsmeldungen zunächst mit den Zahlen beginnen.

    Quellen

  • Robert Marc Lehmann Demo: Invasive Samen verteilt – droht jetzt ein Naturschutzverfahren?

    Robert Marc Lehmann Demo: Invasive Samen verteilt – droht jetzt ein Naturschutzverfahren?

    Ausgerechnet bei der von Robert Marc Lehmann beworbenen Anti-Zoo-Demonstration in Berlin wurden Pflanzensamen verteilt, vor denen Mitorganisatorin Caroh Weber anschließend selbst warnen musste. In einer Instagram-Story erklärte sie, dass die ausgegebenen Päckchen teilweise invasive Pflanzenarten enthalten hätten. Die Empfänger sollten die Samen deshalb weder einpflanzen noch in der Natur verteilen, sondern wegwerfen. Was zunächst wie eine peinliche organisatorische Panne wirkt, könnte damit eine deutlich ernstere naturschutzrechtliche Dimension bekommen.

    Denn bei invasiven Pflanzen geht es nicht nur darum, ob eine Saatmischung ökologisch sinnvoll zusammengestellt wurde. Sowohl deutsches als auch europäisches Naturschutzrecht enthalten besondere Vorschriften, die die Verbreitung invasiver gebietsfremder Arten verhindern sollen. Bei bestimmten Arten ist sogar das Befördern oder Inverkehrbringen untersagt. Entscheidend ist deshalb jetzt vor allem eine bislang unbeantwortete Frage: Welche Arten befanden sich tatsächlich in den auf der Robert Marc Lehmann Demo verteilten Samenpäckchen?

    Caroh Weber warnt nachträglich vor den verteilten Samen

    caro lein
    Screenshot Story Instagram Caroh_lein

    Caroh Weber gehörte zu den Mitorganisatoren der Berliner Anti-Zoo-Demonstration. Nach der Veranstaltung veröffentlichte sie eine deutliche Warnung an die Community. Darin erklärte sie ausdrücklich, dass auf der Demo Päckchen mit Pflanzensamen verteilt worden seien und diese teilweise invasive Arten enthielten. Gleichzeitig forderte sie die Empfänger auf, die Samen weder einzupflanzen noch irgendwo in der Natur zu verteilen.

    Noch bemerkenswerter ist ihre Erklärung dafür. Die Päckchen seien aus der Community gekommen, und es sei ihr durchgegangen, auf die enthaltenen Arten zu achten. Damit steht nicht lediglich eine Behauptung von Kritikern im Raum, wonach möglicherweise problematisches Saatgut verteilt worden sein könnte. Die Information, dass invasive Arten enthalten waren, stammt vielmehr direkt aus dem Kreis der Organisatoren selbst.

    Der Vorgang unterscheidet sich damit grundlegend von einer bloßen Vermutung anhand eines Fotos oder einer unbekannten Saatmischung. Es existiert eine ausdrückliche Warnung, die gerade wegen der enthaltenen Arten veröffentlicht wurde. Gleichzeitig wirft diese Warnung die Frage auf, weshalb die Kontrolle des Saatguts offenbar erst stattfand, nachdem die Päckchen bereits verteilt worden waren. Bei vermehrungsfähigem Pflanzenmaterial kann genau diese Reihenfolge entscheidend sein.

    Samen gelten auch rechtlich als Pflanzen

    Saatgut ist im Naturschutzrecht keineswegs irgendein harmloses Nebenprodukt. Das Bundesnaturschutzgesetz erfasst ausdrücklich auch Samen, Früchte und andere Entwicklungsformen von Pflanzen. Wer also vermehrungsfähiges Saatgut weitergibt oder ausbringt, bewegt sich grundsätzlich innerhalb genau jener Vorschriften, die die Verbreitung bestimmter Pflanzen regulieren.

    Das ist beim Berliner Vorgang besonders relevant. Hier wurden nicht lediglich Informationsbroschüren über Pflanzen ausgegeben, sondern offenbar Samen, die anschließend von den Empfängern ausgesät werden konnten. Gerade deshalb erfolgte später schließlich die Warnung, dies ausdrücklich nicht zu tun. Ohne vermehrungsfähiges Material hätte eine solche Warnung kaum einen Sinn ergeben.

