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Schlagwort: Alleinige Aufzucht durch die Affenmutter

  • Weißscheitelmangaben-Nachwuchs im Zoo Heidelberg: Ein Weibchen wächst heran

    Weißscheitelmangaben-Nachwuchs im Zoo Heidelberg: Ein Weibchen wächst heran

    Im Zoo Heidelberg ist Mitte September 2026 eine weibliche Weißscheitelmangabe geboren worden. Die Einrichtung machte die Geburt am 21. Oktober bekannt. Das Jungtier wächst bei seiner Mutter auf und gehört zu einer bedrohten westafrikanischen Affenart, für die sich Heidelberg am Erhaltungszuchtprogramm beteiligt. Die Bedeutung der Geburt reicht damit über die Anlage hinaus: Sie verbindet die Aufzucht eines einzelnen Tieres mit dem Ziel, eine Reservepopulation zu erhalten.

    Die Mutter zieht ihr drittes Jungtier groß

    Für die Affenmutter ist es bereits der dritte Nachwuchs. Kuratorin Sandra Reichler beschreibt ihren Umgang mit dem Jungtier als souverän und verweist dabei auf diese Erfahrung. Nach ihrem bisherigen Eindruck entwickelt sich das Weibchen altersgerecht und wirkt rundum gesund. Die Rhein-Neckar-Zeitung berichtet außerdem, dass die Mutter die Aufzucht ausschließlich selbst übernimmt. Damit steht bei dieser Geburt die Versorgung durch die erfahrene Mutter im Mittelpunkt; Reichlers Einschätzung beschreibt den bisherigen Verlauf der ersten Lebenswochen.

    Besucher können Mutter und Tochter bereits auf der Anlage beobachten. Noch verbringt das junge Weibchen nach der Schilderung des Zoos die meiste Zeit dicht bei seiner Mutter. Für die kommenden Monate erwartet die Einrichtung, dass es zunehmend selbstständig wird und beginnt, seine Umgebung eigenständig zu erkunden. Wer die beiden bei mehreren Besuchen beobachtet, kann deshalb besonders auf Veränderungen ihres Abstands und auf die Erkundungen des Jungtiers achten. Der angekündigte Entwicklungsschritt macht aus der Geburtsnachricht einen Beobachtungsanlass, der über den ersten Blick auf den Nachwuchs hinausreicht.

    Erhaltungszucht und Schutz der wildlebenden Bestände

    Weißscheitelmangaben hält der Zoo Heidelberg seit 2019. Die Einrichtung beteiligt sich am Erhaltungszuchtprogramm für die bedrohte Art und bewertet die Geburt als Artenschutzerfolg. Reichler begründet diese Einschätzung mit dem Ziel, eine genetisch vielfältige Reservepopulation zu erhalten. Ihre Aussage bezieht sich damit auf die langfristige Erhaltung eines Bestands in menschlicher Obhut. Der konkrete Beitrag des jungen Weibchens liegt zunächst in diesem Zuchtzusammenhang, während der Schutz der wildlebenden Tiere an deren Lebensraum ansetzen muss.

    Das natürliche Verbreitungsgebiet beschreibt der Zoo als Regenwälder in Ghana und der Elfenbeinküste, mit vereinzelten Vorkommen bis nach Burkina Faso. Er zählt Weißscheitelmangaben zu den seltensten und am stärksten bedrohten Affenarten Westafrikas. Vor allem die Zerstörung ihres Lebensraums und die Jagd setzen den Tieren demnach erheblich zu. In vielen Regionen seien ihre Bestände während der vergangenen Jahrzehnte stark zurückgegangen. Daraus ergibt sich die praktische Verbindung zwischen Nachzucht und Freilandarbeit: Eine Reservepopulation und der Erhalt bewohnbarer Regenwälder erfüllen unterschiedliche Aufgaben beim Schutz derselben Tierart.

    Heidelbergs Verbindung nach Westafrika begann vor der Haltung

    Das Engagement für die seltenen Affen reicht deutlich weiter zurück als ihre Haltung in Heidelberg. Anfang 2001 wurde auf Initiative des Zoos die Organisation West African Primate Conservation Action, kurz WAPCA, gegründet. Zwischen diesem Schritt und dem Haltungsbeginn 2019 liegen rund 18 Jahre. Unter Heidelberger Führung schlossen sich europäische Zoos und Naturschutzorganisationen zusammen, um Weißscheitelmangaben, Roloway-Meerkatzen und ihre Lebensräume zu schützen. Die Verbindung nach Westafrika entstand somit lange bevor Besucher die Mangaben in Heidelberg beobachten konnten.

    Nach Darstellung des Zoos umfassen die WAPCA-Projekte Tierzählungen, wissenschaftliche Forschung, die Ausbildung von Wildhütern und die Einrichtung neuer Schutzgebiete. Hinzu kommen Informationen für die örtliche Bevölkerung sowie eine Auffang- und Zuchtstation für beschlagnahmte Affen. Die Arbeit verbindet damit die Betreuung einzelner Tiere mit Maßnahmen für ihre Lebensräume. Einen regionalen Ansatz derselben Einrichtung behandelt der GERATI-Beitrag über das Heidelberger Steinkauz-Auswilderungsprojekt, bei dem im Herbst 2024 vier junge Vögel auf die Freilassung vorbereitet wurden.

    Für Weißscheitelmangaben arbeitet WAPCA dem Zoo zufolge an Forschungsprojekten, die Grundlagen für mögliche Wiederansiedlungen schaffen sollen. Das ist eine längerfristige Perspektive, noch keine angekündigte Auswilderung des Heidelberger Jungtiers. Entscheidend ist dabei der ausdrücklich vorbereitende Charakter der Forschung: Sie soll Voraussetzungen für mögliche spätere Schritte schaffen. Die Geburt des Weibchens hat ihren unmittelbaren Platz dagegen in der Erhaltungszucht – verbunden mit einem Schutzengagement, das auch die Herkunftsregion der Tiere einbezieht.

    Quellen