PETA hat Nigella Lawson in einem Brief aufgefordert, das Schweinefleisch in ihrem Rezept „Schinken in Coca-Cola“ durch veganen Schinken zu ersetzen. Die Tierrechtsorganisation verbindet ihren Vorstoß mit einer Halloween-Kampagne um den Horrorfilm „Hamface“. Dawn Carr, bei PETA für vegane Projekte zuständige Vizepräsidentin, begründet die Forderung mit Tierleid und Gesundheitsrisiken durch verarbeitetes Fleisch. Eine Änderung des Rezepts ist damit noch nicht angekündigt.
Ein bekanntes Schinkenrezept als Ziel der Kampagne
Das Gericht erschien nach dem Bericht von Gazeta Express bereits 2001 im Kochbuch „Nigella Bites“. Bei der Zubereitung wird das Fleisch demnach langsam in Coca-Cola gegart, anschließend glasiert und im Ofen gebacken. Gazeta Express gibt außerdem Lawsons Beschreibung wieder, wonach die ungewöhnliche Kombination auch anfängliche Skeptiker überzeugen könne. Damit richtet sich der Appell gegen die zentrale Zutat eines seit Langem veröffentlichten Gerichts. Der gewünschte Austausch betrifft den Schinken; die namensgebende Coca-Cola steht nicht im Mittelpunkt der Forderung.
Carr knüpft ihren Appell an Lawsons bereits veröffentlichte tierfreie Rezepte. Daraus leitet sie ab, dass die Köchin auch eine vegane Fassung dieses Gerichts entwickeln könne. Den vorgeschlagenen Ersatz stellt PETA als schmackhaft, gesund und als Beitrag zum Schutz von Tieren dar. Diese Eigenschaften sind zunächst Versprechen der Organisation. Für Hobbyköche ist deshalb eine Unterscheidung wichtig: Der öffentliche Wunsch nach einer anderen Hauptzutat ist noch keine von Lawson ausgearbeitete Rezeptvariante.
Warum Schinken zur Gesundheitsdebatte gehört
Ein wesentliches Argument der Kampagne betrifft verarbeitetes Fleisch. PETA verweist darauf, dass die Internationale Krebsforschungsagentur IARC Produkte wie Schinken und Speck als krebserregend für Menschen einstuft, und nennt im selben Zusammenhang Tabak und Asbest. Der gesundheitliche Kern ist ernst zu nehmen: Die WHO erläutert, dass der Verzehr von verarbeitetem Fleisch Darmkrebs verursacht. Die gemeinsame Einstufung bedeutet jedoch keine Gleichsetzung der Höhe des Risikos. Die Kategorie beschreibt die Stärke der wissenschaftlichen Belege dafür, dass etwas Krebs verursachen kann, nicht die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung bei einer bestimmten Belastung.
Die WHO zählt unter anderem durch Salzen, Pökeln, Fermentieren oder Räuchern veränderte Fleischprodukte zu verarbeitetem Fleisch und nennt Schinken ausdrücklich als Beispiel. Das Gesundheitsargument hat damit einen konkreten Bezug zur Hauptzutat des angesprochenen Gerichts. Zugleich steigt das Risiko nach der WHO-Erläuterung mit der verzehrten Menge. Aus den ausgewerteten Daten ließ sich bei der ursprünglichen Bewertung keine sichere Verzehrschwelle ableiten. Für Leser ist deshalb auch entscheidend, wie viel verarbeitetes Fleisch sie essen; die Einstufung liefert keine individuelle Risikozahl für eine Portion von Lawsons Rezept.
PETA verbindet Tierhaltungsargumente mit einer Horrorfigur
Neben dem Gesundheitsargument führt PETA die Behandlung von Schweinen in der Fleischproduktion an. In ihrer Mitteilung schildert die Organisation gedrängte Haltung, Schwanzkupieren, das Bearbeiten von Zähnen und den Einsatz von Kohlendioxid bei der Schlachtung als Ursachen schweren Leidens. Gazeta Express berichtet außerdem über Carrs Argument, Schweine seien intelligente und emotional komplexe Tiere. Die Ausführungen dienen der grundsätzlichen Forderung nach einem pflanzlichen Ersatz, wie sie auch im Hintergrundbeitrag zu PETAs veganer Landwirtschaft behandelt wird. Der Brief benennt dabei keinen konkreten Lieferbetrieb für Lawsons Rezept; die allgemeinen Schilderungen sind keine Feststellung zu einem bestimmten von ihr verwendeten Schinken.
Die Halloween-Kampagne übersetzt diese Botschaft in eine Horrorfigur, die PETA als Monster aus verarbeitetem Fleisch beschreibt. Den Film „Hamface“ verbindet die Organisation ausdrücklich mit ihrer Kritik an der Nutzung von Tieren und ihrer Gesundheitsbotschaft. Beide Argumente sollen dieselbe Rezeptänderung begründen, betreffen aber unterschiedliche Fragen. Die ethische Forderung zielt auf den Verzicht auf Schweinefleisch, die medizinische Einordnung auf die Krebsgefahr durch verarbeitetes Fleisch. Daraus allein folgt noch keine gesundheitliche Bewertung eines bestimmten veganen Ersatzprodukts.
Lawsons Antwort bleibt offen
Gazeta Express berichtet, ein Sprecher Lawsons habe eine Stellungnahme zu PETAs Anfrage abgelehnt. Das ist weder eine Zustimmung zur Forderung noch eine inhaltliche Entgegnung auf die Argumente der Organisation. Ob Lawson eine eigene pflanzliche Fassung entwickelt, ist offen. Für die Nutzer ihres Rezepts ist der Unterschied konkret: PETA verlangt einen Austausch der Hauptzutat, eine entsprechende Überarbeitung durch die Köchin ist damit noch nicht verbunden.
Quellen
- gazetaexpress.com – PETA fordert Nigella Lawson auf, ihr berühmtes Hackbratenrezept mit Coca-Cola zu ändern – https://www.gazetaexpress.com/de/Peta-bittet-Nigella-Lawson–das-ber%C3%BChmte-Coca-Cola-Hackbratenrezept-zu-%C3%A4ndern-und-durch-eine-vegane-Alternative-zu-ersetzen./
- peta.org.uk – Stop the Hamface Horror! Nigella Urged to Revamp Iconic Recipe this Halloween – PETA UK – https://www.peta.org.uk/press/stop-the-hamface-horror-nigella-urged-to-revamp-iconic-recipe-this-halloween/
- who.int – Carcinogenicity of red and processed meat – https://www.who.int/news-room/questions-and-answers/item/cancer-carcinogenicity-of-the-consumption-of-red-meat-and-processed-meat/