    Auch die europäische Verordnung über invasive gebietsfremde Arten erfasst Samen und andere Fortpflanzungsformen, sofern diese überleben und sich vermehren können. Damit kann bei entsprechend gelisteten Arten bereits das Saatgut selbst rechtlich relevant sein. Genau deshalb ist entscheidend, welche Arten tatsächlich verteilt wurden.

    Bei Arten der Unionsliste wird es juristisch besonders ernst

    Besonders eindeutig wird die Rechtslage, wenn sich unter den ausgegebenen Samen eine invasive gebietsfremde Art von unionsweiter Bedeutung befunden haben sollte. Für solche Arten gilt ein umfangreicher Verbotskatalog. Sie dürfen grundsätzlich nicht vorsätzlich gehalten, gezüchtet, innerhalb der Europäischen Union befördert, in Verkehr gebracht, verwendet, getauscht, zur Fortpflanzung gebracht oder in die Umwelt freigesetzt werden.

    Gerade die Begriffe Befördern und Inverkehrbringen machen den Berliner Vorgang juristisch interessant. Für einen möglichen Rechtsverstoß wäre es dann nicht zwingend erforderlich, dass ein Demonstrationsteilnehmer die Samen tatsächlich irgendwo in einem Naturschutzgebiet aussät. Schon die organisierte Weitergabe entsprechenden Saatguts könnte bei einer Art der Unionsliste unter die gesetzlichen Verbote fallen.

    Ob genau diese Voraussetzung erfüllt war, hängt allerdings davon ab, welche Arten sich tatsächlich in den Päckchen befanden. Ohne diese Information lässt sich nicht abschließend beurteilen, welche Vorschriften konkret greifen. Die nachträgliche Warnung zeigt jedoch, dass zumindest im Kreis der Organisatoren selbst ein Problem erkannt wurde.

    Bis zu 50.000 Euro Bußgeld stehen im Gesetz

    Besonders deutlich wird die rechtliche Dimension beim Blick auf die Bußgeldvorschriften des Bundesnaturschutzgesetzes. Wer ein Exemplar einer entsprechend gelisteten invasiven Art unter anderem befördert, in Verkehr bringt, verwendet, tauscht, zur Fortpflanzung bringt oder in die Umwelt freisetzt, handelt ordnungswidrig. Für solche Verstöße sieht das Gesetz einen Bußgeldrahmen von bis zu 50.000 Euro vor. Damit geht es bei der Verteilung invasiver Samen eben nicht nur um eine missglückte Aktion, sondern um einen Vorgang, der grundsätzlich auch erhebliche rechtliche Konsequenzen haben kann.

    Gerade beim Berliner Fall ist das deshalb von besonderer Bedeutung. Nach der eigenen Warnung von Caroh Weber wurden auf der Demonstration Samenpäckchen verteilt, die teilweise invasive Arten enthielten. Waren darunter Arten, für die die entsprechenden Verbote gelten, wären genau jene Handlungen relevant, die das Gesetz ausdrücklich nennt: das Befördern, das Inverkehrbringen beziehungsweise die Weitergabe und gegebenenfalls später auch das Freisetzen in die Umwelt. Der gesetzliche Bußgeldrahmen von bis zu 50.000 Euro zeigt, wie ernst der Gesetzgeber die Verbreitung invasiver Arten bewertet.

    Damit rückt nun die Frage in den Mittelpunkt, welche Pflanzenarten tatsächlich in diesen Päckchen enthalten waren. Denn erst anhand der konkreten Arten lässt sich bestimmen, welche gesetzlichen Verbote unmittelbar greifen. Die Aussage der Mitorganisatorin, dass „teilweise invasive Arten“ enthalten gewesen seien, macht eine Klärung deshalb umso wichtiger. Wer Saatgut verteilt und anschließend selbst davor warnt, dieses auszusäen, weil invasive Arten enthalten sind, muss sich zwangsläufig die Frage gefallen lassen, welche rechtlichen Folgen diese Verteilung haben kann.

