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Schlagwort: 25 gerissene Nutztiere

  • Wolf in Salzburg: 25 gerissene Nutztiere – warum die Gefahr für Almbauern bleibt

    Wolf in Salzburg: 25 gerissene Nutztiere – warum die Gefahr für Almbauern bleibt

    Der Wolf ist in Salzburg weitgehend aus den Schlagzeilen verschwunden, doch für die betroffenen Nutztierhalter ist das Problem keineswegs erledigt. Im laufenden Jahr wurden bereits 25 Nutztiere durch Wölfe getötet, zuletzt drei Schafe in der Gemeinde Unken. Trotz erheblicher Investitionen in den Herdenschutz müssen sich Landwirte weiterhin mit Wolfsübergriffen und deren wirtschaftlichen Folgen auseinandersetzen. Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass weniger öffentliche Aufmerksamkeit nicht automatisch bedeutet, dass sich die Situation für die Almwirtschaft grundlegend verbessert hat.

    Wolf in Salzburg: Bereits 25 Nutztiere getötet

    Nach einem Bericht der Salzburger Nachrichten vom 21. September 2026 wurden im laufenden Jahr bereits 25 Nutztiere durch Wölfe getötet. Die ersten Vorfälle ereigneten sich im April, als in Pfarrwerfen ein gerissener Rehbock entdeckt wurde und kurze Zeit später weitere Angriffe auf Nutztiere im Pinzgau folgten. Während es über den Sommer vergleichsweise ruhig um den Wolf blieb, kam es Anfang September in Unken erneut zu einem Übergriff. Dort wurden drei Schafe getötet, wobei die zuständigen Fachleute anhand der festgestellten Verletzungen mit großer Sicherheit von einem Wolfsangriff ausgehen.

    Die offizielle Zwischenbilanz des Landes Salzburg verzeichnete bis Ende August insgesamt 22 getötete Nutztiere. Darunter befanden sich zwölf Ziegen, sechs Schafe und vier Kälber, die im Zusammenhang mit einer Hetzjagd abgestürzt waren. Mit den drei Anfang September in Unken getöteten Schafen erhöhte sich die Zahl auf insgesamt 25 Tiere. Ein weiterer Verdachtsfall vom 13. September in Saalfelden betrifft drei Schafe, bei denen eine Beteiligung des Wolfes zunächst nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte.

    DNA-Untersuchungen identifizieren mehrere Wölfe

    Die Untersuchungen der diesjährigen Wolfsrisse liefern wichtige Erkenntnisse über die beteiligten Tiere. Bereits im April wurden in Maria Alm und Dienten mehrere Nutztiere getötet, wobei genetische Untersuchungen später eine Wölfin aus der dinarischen Population als Verursacherin identifizierten. Ihr konnten insgesamt 15 getötete Nutztiere zugeordnet werden, darunter zwölf Ziegen in Maria Alm. Damit gelang es den Behörden, mehrere räumlich getrennte Vorfälle demselben Wolf zuzuordnen und die Herkunft des Tieres näher zu bestimmen.

    Anfang Juni kam es in Viehhofen zu einem weiteren Wolfsangriff, bei dem mehrere Nutztiere getötet, verletzt oder vermisst wurden. Noch am selben Tag wurde in der Umgebung ein Wolfsrüde erlegt, dessen genetisches Profil jedoch nicht mit dem der zuvor identifizierten Wölfin übereinstimmte. Die Untersuchungen bestätigten damit, dass unterschiedliche Wölfe für die betreffenden Übergriffe verantwortlich waren. Für ein nachvollziehbares Wolfsmanagement sind solche Ergebnisse entscheidend, da sie eine genauere Zuordnung der Schäden ermöglichen und unbegründete Verdächtigungen einzelner Tiere vermeiden helfen.

    Herdenschutz auf Salzburgs Almen stößt an praktische Grenzen

    Die Forderung nach einem konsequenten Herdenschutz klingt zunächst einfach, lässt sich auf alpinen Weideflächen jedoch nicht überall unter denselben Bedingungen verwirklichen. Steile Berghänge, weitläufige Almgebiete und schwer zugängliche Weideabschnitte können die Errichtung und regelmäßige Kontrolle von Schutzzäunen erheblich erschweren. Hinzu kommen wechselnde Wetterbedingungen und der zusätzliche Arbeitsaufwand für die betroffenen Landwirte. Gerade kleinere Betriebe müssen deshalb abwägen, welche Maßnahmen unter den jeweiligen örtlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen tatsächlich umsetzbar sind.

    Das Land Salzburg investiert bereits seit Jahren erhebliche Summen in den Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere. Nach offiziellen Angaben flossen seit 2018 rund 1,5 Millionen Euro in entsprechende Maßnahmen, wobei unter anderem Elektrozäune, Nachtpferche und technische Überwachungssysteme gefördert werden. Inzwischen hat knapp die Hälfte der Salzburger Schaf- und Ziegenhalter präventive Schutzmaßnahmen umgesetzt. Dennoch bleibt die Frage, wie sich insbesondere großflächige Almgebiete wirksam schützen lassen, ohne dass der finanzielle und personelle Aufwand für die betroffenen Betriebe unverhältnismäßig steigt.

    Dass diese Schwierigkeiten keineswegs auf Österreich beschränkt sind, zeigen auch die zunehmenden Wolfsübergriffe auf Weidetiere in Sachsen . Dort dokumentierte die zuständige Fachstelle allein bis zum 26. August insgesamt 27 Schadensmeldungen innerhalb eines Monats und forderte die Tierhalter zur Überprüfung ihrer bestehenden Schutzmaßnahmen auf. Zwar können funktionierende Elektrozäune das Risiko eines Wolfsangriffs erheblich reduzieren, einen absoluten Schutz bieten sie jedoch nicht. Entscheidend bleibt deshalb, welche Maßnahmen unter den jeweiligen Geländebedingungen tatsächlich praktikabel sind und wie nach einem erneuten Übergriff reagiert werden kann.

