Gastartikel von Marco Bergmann

Anfang Juni 2014 kam es im rheinländischen Stolberg zu einem Vorfall mit einem entflohenen Wildtier: Einem 80 cm großen Bennett-Känguru des renommierten Wildtierhalters, Fachbuchautors und Biologielehrers Ralf Sistermann gelang aus unerfindlichen Gründen der Ausbruch aus seinem Gehege. Der Halter konnte dank eines Chips im Ohr des Tieres schnell ausfindig gemacht und das Känguru zu seiner Stallung zurückgebracht werden. Da ein solches Tier nun wirklich kein größeres Gefahrenpotential als eine streunende Hauskatze besitzt, wurden keinerlei Sach- oder Personenschäden von ihm während seines Freigangs verursacht. Eine Sensationsmeldung blieb zu diesem Zeitpunkt also aus.

Dieser exotische Fall erregte jedoch schnell das Interesse der Bild-Zeitung. Die Bild-Reporterin Birgit Begass meldete sich für ein Interview und eine Begehung der Anlage an. Da Herr Sistermann nichts zu verbergen habe, gestattete er guten Gewissens den Besuch der Reporterin. Diese soll laut seiner Aussage vor Ort sehr begeistert von seinem „Privatzoo“ gewesen sein und freute sich, dass er auch Tiere aus schlechter Haltung aufgenommen hatte (u.a. das entflohene Bennett-Känguru „Jumper“). Der Bericht in der Bild sah jedoch schließlich folgendermaßen aus:

“Ein ganz kleiner Garten. Darin heruntergekommene, alte Holzbaracken. In verdreckten Mini-Gehegen irren Nasenbären, Präriehunde, Erdmännchen, Stinktiere, Waschbären und Raubtiere, wie Ginsterkatzen, herum. Es stinkt bestialisch nach Kot und Urin. Dieser seltsame „Privat-Zoo“ gehört Ralf Sistermann (42). Dem Biologie-Lehrer war am Dienstag ein Känguru aus dem Garten getürmt. JETZT ERMITTELT DAS VETERINÄRAMT GEGEN DEN TIER-LIEBHABER.“

Quelle: http://www.bild.de/regional/koeln/koeln/veterinaeramt-ermittelt-gegen-tier-liebhaber-36264662.bild.html

Tatsächlich wurde durch das Veterinäramt ermittelt. Allerdings nicht aufgrund des Känguru-Ausbruchs an sich, sondern weil eine Anzeige von Tierschützern eingegangen sei, welcher das Veterinäramt routinemäßig nachgehen müsse. Über die Ergebnisse berichtete die Bild-Zeitung natürlich nicht. Glücklicherweise fand nach dem Bild-Bericht der WDR diesen Fall interessant genug und berichtete selbst in der Sendung „Lokalzeit aus Aachen“ über Sistermann und seine Wildtiere. Auch ein Vertreter des Veterinäramtes wurde darin interviewt, der die Aussage machte, dass dieser Halter bereits dem Amt bekannt sei, jedoch bisher keine Verstöße gegen Tierschutzgesetze festgestellt wurden und man auch nicht davon ausgehe, dass dies nun nach der Anzeige der Fall sei.

Und so war es dann auch. Es bestand für das Veterinäramt kein Änderungsbedarf der Haltung, da diese vorbildlich war und die Gehegegrößen sogar über den Mindesthaltungsrichtlinien für die Haltung von Säugetieren lagen. Der Bericht der Bild-Reporterin Birgit Begass stellt somit nichts weiter als eine perfide Diffamierung des Wildtierhaltes Sistermann dar. Dass ein solcher Rufmord für das Ansehen eines renommierten Fachbuchautors und Biologielehrers gewisse negative Folgen haben kann, ist uns allen ja wohl klar, der Bildzeitung jedoch offenbar egal. Denn der Artikel ist weiterhin im Internet lesbar. Als kleine Randnotiz wäre vielleicht noch interessant zu erwähnen, dass die Bild-Reporterin Birgit Begass immer wieder leidenschaftlich über Aktionen der Tierrechtsorganisation PETA berichtet und dieser in ihren Berichten eine Plattform für einseitige Propaganda bietet. Somit wird deutlich, woher in diesem Fall der Wind wehte.

Über weitere Fälle von einseitiger Propaganda von Tierrechtlern insbesondere in Bezug auf die Haltung von Wildtieren in Terrarien berichtet der Autor in seinem Terraristik-Blog:

http://terrarianer.blogspot.de/

Danke Marco für deinen Artikel!

Foto: touchingpics.com  / pixelio.de

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