    Besonders brisant ist dabei, dass für einen möglichen Verstoß nicht erst zwingend eine großflächige Ausbreitung in der Natur eintreten muss. Das Naturschutzrecht setzt bei bestimmten invasiven Arten bereits deutlich früher an und erfasst schon Handlungen wie Beförderung, Weitergabe oder Inverkehrbringen. Genau deshalb ist die Verteilung solcher Samen rechtlich wesentlich relevanter als eine bloße fehlerhafte Giveaway-Aktion. Bis zu 50.000 Euro Bußgeld sind hier keine rhetorische Zuspitzung, sondern der gesetzlich vorgesehene Rahmen für entsprechende Verstöße.

    Auch das Ausbringen in der Natur kann rechtlich problematisch sein

    Unabhängig von der Unionsliste enthält das Bundesnaturschutzgesetz weitere Regelungen über das Ausbringen gebietsfremder Pflanzen. Pflanzenarten, die in einem betreffenden Gebiet in freier Natur nicht oder seit langer Zeit nicht mehr vorkommen, dürfen unter bestimmten Voraussetzungen nicht ohne Genehmigung ausgebracht werden. Eine Genehmigung ist zu versagen, wenn eine Gefährdung von Ökosystemen, Biotopen oder Arten nicht ausgeschlossen werden kann.

    Gerade deshalb ist die nachträgliche Bitte, die Samen keinesfalls in der Natur zu verteilen, bemerkenswert. Offenbar bestand aus Sicht der Organisatorin selbst ein hinreichender Grund, die Empfänger ausdrücklich vor einer Aussaat zu warnen. Ob bereits die vorherige Weitergabe der Päckchen unter diese konkrete Vorschrift fällt, hängt wiederum von den enthaltenen Arten sowie der tatsächlichen Verwendung ab.

    Zudem sieht das Naturschutzrecht Maßnahmen gegen ungenehmigt ausgebrachte oder sich unbeabsichtigt ausbreitende Pflanzen vor. Die Vorschriften zeigen damit deutlich, dass auch eine unbeabsichtigte Verbreitung ernst genommen wird. Invasive Pflanzen sind also keine Angelegenheit, bei der erst reagiert werden soll, wenn sie sich bereits großflächig etabliert haben.

    „Einfach in den Müll werfen“ greift zu kurz

    Caroh Weber forderte die Empfänger richtigerweise dazu auf, die Samen nicht einzupflanzen. Weniger überzeugend ist jedoch die pauschale Aufforderung, die Päckchen einfach in den Müll zu werfen. Bei möglicherweise invasivem und weiterhin keimfähigem Saatgut sollte gerade verhindert werden, dass einzelne Samen während Lagerung, Müllabfuhr oder Transport aus beschädigten oder bereits geöffneten Päckchen entweichen können.

    Bei problematischem Pflanzenmaterial empfehlen Behörden deshalb teilweise ausdrücklich eine sichere Verpackung und anschließend die Entsorgung über den Restmüll. Der Sinn liegt auf der Hand: Die Entsorgung soll die Verbreitung beenden und nicht einen neuen möglichen Verbreitungsweg schaffen. Genau diese Sicherung wird in der veröffentlichten Warnung jedoch nicht ausdrücklich erwähnt.

    Eine sachgerechtere Warnung hätte deshalb lauten können, die Päckchen nicht zu öffnen beziehungsweise geöffnete Päckchen zusätzlich dicht zu verschließen und anschließend über den Restmüll zu entsorgen. Dass nach einer bereits erfolgten Verteilung überhaupt solche Anweisungen notwendig werden, zeigt das eigentliche Problem. Saatgut wurde ausgegeben, bevor offenbar ausreichend geklärt worden war, was genau darin enthalten war.

    Erst verteilen und danach vor invasiven Arten warnen

    Ausgerechnet bei einer Veranstaltung aus dem Umfeld von Robert Marc Lehmann, der sich regelmäßig selbst mit Natur- und Artenschutz beschäftigt, wirkt dieser Vorgang besonders widersprüchlich. GERATI hatte bereits bei der Anti-Zoo-Demonstration von Robert Marc Lehmann in Berlin darauf hingewiesen, dass zwischen öffentlich wirksamen Botschaften und einer sachlichen Auseinandersetzung mit Artenschutz unterschieden werden muss. Nun liefert die Veranstaltung dafür ein weiteres, dieses Mal ausgesprochen praktisches Beispiel.