    Salzburg erweitert Abschussgebiete nach erneutem Wolfsangriff

    Nach dem Wolfsriss in Unken reagierte die Salzburger Landesregierung mit einer Erweiterung der bestehenden Maßnahmengebietsverordnung für die Jahre 2026 und 2027. Am 10. September wurde bekannt gegeben, dass drei weitere Wildregionen im Pinzgauer Saalachtal in die Verordnung aufgenommen werden. Betroffen sind die Loferer und Leoganger Steinberge, das Unkental sowie die Reiter Steinberge. Damit wurden die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, um innerhalb der vorgesehenen Gebiete unter bestimmten Bedingungen weitere Wölfe entnehmen zu können.

    Die Erweiterung bedeutet allerdings keine uneingeschränkte Abschussfreigabe für sämtliche Wölfe in Salzburg. Maßgeblich bleiben die räumlichen und rechtlichen Voraussetzungen der geltenden Verordnung sowie das festgelegte Entnahmekontingent. Für die betroffenen Nutztierhalter stellt sich deshalb weiterhin die Frage, wie schnell nach einem bestätigten Übergriff reagiert werden kann und welche Schutzmaßnahmen bis dahin erforderlich sind. Insbesondere auf schwer zugänglichen Almflächen kann es schwierig sein, unmittelbar nach einem Angriff sämtliche gefährdeten Tiere zusätzlich zu sichern.

    Auch in Deutschland werden die rechtlichen Voraussetzungen für den Umgang mit Wölfen angepasst, wobei die einzelnen Bundesländer unterschiedliche Regelungen umsetzen. In Sachsen gelten beispielsweise seit Juli 2026 neue Anforderungen an den zumutbaren Herdenschutz, die unter anderem konkrete Vorgaben zur Höhe und elektrischen Spannung von Weidezäunen enthalten. Welche Bedeutung diese Anforderungen für Tierhalter und mögliche Wolfsabschüsse haben, erläutert GERATI im Artikel über die neuen Herdenschutz- und Wolfsabschussregeln in Sachsen . Der Vergleich verdeutlicht, dass wirksamer Herdenschutz und rechtlich geregelte Eingriffsmöglichkeiten gemeinsam betrachtet werden müssen.

    Weniger Wolfsrisse als im Vorjahr – aber weiterhin erhebliche Schäden

    Im vergangenen Jahr wurden in Salzburg insgesamt 37 durch Wölfe getötete Nutztiere registriert. Zusätzlich meldeten die Behörden vier verletzte und 28 vermisste Tiere, weshalb die unmittelbaren Todesfälle nur einen Teil der dokumentierten Schäden widerspiegeln. Mit bislang 25 getöteten Nutztieren liegt die aktuelle Bilanz für 2026 unter dem endgültigen Vorjahreswert. Da das laufende Jahr allerdings noch nicht abgeschlossen ist, lässt sich daraus allein keine dauerhafte Entwicklung der Wolfsübergriffe ableiten.

    Für die betroffenen Tierhalter sind solche statistischen Vergleiche ohnehin nur bedingt aussagekräftig, wenn sie selbst einen erheblichen Teil ihrer Herde verlieren. Neben den unmittelbar getöteten Tieren können zusätzliche Kosten für die Suche nach vermissten Nutztieren, tierärztliche Behandlungen und den Ausbau bestehender Schutzmaßnahmen entstehen. Auch ein vorzeitiger Almabtrieb kann wirtschaftliche Folgen haben, insbesondere wenn dadurch eingeplante Weideflächen nicht mehr genutzt werden können. Eine realistische Bewertung der Wolfsproblematik muss deshalb sämtliche Auswirkungen auf die landwirtschaftlichen Betriebe berücksichtigen und darf sich nicht ausschließlich auf die Zahl der bestätigten Risse beschränken.

    Fazit: Weniger Schlagzeilen bedeuten keine Entwarnung

    Die Entwicklung in Salzburg zeigt, dass der Wolf auch dann ein Thema für die Nutztierhaltung bleibt, wenn die öffentliche Diskussion zeitweise nachlässt. Bereits 25 getötete Nutztiere innerhalb eines Jahres verdeutlichen, dass Wolfsübergriffe weiterhin erhebliche Schäden verursachen können und die betroffenen Betriebe vor zusätzlichen Herausforderungen stehen. Gleichzeitig zeigen die behördlichen Untersuchungen, wie wichtig eine sorgfältige Zuordnung der einzelnen Vorfälle ist, damit bestätigte Wolfsrisse von ungeklärten Verdachtsfällen unterschieden werden können. Ein wirksames Wolfsmanagement benötigt deshalb verlässliche Untersuchungen, praktikablen Herdenschutz und klare rechtliche Voraussetzungen für mögliche Eingriffe.

    Für die Salzburger Almwirtschaft wird entscheidend sein, ob die bestehenden Maßnahmen unter den tatsächlichen Bedingungen der einzelnen Betriebe ausreichend funktionieren. Finanzielle Förderprogramme können zwar einen wichtigen Beitrag leisten, beseitigen jedoch nicht sämtliche technischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten in schwer zugänglichen Weidegebieten. Ebenso müssen die Behörden nach bestätigten Wolfsangriffen prüfen, welche zusätzlichen Maßnahmen erforderlich und rechtlich zulässig sind. Die geringere öffentliche Aufmerksamkeit darf jedenfalls nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Konflikt zwischen Wolfsschutz und traditioneller Nutztierhaltung weiterhin besteht.

    Quellen