    Bei Artenschutz geht es eben nicht nur darum, andere Institutionen anzuklagen oder einfache Botschaften über Freiheit zu verbreiten. Zu verantwortungsvollem Naturschutz gehört ebenso, vor dem Verteilen von Saatgut zu prüfen, welche Pflanzen man damit möglicherweise in Umlauf bringt. Wer diese Kontrolle erst nach der Ausgabe durchführt, kann die Samen anschließend nicht einfach wieder zurückholen. Der öffentliche Warnhinweis kann deshalb nur versuchen, einen bereits entstandenen Fehler nachträglich zu begrenzen.

    Auch die bereits bekannte Auseinandersetzung zwischen Robert Marc Lehmann und Zoos bekommt dadurch eine gewisse Ironie. Von zoologischen Einrichtungen werden detaillierte Standards, wissenschaftliche Verantwortung und professionelle Artenschutzarbeit eingefordert. Dann sollte es selbstverständlich sein, dass bei einer eigenen Naturschutzveranstaltung zumindest bekannt ist, welche vermehrungsfähigen Pflanzenarten an Besucher verteilt werden.

    Entscheidend ist jetzt die Artenliste

    Bevor aus dem Vorgang ein abschließend nachweisbarer Naturschutzverstoß wird, muss deshalb eine einzige entscheidende Frage beantwortet werden: Welche Samen waren in diesen Päckchen? Erst mit den botanischen Namen lässt sich überprüfen, ob darunter Arten der EU-Unionsliste waren und welche Vorschriften konkret einschlägig sind. Ohne diese Information wäre es journalistisch falsch, bereits einen bestimmten Gesetzesverstoß als endgültig bewiesen darzustellen.

    Die Organisatoren könnten diese Unsicherheit sehr einfach beseitigen. Wenn bekannt ist, dass die Päckchen invasive Arten enthielten, muss schließlich irgendeine Information existieren, anhand derer dies festgestellt wurde. Eine Veröffentlichung der betreffenden Arten würde den Empfängern außerdem ermöglichen zu prüfen, ob sie möglicherweise bereits Samen ausgesät haben und wie damit umzugehen wäre.

    Sollte sich herausstellen, dass tatsächlich eine Art der EU-Unionsliste verteilt wurde, wäre der Vorgang erheblich ernster als eine missglückte Giveaway-Aktion. Dann stünden unter anderem die gesetzlichen Verbote des Beförderns und Inverkehrbringens invasiver Arten sowie die Bußgeldvorschriften des Bundesnaturschutzgesetzes im Raum. Bis zu 50.000 Euro sind dort als möglicher Bußgeldrahmen vorgesehen.

    So bleibt vorerst ein bemerkenswerter Widerspruch: Auf einer Anti-Zoo-Demonstration im Umfeld von Robert Marc Lehmann werden Samenpäckchen verteilt. Anschließend warnt Mitorganisatorin Caroh Weber die Empfänger selbst davor, sie auszusäen, weil darin teilweise invasive Arten enthalten seien. Aus einer vermeintlich kleinen Mitmachaktion ist damit eine Frage des Naturschutzrechts geworden. Und die Antwort darauf hängt jetzt ausgerechnet davon ab, ob die Organisatoren offenlegen, was sie überhaupt verteilt haben.

    Quellen

  • Robert Marc Lehmann: „Größte Anti-Zoo-Demo der Welt“ – danach Totenstille

    Robert Marc Lehmann: „Größte Anti-Zoo-Demo der Welt“ – danach Totenstille

    Robert Marc Lehmann kündigte für den 4. Oktober 2026 in Berlin nicht irgendeine Demonstration an. „Die größte Anti-Zoo Demo der Welt!“ lautete die Botschaft, mit der über Wochen mobilisiert wurde. Bekannte Namen aus der Tierrechtsszene sollten zusätzliche Aufmerksamkeit erzeugen, während Parolen wie „FCK ZOOS“ die Richtung vorgaben. Einen Tag später ist von dem groß angekündigten Weltrekord vor allem eines geblieben: Totenstille.

    Bis Montagvormittag findet sich bei den großen deutschen Nachrichtenmedien kein eigenständiger Nachbericht, der die vermeintlich größte Anti-Zoo-Demonstration der Welt entsprechend würdigt. Eine öffentlich bekannte Teilnehmerzahl, mit der sich der angekündigte Rekord überprüfen ließe, fehlt ebenfalls. Auch von der Berliner Polizei liegt bislang keine veröffentlichte Zahl vor, anhand derer die tatsächliche Größe der Veranstaltung eingeordnet werden könnte. Wer selbst einen Weltrekord ausruft, muss sich jedoch genau an dieser Größe messen lassen.

    Vor der Demo Schlagzeilen, danach Totenstille

    Im Vorfeld funktionierte die mediale Aufmerksamkeit wesentlich besser. Verschiedene Portale griffen die Ankündigung auf, Sarah Connors Unterstützung sorgte zusätzlich für Schlagzeilen und der angekündigte Protest wurde bereits Wochen vor dem 4. Oktober zum Thema. GERATI berichtete ebenfalls ausführlich über die von Robert Marc Lehmann angekündigte Anti-Zoo-Demonstration in Berlin und verwies dabei bereits auf den außergewöhnlichen Anspruch, den Lehmann selbst mit seiner Werbung geschaffen hatte.

    Nach der Veranstaltung sieht das Bild völlig anders aus. Kein großes Medienecho über einen angeblichen Weltrekord, keine verbreitete Teilnehmerzahl und keine Schlagzeilen darüber, dass Robert Marc Lehmann tatsächlich die größte Anti-Zoo-Demonstration der Welt organisiert habe. Gerade dieser Gegensatz zwischen der lautstarken Ankündigung und der anschließenden Stille ist bemerkenswert. Was vorher groß genug für Schlagzeilen war, scheint nach der tatsächlichen Veranstaltung kaum noch Nachrichtenwert zu besitzen.

    An fehlendem Bildmaterial kann es jedenfalls nicht gelegen haben. Die Bildagentur IMAGO hatte mit Marvin Möbius einen professionellen Fotografen vor Ort und veröffentlichte noch am Veranstaltungstag zahlreiche Aufnahmen von Robert Marc Lehmann, Caroh Weber, Demonstranten und Protestschildern. Das Material stand den Redaktionen damit unmittelbar für eine Bebilderung zur Verfügung. Trotzdem blieb die große Nachberichterstattung aus.

    Menschen waren dort – doch wo ist der Weltrekord?

    Dass Menschen zu der Demonstration kamen, steht außer Frage. Die Veranstaltung fand statt, es gab Redner, Transparente, Fahnen, Megafone und zahlreiche Anhänger der Anti-Zoo-Bewegung. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Menschen vor Ort waren, sondern ob die vorher groß angekündigte „größte Anti-Zoo-Demo der Welt“ tatsächlich diesen Anspruch erfüllen konnte. Dafür bräuchte es eine nachvollziehbare Teilnehmerzahl.

    Genau diese Zahl fehlt. Weder eine offizielle Zahl der Polizei noch eine belastbare Zahl eines großen Nachrichtenmediums ist bislang veröffentlicht worden. Damit fehlt ausgerechnet der wichtigste Wert, mit dem Robert Marc Lehmann seinen eigenen Weltrekord belegen könnte. Die größte Anti-Zoo-Demonstration der Welt existiert damit bislang vor allem als vorherige Werbeaussage.

    Auch inhaltlich blieb die Veranstaltung deutlich hinter ihrer großen Inszenierung zurück. Viele Redebeiträge wiederholten bekannte Positionen der Anti-Zoo-Szene, während die sichtbare Protestkommunikation immer wieder von Parolen wie „FCK ZOOS“ geprägt wurde. zoos.media fasste die Veranstaltung entsprechend mit „Viel Hass, wenig Inhalt“ zusammen. Die große sachliche Abrechnung mit modernen Zoos blieb dagegen überschaubar.

    Kinder mit Megafon statt zoologischer Bildung

    Besonders auffällig war die Einbindung von Kindern in die Protestveranstaltung. Kinder wurden mit Megafonen in eine Demonstration eingebunden, deren sichtbare Botschaften unter anderem aus Begriffen wie „FCK ZOOS“ bestanden. Gleichzeitig gehört der angeblich fehlende Bildungsauftrag zoologischer Einrichtungen zu den häufigsten Vorwürfen der Anti-Zoo-Szene. Gerade deshalb lohnt sich der Vergleich dessen, was Kindern jeweils tatsächlich vermittelt wird.

    In zoologischen Einrichtungen begegnen Kinder lebenden Tieren und erhalten Informationen über Tierarten, Lebensräume, Verhalten, Bedrohungen und Artenschutz. Auf einer Demonstration lernen sie dagegen vulgäre Anti-Zoo-Parolen kennen und werden unmittelbar in die Konfrontation zwischen Aktivisten und zoologischen Einrichtungen eingebunden. Ein Megafon und ein Kraftausdruck ersetzen jedoch keine biologische Bildung und kein sachliches Argument über moderne Tierhaltung. Wer Zoos ihren Bildungsauftrag abspricht, sollte deshalb erklären können, welchen pädagogischen Mehrwert „FCK ZOOS“ für Kinder besitzen soll.

    Gerade eine Bewegung, die für sich moralische und pädagogische Überlegenheit beansprucht, muss sich an den eigenen Methoden messen lassen. Zoos können und sollen für ihre Bildungsangebote kritisiert werden, wenn diese ihren Anspruch nicht erfüllen. Dasselbe muss dann auch für Demonstrationen gelten, auf denen Kinder politische beziehungsweise aktivistische Botschaften der Erwachsenen übernehmen. Bildung braucht Wissen und Argumente, nicht nur möglichst eingängige Parolen.

    Robert Marc Lehmann und die 50 angeblich überlebenden Bali-Stare

    Auf der Berliner Demonstration machte Robert Marc Lehmann außerdem eine bemerkenswert konkrete Aussage über sein Bali-Star-Projekt. Von 60 ausgewilderten Bali-Staren sollen nach seinen Angaben noch 50 leben. Von den zehn verstorbenen Vögeln sei unter anderem ein Tier gegen eine Fensterscheibe geflogen. Wer derart genaue Überlebenszahlen und sogar einzelne Todesursachen nennt, muss dafür eine entsprechend genaue Datengrundlage besitzen.

    Für die von Mission Erde unterstützte Gruppe der ausgewilderten Bali-Stare ist jedoch kein GPS- oder Funktracking öffentlich dokumentiert, mit dem sich jedes der 60 Tiere permanent individuell verfolgen ließe. Ringnummern oder Mikrochips können der Identifikation dienen, liefern aber keine laufenden Standortdaten eines frei fliegenden Vogels. Ein Mikrochip zeigt weder an, wo sich ein Tier befindet, noch ob es noch lebt. Dafür müsste der betreffende Vogel zunächst wiedergefunden, erkannt oder eingefangen werden.

    Damit bleibt die entscheidende Frage bestehen: Wie wurde festgestellt, dass ausgerechnet 50 der ursprünglich 60 Tiere noch leben? Welche 50 Vögel wurden wann eindeutig identifiziert und wie wurde bei den übrigen zehn festgestellt, dass sie tatsächlich gestorben sind? Noch konkreter wird diese Frage bei Lehmanns Aussage, einer seiner ausgewilderten Bali-Stare sei gegen eine Fensterscheibe geflogen. Dafür müsste zumindest nachvollziehbar dokumentiert sein, welcher Vogel gefunden wurde, wie er eindeutig der ursprünglichen Auswilderungsgruppe zugeordnet wurde und wie die konkrete Todesursache festgestellt wurde.

    Genau solche öffentlich nachvollziehbaren Belege für eine vollständige Individualbilanz der 60 Tiere liegen bislang nicht vor. Eine Populationsbeobachtung in einem Gebiet ist etwas anderes als der Nachweis, dass exakt 50 bestimmte Ursprungstiere noch leben. Wer andere regelmäßig einem „Faktencheck“ unterzieht, muss denselben Maßstab auch bei den eigenen Aussagen akzeptieren. Artenschutz braucht überprüfbare Daten und keine Zahlen, deren Entstehung für Außenstehende nicht nachvollziehbar ist.

    Mehr als 600 Bali-Stare – aber nicht durch Robert Marc Lehmann

    Auch die Gesamtpopulation des Bali-Stars muss klar von Lehmanns eigenem Projekt getrennt werden. Aktuelle Angaben nennen wieder mehr als 600 wildlebende Bali-Stare, während der Bali-Barat-Nationalpark bereits 2023 einen Bestand von rund 600 Tieren gemeldet hatte. Diese Entwicklung begann lange bevor Robert Marc Lehmann mit Mission Erde eigene Auswilderungen unterstützte. Sie ist das Ergebnis jahrzehntelanger Schutzmaßnahmen, Erhaltungszucht und Auswilderungen zahlreicher Organisationen.

    Der damalige Leiter des Bali-Barat-Nationalparks erklärte bereits 2023, dass die dortige Population von lediglich sechs wildlebenden Vögeln im Jahr 2001 auf rund 600 Tiere angewachsen war. Allein 2022 wurden nach Angaben des Nationalparks weitere 108 Bali-Stare ausgewildert. Robert Marc Lehmanns 60 Tiere sind damit lediglich ein kleiner Teil einer wesentlich größeren und älteren Artenschutzgeschichte. Die mehr als 600 Bali-Stare sind keine von Lehmann geschaffene Population.

    Mission Erde meldete im Mai 2026 für das eigene Auswilderungsgebiet wiederum eine Population von mehr als 109 Bali-Staren. Auch diese Zahl beweist nicht, dass noch genau 50 der ursprünglich freigelassenen 60 Tiere leben. Nachwuchs kann die Population vergrößern, während Ursprungstiere gleichzeitig sterben oder das Gebiet verlassen können. Eine Populationszahl ersetzt deshalb keine individuelle Überlebensbilanz.

    Gerade der Bali-Star zeigt außerdem, wie wichtig kontrollierte Zucht und anschließende Auswilderung für den Artenschutz sein können. Die Erholung dieser Art ist über Jahrzehnte durch menschlich betreute Populationen und gezielte Wiederansiedlungen unterstützt worden. Ausgerechnet dieses Beispiel zeigt deshalb, dass Tierhaltung, Zucht und Artenschutz nicht automatisch Gegensätze sind. Die Realität ist komplexer als ein „FCK ZOOS“-Plakat.

    Große Worte – und danach Totenstille

    Am Ende bleibt von der Berliner Demonstration ein auffälliger Gegensatz. Vorher wurde mit der „größten Anti-Zoo-Demo der Welt“ geworben, bekannte Namen wurden mobilisiert und maximale Aufmerksamkeit erzeugt. Danach fehlt die eine Zahl, mit der dieser Weltrekord überhaupt belegt werden könnte. Gleichzeitig bleibt das große Medienecho aus, obwohl professionelles Bildmaterial unmittelbar verfügbar war.

    Auch auf der Bühne wurde immer wieder der Anspruch vermittelt, mit Fakten gegen Zoos zu argumentieren. Dann müssen jedoch auch die eigenen Aussagen diesem Anspruch standhalten. Wer exakt 50 Überlebende aus einer Gruppe von 60 frei lebenden Vögeln nennt und zusätzlich individuelle Todesursachen beschreibt, muss nachvollziehbar erklären können, wie diese Zahlen festgestellt wurden. Präzision in einer Rede ersetzt keinen Beleg.

    Robert Marc Lehmann wollte in Berlin die größte Anti-Zoo-Demonstration der Welt präsentieren. Einen Tag später fehlt die Rekordzahl, das große Medienecho bleibt aus und selbst bei einzelnen Aussagen aus den Reden bleiben die öffentlich zugänglichen Belege hinter der präsentierten Gewissheit zurück. Große Ankündigung vorher – Totenstille danach.

    Quellen